Sharon Tate

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Sharon Marie Tate Polanski (* 24. Januar 1943 in Dallas, Texas; † 9. August 1969 in Los Angeles, Kalifornien) war eine für den Golden Globe nominierte US-amerikanische Filmschauspielerin und Model. Sie galt zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen der Welt und als Stil-Ikone der Swinging Sixties. Sie wurde zusammen mit vier weiteren Personen am 9. August 1969 hochschwanger von Mitgliedern der Manson Family ermordet. Diese Morde und der Doppelmord am Ehepaar LaBianca am folgenden Tag gingen als die „Tate/LaBianca-Morde“ in die US-amerikanische Kriminalgeschichte ein und wurden weltweit bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sharon Tate war die erste Tochter des Geheimdienstoffiziers Paul Tate und dessen Frau Doris Gwendolyn Willett. Sie hatte zwei Schwestern, Debra Ann (* 1952) und Patricia „Patti“ Tate (1957–2000). Durch die Militärlaufbahn ihres Vaters war Tate bereits als Kind weit gereist.

Frühe Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon als Kind spielte Tate in der Schule begeistert Theaterrollen und trat in Werbespots auf. In den Vereinigten Staaten gewann sie als Teenager mehrere Misswahlen. Obwohl sie eigentlich Psychologie studieren wollte, ging sie weiter ihrer Leidenschaft zum Schauspiel nach.

Anfang der 1960er – nach ersten Achtungserfolgen als Fotomodell – trat sie in Nebenrollen verschiedener Fernsehfilme (unter anderem in einem Fernsehspecial mit Pat Boone in Venedig) auf, bevor ihre wirkliche Filmkarriere begann. In Italien spielte sie 1961 ihre erste Rolle in einem Spielfilm: Barabbas; dies allerdings eher zufällig und auch nur in einer Nebenrolle, weil der Schauspieler Jack Palance von der Attraktivität der jungen Frau und ihrer Art zu agieren beeindruckt war. Palance verschaffte ihr noch einige Engagements zu weiteren Probeaufnahmen in Rom, doch führten diese nicht zum Erfolg. Enttäuscht reiste Tate schließlich zurück in die Vereinigten Staaten, um weiter zu studieren. Neben ihrem Studium begab sie sich auf die Suche nach neuen Filmprojekten und trat in kleineren Filmproduktionen auf, die auf ihre Schönheit setzten.

Nach positiven Kritiken als Komödiantin wurde die überaus intelligente und gebildete Tate als meistversprechender Newcomer Hollywoods gehandelt. Sie agierte bald an der Seite von Stars wie Deborah Kerr, Donald Pleasence oder David Niven.

Tates internationaler Durchbruch kam 1967 mit der Gruselkomödie Tanz der Vampire an der Seite von Roman Polański. Die Rolle der Sarah sollte eigentlich mit der rothaarigen Schauspielerin Jill St. John besetzt werden. Polański überzeugte jedoch das Produzententeam von Tate. In dem Film trug sie eine rote Perücke.

Ehe mit Roman Polański[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dieser Zeit war Tate mit dem in den Vereinigten Staaten führenden Hair-Stylisten Jay Sebring verlobt. Beim ersten Treffen zwischen ihr und Polański waren beide noch nicht besonders voneinander beeindruckt, was sich jedoch im Laufe der Dreharbeiten änderte. Im Herbst 1967 zogen Tate und Polański nach London, wo sie häufig Gegenstand der Klatschpresse wurden und in zahlreichen Zeitschriftenartikeln erschienen. Im konservativen England der damaligen Zeit erregte es Aufsehen, dass ein junges Paar bereits vor der Hochzeit zusammenlebte; der Franzose polnischer Abstammung, Polański, und die Texanerin Tate wurden als Ausländer ohnehin kritisch betrachtet, zumal Polańskis Filme nicht immer dem durchschnittlichen Publikumsgeschmack entsprachen.

Überdies wuchsen Tates Berühmtheit und ihre Rolle als Stilikone der „Swinging Sixties“ bei der Jugend, nachdem Modemagazine anfingen, sie als Model und Covergirl (zum Beispiel für den Playboy 1967) mit für damalige Zeiten gewagt-lasziven Fotografien herauszubringen (teilweise auch Nacktaufnahmen zusammen mit Polański). Tate und Polański heirateten am 20. Januar 1968 unter großem öffentlichen Interesse in London.

In der Folgezeit zog Tate sich zunehmend ins Privatleben zurück. Das junge Paar kehrte zurück nach Los Angeles und wurde schnell Mitglied der Hollywood-High Society. Die beiden stürzten sich ins Partyleben und trafen auf weitere Stars wie Steve McQueen, Peter Sellers, Mia Farrow oder Peter und Jane Fonda. Sie knüpften schnell Kontakte zur Kunst- und Kulturszene und umgaben sich mit Musikern wie Jim Morrison und den Doors, den Mamas und Papas oder dem Musikproduzenten Terry Melcher (dem Sohn von Doris Day) und dessen Freundin Candice Bergen. Hinzu kamen zahlreiche Freunde und Bekannte aus Polańskis Jugendzeit in Polen, wie der Schriftsteller Wojciech Frykowski und seine Freundin Abigail Folger, die Erbin des US-Kaffeeimperiums Folgers Flavours.

Tate wurde gegen Ende 1968 schwanger, und im Februar 1969 zogen sie und Polański in das Haus am Cielo Drive ein, als Nachmieter des Musikproduzenten Terry Melcher. Tate und Polański waren schon des Öfteren dort gewesen, und Tate war entzückt, dass es nun zur Verfügung stand. Sie nannte es liebevoll “my love house”.

