Share Economy

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Dieser Artikel ist ein Sammelbegriff für kollaborative Wirtschaftsformen; zum konjunkturellen Konzept von Martin Weitzman siehe Share Economy (Martin Weitzman).

Share Economy bzw. Sharing Economy ist aus makroökonomischer Sicht ein hybrides Marktmodell und aus mikroökonomischer Sicht eine Bezeichnung für Unternehmen, deren Geschäftskonzept gekennzeichnet ist durch die gemeinsame zeitlich begrenzte Nutzung von Ressourcen, die nicht dauerhaft benötigt werden.[1] In der jüngeren Vergangenheit gewann das Konzept insbesondere in Hinblick auf das World Wide Web an Bedeutung, weil Inhalte und Wissen zunehmend nicht mehr nur konsumiert, sondern mit Hilfe von Web-2.0-Technologien weiterverbreitet werden.[2] Vorreiter der "Sharing Economy" ist der Maschinenring, Gründung 1958.

Im deutschsprachigen Raum wird auch die Bezeichnung Kokonsum (Abkürzung aus Kollaborativer Konsum) verwendet. Darüber hinaus verbreiten sich im englischsprachigen Raum auch die Bezeichnungen Collaborative Consumption und Collaborative Economy. Die Bezeichnung kollaborative Wirtschaft ist im Deutschen jedoch noch nicht verbreitet und wird erstmals in Anlehnung an die Definition von OuiShare beschrieben; sie umfasst die Bereiche KoKonsum, kollaborative Produktion, kollaboratives Finanzwesen, offen und frei zugängliches Wissen sowie horizontale und offene Verwaltungsstrukturen.[3]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff der "Share Economy" oder häufig auch “Sharing Economy” datiert auf das Jahr 2008 zurück meint dort: “collaborative consumption made by the activities of sharing, exchanging, and rental of resources without owning the goods.” (Lessig 2008, pp. 143 ff.). Im Kontext ökonomischer Transaktionen verweist der Begriff auf ein Objekt (ein physisches Gut oder eine Dienstleistung), deren Benutzung in einzelne Teile aufgeteilt wird. Die Nutzung dieser Teile wird dabei häufig über soziale, elektronische C2C-Netzwerke koordiniert.

Für den Begriff der "Sharing Economy" sind grundsätzlich eine makro- und eine mikroökonomische sowie eine integrative Sicht zu unterscheiden [1]:

  • Aus makroökonomischer Perspektive folgt die Sharing Economy einem hybriden Marktmodell. Der Austausch von Waren und Dienstleistungen war bislang dem traditionellen Marktmodell zugeordnet. Dieses folgt dem Ansatz der Eigentumsübertragung und dem darauffolgenden Besitz ökonomischer Ressourcen zwischen zwei Parteien. In Abhängigkeit des Einflusses von Geld, gliedert sich dieses entweder in den Kauf oder die Schenkung. Die Sharing Economy geht im Unterschied dazu nicht vom Eigentumsübertrag aus, sondern positioniert sich als hybrides Marktmodell, welches das Teilen ökonomischer Ressourcen in den Mittelpunkt stellt.
  • Aus mikroökonomischer Perspektive ist die Sharing Economy Teil der Diskussion in verschiedensten Fachdisziplinen wie zum Beispiel Marketing, welches die Relevanz von Marken analysiert oder das Management, welches Strategien für neue Geschäftsmodelle ermittelt. Grundsätzlich lassen sich aus der mikroökonomischen Sichtweise die drei wesentliche Eckpfeiler Strategien, Prozesse und Informationssystemen als Gestaltungsebenen unterscheiden. Während Erstere auf die Positionierung eines Unternehmens in der Sharing Economy abzielt, stehen bei den Prozessen vor allem die Neugestaltung von Kunden-, Intermediärs- und Anbieterprozessen im Vordergrund. Informationssysteme zielen darüber hinaus auf elektronische Marktplätze sowie Social Software auf Kunden- wie auch auf Anbieterseite.
  • Aus einer integrierten Perspektive, welche in einer neuen Disziplin "Service Science" ihren Niederschlag findet, werden die makro- und mikroökonomische Sicht kombiniert. Hierbei bilden Service-Systeme das primäre Gestaltungsobjekt und zugleich auch das Bindeglied zwischen den beiden Perspektiven. Dabei lösen sich traditionelle Branchengrenzen immer mehr auf und deuten auf die Herausbildung branchenübergreifender Ökosysteme hin. Den Auslöser für die Formierung dieser Ökosysteme bilden dabei nicht die Serviceanbieter, sondern die Servicenutzer, deren Bedürfnisse den Ausschlag für die Konfiguration der leistungserbringenden Wertschöpfungssysteme bilden (Outside-in Logik). Aus mikroökonomischer Unternehmenssicht lösen sich zudem traditionelle Unternehmensstrukturen und -organisationen auf. Stattdessen können Einzelpersonen unterschiedliche "Produktionsstätten", die ehemals Unternehmen vorbehalten waren, nutzen und diese mit anderen Personen teilen. Dabei findet eine noch ausgeprägtere Form der Spezialisierung (Hyperspezialisierung) statt.

