Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

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Filmdaten
Deutscher Titel Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen
Originaltitel Side Effects
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Steven Soderbergh
Drehbuch Scott Z. Burns
Produktion Lorenzo di Bonaventura,
Gregory Jacobs,
Scott Z. Burns
Musik Thomas Newman
Kamera Steven Soderbergh
(als Peter Andrews)
Schnitt Steven Soderbergh
(als Mary Ann Bernard)
Besetzung

Side Effects ist ein Thriller aus dem Jahr 2013 des Regisseurs Steven Soderbergh.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emily Taylor ist wegen Depressionen und akuter Suizidgefahr in Behandlung. Nachdem ihr Mann Martin nach vierjähriger Haft wegen Insiderhandels aus dem Gefängnis entlassen wurde, versucht sie offenbar mehrfach sich umzubringen. Ihr Psychiater, Jonathan Banks, fürchtet um ihre Sicherheit und möchte sie zunächst in der Klinik behalten, doch Emily überzeugt ihn davon, dass das nicht nötig ist. Dazu nimmt Jonathan Kontakt mit Emilys ehemaliger Ärztin, Dr. Victoria Siebert, auf.

Ein Pharmakonzern bietet Jonathan indes an, mit seinen Patienten an einer Teststudie eines neuen Antidepressivums teilzunehmen, wobei er viel Geld verdient. Auf Emilys Nachfrage hin und weil ihre ehemalige Ärztin Siebert es ihm empfahl, verschreibt er Emily ein anderes neues Antidepressivum namens Ablixa. Das Medikament scheint gut zu wirken und ermöglicht ihr ein normales Leben, abgesehen von Schlafwandeln, einer Nebenwirkung des Medikaments – bis sie eines Abends plötzlich Martin ersticht.

Emily, die offensichtlich nichts davon mitbekommen und die Tat im Zustand des Schlafwandelns begangen hat, wird vor Gericht gestellt. Jonathan kämpft um ihre Freilassung, da er sich sicher ist, dass Emilys Schlafwandeln eine Nebenwirkung von Ablixa war. Doch auch Jonathan wird von der Staatsanwaltschaft und seinen Kollegen zunehmend unter Druck gesetzt, da er Emily zuvor hatte nicht einweisen lassen – seine Karriere ist zu Ende. Schließlich wird Emily für nicht schuldig befunden, unter der Bedingung, dass sie in weiterer Behandlung durch Jonathan in einer Psychiatrie verbleibt.

Kurz nach dem Freispruch erkennt Jonathan Unstimmigkeiten in Emilys Schilderungen. So existiert eine Kollegin, von der Emily erzählte und die ihr angeblich Ablixa empfahl, nicht. Jonathan vermutet, dass Emily ihre Selbstmordversuche und die Nebenwirkungen lediglich vorgetäuscht hat, um ihren Mann umzubringen, und möchte nun unbedingt seinen Ruf wiederherstellen. Doch während er fieberhaft nach Indizien sucht, verstärkt sich der Druck auf ihn: Seine Frau verlässt ihn, seine Praxispartner beenden die Zusammenarbeit und der Pharmakonzern kündigt ihm.

Schließlich konfrontiert Jonathan Victoria mit seinen Vermutungen und findet dabei heraus, dass Victoria und Emily ein Verhältnis miteinander hatten. Emily, die zuvor mit Martin ein Luxusleben geführt hatte, wollte sich nach der Haftstrafe ihres Mannes nicht an ein durchschnittliches Leben gewöhnen und brachte Martin daher um. Victoria, die in Emily verliebt ist, hatte wiederum die Aktien des Herstellers von Ablixa manipulieren wollen, um damit viel Geld zu verdienen.