Tate hatte positive Kritiken für ihr komödiantisches Talent erhalten, und so wählte sie als nächstes Projekt die Komödie Zwölf plus eins. Im März 1969 flog sie zu Dreharbeiten nach Italien und Polanski nach London, um an The Day of the Dolphin zu arbeiten.

Nachdem die für die schwangere Tate sehr anstrengenden Dreharbeiten abgeschlossen waren, flog sie nach London zu Polański. In ihrem Apartment posierte sie ungezwungen für den Fotografen Terry O’Neill beim fröhlichen Auspacken von Babysachen und machte mit ihm Glamourfotos für das Magazin „Queen“. Sie wollte das Baby zu Hause bekommen, in der Nähe ihrer Familie, und da sie wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft nicht mehr fliegen durfte, traf sie nach einer Schiffspassage auf der RMS Queen Elizabeth 2 am 20. Juli 1969 wieder auf heimatlichem Boden ein. Polański sollte am 12. August rechtzeitig zum errechneten Geburtstermin eintreffen.

Der Mord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sharon Tate kehrte am 8. August zusammen mit Sebring, Folger und Frykowski am späten Abend nach einem Essen im mexikanischen Restaurant El Coyote Cafe in ihr Haus am Cielo Drive zurück. Gegen Mitternacht verschafften sich vier Mitglieder der „Manson Family“, Susan Atkins, Charles Watson, Patricia Krenwinkel und Linda Kasabian, Zutritt zum Anwesen. Sie ermordeten Steven Parent, der rein zufällig an diesem Abend den jungen Hausmeister des Anwesens, William Garretson, besucht hatte, sowie Sharon Tate und ihre drei Gäste. Tate wurde von Atkins, Watson oder beiden durch 16 Messerstiche umgebracht. Atkins schrieb beim Verlassen des Hauses das Wort „PIG“ (Schwein) mit Tates Blut an die Haustür.

Hauptartikel: Tate-Morde

Nach ihrem Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polański war zu diesem Zeitpunkt noch immer mit Dreharbeiten in Europa beschäftigt. Als er von der Ermordung seiner Frau erfuhr, kehrte er sofort nach Los Angeles zurück. In einem demonstrativen Akt der Verzweiflung gestattete er Fotoreportern der Zeitschrift Life den Zugang zu den blutverschmierten Räumen seines Hauses und gab der Presse ein umfangreiches Statement zu der Gräueltat.

Grab von Sharon Tate auf dem Holy Cross Cemetery in Culver City, Los Angeles County

Ein Jahrzehnt nach den Morden schloss sich Tates Mutter Doris Tate − entsetzt über den wachsenden Kultstatus der Mörder und beängstigt von der Möglichkeit, dass einige von ihnen begnadigt werden könnten − einer Kampagne an, um sicherzustellen, dass sie im Gefängnis blieben. Ihre Entschlossenheit, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten der erzieherischen Strafmaßnahmen des Staates zu richten, und ihre Kritik daran waren unter anderem der Auslöser für die Änderungen im Strafgesetz Kaliforniens 1982. Diese Änderungen machten es Verbrechensopfern und deren Familien möglich, sogenannte Victim Impact Statements während der Gerichtsverhandlungen von Häftlingen und bei nachfolgenden Anhörungen über Hafturlaub abzugeben. Doris Tate war der erste Mensch, der solch ein Statement unter dem neuen Gesetz abgab, als sie bei der Anhörung über den Hafturlaub einer der Mörder ihrer Tochter, Watson, aussagte. Sie sagte später, dass sie glaube, die Änderungen im Gesetz hätten ihrer Tochter die Würde zurückgegeben, die ihr zuvor verwehrt geblieben sei, und dass es ihr gelungen sei, „Sharons Vermächtnis als Mordopfer in ein Symbol für Opferrechte umzuwandeln“. Nach dem Tod von Doris Tate im Juli 1992 führte Sharons jüngere Schwester Patti die Arbeit ihrer Mutter bis zu ihrem eigenen Tod im Juni 2000 weiter. Tates Schwester Debra Ann Tate wacht seitdem über das Vermächtnis ihrer Familie und betreibt eine Website zum Gedächtnis an ihre Schwester.

Tates ungeborenes Kind bekam postum den Namen Paul Richard Polański; es wurde in den Armen seiner Mutter auf dem Holy Cross Cemetery, in Culver City, Kalifornien beigesetzt.

Polański widmete ihr seinen Film Tess, dessen Vorspann mit den Worten “to Sharon” („für Sharon“) endet. Die Hauptrolle besetzte er mit Nastassja Kinski, die am gleichen Tag (24. Januar) wie Tate Geburtstag hat.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme, in denen Sharon Tate dargestellt wurde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Greg King: Sharon Tate and the Manson Murders. Barricade Books, New York 2000, ISBN 1-56980-157-6 (englisch)
  • Vincent Bugliosi, Curt Gentry: Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders. Norton, New York 1994, ISBN 0-393-08700-X (englisch)
    • deutsche Ausgabe: Helter Skelter – der Mordrausch des Charles Manson, Riva Verlag, München 2010 ISBN 978-3-86883-057-6.
  • Louis Paul Boon: Die Jesses-Mädchen (orig.: De Meisjes van Jesses, niederländisch)
  • Andreas Jacke: Roman Polanski – Traumatische Seelenlandschaften. Psychosozial-Verlag, Gießen 2010, ISBN 978-3-8379-2037-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sharon Tate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übersicht über Darsteller der „Sharon Tate“ auf imdb.com