Im Bereich des Crowdsourcing entwickelt sich neben der gemeinschaftlichen Nutzung von Gebrauchsgütern ein neuer Zweig der Sharing Economy, bei der im Vordergrund die Nutzung freier personeller Ressourcen – meist im Rahmen von Microjobs – steht.

Bedeutung im World Wide Web[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurde im Zusammenhang mit der von der Internetagentur SinnerSchrader veranstalteten next09-Konferenz der Begriff Share Economy zunehmend auch in Bezug auf das World Wide Web verwendet. Dabei bedeutet Share Economy hier, dass Inhalte und Wissen nicht mehr ausschließlich durch den Rezipienten konsumiert werden, sondern Rezipienten zunehmend auch zu Distributoren werden.[2] Dabei ist sowohl ein one-to-one Teilprozess denkbar, zum Beispiel durch das Versenden eines Artikels per E-Mail, ein one-to-many Teilprozess, in dem ein Einzelner via Twitter oder Facebook einen Artikel oder Wissen teilt oder ein many-to-many-Prozess, bei dem viele mit vielen ihr Wissen teilen. Dies geschieht zum Beispiel im Rahmen von Wikipedia. Dieser Vorgang wurde bereits mit dem Begriff Wikinomics von Don Tapscott beschrieben.[4] Share Economy gilt inzwischen als elementarer Bestandteil des Web 2.0 und als wichtiger Trend für alle, die im World Wide Web Wissen und Inhalte erstellen.

Bedeutung in der Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebrauchsgüter werden nicht mehr nur gekauft und genutzt sondern gemeinsam gekauft oder gemeinsam benutzt oder verliehen (Sharing). Dies betrifft z. B. Formen der Mobilität (Carsharing) oder Musikportale, wo es um die zeitlich begrenzte Nutzung von Musikstücken geht, nicht um das Besitzen. Seit 2005 gibt es Trends beim Teilen von Land (Gardensharing als Form des Landsharing) und auch bei Software (wo es von umfassenden Paketen zu Teillösungen aus der Cloud geht). Offen ist die Diskussion um ein internationales Nutzungsrecht. Bisher gibt es nur nationale Insellösungen, die für die globalisierte Wirtschaft nicht förderlich sein können. Neue Plattformen ermöglichen beispielsweise auch die kollaborative Entwicklung von Produkten oder auch Projekten. Der Reiz an der Teilnahme ist, dass alle Kontributoren am Erfolg beteiligt werden können. Daneben haben sich Projekte wie das Küchensurfen oder Wohnzimmerkonzerte etabliert, die in erster Linie darauf ausgerichtet sind soziale Kontakte zu schaffen und Menschen im realen (Offline-)Leben zusammenzubringen.

Das Phänomen der Sharing Economy ist derzeit in vielen Industrien zu beobachten, was die makroökonomische Relevanz untermauert. Die Lösungen unterscheiden sich aber aus mikroökonomischer Sicht bezüglich des Dienstleister- und Interaktionstyps (B2C, C2C):[1]