Victoria droht Jonathan offen. Doch Jonathan gelingt es schließlich, Emily gegen Victoria auszuspielen. Victoria wird festgenommen und Emily landet in der Psychiatrie, wo sie starke Medikamente einnehmen muss.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Side Effects hat Steven Soderbergh seine Regie-Karriere vorübergehend beendet. Der Hollywood-Regisseur, der Filme wie Out Of Sight oder Contagion in seiner Vita stehen hat, will sich künftig der Malerei und Musik widmen.[2]

Vor über zehn Jahren betrieb Drehbuchautor Scott Z. Burns mehrwöchige Recherchen in der psychiatrischen Abteilung des berühmten Rivervue Hospitals in New York City. Burns, damals Mitglied des Autorenteams der hochgelobten TV-Serie Wonderland, die die Behandlung psychischer Krankheiten aus der Perspektive von Ärzten und Patienten beleuchtet, führte lange Gespräche mit den Psychiatern und beobachtete ihre Arbeit mit seelisch kranken Patienten, von denen viele eine kriminelle Vergangenheit hatten. Während seiner Recherche fiel ihm auf, dass in den USA immer häufiger Antidepressiva und Schmerzmittel verschrieben wurden, die später mit Straftaten in Verbindung gebracht wurden. Der Film soll also auf den häufig unkontrollierbaren Umgang mit Psychopharmaka und seine Folgen aufmerksam machen.

Ebenfalls kritisiert Soderbergh den Umgang der Gesellschaft mit psychisch Kranken. Dass labilen Persönlichkeiten weniger Glaubwürdigkeit geschenkt wird und sie an den Rand der Gesellschaft gestellt werden, sei ein Makel, den man in den USA immer häufiger bemerken kann.[3][4] Häufiges Motiv in Filmen von Soderbergh ist die erschreckende Macht der Groß-Konzerne. Dies zeigt sich auch bei seinem letzten Film: Der ungeheure Einfluss der Pharma-Industrie auf die Gesellschaft.[5]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„So oder so erwartet euch ein spannender und stilvoller Thriller voller Intrigen, Täuschung und Doppelbödigkeit. Und das Schönste ist: Beim zweiten Sehen ist Side Effects – dann auf andere Weise – immer noch genauso gut und man kann sich auf die cleveren thematischen Zwischentöne sowie die herausragenden Darstellerleistungen konzentrieren.“

Andreas Staben: Filmstarts[6]

„Zu den vielen Virtuosenstückchen in Side Effects gehört auch ein großartig zynischer Werbespot für die Psychodroge Ablixa, in dem animierte dunkle Wölkchen mit Regenschauern über den Köpfen von allerlei Alltagsmenschen schweben, bevor die Wundertablette auftaucht und die Sonne wieder scheinen lässt. Man kann nur hoffen, dass Steven Soderberghs Aufstand gegen die Filmindustrie nicht in der Fernsehwerbung endet.“

„Es geht über die Stationen Gerichtsfilm, Psycho- und Verschwörungsthriller und, wahrhaftig, Softporn hin zu einem haarsträubend komplizierten Heist-Movie-Finale. Und damit zur eklatanten Schwäche dieses gerade im Mittelteil enorm gewitzten Films: Soderbergh kann sich von seinen nur vordergründig cleveren Ocean’s-Plots, die verlässlich mit einem langweiligen Ausbuchstabieren aller Unklarheiten enden, nicht lösen.“

Nino Klingler: Critic.de[8]

„Ein klarer, effektiv inszenierter Psychothriller, der sich sarkastisch mit der Medikamentensucht des amerikanischen Mittelstandes und dem Einfluss der Pharmaindustrie auseinandersetzt und auf originelle Weise mit den Erzählkonventionen des Genres spielt.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, April 2013 (PDF; Prüf­nummer: 138 210 K).
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Am Ende kommen Tabletten, Filmkritik von Andreas Kilb vom 24. April 2013
  3. Screenmagazin.com: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen vom 25. April 2013 (zuletzt aufgerufen am 12. Juli 2013)
  4. ingame.de: Filmkritik: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen vom 18. April 2013 (zuletzt aufgerufen am 12. Juli 2013)
  5. Unikosmos.de: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen vom 25. April 2013 (zuletzt aufgerufen am 12. Juli 2013)
  6. FILMSTARTS Filmkritik
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Em Ende kommen Tabletten, Filmkritik von Andreas Kilb vom 24. April 2013]
  8. Critic.de: Filmkritik von Nino Klingler vom 12. Februar 2013]
  9. Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 22. Oktober 2017.