Shinrin-Yoku

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Shinrin-Yoku (jap. 森林浴, shinrin-yoku; Chinesisch: 森林浴, sēnlínyù, Koreanisch: 산림욕, sanlimyok) bezeichnet die Methodik des Waldbadens innerhalb der im ostasiatischen Raum verbreiteten Waldmedizin, die ihren Ursprung in Japan hat. Beim Waldbaden werden atmosphärische, landschaftliche, klimatische und sinnliche Eigenschaften sowie Wirkweisen des Habitats Wald auf den menschlichen Körper und Geist innerhalb medizinischer und psychotherapeutischer Konzepte zur Behandlung und Prävention angewendet. Dabei werden gesundheitsfördernde Auswirkungen von Aufenthalten im Wald und in Waldumgebungen auf die menschliche Gesundheit untersucht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan wurde erstmals durch Qing Li, Assistenzprofessor am Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Medizinhochschule Nippon, die interdisziplinäre Wissenschaft der Waldmedizin mit der Praxis heilsamer Waldaufenthalte, bzw. Waldbaden shinrin-yoku begründet. Es entstand damit eine Methode der Naturtherapie wie Garten- oder Waldtherapie.

Theoretischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lehre des Shinrin-Yoku geht davon aus, dass eine pflanzliche Waldgemeinschaft, vorwiegend Bäume, bioaktive Substanzen (v. a. Phytoncide und Terpene) produzieren, die auf biologischer Ebene kommunikative Funktionen innerhalb der Waldgemeinschaft übernehmen (z. B. Konkurrenzpflanzen im Wachstum aufhalten, Fressfeinde abhalten, nützliche Lebewesen anlocken). Die Methodik des Shinrin-Yoku basiert auf der Annahme, dass Aufenthalte des Menschen in einer Waldgemeinschaft Wechselwirkungen zwischen der natürlichen Vegetation und dem Menschen haben. In unterschiedlichen in-Vitro-Studien konnte währenddessen bewiesen werden, dass die sauerstoff- und terpenreiche Waldluft Phytoncide enthält, die die Produktion natürlicher Killerzellen im menschlichen Immunsystem aktivieren und deren Effektivität signifikant steigern können. Mehrere japanische Studien bewiesen, dass die Baumphytoncide (z. B. Alpha-Pinene bei Nadelbäumen oder Isoprene bei Laubbäumen) beim Waldbaden die Vermehrung natürlicher Killerzellen (Lymphozyten) in unserem roten Knochenmark zur Folge haben und dass sie deren Aktivität steigern.

Studienmethode 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Studien wurden über mehrere Jahre jeweils in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten durchgeführt. 12 Männer im Alter von 37–55 Jahren und 13 Frauen im Alter von 25–43 Jahren nahmen an drei Tage und zwei Nächte dauernden Waldbadeausflügen in verschiedenen japanischen Wäldern teil. In identisch konzipierten Kontrollgruppen wurde gleichzeitig die Einwirkung der Stadt- sowie der Waldumgebung untersucht. Die Versuchsteilnehmer wurden zum einen in phytoncidreiche Wald- und Parkatmosphären gebracht, zum anderen atmeten sie Stadtluft japanischer Metropolen. An den Studientagen gingen die jeweiligen Versuchspersonen eine definierte Strecke von 2,5 km, was der Weglänge eines durchschnittlichen Arbeitstages entspricht. Sowohl im Wald, als auch in der Stadt konnten sich die Probanden zu jeder beliebigen Zeit an jeder Stelle des Weges ausruhen. Die Luftzusammensetzung, insbesondere der Phytoncidgehalt, wurde an verschiedenen definierten Messpunkten entlang der Wegstrecke aufgezeichnet. Den Untersuchungspersonen wurden zu definierten Zeitpunkten Blut- (weiße Blutzellen, natürliche Killerzellen (NK), T-Lymphozyten, Granulysin (GRN), Perforin sowie Granzyme A+B, Cortisol) und Urinproben (zur Bestimmung des Adrenalingehalts) abgenommen. Zusätzlich wurde eine Untersuchungsbefragung durchgeführt. Die japanischen Waldforscher bildeten nach eingehenden Untersuchungen im Wirkfeld der Wälder die Hypothese, dass die Phytoncide (Terpene) im heilsamen Wirkungsspektrum des Waldes eine signifikante Rolle spielen.

