Shravanabelagola

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Shravanabelagola
Shravanabelagola (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Karnataka
Distrikt: Hassan
Lage: 12° 51′ N, 76° 29′ O12.85361111111176.484722222222Koordinaten: 12° 51′ N, 76° 29′ O
Einwohner: 8.844
Gomateswara.jpg

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Shravanabelagola (auch: Sravanabelgola, Shravana Belgola; Kannada: ಶ್ರವಣಬೆಳಗೊಳ Śravaṇabeḷagōḷa) ist ein Ort im südindischen Bundesstaat Karnataka. Shravanabelagola gilt als eines der wichtigsten Pilgerzentren des Jainismus.

Lage[Bearbeiten]

Shravanabelagola liegt im Distrikt Hassan, 158 km von Bangalore, der Hauptstadt Karnatakas entfernt. Das Heiligtum liegt auf einem der fünf Tempelberge der Jainas, dem Vindyagiri (oder Indragiri) und ist nur zu Fuß über Treppen (mehr als 600 Stufen) erreichbar. Auch auf dem gegenüber liegenden, etwas kleineren Hügel Chandragiri befinden sich mehrere sehenswerte Jain-Tempel im Chalukya-Stil. Zwischen beiden Hügeln liegt ein beinahe quadratisches, von Menschenhand geschaffenes Wasserbecken (belagola) mit Torbauten (gopurams) im südindischen Stil.

Geschichte[Bearbeiten]

Bekannt ist die Anlage für die ca. 18 m hohe Figur des Bahubali/Gomateshwara, die um 980 n. Chr. entstanden ist. Auftraggeber war der König der Ganga-Dynastie Rachamalla IV. (974-984). Unter Aufsicht seines Ministers oder Generals Chavundaraya (940–989) wurde die Statue aus einem einzigen Felsblock gehauen.

Darstellung[Bearbeiten]

Die Figur stellt den Jaina-Asketen Gomateshvara (auch Gommata oder Bahubali genannt) dar, der nach Digambara-Sitte völlig unbekleidet ist. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet, um seine Füße haben Ameisen ihre Hügel gebaut und um seine Beine und Arme sind die Ranken einer Pflanze gewachsen − Zeichen einer völligen Versunkenheit in die Meditation.

Legende[Bearbeiten]

Bahubali war der zweitälteste Sohn des 1. Jaina-Tirthankaras Rishabha (auch Adinath genannt), der eigentlich König von Podanpur war. Rishaba verzichtete jedoch noch zu Lebzeiten auf die Herrschaft über sein Königreich und teilte es unter seine 99 Söhne auf. Der älteste der Brüder Bharata forderte daraufhin von allen seinen Brüdern Unterwerfung und Anerkennung seiner Oberhoheit, woraufhin ein Bruderzwist zwischen Bahubali und Bharata entbrannte, der in einen gewaltigen Aufmarsch zweier Heere mündete. Es wurde jedoch beschlossen, dass nicht der Krieg über Sieg und Niederlage entscheiden sollte, sondern ein Zweikampf der beiden Brüder, aus dem Bahubali (bahu = Arm, bali = stark) als eindeutiger Sieger hervorging. Dieser beschloss jedoch sein weiteres Leben als Asket zu verbringen, überließ dem besiegten Bruder das Königreich und zog sich in die Waldeinsamkeit zurück, wo er vollkommen unbeweglich meditierte. Nach einem Gespräch mit ihrem Vater überzeugten ihn jedoch zwei seiner Schwestern (Brahmi und Sundari) davon, dass sein Asketentum lediglich auf persönlichem Hochmut und dem Festhalten an seinem Ego beruhe, was die angestrebte Erleuchtung unmöglich mache. Diese Wahrheit erkennend kehrte Bahubali an den Königshof zurück um die gewonnenen inneren Erfahrungen und Erkenntnisse auch anderen Menschen mitzuteilen.

Die Meditation Bahubalis entspricht dem Idealbild der Jaina-Lehre der Ahimsa, d. h. der völligen Gewaltlosigkeit und dem großen Respekt gegenüber allem Lebendigen. Doch ähnelt die Legende in einigen Zügen auch deutlich dem Lebensweg Buddhas und wie dieser wird auch Bahubali/Gomateshvara als spiritueller Lehrer betrachtet, der Leidenschaften wie Selbstsucht, Eifersucht, Stolz und Wut überwand und zur Erleuchtung gelangte. Die Rückkehr an den Hof und zu seinem Vater weist Parallelen zum biblischen Gleichnis vom 'Verlorenen Sohn' auf.

Bahubali/Gomateshvara-Statuen finden sich in den meisten Jain-Tempeln Indiens und sind leicht am Rankenwerk an seinen Beinen zu erkennen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Neben einigen älteren Höhlentempeln in Ellora (Maharashtra) und Badami (Karnataka), den Bergtempeln von Mount Abu (Rajasthan) und Shatrunjaya (Gujarat) sowie den Tempelkomplexen von Ranakpur und Jaisalmer (Rajasthan) gilt Shravanabelagola als eines der wichtigsten Jaina-Heiligtümer Indiens.

Fest[Bearbeiten]

Alle 12 Jahre findet die Mahamastakabhisheka-Zeremonie statt, zu der sich mehr als 10.000 gläubige Jainas aber auch viele Schaulustige aus allen Teilen Indiens einfinden. Dabei wird die Kolossalstatue mit Milch, Ghi, Kokosmilch, Honig, Joghurt, Blüten, farbigem Wasser und Goldmünzen übergossen. Zu diesem Zweck wird ein großes Gerüst errichtet. Das letzte Mal fand das Ereignis im Februar 2006 statt.

Umgebung[Bearbeiten]

Die sehenswerten hinduistischen Hoysala-Tempel von Belur und Halebid liegen ca. 83 km bzw. 89 km entfernt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Andere kolossale Bahubali/Gomateshvara-Statuen stehen in

  • Karkala (Höhe ca. 13 m; 1432)
  • Dharmasthala (Höhe ca. 12 m; 1973)
  • Venur (Höhe ca. 8 m; 1604)
  • Gommatagiri (Höhe ca. 6 m; 12. Jh.)
Panorama des Chandragiri-Tempelkomplexes in der Morgendämmerung

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Bätz: Heilige Berge, Tempelstädte und Asketen. Der Jainismus – eine lebendige Kultur Indiens. Weishaupt, Wolfsberg 1997, ISBN 3-7059-0049-8.
  • Gabriele Rosalie Helmer: Geschichten aus dem Jainismus. AVM, München 2010, ISBN 978-3-89975-369-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shravanbelgola – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien