Sibylle Berg

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Sibylle Berg (2011)

Sibylle Berg (geboren in Weimar) ist eine deutsch-schweizerische Schriftstellerin und Dramatikerin. Sie schreibt Romane, Essays, Kurzprosa, Theaterstücke und Hörspiele und ist als Kolumnistin tätig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sibylle Berg wurde ca. 1962 als Tochter eines Musikprofessors und einer Bibliothekarin in Weimar geboren.[1][2][3][4] Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie fünf Jahre alt war. Aufgrund der Alkoholkrankheit ihrer Mutter wuchs Berg einige Jahre bei entfernten Verwandten auf, zwei Musikprofessoren.[5] Von ihrem 10. bis zu ihrem 20. Lebensjahr lebte sie wieder bei ihrer Mutter.[6]

Nach der Schule machte sie eine Ausbildung als Puppenspielerin. Im Jahr 1984 beantragte sie ihre Ausreise aus der DDR und verlor daraufhin ihren Arbeitsplatz am Naumburger Puppentheater.[6] Nach drei Monaten[6] wurde ihr Ausreiseantrag bewilligt und sie konnte in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln. Während ihres Aufenthalts im West-Berliner Notaufnahmelager Marienfelde starb ihre Mutter in Weimar durch Selbstmord.[6][5]

Berg verließ Berlin für einen dreimonatigen Kurs in der Tessiner Schule für Artisten Scuola Teatro Dimitri. Wieder zurückgekehrt lebte sie in Hamburg und studierte Ozeanografie und Politikwissenschaften.[7][5] Daneben jobbte sie in verschiedenen Berufen (unter anderem als Gärtnerin, Putzfrau, Sekretärin, Vertreterin) und begann zu schreiben.[6] Fortwährend arbeitete sie als Autorin für verschiedene Magazine.

Im Jahr 1996 siedelte Berg in ihre Lieblingsstadt[8][9] Zürich in die Schweiz um. Seit 2004 ist sie verheiratet[10][11] und lebt mitunter in Tel Aviv[12]. 2012 erhielt sie die Schweizer Staatsbürgerschaft.[10]

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergs erster Roman Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot erschien 1997 im Reclam-Verlag Leipzig[13], nachdem rund 50 andere Verleger abgesagt hatten[6]. Er verkaufte sich über hunderttausend Mal. In der Folge veröffentlichte Berg zahlreiche Romane bei verschiedenen Verlagen. Zuletzt erschienen bei Hanser 2009 ihr Roman Der Mann schläft, 2012 Vielen Dank für das Leben und 2015 Der Tag, als meine Frau einen Mann fand.[14]

Auf ihren Lesetouren lässt sich Berg regelmäßig von Schauspielern und Musikern begleiten. So beispielsweise 2012 für ihr Buch Vielen Dank für das Leben von Katja Riemann, Matthias Brandt und der Musikerin und Künstlerin Mariya Ocher oder 2015 für Der Tag, als meine Frau einen Mann fand von Christian Ulmen, August Zirner, Jan Böhmermann und der Band Kreidler.[15][16]

Dramatikerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Uraufführungen ihrer Stücke arbeitet Berg bevorzugt über längere Perioden mit Regisseuren zusammen. Zuerst war dies Niklaus Helbling in Bochum, dessen Inszenierung von Helges Leben (2000) zum Theaterfestival Mülheim eingeladen wurde.[17] Es folgten Schau, da geht die Sonne unter (2003, Bochum), Das wird schon! Nie mehr lieben (2004, Bochum) sowie Wünsch dir was (2006, Schauspielhaus Zürich). An der Inszenierung Von denen die überleben (2008) am Schauspielhaus Zürich beteiligten sich mit Beiträgen in Sprache, Bild und Ton die Künstler Gabríela Friðriksdóttir, Mathilde ter Heijne, Jon Pylypchuk, Jeremias Gotthelf und Erwin Koch.[18] Die letzte gemeinsame Arbeit mit Niklas Helbling war Nur nachts (2010) am Wiener Burgtheater.

Hasko Weber inszenierte in Stuttgart Missionen der Schönheit (2010)[19], Hauptsache Arbeit! (2010) und gemeinsam mit Sibylle Berg Angst reist mit... (2013).

