Sie küßten und sie schlugen ihn

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Filmdaten
Deutscher Titel Sie küßten und sie schlugen ihn
Originaltitel Les Quatre Cents Coups
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1959
Länge 99 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie François Truffaut
Drehbuch François Truffaut
Marcel Moussy
Produktion François Truffaut
Musik Jean Constantin
Kamera Henri Decaë
Schnitt Marie-Josèphe Yoyotte
Besetzung

Sie küßten und sie schlugen ihn (französischer Originaltitel Les Quatre Cents Coups, dt. etwa: Die vierhundert Streiche) ist ein Kinofilm des Regisseurs François Truffaut.

Der Film gilt als Klassiker der französischen Filmgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und begründete maßgeblich die Nouvelle Vague.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung zeichnet den Weg des 14-jährigen Antoine nach, der in Paris Ende der 1950er-Jahre in recht bescheidenen Verhältnissen bei seiner lieblosen Mutter und dem eher kumpelhaften Stiefvater aufwächst. Angestiftet besonders von seinem besten Freund René, einem Jungen aus reichem Hause, wird Antoine durch Streiche auffällig und schwänzt häufiger die Schule. Eines Tages gibt er als Entschuldigung den angeblichen Tod seiner Mutter an, was schnell als Lüge auffliegt. Nach dieser Infamie drohen ihm Sanktionen.

Antoine läuft davon und verbringt eine Nacht in der Stadt. Die Mutter – die er beim Schulschwänzen mit einem fremden Mann gesehen hat – gibt sich kurzzeitig zugewandt und verständnisvoll. Sie verspricht ihm 1000 Franc, falls er sich bessern und den besten Aufsatz seiner Klasse abliefern sollte. Antoine schreibt von Honoré de Balzac ab, als der Schullehrer einen Aufsatz über ein beeindruckendes Erlebnis verlangt und der Junge den Tod seines Großvaters zum Thema wählt. Dies fällt dem Lehrer sogleich auf, und Antoine läuft aus der Schule davon. Am liebsten will er nun ganz seinem Zuhause und der Schule entkommen. Er kommt zunächst bei René unter, dessen Eltern sich ebenfalls nicht viel um den Sohn kümmern.

Zusammen mit dem Freund entwendet er aus der Firma des Stiefvaters eine Schreibmaschine, um sie bei einem Hehler zu Geld zu machen, wird sie dort aber nicht los. Beim Versuch, die Schreibmaschine unbemerkt zurückzubringen, wird er entdeckt und vom Stiefvater der Polizei übergeben. Die Eltern willigen ein, Antoine in einem Erziehungsheim in der Provinz unterzubringen und wollen sich fortan nicht mehr um ihn kümmern.

Antoine flieht schließlich aus dem nach militärischen Prinzipien geführten Heim und läuft in der letzten Szene des Filmes ans Meer, das er nie zuvor gesehen hat.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film Sie küßten und sie schlugen ihn ist Truffauts erster Langfilm und begründete die Nouvelle Vague. Die Geschichte um den Jungen (gespielt von Jean-Pierre Léaud), der in ignoranter Umgebung aufwächst, ist zugleich Beginn des Antoine-Doinel-Zyklus, den Truffaut mit Antoine und Colette, Geraubte Küsse, Tisch und Bett und Liebe auf der Flucht über den Zeitraum der folgenden zwanzig Jahre fortsetzte.

Der Originaltitel spielt auf eine französische Redewendung („faire les 400 coups“) an, nach der ein Mensch 400 Streiche macht, bevor er vernünftig wird (faire les quatre cents coups – in etwa: sich die Hörner abstoßen). Der Ursprung dieser Redewendung kommt aus der Zeit der Hugenotten-Rebellion. Bei der Belagerung von Montauban (August bis November 1621) verfeuerten, der Legende nach, die erschöpften, katholischen Belagerer in einer letzten Anstrengung 400 Kanonenkugeln auf die protestantische Stadt, womit sie die Stadt dann doch noch zurück erobert haben sollen. In Wahrheit aber sah sich Ludwig XIII. gezwungen, die Belagerung am 9. November 1621 erfolglos abzubrechen.

Als der Film 1959 in die Kinos kam, fehlten sieben Szenen mit einer Gesamtlänge von sieben Minuten, die Truffaut erst 1967 wieder in das Werk eingefügt hat.

Als Cameo-Auftritt ist Truffaut selbst in einer kleinen Nebenrolle als Rummelplatz-Mann zu sehen.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1959 bei der Real-Film GmbH in Hamburg. Die Synchronregie übernahm Alfred Vohrer, das Dialogbuch wurde von Marcel Valmy verfasst.[2]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme
Antoine Doinel Jean-Pierre Léaud Wolfgang Siedentop
Gilberte Doinel, Mutter Claire Maurier Gisela Trowe
Julien Doinel, Stiefvater Albert Rémy Arnold Marquis
Französisch-Lehrer Guy Decomble Heinz Ladiges

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes
Kritiker [3]
Publikum [3]
IMDb [4]

„In diesem Film erweist sich Truffaut als zorniger junger Franzose, der sowohl die Erziehungsmethoden der Vorgeneration als auch die Inszenierungsweise der Regie-Veteranen verachtet. Indem er die Geschichte eines vernachlässigten Jungen erzählt, propagiert er einen modernen Regie-Stil, der sich mehr auf Milieu und Situation als auf den Ablauf der Handlung konzentriert.“

Der Spiegel, 1959[5]

„Der erste Spielfilm des damals 27jährigen Francois Truffaut begründete durch seine stilistische Intelligenz und Aufrichtigkeit den Ruhm der Neuen Welle. Ein stilistisch und inszenatorisch wundervoller Film, der die zutiefst humane Geisteshaltung seines Schöpfers spiegelt.“

„Truffaut hat seinen Erstlingsfilm mit Verve und Engagement inszeniert. Das hat ihn zu einigen Übertreibungen verführt, sichert dem Film aber auch Spontanität und Authentizität.“

Reclams Filmführer[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Popkulturelle Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Folge der Zeichentrickserie Die Simpsons gibt es eine Anspielung auf Sie küßten und sie schlugen ihn. Nelson Muntz läuft dabei wie die Hauptfigur Antoine Doinel am Ende des Films am Meer entlang.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne Gillain: Les 400 coups. François Truffaut. Paris: Nathan 1991. ISBN 2-09-180066-X
  • L'Avant-Scène Cinéma, No. 616 vom Oktober 2014: Les Quatre Cents Coups - Un Film de François Truffaut - Découpage integral et Dossier. ISBN 978-2-84725-111-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Sie küßten und sie schlugen ihn. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2011 (PDF; Prüf­nummer: 20 441 V).
  2. Sie kuessten und sie schlugen ihn bei der Synchrondatenbank
  3. a b Sie küßten und sie schlugen ihn bei Rotten Tomatoes, abgerufen am 7. November 2014
  4. Sie küßten und sie schlugen ihn in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Sie küssten und sie schlugen ihn beim Spiegel
  6. Reclams Filmführer, 2.A. 1973, ISBN 3-15-010205-7
  7. http://hommage.webs.com/apps/blog/show/12749438-nelson-muntz-als-antoine-doinel-truffaut-hommage-bei-den-simpsons