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Shūgiin-Wahl 2026

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Anmerkungen:
b 2024 KDP und Kōmei

Die Shūgiin-Wahl 2026 fand am 8. Februar 2026 statt. Das Shūgiin (Abgeordneten-/Repräsentantenhaus), das Unterhaus der japanischen Nationalversammlung, war dafür von Premierministerin Sanae Takaichi (Kabinett Takaichi I) am 23. Januar 2026 aufgelöst worden.[1]

Die Liberaldemokratische Partei erzielte eine Zweidrittelmehrheit. Die Partei hat 316 Sitze gewonnen, so viel wie noch nie eine Partei zuvor in Japan. Die Regierungskoalition aus LDP und Ishin hat zukünftig drei Viertel der Sitze im Abgeordnetenhaus.[2][3]

Im britischen Guardian wurde die Wahlkampagne teilweise als neuer Personenkult um die nationalkonservative Politikerin mit der nicht unwahrscheinlichen Möglichkeit eines Erdrutschsieges bezeichnet.[4]

Takaichi wurden gute Chancen eingeräumt, die Wahl in Japan zu gewinnen. In der Neuen Zürcher Zeitung wurde die Frage nach den zu erwartenden Erfolgsaussichten des von ihr geplanten japanischen Wirtschaftsprogramms und den möglichen finanziellen Folgen des mit der Wahl gekoppelten Votums über die hohen Staatsausgaben bei einem derzeit enorm hohen Schuldenstand Japans aufgeworfen.[5]

Andere Pressestimmen sahen Takaichi durch den außenpolitischen Streit mit China gestärkt, nachdem sie im November 2025 öffentlich im japanischen Parlament erklärte, man werde Taiwan notfalls auch militärische Hilfe leisten, sollte China den demokratisch regierten Inselstaat angreifen. Nach verbalen Drohungen (in Osaka hatte der dortige konsularische Vertreter Pekings sogar gedroht, Takaichi den Kopf abzuschneiden) und außenwirtschaftlichen Strafmaßnahmen seitens China sei in Japan unerwartet ein gegenteiliger Effekt entstanden, denn diese chinesischen Schritte hätten unfreiwillig die amtierende japanische Premierministerin sogar noch gestärkt.[6]

In einem ersten Bericht des Guardian wurde von einem Erdrutschsieg und einer sehr klaren Mehrheit bei gleichzeitig hohen Stimmenzugewinnen für Takaichi und ihre Regierungskoalition berichtet. Die LDP könne demnach mit bis zu 328 von 465 Sitzen im Unterhaus rechnen, deutlich über der notwendigen Mindestzahl von 233 Sitzen zur Wiedererlangung nach dem Ergebnis vom Jahr 2024 mit Verlust der damaligen Mehrheit. Zusammen mit dem Koalitionspartner Nippon Ishin no Kai könne eine Zwei-Drittel-Mehrheit greifbar sein.[7]

In der Shūgiin-Wahl 2024 verlor die damalige Regierungskoalition aus LDP und Kōmeitō die bisherige Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Mit Unterstützung von kleinen Oppositionsparteien konnte damals Premierminister Shigeru Ishiba trotzdem wiedergewählt werden.

Im Juli 2025 wurde das Sangiin, das Oberhaus des japanischen Parlaments, neu gewählt, wobei die Koalitionsregierung auch hier ihre Mehrheit verlor. In Folge verkündete Ishiba im September 2025 seinen Rücktritt als Präsident der LDP und als Premierminister.

Im Oktober 2025 wurde Sanae Takaichi zur Nachfolgerin Ishibas gewählt. Sie ist die erste Frau im Amt des Premierministers in der Geschichte Japans. Bereits nach wenigen Monaten löste sie am 23. Januar 2026 das Abgeordnetenhaus auf, um in der bislang kürzesten Wahlkampagne der Nachkriegszeit in Japan[A 1] damit baldige Neuwahlen stattfinden zu lassen, von denen sie sich eine Mehrheit für ihre Regierung erhoffte.[8]

Es werden 465 Abgeordnete in das Shūgiin gewählt, 176 in elf regionalen Verhältniswahlkreisen („-blöcken“) und 289 in relativer Mehrheitswahl in Einmandatswahlkreisen.

Während der Amtszeit von Shigeru Ishiba mussten die Regierungsparteien, vor allem die LDP, in den Umfragen deutliche Verluste erleiden. Seitdem Sanae Takaichi Premierministerin wurde, erholte sich die Partei in den Umfragen und in den letzten Wochen vor der Wahl sagten Umfrageinstitute starke Werte für die Partei hervor. Je nach Umfrageinstitut könnte die LDP eine Mehrheit der Sitze erreichen oder knapp daran scheitern, wobei die Regierungskoalition in beiden Fällen klar ihre Mehrheit verteidigen wird.

