Shuin

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Ein Shuin (jap. 朱印, dt. „rotes Siegel“) ist ein kalligrafisch kommentierter Siegelstempelabdruck, den Pilger und Besucher in vielen buddhistischen Tempeln und Shintō-Schreinen in Japan erhalten können. Da sie mit Ehrerbietung betrachtet werden, ist dem Honorativpräfix Go- auch Bezeichnung Goshuin (御朱印) möglich[1].

Tempelstempel und Kalligrafie des Ginkaku-ji, 2. Oktober 2016

Oft werden die Shuin durch die Pilger in besonderen Büchern gesammelt, die Shuinchō (朱印帳) / Goshuinchō (御朱印帳) oder Nōkyōchō (納経帖) genannt werden.

aufgeblättertes Goshuinchō (ehrenwertes Rotsiegelbuch) mit einigen Löschblättern

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shuin werden in Japan seit der Edo-Zeit gesammelt und waren möglicherweise zunächst Bestätigungen für kopierte Sutren, einer Gebetsübung der Pilger und zudem persönliche Reisedokument der Pilgerschaft[2].

Die gesammelten Shuin können beim Ableben am offen Sarg des Verstorbenen aufgefaltet gezeigt werden, um die spirituellen Verdienste des Pilgers aufzuzeigen[3].

Auf besonderen buddhistischen Pilgerwegen wie beispielsweise dem 33 Stationen umfassenden Saigoku-Pilgerweg oder dem 88 Stationen umfassenden Shikoku-Pilgerweg wurden und werden für die Shuin bewusst eigene Nōkyōchō verwendet.

Es ist möglich, das an einem Tempel mehr als ein Shuin erstellt werden kann, wenn in diesem Tempel mehrere heilige Stätten oder verschiedene Buddha Statuen verehrt werden. Es gibt auch eigene Shuin zu bestimmten Pilgerzeiten.

Tempel des Jōdo-Shinshū lehnen das Erstellen von Shuin jedoch ab.[4]

Erstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute, 2016, kann man sich als Besucher die Erstellung eines Shuin meist gegen eine Spende von 300 Yen im Tempelbüro erbitten.

Ein Shuin wird an einem Tempel von buddhistischen Mönchen oder bei einem Shintō-Schrein von Kannushi oder Miko erstellt.

Dazu händigt man ihnen das Shuinchō aus und erhält meist eine Wartenummer. Bei einigen Tempeln kann man der Erstellung des Shuin zusehen, wobei das Fotografieren meist nicht erwünscht ist.

Neben meist roten Abdrucken ein oder mehrerer Stempel werden durch den Ersteller in schwarzer Kalligrafie weitere Namen des Tempels, der Tag des Besuches und eine Segensformel auf das weiße Papier des Shuinchō geschrieben. Die dem frischen Eintrag gegenüberliegende Seite wird dann durch ein Stück Löschpapier geschützt. Dieses kann mit weiteren Segenssprüchen, einer Erläuterung des Shuin und/oder einer Übersetzung bedruckt sein.

Manchmal sind auch vorgedruckte/vorgeschriebene lose Blätter erhältlich, die in das Shuinchō eingeklebt werden können. Es ist angebracht, sich bei der Rückgabe des Shuinchō für die Erstellung des Shuin zu bedanken.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Japan Online Reiseführer, abgerufen am 21. Oktober 2016
  2. [2] englischsprachige Webseite zu japanischem Buddhismus, abgerufen am 21. Oktober 2016
  3. [3] englischsprachiger Blogeintrag zu Japan und Go-Shuin-Cho, abgerufen am 21. Oktober 2016
  4. [4] eine jap. Seite des Shin Buddismus, Predigtüberlegung, abgerufen am 21. Oktober 2016