Sie leben

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Film
Deutscher Titel Sie leben
Originaltitel John Carpenter’s They Live
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1988
Länge 93 Minuten
Altersfreigabe FSK 18[1], 16[2]
Stab
Regie John Carpenter
Drehbuch John Carpenter
(als Frank Armitage)
Produktion Andre Blay
Larry J. Franco
Shep Gordon
Sandy King
Musik John Carpenter
Alan Howarth
Kamera Gary B. Kibbe
Schnitt Gib Jaffe,
Frank E. Jimenez
Besetzung
Synchronisation

Sie leben (Originaltitel: John Carpenter’s They Live, dt. Langtitel: John Carpenter’s Sie leben) ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 1988, der den Genres Science-Fiction, Thriller und Actionfilm zugeordnet werden kann. Der Film kritisiert Konsum und Kommerzialisierung der USA der 1980er Jahre (unter der Präsidentschaft Ronald Reagans). Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch ein mittelmäßiger Erfolg und häufig kritisiert, besitzt der schwarzhumorige Film mittlerweile Kultstatus.

Regie führte John Carpenter, der auch das Drehbuch schrieb und die Musik komponierte. Der Film basiert auf der 1963 entstandenen Kurzgeschichte Eight O’Clock in the Morning von Ray Nelson. Die Hauptrolle spielt der bekannte kanadische Wrestler Roddy Piper, der in der deutschen Version von Manfred Lehmann synchronisiert wird. Der Film lief am 4. Mai 1989 in den deutschen Kinos an.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der arbeitslose Ölarbeiter John Nada gelangt, auf der Suche nach einer Beschäftigung als Tagelöhner, nach Los Angeles. Die Metropole ist abseits der glitzernden Bürotürme der Großkonzerne von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt. Nada beobachtet einen blinden Prediger, der an einer Straßenecke in apokalyptischem Zungenschlag von bösartigen Manipulationen durch mysteriöse Mächte erzählt. Nada findet einen Job auf einer Großbaustelle, wofür die Zustimmung der Gewerkschaft notwendig ist. Dort lernt er Frank kennen, der ihm von einer Streikniederlage an seinem früheren Arbeitsplatz, einem Stahlwerk in Detroit, berichtet und seinem Entschluss, bei der nächsten Gelegenheit gewaltsam gegen die Kapitalisten vorzugehen. Nada dagegen glaubt an den American Dream und daran, dass er es zu etwas bringen könne, wenn er nur geduldig auf seine Chance warten würde. Frank nimmt ihn mit zu einer in der Nähe einer kleinen Kirche gelegenen provisorischen Barackensiedlung, mit eigener Suppenküche und provisorischen Schlafmöglichkeiten. Die meisten Bewohner der Hütten, Zelte und Bauwagen sitzen wie viele andere Einwohner der Stadt sehr viel vor dem Fernseher und konsumieren das von den Sendern ausgestrahlte Werbefernsehen. Allerdings werden die Sendungen neuerdings öfters von einem Sprecher eines TV-Piratensenders unterbrochen, der über eine fremde Macht berichtet, die die Menschheit für ihre Zwecke missbraucht und nur ihren eigenen Profit vermehren will. Woher diese kommt bzw. ob damit Klassengegensätze gemeint sind, bleibt unklar. Er ruft zum revolutionären Widerstand auf.

Nachdem die Polizei mit unglaublicher Brutalität das nahegelegene Gotteshaus stürmt, die Barackensiedlung mit Baggern dem Erdboden gleichmacht und einen alten Pfarrer totschlägt, durchsucht Nada die Reste der Kirche. Er hatte dort bereits am Vortag eine mit Kirchenmusik als Gottesdienst getarnte Besprechung belauscht, ohne jedoch mitzubekommen, worum es inhaltlich ging. In einem Verschlag findet er einen Karton, gefüllt mit Sonnenbrillen, denen er zunächst keine Bedeutung beimisst. Dennoch versteckt er sie und nimmt eine davon an sich.

Als er sie aufsetzt, ist Nada erstaunt, denn durch die Sonnenbrille kann er keine Farben mehr sehen und die Gläser erzeugen nach dem Absetzen kurzzeitig starke Kopfschmerzen. Noch verwirrter wird er, als er mit der Brille durch die Innenstadt geht – Werbeplakate und Zeitschriften zeigen nur noch Befehle wie „Gehorche!“, „Konsumiere!“, „Schlafe weiter!“, „Heirate und pflanze dich fort!“ oder „Sieh fern!“. Auf allen Geldscheinen steht „Dies ist dein Gott!“, in einer Zeitschrift sind die Worte „Stelle keine Autoritäten in Frage!“ zu lesen. Neben diesen unterschwelligen Botschaften kommt hinzu, dass viele Personen auf einmal totenschädelartige Gesichter haben, was auch nur durch die Brille sichtbar wird. In einem Supermarkt greift der unvorsichtige Nada eines der Wesen, das ohne die Sonnenbrille aussieht wie eine ältere Frau, wegen des verzerrten Gesichtes sogar verbal an.

