Sidestick

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Cockpit des Airbus A380, der mit zwei Sidesticks ausgestattet ist.
Sidestick eines Airbus A380 mit priority pushbutton (rot)

Der Begriff Sidestick [ˈsaɪdstɪk], deutsch Seitenknüppel, bezeichnet einen joystick-ähnlichen Steuerknüppel, der das konventionelle Steuerhorn bzw. die Steuersäule eines Luftfahrzeuges ersetzt.

Im Gegensatz zum Steuerhorn, das vor dem Piloten positioniert ist, befindet sich der Sidestick neben dem Piloten. Er wird nur mit einer Hand bedient.

In der kommerziellen Luftfahrt finden elektronische Sidesticks besonders in Flugzeugen des europäischen Flugzeugherstellers Airbus Verwendung. Hier laufen die elektrischen Steuersignale des Sidesticks in einem Computer zusammen, und es kommt die Fly-by-wire-Technik zum Einsatz. Die in Airbusflugzeugen zum Einsatz kommenden Sidesticks sind mit einem sogenannten „side stick priority pushbutton“ ausgestattet. Damit kann durch kurzes Betätigen der Autopilot abgeschaltet werden. Wird der Knopf länger als 30 Sekunden gedrückt, wird der zweite Sidestick deaktiviert.[1] Das ist erforderlich, da es schon Beinaheunfälle gegeben hat, wenn Pilot und Copilot gleichzeitig und evtl. gegensätzlich ihren Sidestick bedienen, was nicht vorgesehen ist.[2]

Es existieren auch neuere Kampfflugzeuge mit elektronischen Sidesticks. Mechanische Sidesticks kommen zum Beispiel in der Speed Canard zum Einsatz.

Bei einer klassischen Steuerknüppel-Ausführung werden die Kräfte, die während des Fluges auf das Flugzeug wirken, in Form von Widerstand und Ausschlag auf die Steuereinheit übertragen. Beim elektronischen Sidestick entfällt diese Rückmeldung. Neuerdings kommen sogenannte „aktive“ Sidesticks zum Einsatz, die eine elektronisch geregelte Kraftrückkopplung realisieren.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Zwischenfälle, die ursächlich auf die Sidestick-Technologie zurückgeführt werden, sind nur wenige bekannt. So wurden 2001 bei einem Airbus 320-200 im Rahmen von Wartungsarbeiten Drähte der Querruderansteuerung beim Wechseln eines Steckers am linken Side-Stick vertauscht, sodass die Querruder entgegengesetzt zur Eingabe am linken Sidestick ausschlugen. Der zweite Flugzeugführer übernahm sofort die Steuerung, korrigierte mit dem rechten Sidestick die Querlage des Flugzeuges und konnte sicher landen.[3] Da bei modernen Flugzeugen auch bei der Steuerhorn-Ausführung die Fly-by-Wire-Technik zum Einsatz kommt, wäre der Fehler dort genauso möglich.
Nach Ansicht von Chesley B. Sullenberger, Sachverständiger für Flugunfälle, wäre das Flugunglück des Air-France-Fluges 447 im Juni 2009 mit einer Boeing, die klassische Steuerhörner verwendet, mit geringerer Wahrscheinlichkeit geschehen, da diese mechanisch gekoppelt sind und jede Steuereingabe des einen Piloten somit für den anderen Piloten klar erkennbar ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWebsite mit Infos zur Sidestickbedienung. Abgerufen am 11. September 2009.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPublikation der BFU zu einer Störung durch falsche Sidestickbenutzung. Abgerufen am 30. Januar 2014.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPublikation der BFU über eine schwere Störung nach Wartungsarbeiten. Abgerufen am 24. Januar 2013.