Sitzverteilung nach der Wahl
          
Insgesamt 465 Sitze
ListenListenstimmenWahlkreisstimmenMandate
Stimmen%MandateStimmen%MandateAnzahl+/-
Liberaldemokratische Partei (LDP)21.026.13936,76727.710.49349,1249316+125
Zentristische Reformallianz (ZRA)10.438.80118,24212.209.64221,6749–123
Demokratische Volkspartei (DVP)5.572.9519,7204.243.2827,5828±0
Nippon Ishin no Kai (Ishin)4.943.3308,6163.742.1616,62036–2
Sanseitō (Sansei)4.260.6207,4153.924.2237,0015+12
Team Mirai (Mirai)3.813.7496,711156.8530,3011neu
Kommunistische Partei Japans (KPJ)2.519.8074,442.283.8854,004–4
Reiwa Shinsengumi (ReiShin)1.672.4992,91255.4960,501–8
Konservative Partei Japans (Hoshu)1.455.5632,597.7530,2–3
Genzei Nippon Yūkoku Rengō (Yukoku)814.8741,40354.6170,611neu
Sozialdemokratische Partei (SDP)728.6021,3148.6660,3–1
Sonstige13.0140,066.3080,1
Unabhängige1.253.3462,244–8
Gesamt57.259.94910017656.446.725100289465
Ungültige Stimmen799.7691,4
Wähler58.059.71856,3
Wahlberechtigte103.211.224103.211.224
Quelle: Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation

Für Ergebnisse aus allen Wahlkreisen siehe Ergebnisse der Shūgiin-Wahl 2026.

  1. Die Geschichte Japans gliedert sich für die Nachkriegszeit traditionell auf in die „Shōwa-Ära Teil 2 (1945–1989)“, „Heisei-Ära (1989 bis 2019)“ und die „Reiwa-Ära (2019 bis heute)“. Reiwa (japanisch 令和; offiziell dafür verwendete deutsche Übersetzung: „schöne Harmonie“) des Tennō Naruhito bezeichnet den Zeitraum seit dem 1. Mai 2019, was fortan als Reiwa-Zeit (令和時代, Reiwa-jidai) gilt. Das Jahr 2019 wird seit diesem Zeitpunkt in der Nengō-Zeitrechnung als Reiwa 1 (令和元年, Reiwa gannen) bezeichnet.
Commons: Shūgiin-Wahl 2026 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Japans Ministerpräsidentin löst Parlament für Neuwahlen auf. In: Die Zeit. 23. Januar 2026, abgerufen am 24. Januar 2026.
  2. LDP set for historic win in snap election. In: Japan Times. 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025 (englisch).
  3. Japan's governing party on course for landslide election win. In: BBC. 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025 (englisch).
  4. Justin McCurry: ‘Sana-mania’ grips Japan as ultra-conservative Takaichi expected to secure election landslide. The country’s first female PM is the object of a personality cult revolving around everything from her outfits and snacks to her favourite pink pen. In: The Guardian. 6. Februar 2026, abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch).
  5. Martin Kölling: Immer mehr Schulden – geht das gut? Das Wirtschaftsprogramm von Japans Regierungschefin hält die Märkte in Atem. Japan wählt ein neues Unterhaus. Sanae Takaichi macht daraus ein Votum über hohe Staatsausgaben – trotz enormem Schuldenstand. Sie hat gute Chancen, zu gewinnen. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Februar 2026, abgerufen am 7. Februar 2026.
  6. Sven Hauberg: Parlamentswahl in Japan: Streit mit China beflügelt rechte Hardlinerin. Japan wählt ein neues Parlament. Die skandalgebeutelte Partei von Premierministerin Sanae Takaichi steht vor einem Erdrutschsieg. In: Frankfurter Rundschau. 7. Februar 2026, abgerufen am 7. Februar 2026.
  7. Justin McCurry: Sanae Takaichi’s conservatives cement power in landslide Japan election win. Results mean coalition of country’s recently installed PM has a supermajority in the lower house of parliament. In: The Guardian. 8. Februar 2026, abgerufen am 8. Februar 2026 (englisch).
  8. Japan’s popular new prime minister gambles on a snap election. In: The Economist. 19. Januar 2026, abgerufen am 28. Januar 2026 (englisch).