Als die mysteriösen Wesen erkennen, dass Nada ihre wahre Gestalt sehen kann, beginnt eine Hetzjagd auf ihn. Er tötet mehrere als Polizisten getarnte Wesen; einen menschlichen Polizisten entwaffnet er, lässt ihn aber leben. Von nun an ist er auf der Flucht. Mit der nicht ganz freiwilligen Hilfe von Holly Thompson, der stellvertretenden Programmchefin des größten örtlichen Senders, gelingt Nada die Flucht, indem er sie mit vorgehaltener Pistole entführt. Bei ihr angelangt fasst er seine Beobachtungen so ungeschickt in Worte, dass sie ihn für verrückt hält und ihm mit einer Flasche auf den Kopf schlägt. Er stürzt durch das Fenster ihrer Wohnung ins Freie, während sie die Polizei alarmiert.

Nachdem Nada seinen widerstrebenden Kollegen Frank nach einer langatmigen Prügelei in das Geheimnis der Sonnenbrillen einweihen konnte, werden die beiden von der Untergrundorganisation (in den Medien kommunistische Terrororganisation genannt) kontaktiert und zu einem konspirativen Treffen eingeladen. Dort trifft Nada auch Holly wieder. Sie erfahren, dass die Totenkopf-Wesen Außerirdische sind, die den Großteil der Menschheit mit Hilfe der Geld- und Machtelite versklavt hat. Zur Gedankenkontrolle senden die Außerirdischen ein Signal aus, welches sie vor den Augen der Menschen tarnt. Der Sender soll zwischen den Antennen von Hollys Fernsehsender versteckt sein, was Holly selbst jedoch bestreitet. Nada und Frank werden mit Waffen, einer als Funkgerät und Teleporter dienenden Armbanduhr der Außerirdischen und neuen Hofmann-Linsen – nun nicht mehr als Sonnenbrillen, sondern in Form von Kontaktlinsen – ausgerüstet.

Als die Polizei den Treffpunkt plötzlich stürmt, werden etliche Mitglieder der Gruppe sofort erschossen. Im Verlauf des Gefechts gelangen Nada und Frank mittels der außerirdischen Armbanduhr durch ein Tunnelsystem in das Hauptquartier der Wesen. Dort erfahren sie, dass die menschliche Machtelite mit den Außerirdischen von Andromeda zusammenarbeitet und ihnen erlaubt, die Erde auszubeuten. Gerade feiert man gemeinsam die Auslöschung des Widerstandes an der Westküste. Ein nun gut gekleideter Mann, den sie noch aus der Barackensiedlung kennen, der sie ebenfalls für neu dazugekommene Kollaborateure hält, erläutert ihnen die Hintergründe und zeigt ihnen, wie die Menschen mit dem Antennensignal kontrolliert werden.

Den beiden wird klar, dass sie die Menschheit nur retten können, wenn sie die Sendeantenne der Außerirdischen zerstören. Und so stürmen Nada und Frank mit Waffengewalt durch den Sender. Holly, die sie dort finden, begleitet sie auf das Dach. Kurz vor dem Ziel erschießt sie, unbemerkt von Nada, hinterrücks Frank. Oben angelangt gelingt es Holly, auch Nada zu entwaffnen, während Polizeihubschrauber sich ihnen nähern. Als Nada die Ausweglosigkeit seiner eigenen Lage erkennt, erschießt er Holly mit einer zuvor versteckten Pistole. Obwohl schon von einem Polizeihubschrauber aus getroffen, gelingt es dem sterbenden Nada, die Antenne zu zerstören. Dadurch wird das Signal der Aliens unterbrochen, und die Bevölkerung sieht nun voller Schrecken das wahre Gesicht der Außerirdischen. Die Schlusssequenz zeigt die erschrockenen Reaktionen der Menschen auf das Auftauchen der Totenkopfgesichtigen in Bars, im Fernsehen und in Privathaushalten.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synchronisation des Films übernahm die Interopa Film. Die Regie führte Andreas Pollak.[3]

Rolle Schauspieler Deutscher Sprecher
John Nada Roddy Piper Manfred Lehmann
Frank Keith David Kurt Goldstein
Holly Thompson Meg Foster Monica Bielenstein
Gilbert Peter Jason Helmut Krauss
Foreman Norman Alden Alexander Herzog
Straßenprediger Raymond St. Jacques Joachim Nottke
Drifter George Flower Engelbert von Nordhausen
Bärtiger Mann John Lawrence Heinz Theo Branding

