Siebenlehn
Siebenlehn Stadt Großschirma | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 51° 2′ N, 13° 18′ O | |
| Höhe: | 325 (227–340) m | |
| Fläche: | 15,97 km² | |
| Einwohner: | 1482 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 93 Einwohner/km² | |
| Eingemeindung: | 1. September 2003 | |
| Postleitzahl: | 09603 | |
| Vorwahl: | 035242 | |
Lage von Siebenlehn in Sachsen | ||
Siebenlehn ist ein Gemeindeteil der sächsischen Stadt Großschirma im Landkreis Mittelsachsen. Bis zum 1. September 2003 war Siebenlehn eine eigenständige, mit Stadtrecht versehene Gebietskörperschaft. Durch die Fusion mit der benachbarten Gemeinde Großschirma ging das Stadtrecht von Siebenlehn auf Großschirma über.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geographische Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siebenlehn liegt etwa drei Kilometer südlich von Nossen am östlichen Rand des Zellwaldes und ca. einen Kilometer westlich über dem Tal der Freiberger Mulde. Westlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 101 zwischen Freiberg und Meißen, nördlich die Bundesautobahn 4, die nächstgelegene Anschlussstelle liegt etwa einen Kilometer nordwestlich des Ortskerns. Zu Siebenlehn gehört der sich im Südosten anschließende und in einem kleinen Nebental hinziehende Gemeindeteil Breitenbach. Der Markt von Siebenlehn liegt in einer Höhe von 320 m.
Nachbarorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Augustusberg | Nossen | |
| Reichenbach | Hirschfeld und Reinsberg | |
| Großvoigtsberg | Obergruna |
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ersterwähnung und Stadtgründung
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Der Ort wurde auf Flurstücken der zwei bereits seit der Besiedlung der Region um die Mitte des 12. Jahrhunderts bestehenden Dörfer Augustusberg und Breitenbach nach dem aufkommenden Silber- und Kupferbergbau planmäßig als Stadt auf sieben Lehen angelegt. Am 1. Mai 1346 übertrug Markgraf Friedrich II. von Meißen dem Abt von Altzella, dem Richter Nikolaus Wolfgang und den Gewerken zu Siebenlehn das Bergwerk zu Siebenlehn (Sybenlehin).[2]
Um das Jahr 1370 erhielt der Ort Stadt- und Marktrecht durch Markgraf Friedrich III. von Meißen. Vom Marktplatz, der regelmäßig und rechteckig angelegt wurde (knapp 50 × 100 m), gehen mehrere Straßen unregelmäßig ab. Der erste Jahrmarkt ist für das Jahr 1385 belegt. Die Stadt wurde nicht umwehrt.
1388 wird Sybenlehn als offenes Städtchen und Marktflecken bezeichnet. Ab 1439 hatte Siebenlehn eine eigene Pfarrei, nachdem die Kirche bis dahin Filialkirche von Nossen war.
Verwaltungszugehörigkeit und Eingemeindungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verwaltungsmäßig gehörte die Stadt Siebenlehn von Anfang an zum Gebiet der Markgrafschaft Meißen. Sie wurde aber nicht dem Amt Meißen oder dem Burgbezirk Nossen zugeordnet, sondern unterstand als Exklave dem Amt Freiberg und dem Bergmeister. Nach kurzzeitiger Schenkung an das Kloster Altzelle 1388 kam die Stadt 1500 erneut durch Kauf an dieses Kloster. Der Abt des Klosters bestätigte 1505 die städtischen Statuten.
1552 lebten in Siebenlehn (Siebeln) 74 besessene Mann, 1 Häusler und 85 Inwohner. Nach der Säkularisierung des Klosters fiel die Stadt an das Amt Nossen, wo sie fortan blieb. 1723 wird Siebenlehn als Amtsstädtlein im Amt Nossen genannt.[3]
Siebenlehn wie auch der Nachbarort Breitenbach gehörten bis 1856 zum Amt Nossen, ab 1856 Gerichtsamt Nossen, ab 1879 Amtsgericht Nossen. Das Amt Nossen gehörte ab 1857 zur Amtshauptmannschaft Meißen[4], somit zur Kreisdirektion Dresden. 1912 wurde Breitenbach eingemeindet.
Nach der zweiten DDR-Kreisreform im Jahr 1952 kam Siebenlehn zum Kreis Freiberg im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Im Jahre 1973 wurde der Gemeindeverband "Am Zellwald" gegründet, den neben Siebenlehn sieben Gemeinden angehörten.
Am 1. Januar 1994 erfolgte die Eingemeindung von Obergruna,[5] 1998 die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit Reinsberg und 2003 die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Reinsberg-Siebenlehn. Zum 1. September 2003 wurde die stark verschuldete Stadt Siebenlehn als Stadtteil in die bisherige Gemeinde Großschirma eingegliedert,[6] welcher damit das Stadtrecht zuerkannt wurde. Es war die erste Eingemeindung einer Stadt in eine Gemeinde in Sachsen. Seit 2008 gehört Siebenlehn zum Landkreis Mittelsachsen.
