Sidonia von Borcke

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Sidonia von Borcke, Darstellung des 18. Jhd.

Sidonia von Borcke, auch Sidonie von Bork, (* 1548, Burg Stramehl[1]; † 28. September 1620 in Stettin) war eine pommersche Adelige. Sie wurde wegen Hexerei verurteilt und hingerichtet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sidonia von Borcke wurde im Jahre 1548 als Tochter von Otto von Borcke zu Stramehl-Regenwalde († 1551) aus dem pommerschen Adelsgeschlecht Borcke und Anna von Schwiechelt († 1568) geboren. Sie blieb unverheiratet. Wegen des ihr als Frau vorenthaltenen Rechts, selbst über ihr väterliches Erbe verfügen zu dürfen, prozessierte sie gegen ihren Bruder und Herzog Johann Friedrich. Durch Zänkerei, Klatschsucht und allerlei Händel machte sie sich in weiten Kreisen unbeliebt.[2]

1600 starb ihre Schwester. Wieder machte Sidonia von Borcke vergeblich ihre Ansprüche auf Erbanteile und Unterhaltszahlungen geltend. Nach dem Tod ihres Bruders Ulrich 1603 trat sie 1604 in das evangelische Jungfrauenstift Kloster Marienfließ ein. Dort fügte sie sich nicht in die strenge Klosterordnung und geriet bald in Streit mit den übrigen Klosterfrauen und dem Klosterhauptmann.[3] Bereits 1606 legte sie bei Herzog Bogislaw XIII. Berufung ein gegen die Priorin, die sie von ihrer Stelle als Unterpriorin entlassen hatte. Der Herzog starb jedoch schon im selben Jahr und die von diesem angeregte und von Joachim von Wedel geleitete Untersuchung endete 1609 mit dessen Tod. Der Streit dagegen schwelte weiter. Eine erneute Untersuchung, die ihr Verwandter Jost von Borcke leitete, wendete sich nach jahrelangem Streit gegen sie, als aus den Reihen der Klosterfrauen Aussagen kamen, die Sidonia von Borcke der Hexerei beschuldigten. Am 21. November 1619 wurde Sidonia von Borcke festgenommen. Das Hofgericht Stettin leitete eine eingehende Untersuchung ein und sandte die Akten an den Magdeburger Schöffenstuhl. Dieser entschied, dass Sidonia unter Folter befragt werden solle. Unter der Folter bekannte sich Sidonia dann in allen 72 Punkten der Anklage, zu denen der plötzliche Tod des Herzogs Philipp II. 1618, der Priorin, eines Priesters und ihres Bruders ebenso gehörte wie Wahrsagerei und Sex mit ihrer Katze, als schuldig. Zwar widerrief sie anschließend, wurde aber durch erneute Folter zum zweiten Mal zum Geständnis gezwungen. Daraufhin wurde sie am 1. September 1620 in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt.[4] Am 28. September 1620 wurde sie in Stettin mit dem Schwert hingerichtet und anschließend der Leichnam auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Sidonia Von Bork“ von Edward Burne-Jones, 1860

Das Schicksal der Sidonia von Borcke blieb in Sage und Dichtung stets lebendig. Bald nach ihrem Tod schob man ihr die Schuld an der Unfruchtbarkeit und dem 1637 besiegelten Aussterben des Herzogtums Pommern der Greifen zu. In der Sage wurde ihr Schicksal verklärt und romantisiert; so wurde der Hingerichteten in ihrer Jugend eine Schönheit beigemessen, der sich angeblich niemand zu entziehen vermochte. Als Weiße Frau spuke sie angeblich im Stettiner Schloss.[5]

Der evangelische Theologe Wilhelm Meinhold (1797–1851) veröffentlichte 1847 den Roman Sidonia von Bork, die Klosterhexe, nachdem er mit seinem 1843 erschienenen Werk Maria Schweidler, die Bernsteinhexe großen Erfolg gehabt hatte. Diesem zweiten Roman blieb die durchschlagende Wirkung in Deutschland versagt.

