Sidereus Nuncius

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Sidereus Nuncius, Titelseite der ersten Ausgabe, 1610

Sidereus Nuncius ist der Titel einer Schrift, die Galileo Galilei im März 1610 veröffentlichte und mit der er seinen Ruf als Astronom begründete[1]. Der Sidereus Nuncius wurde in lateinischer Sprache von Thomas Baglioni in Venedig gedruckt. Die Auflage betrug 550 Exemplare. Darin veröffentlichte Galilei erste astronomische Beobachtungen mit einem Teleskop.

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Nuncius (klassisch nuntius) im Titel bedeutet sowohl Bote als auch Nachricht. Der Name der Schrift lässt sich daher als Sternenbote oder auch als Nachricht von den Sternen übersetzen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorangestellt sind der Schrift Galileos Widmung an Cosimo Medici sowie die Genehmigungsvermerke der kirchlichen Inquisition und der Zensur der Republik Venedig. Im Text stellt Galileo das erst kurz zuvor in den Niederlanden entwickelte Teleskopfernrohr dar, dann seine damit gemachten Beobachtungen des Mondes, der Sterne und der Jupitermonde, die er nach seinem Patron und Mäzen Cosimo de’ Medici Mediceische Sterne nannte.

Fernrohr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Beobachtungen verwendete Galilei ein holländisches Fernrohr mit zwanzigfacher Vergrößerung. Solche Fernrohre werden heute auch Galilei-Fernrohre genannt. Im Sidereus Nuncius beschreibt Galilei, wie ein gut funktionierendes Fernrohr zu bauen sei.

Mond[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galilei beobachtete, dass die Linie, die den hellen Teil des Mondes von dem dunklen Teil trennt (die Tag-Nacht-Grenze), glatt verlief in dunkleren Regionen des Mondes, jedoch unregelmäßig in helleren Bereichen. Daraus leitete er ab, dass die dunkleren Regionen niedrig-liegende Ebenen seien, die helleren uneben und von Bergen bedeckt. Galileis Stiche der Mondoberfläche waren der Beginn der Mondkartierung (Selenografie). Obwohl die Zeichnungen so genau sind, dass sich daraus sogar das exakte Beobachtungsdatum zurückrechnen lässt, setzte Galilei die Abbildung eines nicht-existenten großen Mondkraters an der Tag-Nacht-Grenze hinzu[2].

Sterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galileis Zeichnungen des Sternenhaufens der Plejaden aus dem Sidereus Nuncius. Mit freundlicher Genehmigung der History of Science Collections, University of Oklahoma Libraries.

Galilei berichtet, dass er mindestens zehnmal so viele Sterne mit dem Fernrohr sehen konnte wie mit dem bloßen Auge. Seine Sternkarten des Oriongürtels und der Plejaden zeigen einige der neu beobachteten Sterne. Mit bloßem Auge konnten Beobachter nur sechs Sterne im Sternbild des Stiers sehen; mit seinem Fernrohr sah Galilei fünfunddreißig. Er berichtet auch, dass einige im Sternenkatalog des Ptolemäus als „neblig“ bezeichnete Sterne sich aus vielen kleinen Sternen zusammensetzten. Ebenso urteilt er, dass die Milchstraße aus unzähligen Sternen bestehe, die zu klein und entfernt seien, um mit bloßem Auge als solche erkannt zu werden.

Jupitermonde oder Mediceische Sterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im letzten Teil des Sidereus Nuncius berichtet Galilei von seiner Entdeckung von vier Objekten, die nahe dem Jupiter auf einer geraden Linie standen. In der ersten Nacht sieht er drei kleine Sterne auf einer Linie parallel zur Ekliptik; die folgenden Nächte zeigen sich wechselnde Anordnungen und ein viertes Objekt seinem Blick. Daraus, dass sie ihre Position zum Jupiter von Nacht zu Nacht ändern, aber immer auf der gleichen Linie stehen, schließt Galilei, dass es sich um vier Körper auf Umlaufbahnen um den Jupiter handle. Zu Ehren der vier Söhne der Familie Medici nennt er die Körper Mediceische Sterne.

Fälschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2007 wurde ein angebliches Exemplar des Buches mit vermeintlichen Original-Zeichnungen von Galilei entdeckt, die als Vorlage für die in den anderen Exemplaren enthaltenen Kupferstiche gedient haben sollen.[3] Diese von Horst Bredekamp 2007 in einer Monografie[4] gewürdigte und von ihm und anderen für echt befundene[5], sensationelle Entdeckung erwies sich durch Forschungen des Historikers Nick Wilding 2011 als Fälschung, die vom italienischen Privatgelehrten und Antiquar Marino Massimo De Caro in den Antiquitätenhandel gebracht worden war.[6][7][8][9]

Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erinnerung an Galileis Schrift wurde der Titel Sternenbote 1958 als Name einer in Wien erscheinenden astronomischen Monatsschrift gewählt.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Galileo Galilei: Sidereus Nuncius. (Nachricht von neuen Sternen). Herausgegeben und eingeleitet von Hans Blumenberg. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-27937-8 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 337).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelia Liesenfeld: Die Astronomie Galileis und ihre Aktualität heute und morgen, Augsburger Schriften zu Theologie und Philosophie, LitVerlag Münster 2003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sidereus Nuncius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Hehl: Galileo Galilei kontrovers – ein Wissenschafter zwischen Renaissance-Genie und Despot, Springer 2017
  2. Vgl. den Aufsatz von Horst Bredekamp, Angela Fischel, Birgit Schneider, Gabriele Werner: Bilder in Prozessen in Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik. Band 1,1, März 2003 Bildwelten des Wissens (Memento vom 24. Mai 2013 im Internet Archive) (PDF; 1,6 MB).
  3. Markus Becker: Galileis erste Mond-Bilder entdeckt, Der Spiegel am 30. März 2007, abgerufen am 30. Dezember 2013
  4. Horst Bredekamp: Galilei der Künstler: Der Mond. Die Sonne. Die Hand., Berlin, Akademie 2007
  5. Irene Brückle, Oliver Hahn, Paul Needham, Horst Bredekamp (Hrsg.): Galileo’s O, Akademie Verlag, 2011, ISBN 978-3-05-005095-9
  6. Elisabetta Povoledo: At Root of Italy Library’s Plunder, a Tale of Entrenched Practices, The New York Times am 11. August 2012, abgerufen am 1. Januar 2014
  7. Nicholas Schmidle: “A Very Rare Book”. The mystery surrounding a copy of Galileo’s pivotal treatise, The New Yorker, 16. Dezember 2013, S. 62
  8. Stephan Speicher: Hinter dem Mond, Süddeutsche Zeitung, 21. Dezember 2013, S. 11
  9. Hanno Rauterberg: Der gefälschte Mond, Die Zeit, 27. Dezember 2013, abgerufen am 29. Dezember 2013. Auf Rauterbergs Kritik antwortete Bredekamp, Die Zeit, 9. Januar 2014, S. 44