Seit 2013 arbeitet Berg mit dem Regisseur Sebastian Nübling am Maxim Gorki Theater in Berlin zusammen. Die erste Produktion Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen (2013) wurde zum Stück des Jahres 2014 gewählt. Die Uraufführung von Und dann kam Mirna wurde mit dem Friedrich-Luft-Preis als "beste Berliner und Potsdamer Aufführung des Jahres 2015" ausgezeichnet.[20]

Regisseurin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2013 führte Berg erstmals Co-Regie bei der Uraufführung ihres Stückes Angst reist mit am Schauspiel Stuttgart (gemeinsam mit Hasko Weber).[21] Im gleichen Jahr inszenierte sie am Haus der Berliner Festspiele die ganztägige Veranstaltung Ein Tag mit... Sibylle Berg.[22] Die Uraufführung ihres Stückes How to sell a Murder House mit Caroline Peters und Marcus Kiepe fand im Oktober 2015 am Theater am Neumarkt Zürich statt.[23]

Weitere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berg schrieb Reisereportagen, Künstlerporträts und Glossen unter anderem für Marie Claire, Allegra, das Schweizer Magazin, die Zeit[24], die Neue Zürcher Zeitung[25], oder Die Presse.[26] Seit Januar 2011 ist sie zudem als Kolumnistin für Spiegel Online tätig und schreibt in der wöchentlichen Rubrik S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle.[27]

Für die Schweizer Sängerin Sina hat Sibylle Berg zahlreiche Songtexte verfasst[28][29], für Phillip Boa and the Voodooclub schrieb sie den Text Speed.[30] Phillip Boa and the Voodooclub sind neben Rammstein oder Element of Crime auch als musikalische Gäste auf Bergs Leseaufnahme Sex II (1999) zu hören.

Im Januar 2016 sprach sie für die vierteilige ZDF-Talkshow Schulz und Böhmermann selbst verfasste, satirische Texte zur Vorstellung der geladenen Gäste ein.[31]

Lehrauftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 hat Berg einen Lehrauftrag an der Zürcher Hochschule der Künste im Bereich Dramaturgie.[32]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sibylle Bergs Werke wurden in 34 Sprachen übersetzt[33], alleine ihre Theaterstücke in 26 Sprachen[34].

Bergs Debüt Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot wurde trotz unterschiedlicher Kritiken (beispielsweise bewertete ihn die Frankfurter Allgemeinen Zeitung eher negativ[35], der Spiegel jedoch eindeutig positiv[36]) ein Publikumserfolg. Auf Basis des Romans schrieb Stephan Buckheimer eine Bühnenfassung[37], die 1999 in Stuttgart am Theater Rampe Premiere hatte[38] und in Folge auch beim Theaterfestival Stücke 2000 in Oberhausen gespielt wurde[39].

Der Bochumer Musiker Karsten Riedel hat Texte von Sibylle Berg vertont.[40]

