Sidi Ifni

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Dieser Artikel behandelt die Stadt; für die Provinz siehe Sidi Ifni (Provinz).
Sidi Ifni
Wappen von Sidi Ifni
Sidi Ifni (Marokko)
Sidi Ifni
Sidi Ifni
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Guelmim-Oued Noun
Provinz: Sidi Ifni (Provinz)
Koordinaten 29° 23′ N, 10° 10′ W29.379166666667-10.17361111111130Koordinaten: 29° 23′ N, 10° 10′ W
Einwohner: 21.618 (2014[1])
Höhe: 30 m
Sidi Ifni – Ortsansicht

Sidi Ifni – Ortsansicht

Sidi Ifni (arabisch سيدي إفني, DMG Sīdī Ifnī; Tamazight ⵙⵉⴷⵉ ⵉⴼⵏⵉ) ist eine am Atlantischen Ozean gelegene marokkanische Küstenstadt etwa 22.000 Einwohnern. Sie trägt den Beinamen „Tor zur Sahara“ (porte du Sahara). Sidi Ifni ist Hauptstadt einer gleichnamigen Provinz[2] und liegt in der Region Guelmim-Oued Noun.

Lage[Bearbeiten]

Sidi Ifni liegt am Atlantischen Ozean etwa 170 km (Fahrtstrecke) südwestlich von Agadir. Bis nach Marrakesch sind es etwa 400 km in nordöstlicher Richtung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Offizielle Bevölkerungsstatistiken werden erst seit 1994 geführt und veröffentlicht.

Jahr 1994 2004 2014
Einwohner 19.722 20.051 21.618

Die leichte Zunahme der Einwohnerzahl beruht hauptsächlich auf der Zuwanderung von Menschen, vorwiegend Berbern, aus anderen Regionen des Landes.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt war und ist der Fischfang. Vor den Toren der Stadt werden Adlerfische, Sardinen, Seezungen, Doraden, Thunfische und zahlreiche weitere Arten gefangen. Nach dem Ende der einzig verbliebenen Fischfabrik 2008 werden Fische nur noch für den Eigenbedarf, die Märkte und die umliegenden Restaurants gefangen.

Allerdings fehlt es der Stadt an Arbeitgebern. Kleine Gewerbe und Straßenhändler bieten jungen Leuten beruflich nur wenig Perspektive. Es gibt aufgrund der überwiegend jungen Bevölkerung eine hohe Arbeitslosigkeit, welche manchmal auch zu größeren Spannungen führt. So bewirkte die Schließung des letzten größeren Arbeitgebers vor Ort, der Fischfabrik, 2008 Proteste und Aufstände und führte letztendlich zu Konfrontationen mit der Polizei.

Wirtschaftliche Bedeutung haben auch die im Hinterland Sidi Ifnis wachsenden Opuntien und Arganbäume. Kooperativen produzieren und vermarkten lokale Produkte; diejenige von Tafyucht nahe dem kleinen Ort Meesti produziert Arganöl und die nahe Sbouya gelegene Kooperative Aknari stellt Produkte aus Kaktusfeigen her.

Ein anderer Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Der nächstgelegene internationale Flughafen von Agadir ist ca. 170 Kilometer entfernt. Von dort existiert eine Linienbusverbindung.

Sidi Ifni liegt in unmittelbarer Nähe von zahlreichen mehr oder weniger einsamen Sandstränden. Zahlreiche Orte haben bis heute ihre Wildheit und Unberührtheit erhalten. Zu erwähnen sind vor allem Strände bei Leghzira und Mirleft im Norden und bei Sidi Ouarzig im Süden.

Im Januar 2009 wurde entschieden, Sidi Ifni in den Status einer Provinz zu erheben. Dieses wird aufgrund der neu im Ort aufzubauenden Verwaltung auch die Nutzung der natürlichen und ortsgegebenen Ressourcen nach sich ziehen. Außerdem wird sich das soziale und wirtschaftliche Leben nachhaltiger und zielgerichteter entwickeln können.

Geschichte[Bearbeiten]

Das jetzige Sidi Ifni trägt seinen Städtenamen seit seiner Gründung durch die Spanier 1934. Es wurde als Nachfolge eines ursprünglich weiter südlich um 1476 unter dem Gouverneur der Kanarische Inseln, dem Spanier Diego de García Herrera, angelegten Stützpunktes für Sklavenjagden und Fischerei, genannt Santa Cruz del Mar Pequeña, angelegt.

Obwohl Santa Cruz del Mar Pequeña damals durch seine spanischen Eroberer sogleich mit einer Festung gesichert worden war, fiel diese nach diversen Aufständen seitens der lokalen Bevölkerung des Stammes der Aït Baamrane schon ca. 50 Jahre später wieder in deren Hände zurück. Die Spanier gaben den Ort auf und er wurde in der Folge vergessen.

Ein spanisch-marokkanischer Vertrag von 1767, welcher inhaltlich von einem späteren aus dem Jahr 1860 bestätigt wurde, trat Spanien ein fälschlicherweise ein anderes Gebiet als das Ergebnis der Verträge von Tanger ab, von welchem ausgehend Spanien Fischerei und Fischhandel betreiben konnte. Im Jahr 1884 wurde dieses Gebiet spanische Kolonie. Unter Franco wurde dieser Ort 1934 in einen militärischen Stützpunkt umgewandelt und die Stadt Sidi Ifni gegründet. Diese neue Stadt sollte das politische Zentrum Spanisch-Westafrikas werden und den Spaniern als Militärgarnison dienen.