Die sehr erfolgreiche englische Übersetzung der Klosterhexe wurde von Jane Francesca Elgee (1821–1896), der Mutter von Oscar Wilde, erstellt und erschien 1849 unter dem Titel Sidonia the Sorceress. Diese Übersetzung beeinflusste die Präraffaeliten stark, vor allem Edward Burne-Jones (1833–1898), der 1860 zwei Bilder zu diesem Themenkomplex malte. Beide Bilder mit den Titeln Sidonia von Bork 1560 sowie Clara von Bork 1560 sind in der Londoner Tate Gallery ausgestellt. Der mit Edward Burne-Jones befreundete William Morris (1834–1896) druckte den Roman 1893 als Prachtband auf der Kelmscott Press nach.

Auch Theodor Fontane (1819–1898) hat an dem Stoff gearbeitet. Erhalten ist das zwischen 1879 und 1882 von ihm geschriebene Fragment Sidonie von Borcke. Es wurde erstmals 1966 veröffentlicht.

Weniger bekannt sind das 1874 veröffentlichte Trauerspiel in fünf Aufzügen Sidonia von Borck von Paul Jaromar Wendt (1840–1919) und der 1910 veröffentlichte Roman Die Klosterhexe von Marienfließ und der Untergang des Pommerschen Herzogsgeschlechts von Ludwig Hamann (1867–1929).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Alvermann: Eine unruhige, wunderseltsame Creatur. Das Leben der Sidonia von Borcke (1548–1620), Rehna 1998.
  • Wulf-Dietrich von Borcke: Sidonia von Borcke. Die Hexe aus dem Kloster Marienfließ. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2002, ISBN 3-931185-45-1.
  • Hubertus Fischer (Hrsg.): Klosterfrauen, Klosterhexen. Theodor Fontanes Sidonie von Borcke im kulturellen Kontext. Rübenberger Verlag Tanja Weiß, Neustadt am Rübenberge 2005, ISBN 3-936788-07-3.[6]
  • Kyra Inachim: Herrschaft der letzten Greifengeneration. Die Geschichte Pommerns. Rostock: Hinstorff 2008. ISBN 978-3-356-01044-2.
  • Gerda Riedl: ‚Alles von rechts wegen!‘ Frühneuzeitliches Hexenprozeß-(un-)wesen am Beispiel des Falles der Sidonia von Borcke. In: Marion George, Andre Rudolph: Hexen: Historische Faktizität und fiktive Bildlichkeit. J.H.Röll Verlag, Dettelbach 2004, ISBN 3-89754-225-0.
  • Andrea Rudolph: Wilhelm Meinholds Hexenroman 'Sidonia von Bork' (1847/48) – eine Abrechnung mit der libertinen Frauenemanzipation als ein 'Leiden unserer Zeit'. In: Marion George, Andre Rudolph: Hexen: Historische Faktizität und fiktive Bildlichkeit. J.H.Röll Verlag, Dettelbach 2004, ISBN 3-89754-225-0.
  • Max von Stojentin: Der große Hexenbrand in Neustettin von 1586–1592. In: Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, 12 (1898), S. 41–47, 61 (PDF; 1,01 MB).
  • Max von Stojentin: Das Hexen- und Zauberwesen in Pommern bis zum Jahre 1637. In: Aus Pommerns Herzogstagen. Kulturgeschichtliche Bilder. Verlag Herrcke & Lebeling, Stettin 1902, S. 1–35 (PDF; 1,8 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sidonia von Borcke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Sidonia von Borcke – Quellen und Volltexte

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Sello: Geschichtsquellen des burg- und schlossgesessenen Geschlechts von Borcke. Band 3: Familienrechtliche Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts. I. Teil. Selbstverlag des Familienvorstands 1907, S. 31, 144, 817.
  2. Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 2. 2. Auflage. Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1921, S. 111. Nachdruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6.
  3. Pawel Gut: Auf nach Marienfließ. In: Die Akte Sidonia. Pommersches Landesmuseum, 11. September 2020, abgerufen am 28. September 2020.
  4. Prozessakten im Archiv Greifswald; Rep 40 II, Nr.37, Bd. I–III.
  5. Klaus Hoepner: Sidonie von Borcke in Stettin: Die weiße Frau im alten Schlosse zu Stettin. In: ostsee-urlaub-polen.de. 4. Februar 2007, archiviert vom Original am 16. Mai 2013; abgerufen am 28. September 2020.
  6. Hubertus Fischer: Vorwort. In: Hubertus Fischer (Hrsg.): Klosterfrauen, Klosterhexen. Archiviert vom Original am 23. Juni 2007; abgerufen am 28. September 2020 (auf ruebenberger-verlag.de).