Sieberstollen

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Sieberstollen
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Sieberstollen und Grünhirscher Stollen.svg
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betriebsbeginn 1716[1]
Geförderte Rohstoffe
Abbau von
Geographische Lage
Koordinaten 51° 42′ 6″ N, 10° 28′ 59″ OKoordinaten: 51° 42′ 6″ N, 10° 28′ 59″ O
Sieberstollen (Niedersachsen)
Sieberstollen
Lage Sieberstollen
Standort Sankt Andreasberg
Gemeinde Braunlage
Landkreis (NUTS3) Goslar
Land Land Niedersachsen
Staat Deutschland
p0
p2

Der Sieberstollen ist ein Wasserlösungsstollen des Oberharzer Bergbaus. Seinen Namen erhielt der Stollen von der Sieber, in die er sein Wasser leitet. Sein Mundloch ist außerdem am Sieberberg.[1]

Ein 11,7 km langes Teilstück des 13,1 km langen Sieberstollens wurde 2010 als ein Teil des Oberharzer Wasserregals zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als man Anfang des 18. Jahrhunderts die größten Erträge in den 25 Gruben um Sankt Andreasberg erzielte, kam man an die Grenzen bei der Wasserlösung. Hierzu stand als tiefster Wasserlösungsstollen der Grünhirscher Stollen zur Verfügung.[3]

Bau- und Betriebsphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1716 begann man mit den Arbeiten am Sieberstollen am Fuß des Sieberberges. Nur mit Schlägel und Eisen trieb man den Stollen im Gegenortvortrieb mit Hilfe von vier Lichtlöchern durch.[3]

Die Entfernungen betrugen:

  • vom Mundloch bis zum 1. Lichtloch (Sieberberg): 150 Lachter bzw. 289 Meter
  • vom 1. bis zum 2. Lichtloch (Sieberberg): 295 Lachter bzw. 568 Meter (Durchschlag 1730)
  • vom 2. bis zum 3. Lichtloch (Prinz Maximilian Tagesschacht): 382 Lachter bzw. 735 Meter (Durchschlag 1746)
  • vom 3. bis zum 4. Lichtloch (Fünf Bücher Moses Tagesschacht): 262 Lachter bzw. 504 Meter (Durchschlag 1742)
  • vom 4. Lichtloch bis zum Felicitas Tagesschacht: 249 Lachter bzw. 479 Meter (Durchschlag 1739)
  • von Felicitas bis zum Gnade Gottes Tagesschacht: 237 Lachter bzw. 456 Meter (Durchschlag 1754)
  • von Gnade Gottes bis zur Grube Samson: 159 Lachter bzw. 306 Meter (Durchschlag 1747)
  • von Grube Samson bis zum Schacht Catharina Neufang: 101 Lachter bzw. 194 Meter (Durchschlag 1754)

Bei Abschluss der ersten Bauphase hatte der Stollen eine Länge von 1835 Lachtern bzw. 3530 Metern.[1]

Erweiterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Folgejahren wurde der Stollen erweitert und an andere Gruben angeschlossen. So war der Stollen 1804 mit der Grube Wennsglückt durchschlägig. Um die Grubenwasser aus den größtenteils viel tieferen Schächten zu heben, wurden Wasserräder mit bis zu 12 Metern Durchmesser verwendet.[4] Zwei Wasserkünste befanden sich in der Grube Samson unterhalb des Sieberstollens.[5]

Heutige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1910 wurde der Bergbau um Sankt Andreasberg eingestellt und alle Grubenbaue unterhalb des Sieberstollens soffen ab.[6]

Zwei Jahre später wurde ein Kavernenkraftwerk in 190 m Teufe in der Grube Samson installiert. Es ist eins von zwei Kavernenkraftwerken in der Grube Samson, die Wasserkraft des Oderteichs in Elektroenergie umwandeln. Der Sieberstollen leitet das Wasser in die Sieber.

Bis zum heutigen Tag ist der Sieberstollen der tiefste Wasserlösungsstollen im Sankt Andreasberger Revier.

Teufen in durchschlägigen Gruben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage des Sieberstollens (Grund-/Profilriss)

Der Sieberstollen ist in den folgenden Teufen mit den genannten Gruben durchschlägig:[1]

  • 1. Lichtloch: 12,5 Lachter (24 Meter)
  • 2. Lichtloch: 48 Lachter (92 Meter)
  • Prinz Maximilian: 48,5 Lachter (93 Meter)
  • Fünf Bücher Moses: 54,5 Lachter (105 Meter)
  • Felicitas: 67,5 Lachter (130 Meter)
  • Gnade Gottes: 90 Lachter (173 Meter)
  • Grube Samson: 97 Lachter (187 Meter)
  • Catharina Neufang: 115 Lachter (221 Meter)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Calvör: Acta Historico-Chronologico-Mechanica circa metallurgiam in Hercynia superiori. 1763, S. 34 f.
  2. Ministry for Science and Culture of Lower Saxony: Upper Harz Water Management System. 2008, S. 26, abgerufen am 2. Dezember 2015 (englisch).
  3. a b Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 238 ff.
  4. Keferstein: Teutschland, geognostisch-geologisch dargestellt. 1828, S. 495.
  5. Hausmann: Ueber den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des Hannoverschen Harzes. 1832, S. 93.
  6. Der Sieberstollen. Abgerufen am 11. Dezember 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 3. Auflage. Springer, Berlin 2010, ISBN 978-3-540-31327-4.
  • Henning Calvör: Acta Historico-Chronologico-Mechanica circa metallurgiam in Hercynia superiori. Verlag der Fuerstl. Waysenhaus-Buchhandlung, Braunschweig 1763.
  • Christian Keferstein (Hrsg.): Teutschland, geognostisch-geologisch dargestellt und mit Charten und Durchschnittszeichnungen erläutert. Band 6. Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1828.
  • Johann F. L. Hausmann: Ueber den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des Hannoverschen Harzes. Dieterichsche Buchhandlung, Göttingen 1832.