Sichelente

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sichelente
Sichelente, Männchen

Sichelente, Männchen

Systematik
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Anatinae
Tribus: Schwimmenten (Anatini)
Gattung: Eigentliche Enten (Anas)
Art: Sichelente
Wissenschaftlicher Name
Anas falcata
Georgi, 1775
Weibchen

Die Sichelente (Anas falcata) ist eine in Ostsibirien und Japan brütende Art der Eigentlichen Enten. Das Männchen weist im Prachtkleid stark verlängerte Schulterfedern auf, die weit über die hintere Rückenpartie fallen.

In Mitteleuropa wird sie in den letzten Jahrzehnten zunehmend beobachtet, allerdings dürfte es sich dabei überwiegend um Gefangenschaftsflüchtlinge handeln. Für die Niederlande gibt es jedoch fünf Beobachtungen in den 1990er Jahren, die als Wildvögel anerkannt sind.[1]

Erscheinungsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sichelente ist eine verhältnismäßig kleine Ente. Die Körperlänge beträgt zwischen 48 und 54 Zentimeter. Männchen wiegen zwischen 590 und 770 Gramm. Weibchen sind etwas leichter und wiegen zwischen 442 und 700 Gramm.[2]

Männchen weisen im Prachtkleid ein sehr kontrastreiches Gefieder auf. Stirn und Scheitel sind rotbraun. Über die Augen verläuft ein unscharf abgegrenzter schwarzer Streif. Von den Augen bis zum Genick ist das Gefieder metallisch grün. Der Kopf wirkt durch den Schopf sehr groß. Vorder- und Hinterbrust sind dunkelgrau und hellocker geschuppt. An den Flanken ist diese Schuppung deutlich kleiner. Auffällig sind die stark verlängerten Schulterfedern, die sich sichelartig über die hintere Rückenpartie geben. Sie haben im deutschen Sprachgebrauch zu dem Namen Sichelente geführt. Im Ruhekleid ähnelt das Männchen dem Weibchen. Allerdings weist der Kopf einen grünlichen Schimmer auf und die Wangen sind dunkler als beim Weibchen.[3]

Das Weibchen ähnelt den meisten Weibchen der Eigentlichen Enten. Ihr Gefieder weist Schattierungen in Gelbbraun und Braun auf. Auffällig sind auf der Brust die halbmondförmigen Abzeichen. Auch beim Weibchen deutet sich am Hinterkopf ein Schopf an, der den Kopf deutlich vergrößert erscheinen lässt.

Beide Geschlechter haben graugetönte Vorderflügel. Im Flug treten die weißen Säume des grünen Spiegels der Armschwingen allerdings deutlicher hervor. Der Schnabel ist bei beiden Geschlechtern dunkelgrau bis schwarz. Die Beine sind gelblich bis bläulich grau und haben dunklere Schwimmhäute.

Stimme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sichelenten sind außerhalb ihres unmittelbaren Brutreviers sehr stille Vögel. Das Männchen ruft schrill pfeifend tyu-tyu-vit...tyu-vit...tyu-tyu-vit, sowie leise uit-trrr. Das Weibchen hat ein raues Quaken. Bis 2005 waren für die Rufe der Sichelente keine Sonogramme veröffentlicht.[4]

Verbreitung und Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sichelente ist ein Brutvogel Ostsibiriens, der Mongolei, dem Nordosten Chinas und Japans. Auf der Kamtschatka-Halbinsel kommen Sichelenten nur gelegentlich vor. Sichelenten überwintern in Zentralchina, im Süden Japans und in Korea und dringen gelegentlich bis in den Süden Vietnams, Burma, Thailand und Laos vor. Zum Überwinterungsgebiet zählt auch noch der äußerste Norden Indiens. Hier werden allerdings überwiegend Weibchen beobachtet. [5]

Meldungen über Irrgäste liegen aus Großbritannien und Frankreich vor. Allerdings ist die Abgrenzung zu Gefangenschaftsflüchtlingen nicht immer gegeben.[6] Bestandsschätzungen reichen von 100.000 bis 1 Million Individuen. Sicher ist dass weniger als 3000 Individuen in Korea und knapp 8000 in Japan überwintern.[7] Obwohl sie in einigen Regionen durchaus häufig ist, geht man davon aus, dass der Bestand abnimmt. In Japan lässt sich zumindest ein Rückgang bei der Überwinterungspopulation feststellen. Sie steht unter Jagddruck. Insbesondere in China wird sie wegen ihres Fleisches und ihrer Federn gejagt.[8]

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sichelente ist eine an Süßwasser gebundene Entenart. Sie brütet an Seen, Teichen, Flüssen und in Sumpfgebieten. Sie präferiert dabei bewaldete Regionen. Außerhalb der Brutzeit hält sie sich auch an Lagunen, flachen Salzwasserbuchten, Überschwemmungsgebieten sowie in Reisanbaugebieten auf. Sie ist grundsätzlich eine scheue Art, die den Kontakt zum Menschen meidet.

Lebensweise und Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Brutzeit lebt sie paarweise oder in kleinen Familienverbänden. Außerhalb der Brutzeit kann man sie auch in größeren Schwärmen beobachten. Die Zeit, in der die Eier gelegt werden, fällt in Russland in den Zeitraum Mai bis frühen Juni. In Indien brütende Sichelente legen ihre Eier gewöhnlich nur im Juni

Sichelenten nisten gewöhnlich in Wassernähe am Boden. Das Gelege besteht im Regelfall aus acht bis neun Eier. Diese sind gelblich rosa gefärbt. Es brütet allein das Weibchen. Das Männchen hält sich zu Beginn der Brutzeit in der Nähe des Weibchens auf. Danach zieht das Männchen in die Mausergebiete. Die Dunenküken schlupfen nach einer Brutzeit von 24 bis 25 Tagen. In Gefangenschaft geschlüpfte Dunenküken wiesen ein durchschnittliches Gewicht von 27,2 Gramm auf.[9] Über das Brutverhalten in freier Wildbahn liegen bislang keine ausreichende Daten vor. Vermutlich ziehen Sichelenten aber nur eine Brut pro Jahr groß.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sichelente – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2, S. 87
  2. Gooders und Boyer, S. 36
  3. Kear, S. 495
  4. Kear, S. 495
  5. Gooders und Boyer, S. 37
  6. Kear, S. 496
  7. Kear, S. 496
  8. Kear, S. 496
  9. Kear, S. 496

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Janet Kear (Hrsg): Ducks, Geese and Swans. Oxford University Press, 2005, ISBN 0198546459
  • Hartmut Kolbe; Die Entenvögel der Welt, Ulmer Verlag 1999, ISBN 3-8001-7442-1
  • John Gooders und Trevor Boyer: Ducks of Britain and the Northern Hemisphere, Dragon's World Ltd, Surrey 1986, ISBN 1-85028-022-3