Sicherheitsausrüstung auf Sportbooten

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Koffer mit Seenotsignalmitteln

Die erforderliche Sicherheitsausrüstung auf Sportbooten ist vom Staat, in dem es registriert ist, vorgeschrieben. Die Vorschriften sind meistens von den zu befahrenden Gewässern (Binnenseen, Küstengebiete, Hochsee) und der Größe des Schiffes abhängig. Die bezeichneten Gegenstände müssen dauernd gebrauchsfertig an Bord mitgeführt werden. Der Schiffsführer ist dafür verantwortlich, dass die Sicherheitsausrüstung vollständig und einsatzbereit ist. Es ist in seinem eigenen Interesse, sich nicht auf die Angaben des Eigentümers zur Ausrüstung zu verlassen – dies gilt besonders bei Miet- oder Charterbooten. Auch die Crew sollte mit den Sicherheitsrichtlinien und den vorhandenen Hilfsmitteln vertraut gemacht werden.

Hinweis: Der Artikel gibt die aktuell in der Schweiz gültigen Gesetze wieder. Für Deutschland gibt es auch für Hochseefahrten im privaten Rahmen keine Ausrüstungsvorschriften, lediglich Empfehlungen. Diese werden etwa vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung oder vom Deutschen Segler-Verband (Kreuzerabteilung) herausgegeben.[1] Die Empfehlungen werden allerdings teilweise zu Vorschriften, wenn die Schiffe professionell eingesetzt werden, also z. B. für Charterfahrten. In den SOLAS-Vorschriften, die hauptsächlich für die Berufsschifffahrt gelten, finden sich im Kapitel V einige Punkte, die für Schiffe beliebiger Größe international gelten.

Im Sinne guter Seemannschaft ist das Mitführen einer dem befahrenen Gebiet entsprechenden Ausrüstung eigentlich selbstverständlich. Abgesehen von Bußgeldern können fahrlässige Unterlassungen auch zu Regressforderungen von Versicherungen führen. Welche Sicherheitsausrüstung bei Havarien empfehlenswert ist, versuchte das englische Magazin Yachting Monthly mit ihrer Crashtest-Yacht herauszufinden.

Benötigte Ausrüstungsgegenstände auf Binnenseen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizerische Binnenschifffahrtsverordnung (SR 747.201.1) verlangt für Sportboote die folgende Mindestausrüstung. Die Bodenseeschifffahrtsordnung, die auf dem ganzen Bodensee und dem Hochrhein von Stein am Rhein bis Schaffhausen gilt, enthält äquivalente Weisungen.

Für alle Schiffstypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es muss für jede sich an Bord befindliche Person ein Einzelrettungsmittel – in der Regel eine Rettungsweste – oder ein Platz in einem Sammelrettungsmittel – Rettungsboote oder Rettungsinseln – vorhanden sein. Auf den verhältnismäßig kleinen Jachten der Binnenseen sind Rettungsboote oder Rettungsinseln aufgrund ihres Platzbedarfes und ihres Preises eher unüblich. Rettungskissen, also schwimmende Sitzpolster, wie sie früher bei Motorbooten verbreitet waren, gelten nicht mehr als Rettungsmittel.[2]

Ruderboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segelschiffe bis 15 m2 Segelfläche oder Motorschiffe bis 30 kW Antriebsleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eimer (Pütz) oder Schöpfer
  • Horn oder Mundpfeife
  • Notflagge, 60×60 cm, rot
  • Bootshaken
  • Ruder oder Paddel, sofern das Schiff damit fortbewegt werden kann
  • Anker mit Trosse oder Kette (nicht für Segelschiffe unter 15 m2 Segelfläche)
  • Feuerlöscher, falls ein Einbaumotor vorhanden ist
  • Löschdecke oder zweiter Feuerlöscher, falls eine Kochgelegenheit vorhanden ist

Segelschiffe mit mehr als 15 m2 Segelfläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich:

  • Tauwerk mit ausreichend Haltekraft zum Festmachen am Steg
  • Rettungswurfgerät mit einer Schwimmleine

Motorschiffe mit mehr als 30 kW Antriebsleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich:

  • Lenzpumpe
  • Güterschiffe benötigen zusätzlich ein wirkungsvolles Schallgerät

Schiffe, die dem gewerbsmäßigen Personentransport für weniger als 12 Personen dienen, benötigen außerdem:

Kompass oder Radar sind für Schiffe vorgeschrieben, die bei unsichtigem Wetter (Nebel, Schneetreiben) auslaufen wollen.

Lichterführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schiffe, die Nachts unterwegs sind, müssen in der Lage sein, die entsprechend der benötigten Lichterführung vorgeschriebenen Lichter zu setzen. Ein weißes, ruhendes Rundumlicht als Notlicht gehört zur Sicherheitsausrüstung. Es kann batteriebetrieben sein oder eine Petrol- oder Öllampe.

Ausrüstungsrichtlinien für deutsche Sportboote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es die Ausrüstungsempfehlungen des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Des Weiteren gibt es Sicherheitsrichtlinien des Deutschen Seglerverbandes (DSV) sowie Forderungen des Germanischen Lloyds.[3] Für privat genutzte Sportboote gibt es aber keine rechtlich verbindlichen Vorschriften zur Ausrüstung, nicht einmal Rettungswesten müssen an Bord sein. Im Untersuchungsbericht zu einem tödlich verlaufenen Mann-über-Bord-Unglück kritisiert die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung diese laschen Vorschriften und fordert, eine Rettungswestentragepflicht zu prüfen.[4]

Gesetzliche Ausrüstungspflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Positionslaternen, vom BSH zugelassen, einschließlich Reserveglühbirnen,
  • Signalkörper
  • Schallsignalgeräte

Empfohlene Mindestsicherheitseinrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ohnmachtssichere Rettungsweste für jede Person
  • Kompass
  • Lenzpumpen (zwei Systeme von 5 bzw. 6 m³/h Leistung, davon eine handbetrieben)
  • Pütz
  • Eimer, Ösfass
  • Bootshaken
  • Taschenlampe
  • Fernglas
  • Feuerlöscher
  • Anker
  • Schleppleine
  • Signalhorn
  • Lifebelt
  • Rettungsring mit Wurfleine
  • Notsignale
  • Sturmstreichhölzer
  • Erste-Hilfe-Kasten
  • Rundfunkempfänger
  • Seekarten
  • Seebücher

Empfohlene Zusatzausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemein: Seefunkanlage, NAVTEX-Gerät, Internationales Signalbuch, Radarreflektor, Signalflaggen, Bordapotheke, Reservekanister, Ersatzteile, Werkzeug.
  • Navigation: Peilkompass, Echolot, Log, Navigator, Barometer, Sextant, Chronometer, Kartenzirkel, Kursdreiecke, Logbuch, Uhr.
  • Schwerwetter: Sturmfock, Trysegel, Reffeinrichtung, Reservepinne, Treibanker, Drahtschere, Leckdichtungsmittel, Beil.
  • Seenot: Mann-über-Bord-Boje mit Nachtrettungslicht, Rettungsfloß, EPIRB, Radartransponder.

Ausrüstungsrichtlinien für Jachten unter Schweizer Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausrüstung einer Jacht muss mindestens folgende Dinge umfassen, um einen Flaggenschein[5] beantragen zu können:[6]