Dienstleistertyp Interaktionstyp Essen Finanzen Mobilität Reise Logistik Arbeit Ausbildung Andere
Start-ups B2C Kuhteilen Finpoint Uber onefinestay Instacart Wework Chegg The Collective
Start-ups C2C Eat With Me Lendico Getaround & sharoo Airbnb ShareMyStorage.com Freelancer.com Peer 2 Peer University Sharenl.nl
Bestehende Anbieter B2C WeFarm (Google etc.) openforum (Bank of America) car2go (Daimler) Tripping.com (Several) DoorDash (FedEx) Workspace on Demand (Marriott) Coursera (Stanford) Mud Jeans (Mud Jeans)
Bestehende Anbieter C2C P2P Food Lab (Sony CSL) Crowdfunding (Kickstarter, Indiegogo) JustPark (BMW) TripAdvisor (Expedia) MyWays (DHL) TaskRabbit (Walgreen, Pepsi, GE) Khan Academy (Google, B. & M. Gates Foundation) Mila (Swisscom)

In der Landwirtschaft, im Speziellen bei kleinstrukturierten Betrieben, hat sich der gemeinsame Ankauf von Maschinen seit langem bewährt und durchgesetzt. Maschinen wie Mähdrescher, Miststreuer oder Seilwinde werden nicht ganzjährig eingesetzt. Die hohen Ankaufspreise der Maschinen sind für diese kleinen Betriebe nicht finanzierbar. Daher werden Kooperationen zwischen zwei oder mehreren Landwirten geschaffen, die Nutzung erfolgt meist nach dem Prinzip wer zuerst die Nutzung anmeldet der nutzt zuerst. Wer eine Maschine alleine ankauft, diese aber verborgen möchte, kann sich einem Maschinenring anschließen. Über einen Maschinenring kann der Besitzer die Maschine verleihen oder gleich als Maschinenführer auftreten, also die Maschine und seine eigene Leistung als Maschinenführer anbieten.

Shareconomy als Hip-Thema[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die CeBIT machte Shareconomy 2013 zu ihrem Leitthema und unterstreicht die Zunahme der Bedeutung von Sharing das sich über Internetplattformen organisiert.[5] Dieses gemeinsame Nutzen, Tauschen und Verleihen hat seit 2005 stark zugenommen. Mittlerweile gibt es im Sharing-Bereich viele neue Formen, die immer weiter wachsen. Größere Bereiche sind: Wohnungssharing, Booksharing, Tauschbörsen, Verleih- und Verschenkbörsen, Coworking oder das Sharing von Finanzen & Versicherungen.[6]

Der Begriff Shareconomy wurde von der Deutsche Messe AG kreiert.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Puschmann, T., Alt, R., Sharing Economy, in: Business & Information Systems Engineering, 58 (2016), 1, S. 93-99.
  • Don Tapscott, Anthony D. Williams: Wikinomics: die Revolution im Netz. 1. Auflage. Hanser, München 2007, ISBN 978-3-446-41219-4.
  • Clay Shirky: Here comes everybody: The Power of Organizing without Organizations. 1. Auflage. Penguin Press, New York 2008, ISBN 978-1-59420-153-0.
  • Rachel Botsman: What’s Mine is Yours: The Rise of Collaborative Consumption. 1. Auflage. Harpercollins, UK 2011, ISBN 978-0-00-739591-0.
  • Jeremy Rifkin: The Zero Marginal Cost Society: The Internet of Things, the Collaborative Common; deutsche Ausgabe: Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus. 1. Auflage. Campus, 2014, Bernhard Schmid (Übersetzer), ISBN 978-3593399171.
  • Kurt Matzler, Viktoria Veider, Wolfgang Kathan: Adapting to the Sharing Economy, MIT Sloan Management Review, 56(2), 2015, S. 71-77.
  • Hawlitschek, F., Teubner, T., Weinhardt, C. 2016, Trust in the Sharing Economy. Die Unternehmung – Swiss Journal of Business Research and Practice 70(1), S. 26-44.
  • Teubner, T., 2014, Thoughts on the Sharing Economy. Proceedings of the International Conference on e-Commerce. Vol. 11. S. 322–326.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Puschmann, T., Alt, R., Sharing Economy, in: Business & Information Systems Engineering, 58 (2016), 1, S. 93-99
  2. a b Definition im SinnerSchrader-Blog "Fischmarkt"
  3. Definition der kollaborativen Wirtschaft nach OuiShare
  4. Website zum Buch & Begriff "Wikinomics"
  5. Leitthema der CeBIT 2013
  6. Shareconomy Landschaft 2013
  7. Thema der CeBIT 2013