Sidonia Hedwig Zäunemann

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Sidonia Hedwig Zäunemann, mit dem Dichterlorbeer bekränzt, 1738

Sidonia Hedwig Zäunemann (* 15. Januar 1714[1] in Erfurt; † 11. Dezember 1740 bei Plaue) war eine deutsche Dichterin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sidonia Hedwig Zäunemann wurde 1714 als Tochter des Advokaten und Notars Paul Nikolas Zäunemann in Erfurt geboren und wuchs dort in einer bürgerlich-strenggläubigen Familie auf, in deren Wohnung sie bis zu ihrem frühen Tod 1740 lebte. Schon früh zeigte sich ihre Tendenz, aus der vorgegebenen weiblichen Rollenverteilung ihrer Zeit auszubrechen. Sie zeichnete sich durch großen Lerneifer aus und brachte sich selbst Französisch und Latein bei.

Sie reiste zu Pferd und als Mann verkleidet, da es sonst in dieser Zeit für eine Frau unmöglich war, so etwas alleine, beziehungsweise ohne männliche Begleitung zu unternehmen. Auf diese Weise besuchte sie öfter ihre Schwester in Ilmenau, wo sie zu den ersten Frauen gehörte, die ein Bergwerk besuchten, ein damals beschwerliches, mit einer mehrstündigen Einfahrt in den Berg verbundenes Unterfangen. Ihre Eindrücke davon verarbeitete sie in ihrem Gedicht Das Ilmenauische Bergwerk (1737).[2]

Zu Zäunemanns bekanntesten Werken zählen ihre Gedichte, die ersten waren Gelegenheitsdichtungen für Hochzeiten und andere Festlichkeiten. Für den curieusen und immerwährenden astronomisch-meteorologisch-oeconomischen Frauenzimmer-Reise- und Hand-Calender von Johann Michael Funcke schrieb sie die Vorrede.[3]

Als ihr dichterisches Vorbild bezeichnete sie Christiana Mariana von Ziegler (1695–1760), die den gesellschaftlichen Normen mehr angepasst und offenbar deshalb bekannter und beliebter als Zäunemann war. Diese wurde 1733 von der Universität Wittenberg als erste Frau mit dem Titel Poeta laureata (kaiserlich gekrönte Dichterin) geehrt. 1738 erhielt Sidonia Hedwig Zäunemann ihrerseits diesen Ehrentitel von der Universität Göttingen.

Grab in Plaue

In ihrem Werk greift sie radikal und selbstbewusst die gesellschaftliche Vorherrschaft der Männer an und verurteilt die These, dass Frauen Menschen zweiter Klasse seien.[4] Durch ihre Äußerungen und ihr unkonventionelles Leben galt sie als Außenseiterin, und ihr Einfluss auf spätere Dichterinnen war dadurch geringer als der von Christiana Mariana von Ziegler. Allerdings ist ihr weniger ausgeprägter Einfluss auf ihre Nachfolgerinnen auch mit ihrer kurzen Lebenszeit von nur 26 Jahren zu begründen; Ziegler wurde mehr als doppelt so alt.

Sidonia Zäunemann ertrank 1740 bei einem ihrer Ausritte, als sie beim Überqueren einer vom Hochwasser beschädigten Brücke über die Gera bei Angelroda in die Fluten stürzte.

Hauptwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zäunemannin, Sidonia Hedwig. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 60, Leipzig 1749, Spalte 1126 f.
  • P. St. Selig Cassel: Erfurt und die Zäunemannin. Eine literaturhistorische Skizze. In: Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache, Litteratur und Kunst, III. Band (1855), S. 426–457 (Digitalisat)
  • Woldemar LippertZäunemann, Sidonia Hedwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 44, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 723–725.
  • Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.): Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-596-21994-9, S. 121 ff.
  • Jean M. Woods, Maria Fürstenwald: Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und gelehrte Frauen des deutschen Barock. Ein Lexikon. Metzler, Stuttgart 1984, S. 135–136, ISBN 3-476-00551-8.
  • Göttingen im 18. Jahrhundert. Eine Stadt verändert ihr Gesicht. Texte und Materialien zur Ausstellung im Städtischen Museum und im Stadtarchiv Göttingen 26. April – 30. August 1987. Göttingen 1987, S. 326–327.
  • Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.): Deutsche Literatur von Frauen. Erster Band. Vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. München 1988, ISBN 3-406-32814-8, S. 307 ff.
  • Sabine Koloch: Auszeichnungs- und Medienkultur der Aufklärung. Die Krönungsmedaillen auf die thüringische Dichterin Sidonia Hedwig Zäunemann – zeitgenössische Quellen, beteiligte Personen, kulturpolitische Signalfunktion. In: Goethezeitportal. URL: http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/epoche/koloch_auszeichnungs-medienkultur.pdf (8. August 2015)
  • Dies.: Rollenspektrumerfassung ‒ eine heuristische Methode zur Erschließung des Wirkungspotenzials von Autor/inn/en am Beispiel von Sidonia Hedwig Zäunemann. Mit Randbemerkungen zur Krise der literaturwissenschaftlichen Germanistik und mit Vorschlägen zu einem Literaturlexikon der Zukunft. In: Jahrbuch für internationale Germanistik, ISSN 0449-5233, Bd. 48 (2016), 1, S. 73–120.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Sidonia Hedwig Zäunemann – Quellen und Volltexte
 Commons: Sidonia Hedwig Zäunemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ute Wermer: Wer will die Zeiten loben? Eine Barockdichterin zwischen Hofknicks und Waldritt. in Potsdamer Forschungen 2009, Heft 2, ISSN 0939-9674
    und Biografie auf zeno.org, abgerufen 23. August 2010. Geburtsdatum noch strittig?
  2. Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.) 1988, S. 310.
  3. Curieuser und immerwährender astronomisch-meteorologisch-oeconomischer Frauenzimmer-Reise- und Hand-Calender. Erfurt 1737-1744, Vorrede; SLUB Dresden
  4. Zu diesem Thema vergleiche Querelle des femmes und Ob die Weiber Menschen seyn, oder nicht?