Allgemeine Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • das für die Ausführung der Manöver erforderliche Material (Leinen usw.) in Stärke und Anzahl je nach Größe, Typ und Fahrtgebiet des Schiffs
  • zwei Anker und zwei Ankertrossen, davon eine mit mind. 10 m Kette
  • ein Schlepptross von mind. 5-facher Schiffslänge; sie kann als eine der Ankertrossen dienen
  • zwei, bei über 24 m langen Schiffen drei voneinander unabhängige Lenzpumpen, davon mindestens eine Handpumpe
  • Ösfässer oder Pütz (Eimer) in genügender Anzahl
  • ein Radarreflektor
  • zwei wasserdichte Lampen mit Batterien, die sich zum Signalisieren eignen
  • Havariewerkzeug: Dichtungsmaterial, Metallsäge, Beil, Messer, Hammer, Bolzenschneider usw.
  • Notpinne, die auf dem Ruderstock angebracht werden kann
  • Trinkwassernotvorrat in separatem Behälter von mind. 1,5 Liter pro Person
  • Bordapotheke mit Anleitung
  • für Schiffe ab 10 m Länge: ein Beiboot
  • für Schiffe ab 12 m Gesamtlänge: ein Aushang gemäß Regel 9 der Anlage V zum Internationalen Übereinkommen von 1973 zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL) mit den anzuwendenden Vorschriften betreffend die Abfallentsorgung laut Regeln 3 und 5 der erwähnten Anlage.
  • Zusätzliche allgemeine Ausrüstung für Segelschiffe
    • Bugkorb und Seereling von mind. 0,60 m Höhe mit fest verankerten Stützen und 2 Drahtdurchzügen
    • Sturmbesegelung
    • schwarzer Kegel (Siehe Lichterführung, Hauptverwendungszweck: Signalisation, dass das Schiff trotz gesetzter Segel unter Maschine läuft)

Navigationsausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichter, Schallsignale und Signalkörper gemäß Seestrassenordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Positionslichter
  • Ankerlicht
  • Pfeife, Horn, Glocke (abhängig von der Schiffsgröße)
  • zwei schwarze Bälle
  • Notlaterne

Feuerschutz und Feuerbekämpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mindestens zwei Handfeuerlöscher von mind. 2 kg der Brandklassen ABC
  • fest eingebautes Feuerlöschsystem (Löschdecke, Feuerlöschpumpe und Verteiler oder CO2-Anlage) für über 24 m lange Schiffe
  • Belüftungsvorrichtung für Motor-, el. Batterien- und Brennstofftankräume bei Schiffen mit Innenbordmotoren

Für den Einbau und Unterhalt von Flüssiggasanlagen sind die Vorschriften einer anerkannten Klassifikationsgesellschaft oder die Vorschrift Nr. 2388 der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) zu beachten.

Rettungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boje zum Markieren einer ins Wasser gefallenen Person, am Heckkorb befestigt
  • zwei Rettungsringe eines anerkannten Typs, wovon einer mit selbstzündendem Licht; sie müssen mit dem Namen der Jacht versehen und in Greifnähe des Rudergängers angebracht sein.
  • pro Person eine Rettungsweste eines anerkannten Typs (nach SOLAS oder EN396, EN399)
  • pro Person ein Sicherheitsgurt eines anerkannten Typs
  • eine oder mehrere aufblasbare Rettungsinseln von anerkanntem Typ oder ein starres Rettungsfloß gemäß SOLAS-Konvention (letzteres kommt nur für Schiffe ab 14 m Länge in Frage) mit einem Gesamtfassungsvermögen für alle Personen an Bord. Ein vorhandenes Beiboot ersetzt dabei keine Rettungsinsel. Die aufblasbaren Rettungsinseln sind periodisch (gemäß Vorschrift des Herstellers) durch eine spezialisierte Werkstätte prüfen zu lassen; die Rettungsinseln und -flöße müssen folgende Mindestausrüstung enthalten:
    • ein schwimmfähiger Wurfring mit mind. 30 m schwimmfähiger Leine
    • ein wasserdichte elektrische Lampe, die sich zum Signalisieren eignet
    • ein Messer
    • ein Ösfass
    • ein Seeanker (Treibanker)
    • zwei Schwämme
    • Flickzeug für die Luftkammern
    • zwei Paddel
    • eine Luftpumpe
    • ein Büchsenöffner
    • ein korrosionsbeständiger Messbecher
    • 0,5 l Trinkwasser pro Person
    • sechs Seekrankheitstabletten pro Person
    • zwei Seenotraketen mit Fallschirm
    • drei rote, automatische Handfeuerfackeln
    • Apotheke für erste Hilfe
    • Anleitung zum Überleben

Die Ausrüstung kann in einem separaten Behälter verpackt sein, welcher jedoch mit der Rettungsinsel verbunden sein muss.