Daniel Schreiber beschreibt Bergs Figuren als „prall gefüllt mit unerfüllbaren Sehnsüchten, in gruseligen Beziehungen lebend und mit unzulänglichen Körpern ausgestattet“, die sie „durch das Fitnessstudio des real existierenden Neoliberalismus jagte und erbarmungslos scheitern ließ“.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Herausgeberin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot. UA: Theater Rampe in Stuttgart, 1999.
  • Helges Leben. UA: Bochum, 2000.
  • Eine Stunde Glück Theater und Orchester Heidelberg 2000
  • Hund, Frau, Mann. UA: Theater Rampe, 2001.
  • Herr Mautz. UA: Oberhausen, 9. März 2002, Regie: Klaus Weise, für Hauptdarsteller Rolf Mautz geschrieben.
  • Schau da geht die Sonne unter. UA: Bochum, Frühjahr 2003.
  • Das wird schon. Nie mehr Lieben! UA: Bochum, Herbst 2004.
  • Wünsch dir was. Ein Musical. UA: Schauspielhaus Zürich, 2006.
    • Buchausgabe in: Vier Stücke (mit Helges Leben, Schau da geht die Sonne unter und Das wird schon). Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-020168-8.
  • Hongkong Airport 23.45. Hörspiel, WDR 2007, 73 Min. Regie: Claudia Johanna Leist.
  • Von denen, die überleben. UA: Schauspielhaus Zürich, 2008.
  • Die goldenen letzten Jahre. UA: Theater Bonn, 2009.
  • Nur Nachts. UA: Wiener Akademietheater, 26. Februar 2010, Regie: Niklaus Helbling.
  • Hauptsache Arbeit! UA: Staatstheater Stuttgart, März 2010.
  • Missionen der Schönheit. UA: Staatstheater Stuttgart, 30. September 2010, Regie: Hasko Weber.
  • Lasst euch überraschen! Ein Weihnachtsstück. UA: Theater Bonn, 3. Dezember 2010.
  • Der Mann schläft. Hörspiel. Bearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann, Erstausstrahlung am 12. Mai 2010 im NDR.
  • Die Damen warten. UA: Theater Bonn, 15. Dezember 2012, Regie: Klaus Weise.
  • Angst reist mit. UA: Staatstheater Stuttgart, 23. März 2013, Regie: Hasko Weber, Sibylle Berg.
  • Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen. UA: Maxim-Gorki-Theater, Berlin, 23. November 2013, Regie: Sebastian Nübling.[49]
  • Viel gut essen, von Frau Berg. UA: Halle Kalk des Schauspiel Köln, 18. Oktober 2014, Regie: Rafael Sanchez.[50]
  • Und jetzt die Welt. UA: 13. Januar 2015, Münchner Volkstheater, 70 Minuten [51]
  • Und dann kam Mirna. UA: Maxim Gorki-Theater, Berlin, September 2015, Regie: Sebastian Nübling.[52] – ausgezeichnet als „beste Berliner und Potsdamer Aufführung des Jahres 2015“ mit dem Friedrich-Luft-Preis
  • How to Sell a Murder House. Ein getanztes Immobilienportfolio. UA: Theater am Neumarkt, Zürich, Oktober 2015, Inszenierung: Sibylle Berg.[53][54][55][56]