Studienmethode 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach erfolgreicher Isolation und Identifikation bioaktiver Substanzen in der Waldluft verschiedener Wälder entschlossen sie sich bei einer in-vivo-Studie zu einem Doppel-Blind-Versuch in einem Stadthotel in Tokio. 12 gesunde männliche Probanden im Alter von 37–60 Jahren schliefen drei Nächte lang in dem Hotel. Ohne dass sie es wussten, wurde die Hotelzimmerluft von sechs Probanden (Versuchsgruppe) während ihres Schlafes über einen Zerstäuber mit ätherischen Aromen der Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa) angereichert. Die sechs Probanden der Kontrollgruppe schliefen in normalen, nicht mit ätherischen Aromen angereicherten, Zimmern. Am Abend zuvor sowie am darauffolgenden Morgen wurde allen Versuchspersonen Blut und Urin abgenommen, um es zu untersuchen. Die Probanden, die während der Nacht die ätherischen Öle eingeatmet hatten, zeigten in den Blutuntersuchungen einen signifikanten Anstieg der Anzahl und der Aktivität natürlicher Killerzellen des Immunsystems, einen Anstieg von Perforin, GR und GrA/B exprimierenden Zellen als auch einen Abfall von Adrenalin und Noradrenalin in ihrem Urin.

Methodik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan, China sowie Korea schulmedizinisch anerkannt, wird die Methodik des Waldbadens sowohl im Rahmen medizinischer, als auch psychotherapeutischer Behandlungsprozesse angewendet, um durch zivilisatorisch bedingte negative Effekte auf die menschliche Gesundheit (physischer und psychischer Stress, Belastung der Atemwege) entgegenzuwirken und präventiv sowie begleitend konventionelle Behandlungsmethoden zu unterstützen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Li, Qing; Nakadai, Ari; Matsushima, Hiroki; Miyazaki, Yoshifumi; Krensky, Alan M.; Kawada, Tomoyuki; Morimoto, Kanehisa (2006). "Phytoncides (Wood Essential Oils) Induce Human Natural Killer Cell Activity". Immunopharmacology and Immunotoxicology. 28 (2): 319–33. doi:10.1080/08923970600809439. PMID 16873099.
  • Li, Q; Morimoto, K; Nakadai, A; Inagaki, H; Katsumata, M; Shimizu, T; Hirata, Y; Hirata, K; Suzuki, H (2007). "Forest bathing enhances human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins". International journal of immunopathology and pharmacology. 20 (2 Suppl 2): 3–8. PMID 17903349.
  • Li, Q; Morimoto, K; Kobayashi, M; Inagaki, H; Katsumata, M; Hirata, Y; Hirata, K; Suzuki, H; Li, YJ (2008). "Visiting a forest, but not a city, increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins". International journal of immunopathology and pharmacology. 21 (1): 117–27. PMID 18336737.
  • Li, Q; Morimoto, K; Kobayashi, M; Inagaki, H; Katsumata, M; Hirata, Y; Hirata, K; Shimizu, T; Li, YJ (2008). "A forest bathing trip increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins in female subjects". Journal of biological regulators and homeostatic agents. 22 (1): 45–55. PMID 18394317.
  • Li, Qing (2009). "Effect of forest bathing trips on human immune function". Environmental Health and Preventive Medicine. 15 (1): 9–17. doi:10.1007/s12199-008-0068-3. PMC 2793341 (freier Volltext). PMID 19568839.
  • Li, Q; Kobayashi, M; Wakayama, Y; Inagaki, H; Katsumata, M; Hirata, Y; Hirata, K; Shimizu, T; Kawada, T (2009). "Effect of phytoncide from trees on human natural killer cell function". International journal of immunopathology and pharmacology. 22 (4): 951–9. PMID 20074458.
  • Park, Bum Jin; Yuko Tsunetsugu; Tamami Kasetani; Takahide Kagawa; Yoshifumi Miyazaki (2 May 2010). "The physiological effects of Shinrin-yoku (taking in the forest atmosphere or forest bathing): evidence from field experiments in 24 forests across Japan". Environmental Health and Preventive Medicine. 15 (1): 18–26. doi:10.1007/s12199-009-0086-9. PMC 2793346 (freier Volltext). PMID 19568835.