Sharon Tate

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Sharon Marie Tate Polanski (* 24. Januar 1943 als Sharon Marie Tate in Dallas, Texas; † 9. August 1969 in Los Angeles, Kalifornien) war eine für den Golden Globe nominierte US-amerikanische Filmschauspielerin und Fotomodell. Sie galt zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen der Welt und als Stilikone der Swinging Sixties. Zusammen mit vier weiteren Personen wurde sie am 9. August 1969 hochschwanger von Mitgliedern der Manson Family ermordet. Diese Morde und der Doppelmord am Ehepaar LaBianca am folgenden Tag gingen als die „Tate/LaBianca-Morde“ in die US-amerikanische Kriminalgeschichte ein und wurden weltweit bekannt.

Leben und frühe Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sharon Tate war die erste Tochter von Paul Tate (1922–2005), einem Geheimdienstoffizier der United States Army, und dessen Ehefrau Doris Gwendolyn Willett (1924–1992). Sie hatte zwei Schwestern, Debra Ann Tate (* 1952) und Patricia „Patti“ Tate (1957–2000). Durch die Militärlaufbahn ihres Vaters war sie bereits als Kind weit gereist und hatte aufgrund der vielen Umzüge fünfmal die High School wechseln müssen.

Auf ihre Mitschüler wirkte Tate oft schüchtern, ihre Eltern bemängelten ihr mangelndes Selbstvertrauen. Dennoch begeisterte sie sich früh für Schultheateraufführungen, trat als Jugendliche in Werbespots auf und gewann mehrere regionale Misswahlen. Obwohl sie eigentlich Psychologie studieren wollte, ging sie schließlich weiter ihrer Leidenschaft zum Schauspiel nach.

Nach ersten Achtungserfolgen als Fotomodell trat sie 1960 in einer Fernsehsendung mit Pat Boone in Venedig auf. 1961 erhielt sie in Rom im Spielfilm Barabbas ihre erste Nebenrolle, jedoch ohne im Abspann genannt zu werden. Der Schauspieler Jack Palance hatte ihr die Teilnahme an den Dreharbeiten zufällig ermöglicht, weil er von der Attraktivität der jungen Frau und ihrer Art zu agieren beeindruckt war. Palance verschaffte ihr noch einige Vorsprechen zu weiteren Probeaufnahmen, doch führten diese nicht zu Engagements. Enttäuscht reiste Tate schließlich zurück in die USA, um an ihrem Schauspiel zu feilen und in kleineren Fernsehproduktionen mitzuwirken, die vor allem auf ihre Schönheit setzten. Nach positiven Kritiken als Komödiantin, etwa in Nebenrollen für die Fernsehserien Mister Ed und The Beverly Hillbillies, wurde die überaus intelligente und gebildete Tate als vielversprechender Newcomer Hollywoods gehandelt. Sie agierte bald an der Seite von Stars wie Deborah Kerr, Donald Pleasence oder David Niven und bekam 1967 im Spielfilm Die schwarze 13 ihre erste größere Nebenrolle.

Tates internationaler Durchbruch kam ebenfalls 1967 mit der Gruselkomödie Tanz der Vampire an der Seite von Roman Polański, der zugleich Regie führte. Die Rolle der Sarah Shagal sollte eigentlich mit der rothaarigen Schauspielerin Jill St. John besetzt werden. Polański überzeugte jedoch die Produzenten von Tate. In dem Film trug die blonde Tate schließlich eine rote Perücke.

Ehe mit Roman Polański[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tate war seit 1964 mit dem in den USA führenden Hairstylisten Jay Sebring liiert. Seinen Heiratsantrag nahm sie jedoch nicht an, weil sie sich zunächst auf ihre Filmkarriere konzentrieren wollte und dafür in einer Ehe keinen Raum sah.

