Sieben Fußfälle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenkstein in Köln-Urbach

Der Gang zu den sieben Fußfällen ist eine der ältesten Formen des Kreuzwegs.

Von Jerusalempilgern im späten Mittelalter ins Rheinland vermittelt, stellte er einen Bittgang durch die Dorfstraßen oder die Flur dar, wobei an sieben Flurkreuzen, Kapellen oder Heiligenhäuschen, den sogenannten Fußfällen, jeweils einer Station des Leidensweges Christi in Jerusalem betend gedacht wurde. Mancherorts haben sich eigens für den Gang gestiftete Bildstöcke, Passionsszenen darstellend, erhalten.

Seinen Namen erhielt der Bittgang von dem Brauch, an den Kreuzwegstationen jeweils niederzuknien. Die sieben Stationen wurden auch mit den sieben Hauptkirchen der Stadt Rom in Verbindung gebracht, in denen in der Karwoche die Stationsgottesdienste gefeiert werden, woraus sich auch der mancherorts übliche Begriff „Römerfahrt“ herleitet.

Der zurückgelegte Weg war naturgemäß von Dorf zu Dorf verschieden. Unterwegs wurden der schmerzhafte Rosenkranz und vor jeder Station ein Vaterunser gebetet, vor Kreuzen insbesondere das Gebet zum Gedächtnis der fünf Wunden Christi.

Vor allem als Sterbebrauch war der Gang zu den sieben Fußfällen verbreitet: Meist beteten auf diese Weise sieben Jungfrauen aus der Nachbarschaft vor einem Begräbnis für das Seelenheil des im Sterbehaus aufgebahrten Verstorbenen. Nach dem Bittgang gab es für die Beter Kaffee und Kuchen im Trauerhaus. Eine andere Variante des Brauches ist, dass man die sieben Fußfälle betete, während jemand im Sterben lag. Damit sollte dem Kranken der Tod erleichtert werden.[1]

Besonders an den Freitagen der Fastenzeit wurden die sieben Fußfälle gegangen. Seit einer Reihe von Jahren wird der Brauch in einigen Pfarrgemeinden wieder gepflegt.

Ein Denkmal „Fußfall“ mit näheren Erläuterungen befindet sich in Hochkirchen, ein Kreuzweg der sieben Fußfälle in Voßwinkel. Aus dem 17. Jahrhundert stammen sieben gemalte Fußfälle in der Kirche St. Clemens in Wipperfürth-Wipperfeld.[2] In Altendorf und Ersdorf bei Bonn sind sieben Bildstöcke aus dem 18. Jahrhundert erhalten. In Stommeln (Rhein-Erft-Kreis) gibt es eine Straße namens „Zu den Fußfällen“; der Name bezieht sich auf ähnliche Stationen in und um Stommeln.[3]

In Kuchenheim bei Euskirchen schuf Conrad-Peter Joist im Juni 2010 die Sieben Fußfälle unter dem Thema „Hände sprechen vom Kreuzweg Jesu Christi“ als Bronzereliefs für die Nischen der Kirchhofmauer an St.Nikolaus.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Müller-Veltin: Mittelrheinische Steinkreuze aus Basaltlava. Neuss 1980, S. 127.
  2. Rudolf Hembach: Pfarrkirche St. Clemens, Wipperfeld. Katholische Pfarrgemeinde Wipperfürth (Hrsg.), 1989, S. 13
  3. Heimatfreunde Roisdorf
  4. Seelsorgebereich Euskirchen-Erftmuehlenbach