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1998 jeweils zum 31. Dezember):
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Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Siebenlehn aufgrund des Zuzuges von etwa 500 Heimatvertriebenen rund 2860 Einwohner (1946, 1950). Mit der politischen Wende 1989/1990 sank die Einwohnerzahl auf Grund von Abwanderungen auf etwa 2000.
Handwerk und Gewerbe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bergbau und Münze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Silber- und Kupferbergbau, der im 14. Jahrhundert zur Stadtgründung führte, kam im Spätmittelalter größtenteils zum Erliegen und wurde im 16. Jahrhundert wieder aufgenommen und florierte bis zum Dreißigjährigen Krieg. Ab 1689 wurde erneut in Siebenlehn Bergbau betrieben. Zu den bekanntesten Gruben zählte der 1737 gemutete Romanus-Erbstollen. Die spärlichen Bergbauversuche wurden im 19. Jahrhundert endgültig eingestellt.
1453 ist in Siebenlehn das Vorhandensein einer kurfürstlichen Münze belegt. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Außenstelle der Münze in Freiberg.
Bäcker
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits seit dem Mittelalter erlangten die Weißbäcker und Fleischer eine überörtliche Bedeutung. Nach Naumburg und Torgau gilt Siebenlehn als dritter Ort, an dem der Christstollen erfunden worden sein soll. Das „Christbrot“ erscheint in frühneuzeitlichen Quellen häufig als ein dem Nossener Amtmann dargereichtes Geschenk. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bekam jeder Ratsherr in Dresden zu Weihnachten zwei Stollen aus Siebenlehn überreicht. Die Meißner Bäcker wehrten sich im Jahr 1615 mit Brandfackeln gegen die unliebsame Konkurrenz aus Siebenlehn, was als „Stollenkrieg“ in die Geschichte des Gebäcks einging. Im Dreißigjährigen Krieg belieferten sie die von den Schweden belagerte Stadt Meißen. Dadurch soll das Rezept des Christstollens der örtlichen Legende nach Dresden gelangt sein, von wo es seinen Siegeszug antrat. 1648 wurde den Bäckern in Siebenlehn die Lieferung von Stollen nach Dresden während des Striezelmarktes untersagt.
Schuhmacher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben der Bäckerei war auch die Schuhmacherei in Siebenlehn seit alters her bedeutsam. 1783 gab er in der Stadt 44 Schuhmachermeister. Seit dem 19. Jahrhundert lieferten die meisten Schuhmacher ihre Waren an größere Schuhgeschäfte und viele wurden später als Arbeiter in ortsansässigen Schuhfabriken tätig. 1896 wurde in Siebenlehn die spätere Reichsschule für Schuhmacher gegründet. Seit 1926 erinnert ein Schuhmacher-Denkmal an die Bedeutung dieser Zunft für die Entwicklung Siebenlehns als „das sächsische Schuhmacherstädtchen.“[7]
Lohgerberei und Wachsschläger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eng mit der Schuhmacherei ist die Lohgerberei in Siebenlehn verbunden. Seit etwa 1600 wurde die „Wachsschlägerei“, d. h. die Herstellung von Kerzen meist als Nebenerwerb betrieben. Siebenlehn war ein bedeutendes Zentrum des Wachshandels in Sachsen. Sogenannter „Wraas“ (Wachsreste und alte Waben) wurden zu goldgelbem Wachs verarbeitet. Dieses Handwerk erlosch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Heute fügt Siebenlehn über ein eigenes Gewerbegebiet am südwestlichen Stadtrand mit direkter Anbindung an die Autobahn 4.
Industrie und Wasserversorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den frühen Industriebetrieben in Siebenlehn zählten die Zünder- und Kabelwerke, die Zweigwerk der Kötitzer Ledertuch- und Wachstuchwerke die Steyrmühle, mehrere Schuhfabriken und ein Kleinbetrieb für die Herstellung landwirtschaftlicher Geräte.

Seit 1912 gibt es den Siebenlehner Wasserturm.
Bildungseinrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste Schule stand unweit der Kirche und fiel dem Stadtbrand von 1763 zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau wirkte hier lediglich ein Schulmeister, erst als Breitenbach zum Schulverband kam, wurden mehrere Lehrer eingestellt und weitere Klassenräume angemietet. Daraus ging die spätere Volksschule hervor. Die 1896 gegründete Reichsfachschule für Schuhmacher wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen.
Feuerwehrgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siebenlehn erlangte durch massenhafte Brandstiftungen hochversicherter Häuser zu Beginn des 20. Jahrhunderts traurige Berühmtheit. Die Täter waren meist Angehörige der örtlichen Feuerwehr, die sich im Juni 1907 vor dem Landgericht Freiberg verantworten mussten. Die DEFA-Filmkomödie Zünd an, es kommt die Feuerwehr (Alternativtitel: Die Feuerwehr von Siebenlehn[8]) aus dem Jahre 1979 und der 1985 im Greifenverlag zu Rudolstadt erschienene historische Kriminalroman Der rote Sperling von Siebenlehn von Günter Spranger basieren auf wahren Tatsachen aus Siebenlehn.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wappen
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- Blasonierung: In Gold ein roter Zinnenbalken, überdeckt von einem schwarzen Löwen mit roter Zunge und Bewehrung.[9]
Sehenswürdigkeiten
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Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der Markt mit dem Schusterbrunnen von 1926, die Kirche mit einem 46 m hohen Turm, das Amalie-Dietrich-Museum[10], die mit 70 m über dem Tal der Freiberger Mulde hohe Autobahnbrücke und der Wasserturm. Südwestlich des Ortes erstreckt sich als Nacherholungsgebiet der über 2000 Hektar große Zellwald.
Heutige Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siebenlehn verfügt über ein Gewerbegebiet am südwestlichen Stadtrand. Es hat Anschluss die Bundesautobahn 4 und damit Verbindung nach Dresden und Chemnitz. Über Nossen ist der Anschluss an die Bundesautobahn 14 in Richtung Leipzig gewährleistet. Durch den Ort verlaufen ferner die Bundesstraße 101 und die Staatsstraße 195.
Von 1899 bis 1972 existierte im nahen Tal der Freiberger Mulde für Siebenlehn ein Haltepunkt der Schmalspurbahn Freital-Potschappel–Nossen, mit Bahnanschluss nach Nossen und Wilsdruff.
Der Online-Versandhändler Cyberport betreibt in Siebenlehn ein Logistikzentrum mit 120 Mitarbeitern.[11]
Vereine und Sport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den ältesten Vereinen der Stadt zählte die Schützengesellschaft, die aus der 1817 gegründeten Nationalgarde hervorgegangen war. Viele Sportler sind heute im Siebenlehner Sportverein 1990 e. V. organisiert.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ehrenbürger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wilhelm Putzger, Stadtrat
- Karl Klotz († 1937), Sanitätsrat
Söhne und Töchter des Ortes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Balthasar Mathesius (1669–1737), evangelischer Theologe
- Johann Gottlob Mende (1787–1850), Orgelbauer
- Amalie Dietrich (1821–1891), geborene Nelle, Australien- und Naturforscherin, Botanikerin, Zoologin und Pflanzenjägerin
- Charitas Bischoff (1848–1925), Schriftstellerin, Tochter von Amalie Dietrich
- Friedrich Wilhelm Putzger (1849–1913), Pädagoge, Schulbuchautor
- Heinrich Spindler (1857–1907), Oberlehrer und Klassischer Philologe
- Otto Koch (1866–1934), Politiker, sächsischer Landtagsabgeordneter (FVp/DDP)
- Christian Rost (1925–1993), Bildhauer
Personen mit Bezug zum Ort
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Carl Friedrich Metzler (1813–1867), Notar und Stadtrichter
- Otto Altenkirch (1875–1945), Maler
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johann Conrad Knauth: Des alten berühmten Stiffts-Closters und Landes-Fürstlichen Conditorii Alten-Zella, an der Freybergischen Mulda, So wohl von alters her darzu gehöriger dreyen respective Städte, Berg- und Marck-Flecken, Roßwein, Siebenlehn und Nossen [...] Geographisch- und Historische Vorstellung. Dresden, Leipzig 1721.
- Siebenlehn. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 37, Leipzig 1743, Sp. 1014.
- Siebenlehn. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 11. Band. Schumann, Zwickau 1824, S. 136–142.
- Cornelius Gurlitt: Siebenlehn. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 41. Heft: Amtshauptmannschaft Meißen-Land. C. C. Meinhold, Dresden 1923, S. 481.
- Presse-Ausschuss Siebenlehn (Hrsg.): Festschrift. Heimatfest Siebenlehn 14.–17. Juli 1928. Siebenlehn 1928.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Stadt Großschirma: Größe und Einwohnerzahlen. Abgerufen am 30. Dezember 2025.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, 10004 Nr. 0025, Bl. 011b/1
- ↑ Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 70 f.
- ↑ Die Amtshauptmannschaft Meißen im Gemeindeverzeichnis 1900. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 23. März 2023; abgerufen am 16. August 2025.
- ↑ Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
- ↑ Feuerwehrleute als Massenbrandstifter v. d. Schwurgericht. In: Coburger Zeitung vom 14. Juni 1907, S. 2.
- ↑ Eintrag bei der DEFA-Stiftung
- ↑ Lexikon Städte und Wappen der DDR, 3. Aufl., Leipzig 1985, S. 425.
- ↑ Eintrag auf der Website von Großschirma
- ↑ cyberport.de