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Los Angeles ist von Außerirdischen unterwandert, die, als reiche Geschäftsleute getarnt, die Bevölkerung per Fernhypnose in Konsum-Idioten verwandeln, bis sich einige unverdrossene Idealisten zur Wehr setzen. Grob gestrickter, aber straff inszenierter Science-Fiction-Thriller mit satirischen Seitenhieben auf den amerikanischen Lebensstil; stilistisch an die Genrefilme der 50er Jahre angelehnt.“

„Die Aliens sind unter uns. […] Sie tragen feinste Designerkleidung, herrschen in Chefetagen und Medienkonzernen und manipulieren die Menschheit mit Büchern, Zeitschriften und Werbespots. Ihre Botschaften […] bohren sich direkt ins Unterbewußtsein: „Arbeite! Denke nicht! Konsumiere!“ Der Maurer Nada (Roddy Piper) gerät in den Besitz einer Brille, die die wahre Gestalt der Außerirdischen sichtbar macht. Verzweifelt organisiert er den Widerstand gegen die Invasoren, die die ganze Welt zu einem riesigen Arbeitslager machen wollen… John Carpenter („Die Klapperschlange“) packt einen interessanten satirischen Stoff an, der ihm bald aus den Händen gleitet. Die Action aber hat er im Griff.“

„"Sie leben" ist einer der dunkelsten Filme John Carpenters und hat bis heute nichts von seiner bitteren Ironie eingebüßt. Neben der tollen Besetzung und des Skripts kommt man nicht umhin die Vision Carpenters zu bestaunen, die nicht nur unterhält, sondern oftmals zum Nachdenken anregen wird. 9 von 10 Punkten.“

Film-Rezensionen[6]

Auf Rotten Tomatoes erreicht der Film eine Meta-Wertung von 85 Prozent (bei 65 Bewertungen).[7]

Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt im Jahr 1990 jeweils eine Saturn-Award-Nominierung für „den besten Science-Fiction Film“ und „die beste Musik“.

Dem Film wird bereits seit längerem Kult-Charakter zugesprochen. So wird etwa die knapp sechsminütige Kampfszene zwischen John Nada und Frank von Rotten Tomatoes auf einer Liste der 20 besten Kampfszenen auf Platz sieben geführt.[8]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVD mit 18er-Freigabe ist identisch mit der VHS-Kassette von Starlight-Video, Bochum. Diese Version ist jedoch ab 16 freigegeben und wird mit „Original Kinofassung“ beworben. Diese Differenzen ergeben sich wohl durch die Verwendung unterschiedlicher Masterbänder, da bei der Videofassung insgesamt vier Sekunden aufgrund von Filmrissen fehlen. Allerdings betrifft dies keine Gewaltszenen.

Re-Release[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des vierundsechzigsten Geburtstags von John Carpenter am 16. Januar 2012 wurde der Film von IFC wiederaufgeführt. Sie leben wurde zusammen mit den Filmen Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China, Flucht aus L.A., John Carpenter’s Cigarette Burns, Christine und Die Fürsten der Dunkelheit in einigen Kinos im Bundesstaat New York gespielt.[9]

„OBEY“ wurde durch den Film zu einem beliebten Streetart-Element

Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein eigenes künstlerisches Schaffen verwendet der Street-Art-Künstler Shepard Fairey die motivischen Zitate Obey und This Is Your God (in Bezug auf ein Bündel Geldscheine) aus dem Spielfilm.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Schnelle: Suspense, Schock, Terror. John Carpenter und seine Filme. Verlag Robert Fischer, Stuttgart 1991, ISBN 3-924098-04-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Sie leben. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Oktober 2007 (PDF; Prüf­nummer: 61 636-a V/DVD/UMD).
  2. Freigabebescheinigung für Sie leben! Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Dezember 2012 (PDF; Prüf­nummer: 61 636 V).
  3. Sie leben. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 10. April 2020.
  4. Sie leben! Science-Fiction. USA 1988. Regie: John Carpenter Lexikon des internationalen Films, abgerufen am 2. März 2022.
  5. Sie leben. In: cinema. Abgerufen am 25. April 2022.
  6. Sie leben! John Carpenter Film-Rezensionen, 20. Juli 2019, abgerufen am 2. März 2022.
  7. They Live. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 25. April 2022 (englisch).Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/Wikidata-Bezeichnung vom gesetzten Namen verschieden
  8. Total Recall: The 20 Greatest Fights Scenes Ever. Abgerufen am 19. September 2016.
  9. IFC Center's weekly John Carpenter series starts this weekend! auf Fangoria, abgerufen am 17. Januar 2012