Beim ersten Treffen zwischen Tate und Polański waren beide noch nicht besonders voneinander beeindruckt, was sich jedoch im Laufe der Dreharbeiten an Tanz der Vampire änderte. Im Herbst 1967 zogen Tate und Polański nach London, wo sie häufig Gegenstand der Klatschpresse wurden und in zahlreichen Zeitschriftenartikeln erschienen. Im konservativen England der damaligen Zeit erregte es Aufsehen, dass ein junges Paar bereits vor der Hochzeit zusammenlebte; der Franzose polnischer Abstammung, Polański, und die Texanerin Tate wurden als Ausländer ohnehin kritisch betrachtet, zumal Polańskis Filme nicht immer dem durchschnittlichen Publikumsgeschmack entsprachen. Überdies wuchsen Tates Berühmtheit und ihre Rolle als Stilikone der Swinging Sixties bei der Jugend, nachdem Modemagazine anfingen, sie als Covergirl (zum Beispiel für den Playboy) mit für damalige Zeiten gewagt-lasziven Fotografien herauszubringen (teilweise auch Nacktaufnahmen zusammen mit Polański). Tate und Polański heirateten am 20. Januar 1968 unter großem öffentlichen Interesse in London.

In der Folgezeit zog sich Tate zunehmend ins Privatleben zurück. Das junge Paar kehrte zurück nach Los Angeles und wurde schnell Mitglied der High Society von Hollywood. Die beiden stürzten sich ins Partyleben und trafen auf weitere Stars wie Steve McQueen, Peter Sellers, Mia Farrow oder Peter und Jane Fonda. Sie knüpften schnell Kontakte zur Kunst- und Kulturszene und umgaben sich mit Musikern wie Jim Morrison und den Doors, den Mamas and the Papas oder dem Musikproduzenten Terry Melcher (dem Sohn von Doris Day) und dessen Freundin Candice Bergen. Hinzu kamen zahlreiche Freunde und Bekannte aus Polańskis Jugendzeit in Polen, wie der Komponist Krzysztof Komeda, der Schriftsteller Wojciech Frykowski und dessen Freundin Abigail Folger, die Erbin des US-Kaffeeimperiums Folgers Flavours.

Tate wurde gegen Ende 1968 schwanger, und im Februar 1969 zogen sie und Polański in das Haus am Cielo Drive ein, als Nachmieter des Musikproduzenten Terry Melcher. Tate und Polański waren schon des Öfteren dort gewesen, und Tate war entzückt, dass es nun zur Verfügung stand. Sie nannte es liebevoll “my love house”.

Tate hatte positive Kritiken für ihr komödiantisches Talent erhalten, und so wählte sie als nächstes Projekt die Komödie Zwölf plus eins. Im März 1969 flog sie zu Dreharbeiten nach Italien und Polański nach England, um passende Drehorte für seinen neuen Spielfilm Der Tag des Delphins zu sichten.

Nachdem die für die schwangere Tate sehr anstrengenden Dreharbeiten abgeschlossen waren, flog sie nach London zu Polański. In ihrem Apartment posierte sie ungezwungen für den Fotografen Terry O’Neill beim fröhlichen Auspacken von Babysachen und machte mit ihm Glamourfotos für das Magazin Queen. Sie wollte das Baby zu Hause in Kalifornien bekommen, in der Nähe ihrer Familie, und da sie wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft nicht mehr fliegen durfte, traf sie nach einer Schiffspassage auf der RMS Queen Elizabeth 2 am 20. Juli 1969 wieder auf heimatlichem Boden ein. Polański sollte am 12. August rechtzeitig zum errechneten Geburtstermin eintreffen.

Der Mord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tate kehrte am 8. August zusammen mit Sebring, Folger und Frykowski am späten Abend nach einem Essen im mexikanischen Restaurant El Coyote Cafe in ihr Haus am Cielo Drive zurück. Gegen Mitternacht verschafften sich vier Mitglieder der Manson Family, Susan Atkins, Charles Watson, Patricia Krenwinkel und Linda Kasabian, Zutritt zum Anwesen. Sie ermordeten Steven Parent, der zufällig an diesem Abend den jungen Hausmeister des Anwesens, William Garretson, besucht hatte, sowie Tate und ihre drei Gäste. Tate wurde von Atkins, Watson oder beiden durch 16 Messerstiche umgebracht. Atkins schrieb beim Verlassen des Hauses das Wort „PIG“ (Schwein) mit Tates Blut an die Haustür.