Empfohlene Ergänzungsausrüstung für die Hochseefahrt (zusätzlich)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1 Liter Trinkwasser pro Person + 0,5 kg Notration (2'250 Cal oder 9,4 MJ) pro Person
  • ein Satz Fischfanggerät
  • Ersatzbatterien & -birne für die Lampe
  • drei rote, automatische Handfeuerfackeln
  • ein oranges Rauchsignal
  • ein Signalisierspiegel

Notsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • vier Seenotraketen mit Fallschirm
  • zwei orange Rauchsignale
  • vier rote automatische Handfeuerfackeln
  • Flaggen N und C

Zusätzlich empfohlen für die Hochseefahrt:

  • Seenotfunkbaken (406-MHz EPIRB, Emergency Position Indicating Radio Beacons)
  • zusätzliche Seenotraketen
  • Zahlreiche Küstenstaaten verlangen Seefunk bei einem festen Liegeplatz

SOLAS-Konvention, Kapitel V[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SOLAS-Konvention regelt international die Ausrüstungsvorschriften für die Berufsschifffahrt. Kapitel V enthält allerdings einige Vorschriften, die für sämtliche seegehenden Schiffe und Boote gelten.

Folgende Sicherheitsausrüstung ist international vorgeschrieben:

  • Ein Radarreflektor, optimalerweise nach ISO8279-1:2010 oder ISO8279-2:2009 – die Norm ist allerdings kaum umsetzbar
  • Eine Tabelle auf der sämtliche zulässigen Seenotsignale ersichtlich sind. Die Crew sollte in deren Verwendung unterrichtet sein, sowohl wie sie eingesetzt werden als auch was zu tun ist, wenn solche Zeichen beobachtet werden. Der Missbrauch von Notsignalen ist verboten.

Weiter enthält Kapitel 5[7] Vorschriften, die den Schiffsführer zu aktiver Unterstützung bei der Vermeidung von oder Hilfeleistung bei Havarien verpflichten. So muss er versuchen, die Küstenwache zu informieren, falls er Schifffahrtsgefahren ausmacht, die noch nicht gemeldet wurden. Darunter fallen unerwartet starke Winde oder gefährliches Treibgut. Auch Schiffsführer von Freizeitschiffen sind natürlich dazu verpflichtet, in Seenotfällen Hilfe zu leisten, sofern es die Möglichkeiten zulassen – eine Ausnahme wäre etwa, wenn dadurch das eigene Schiff oder die eigene Besatzung in erhebliche Gefahr geriete.

Vorgeschrieben ist auch eine ausreichende Routenplanung, die auf das verwendete Schiff, die Erfahrung und Größe der Crew und die erwarteten Wetterbedingungen Rücksicht nimmt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Broschüre Sicherheit auf dem Wasser (PDF-Datei; 5,8 MB)
  2. Rettungskissen und Rettungsbälle gelten ab 2013 nicht mehr als Rettungsmittel, Mitteilung des Yacht-Clubs Immensee
  3. Rolf Dreyer, Sportküstenschifferschein + Sportbootführerschein See, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2001
  4. Tödlicher Personenunfall an Bord der Charteryacht DESDEMONA am 21. September 2015 im Bereich der Ansteuerung von Rostock-Warnemünde zwischen den Fahrwassertonnen 9 und 11. Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung. S. 31. 26. April 2017. Abgerufen am 17. Juli 2018.
  5. Hochseejachten und Kleinboote, Schweizerisches Seeschifffahrtsamt
  6. Schweizerisches Seeschifffahrtsamt: Ausrüstungsrichtlinien (Stand Oktober 2011; PDF; 29 kB)
  7. SOLAS-Konventionen, Erklärungen zu Kapitel 5. Royal Yacht Association. Abgerufen am 24. Dezember 2015.