Mit Hilfe spanischer Finanzierung entwickelte sich der Ort schnell. Nach einem geometrischen Masterplan der Kolonialherren wurden Straßen, Alleen, zentrale Plätze, Kasernen, Schmuckbauten, Krankenhaus und Verwaltungsgebäude im Art-Déco-Stil errichtet. Die Stärkung der Infrastruktur besaß höchste Priorität und es entstanden alsbald ein Flughafen (International Code: SII) und ein befestigter Seehafen. Nahezu 15.000 spanische Soldaten und Militärs residierten in diesen Jahren mit ihren Familien in Sidi Ifni. Freizeitangebote wie Kinos, Zoo, Cafés oder Kasino boten genügend Abwechslung.

Obwohl das Territorium um Sidi Ifni kaum richtig befriedet war, konnte Spanien während der marokkanischen Unabhängigkeit 1956 Sidi Ifni gemeinsam mit Ceuta, Melilla und Westsahara halten. Das Hinterland Sidi Ifnis wurde jedoch bereits 1957 von der Armée de Liberation Marocaine besetzt, es kam zum Ifni-Krieg zwischen Spanien und Marokko. In den 1960er Jahren nahm der internationale Druck auf Spanien zu. Zwischen Franco und Hassan II. geführte Verhandlungen mündeten schließlich in den Verträgen von Fès vom 4. Januar 1969. Hier wurde das Ende der spanischen Souveränität besiegelt und der Abzug der spanischen Truppen und Besatzung geregelt. Das Territorium von Ifni fiel zurück an Marokko. In Sidi Ifni blieben nur einige wenige Spanier zurück. Eine gewisse Berühmtheit erlangte hier Maria Guomez, genannt Maria, die als letzte Spanierin erst 2001 in Sidi Ifni verstarb.

Architektur[Bearbeiten]

Gouverneurspalast, Sidi Ifni

Sidi Ifni wurde von den Spaniern in den 1930er Jahren in sehr kurzer Zeit erbaut. Es verwundert daher nicht, dass das alte Zentrum der Stadt noch heute wie aus einem Guss wirkt. Obwohl oft schlecht gepflegt oder äußerlich leicht verändert, offenbart sich dem Besucher noch immer die Schönheit der gesamten Art Deco-Stadtgestaltung, wie sie heute nur noch selten zu finden ist. Besonders erwähnenswert sind das Gebäude der ‚Alten Admiralität‘ im Stil der Streamline-Moderne, die Kathedrale (heute Gericht), der Leuchtturm, der Gouverneurspalast, der Twist Club und zahlreiche Wohnhäuser im Herzen des alten Stadtkerns. Ein besonders schönes Beispiel ist der spanische Platz mit der angrenzenden Rue Sidi Mohammed, einer von Palmen gesäumten Allee mit kubischen Häusern und blühenden Gärten.

Nachdem im Jahr 2008 entschieden wurde, die Provinzverwaltung von Tiznit zu trennen und eine Provinz Ifni zu gründen, wird einigen der alten Gebäude bald ein neuer Verwendungszweck zukommen und sie werden aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. 2008 wurde ebenfalls das alte Zentrum Sidi Ifnis von Marokko als schützenswert anerkannt und eine Schutzzone ausgewiesen. Diese ersten Schritte deuten auf eine Veränderung in Marokkos Umgang mit den von den Spaniern hinterlassenen Kulturschätzen an. Eine Schwierigkeit bleibt dennoch weiter bestehen: Spanien besitzt nach der Aufgabe der Enklave weiterhin einige Anlagen und Gebäude in Ifni. Darunter fallen auch das ehemalige Konsulat und die Kathedrale. Aufgrund von Befindlichkeiten und Dissonanzen zwischen Spanien und Marokko konnten diese Gebäude und Anlagen bislang keinen neuen Zwecken zugeführt werden. Für die Entwicklung der Stadt Sidi Ifni bleibt eine Lösung wünschenswert.

Kultur[Bearbeiten]

Der 2009 von dem Belgier Frédéric Dumont in Sidi Ifni gedrehte Film Un ange à la mer („Engel am Meer“) erhielt im selben Jahr die Auszeichnung „Kristallglobus“ für den besten Film auf dem zum 44sten Mal stattfindenden Filmfestival Karlovy Vary in Tschechien sowie den Darstellerpreis für Olivier Gourmet. Er kam Anfang 2010 in die belgischen Kinos.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre de Cénival/Fréderic de La Chapelle: Possessions espagnoles sur la côte occidentale d'Afrique: Santa Cruz de Mar Pequeña et Ifni. In: Hespéris XXI, Paris 1935, S. 19–77.
  • Tomás García Figueras: Santa Cruz de Mar Pequeña - Ifni - Sáhara. La acción de España en la costa occidental de Africa, Madrid 1941.
  • Pierre de Oliva: Notes sur Ifni. In: Revue de Géographie du Maroc 19, Rabat 1971, S. 85–96.
  • Pierre Pelissier: Territoires espagnols d'Afrique: I. Ifni ou les larmes de l'Infante. In: Le Monde 24. Oktober 1967, S. 7.
  • Fritz Kalteis: Sidi Ifni - oder: Die wieder geborene Stadt. Tages Anzeiger, 8. September 2004, S. 11.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sidi Ifni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstatistik Marokko
  2. Provinz Sidi Ifni – Statistik