Nach ihrem Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polański war zu diesem Zeitpunkt noch mit Dreharbeiten in England beschäftigt. Als er von der Ermordung seiner Frau erfuhr, kehrte er sofort nach Los Angeles zurück. In einem demonstrativen Akt der Verzweiflung gestattete er Fotoreportern der Zeitschrift Life den Zugang zu den blutverschmierten Räumen seines Hauses und gab der Presse ein umfangreiches Statement zu der Gräueltat.

Grab von Sharon Tate auf dem Holy Cross Cemetery in Culver City, Los Angeles County

Ein Jahrzehnt nach den Morden schloss sich Tates Mutter Doris Tate − entsetzt über den wachsenden Kultstatus der Mörder und beängstigt von der Möglichkeit, dass einige von ihnen begnadigt werden könnten − einer Kampagne an, um sicherzustellen, dass sie im Gefängnis blieben. Ihre Entschlossenheit, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten der erzieherischen Strafmaßnahmen des Staates zu richten, und ihre Kritik daran waren unter anderem der Auslöser für die Änderungen im Strafgesetz Kaliforniens 1982. Diese Änderungen machten es Verbrechensopfern und deren Familien möglich, sogenannte Victim Impact Statements während der Gerichtsverhandlungen von Häftlingen und bei nachfolgenden Anhörungen über Hafturlaub abzugeben. Doris Tate war der erste Mensch, der solch ein Statement unter dem neuen Gesetz abgab, als sie bei der Anhörung über den Hafturlaub eines der Mörder ihrer Tochter, Watson, aussagte. Sie sagte später, dass sie glaube, die Änderungen im Gesetz hätten ihrer Tochter die Würde zurückgegeben, die ihr zuvor verwehrt geblieben sei, und dass es ihr gelungen sei, „Sharons Vermächtnis als Mordopfer in ein Symbol für Opferrechte umzuwandeln“. Nach dem Tod von Doris Tate im Juli 1992 führte Sharons jüngere Schwester Patti die Arbeit ihrer Mutter bis zu ihrem eigenen Tod im Juni 2000 weiter. Tates Schwester Debra Ann Tate wacht seitdem über das Vermächtnis ihrer Familie und betreibt eine Website zum Gedächtnis an ihre Schwester.

Tates ungeborenes Kind bekam postum den Namen Paul Richard Polański; es wurde in den Armen seiner Mutter auf dem Holy Cross Cemetery, im kalifornischen Culver City beigesetzt.

Polański widmete ihr seinen Film Tess, dessen Vorspann mit den Worten “to Sharon” („für Sharon“) endet. Die Hauptrolle besetzte er mit Nastassja Kinski, die am gleichen Tag (24. Januar) wie Tate Geburtstag hat.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme, in denen Tate dargestellt wurde, mit den Schauspielerinnen der Rolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Greg King: Sharon Tate and the Manson Murders. Barricade Books, New York 2000, ISBN 1-56980-157-6 (englisch)
  • Vincent Bugliosi, Curt Gentry: Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders. Norton, New York 1994, ISBN 0-393-08700-X (englisch)
    • deutsche Ausgabe: Helter Skelter – der Mordrausch des Charles Manson, Riva Verlag, München 2010 ISBN 978-3-86883-057-6.
  • Louis Paul Boon: Die Jesses-Mädchen (orig.: De Meisjes van Jesses, niederländisch)
  • Andreas Jacke: Roman Polanski – Traumatische Seelenlandschaften. Psychosozial-Verlag, Gießen 2010, ISBN 978-3-8379-2037-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sharon Tate – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übersicht über Darsteller der „Sharon Tate“ auf imdb.com