Hörspiele / Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sibylle Berg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.kiwi-verlag.de/autor/sibylle-berg/518/ Berg auf der Seite des KiWi Verlags
  2. https://www1.muelheim-ruhr.de/kunst-kultur/theater/stuecke/berg%252C_sibylle/1102 Berg auf der Seite des Stücke Festivals Mülheim
  3. https://www.sibylleberg.com/de/es Homepage
  4. http://www.rp-online.de/kultur/buch/sibylle-berg-menschen-machen-mich-oft-traurig-aid-1.6105279 Berg in der Rheinischen Post
  5. a b c Fritz von Klinggräff, Schriftstellerin Sibylle Berg im Interview über Weimar. Thüringer Allgemeine, 12. August 2012, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  6. a b c d e f g Daniel Schreiber: Mit dem Leben davongekommen. Porträt in: Cicero, Juli 2012, S. 100–103 (online)
  7. Interview mit Sibylle Berg, Musikexpress, 29. April 2016, abgerufen am 19. Mai 2016.
  8. Zueri macht nass.
  9. [1] Seit 16 Jahren lebt sie in Zürich, der Stadt, in der sie schon immer wohnen wollte […] In diese Stadt habe sie sich verliebt, als sie zum ersten Mal in die Schweiz kam, damals gerade aus der DDR geflüchtet.
  10. a b Fritz von Klinggräff: Schriftstellerin Sibylle Berg im Interview über Weimar. Interview in: Thüringer Allgemeine, 18. August 2012.
  11. Seit acht Jahren ist sie mit einem muskulösen Glatzkopf verheiratet, den sie in Tel Aviv, ihrer Zweitheimat, kennengelernt hat.
  12. Sybille Berg: Mein kleines unruhiges Zweitland, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. September 2004, abgerufen am 19. Mai 2016.
  13. http://www.reclam.de/detail/978-3-15-021577-7/Berg__Sibylle/Ein_paar_Leute_suchen_das_Glueck_und_lachen_sich_tot
  14. http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/sibylle-berg/ Hanser Literaturverlage
  15. http://www.ikreidler.de/news.html
  16. http://www.kulturnews.de/knde/news.php?id=4315
  17. Preisträger*innen 2016. Abgerufen am 8. Juli 2016.
  18. Schauspielunion Zürich. Abgerufen am 8. Juli 2016.
  19. FAZ vom 5. Oktober 2010, Seite 32: Miss Po und der behaarte Affe
  20. "Und dann kam Mirna" mit Friedrich-Luft-Preis ausgezeichnet. In: Berliner Morgenpost, 5. März 2016, abgerufen am 7. Juli 2016.
  21. Spielplan Schauspiel Stuttgart. Abgerufen am 7. Juli 2016.
  22. Programmhinweis der Berliner Festspiele. Abgerufen am 6. Juli 2016.
  23. Programmhinweis des Theater Neumarkt. Abgerufen am 6. Juli 2016.
  24. Artikel von Sibylle Berg. In: Zeit Online, abgerufen am 9. Juni 2014.
  25. Autorenarchiv von NZZ Folio. Abgerufen am 6. Juli 2016.
  26. Sibylle Berg: Zu viele Weiber hocken da, das kann nichts werden. In: Die Presse, 11. Februar 2012.
  27. S.P.O.N. – Fragen Sie Frau Sibylle. Spiegel Online, abgerufen am 9. Juni 2014.
  28. https://www.discogs.com/de/artist/634462-Sibylle-Berg?filter_anv=0&subtype=Writing-Arrangement&type=Credits
  29. http://www.discogs.com/Sina-Marzipan/release/1350700
  30. http://www.discogs.com/Phillip-Boa-The-Voodooclub-The-Red/release/773373
  31. [2] ZDF-Seite zu Schulz und Böhmermann
  32. Sibylle Berg. Website des rowohlt-Theaterverlags.
  33. http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/sibylle-berg/ Hanser Literaturverlage
  34. http://www.rowohlt-theaterverlag.de/autor/Sibylle_Berg.71868.html rowohlt Theaterverlag
  35. Hubert Spiegel: Sind so kleine Köpfe. Nicht rezeptpflichtig: Sibylle Bergs Debüt
  36. http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-8688190.html Rezension im KulturSPIEGEL 4/1997
  37. http://www.rowohlt-theaterverlag.de/stueck/Ein_paar_Leute_suchen_das_Glueck_und_lachen_sich_tot.72514.html rowohlt-Theaterverlag
  38. http://www.rowohlt-theaterverlag.de/autor/Sibylle_Berg.71868.html
  39. http://www.sn-herne.de/index.php?cmd=article&aid=5878
  40. http://www.derwesten.de/staedte/bochum/karsten-riedel-kennt-keine-musikalischen-grenzen-id329608.html Veranstaltungshinweis auf derwesten.de, abgerufen am 1. August 2016
  41. Alle Ateliergäste der Landis & Gyr Stiftung. Abgerufen am 19. Mai 2016.
  42. Auszeichnungen der Stadt Zürich 2012. Abgerufen am 19. Mai 2016.
  43. Die Höhepunkte des Jahres: Feine Unterschiede. In: kultiversum. Abgerufen am 29. August 2014.
  44. Film und Medien Stiftung NRW: Preisträger des Hörspielpreises der Kriegsblinden 2016. Abgerufen am 19. Mai 2016.
  45. https://www1.muelheim-ruhr.de/kunst-kultur/theater/stuecke/berg%252C_sibylle/1102
  46. theaterderzeit.de
  47. Stephan Maus: Sibylle Berg: „Ende gut“. In: Süddeutsche Zeitung, 14. Februar 2005. (Rezension)
  48. Neuer Roman von Sibylle Berg – Die Liebe in den Zeiten der Pornografie. Rezension von Ursula März im Deutschlandradio Kultur vom 3. Februar 2015, abgerufen am 6. Februar 2015
  49. Keine Haltung, dafür aber Unterhaltung in FAZ vom 27. November 2013, Seite 29.
  50. Homepage Schauspiel Köln; Spielplan: Viel gut essen von Frau Berg, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  51. Youtube Trailer 1:45 Minuten, 2015
  52. Ein Rudel Rehe mit Reißzähnen in FAZ vom 10. Oktober 2015, Seite 14
  53. FAZ siehe oben
  54. Andreas Tobler: Männer, diese «verdammten Dings». Tages-Anzeiger, 10. Oktober 2015.
  55. Katja Bagger: Der Mann als aussterbende Spezies. In: Neue Zürcher Zeitung, 9. Oktober 2015.
  56. Christian Gampert: Hausgemacht: Sibylle Berg inszeniert sich. Deutschlandradio Kultur, 8. Oktober 2015. (Audio)