Siedlung Wydäckerring

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Siedlung Wydäckerring
Siedlung Wydäckerring
Daten
Ort Zürich
Architekt Kuhn + Stahel
Bauherr Mobal AG, F. A. Lorang, Stadt Zürich, Aeberlis Erben
Bauzeit 1971–1976
Koordinaten 679977 / 247082Koordinaten: 47° 22′ 11″ N, 8° 29′ 51″ O; CH1903: 679977 / 247082

Die Siedlung Wydäckerring (Schweizerisch: „Wohnüberbauung“) ist ein zwischen 1971 und 1976 erbauter Gebäudekomplex in Zürich-Wiedikon.

Lage und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arealüberbauung umfasst die Anschriften Wydäckerring 61 bis 73 und besteht aus insgesamt 303 vorfabrizierten Wohneinheiten.[1] Die im Norden gelegenen, niedrigen Einzimmerappartements sind ehemalige Personalhäuser des Triemlispitals. Die Anlage ist um einen Hof gruppiert, in dessen Zentrum eine grosse Skulptur des Künstlers Kurt Laurenz Metzler steht, und stösst am südlichen Rande mit einer bis zu 10-stöckigen, gestuften Häuserzeile an den öffentlichen Grünzug des Triemlifussweges. Die Siedlung Wydäckerring bildet zusammen mit weiteren vorfabrizierten Bauten entlang des Triemlifussweges ein für Zürich einzigartiges Ensemble der Nachkriegsmoderne, die das Ortsbild prägen.[2]

Die Siedlung Wydäckerring ist ein Bauwerk der 70er-Jahre mit exemplarischem Charakter. Die additiven Prinzipien des Montagebaus sind bis in die kleinsten Details ablesbar. Sie finden sich sowohl in der systematischen Abwicklung des Grundrisses, der dem Konstruktionsprinzip der Schottenbauweise folgt, als auch in den Details der Fügung, die unter anderem in einem Lehrbuch zum Thema Montagebau aufgeführt sind.[3] Das Erscheinungsbild der Siedlung Wydäckerring wird durch eine präzise Komposition aus entworfenen, vorfabrizierten Teilen und Industrieprodukten der Zeit geprägt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konstruktionsdetails Wydäckerring nachgezeichnet aus Konstruktion im Hochbau 2, Ruedi Hungerbühler, Fritz Kurt

Die Arealüberbauung ist 1971 vom Bauherrn Frank A. Lorang, dem damaligen Direktor des Jelmoli, zusammen mit der Stadt Zürich, der Mobal AG und einer Erbgemeinschaft in Auftrag gegeben worden. Das Zürcher Architekturbüro Kuhn + Stahel (später Kuhn Fischer Partner) übernahm die Planung und beauftragte die Ernst Göhner AG mit der Vorfabrikation und Ausführung.

Der Gebäudekomplex ist Bestandteil einer Stadterweiterung, die in der Phase der Hochkonjunktur der 60er- und 70er-Jahre entlang einer damals geplanten Expressstrasse zwischen dem Triemli und dem Friedhof Sihlfeld geplant wurde. Die geplante Strassenverbindung, die als Verlängerung der Hardbrücke vorgesehen war, wurde schliesslich jedoch im Jahre 1974 als Teil des geplanten Zürcher Expressstrassen-Y an der Urne vom Volk verworfen, und auf den dafür vorgesehenen Parzellen entstand ein Fussgängerweg. Entlang dieses linearen Parks reiht sich die Siedlung Wydäckerring in ein Ensemble aus vorfabrizierten Gebäuden der Nachkriegszeit ein.[4] Die projektierte Strasse wurde unter anderem aufgrund der Opposition der Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau verhindert, zu deren Mitgliedern auch die Architekten der Siedlungen gehörten.[5]

Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Stadt Zürich und zweier Anlagestiftungen, der HIG und der Credit Suisse Asset Management.[6] Die Besitzer planen gemeinsam den Ersatz der Siedlung Wydäckerring durch einen neuen Wohnungsbau, der als Direktauftrag an das Büro Duplex-Architekten vergeben wurde.[7] Die Entwicklung des Areals folgt der sogenannten Ersatzneubaustrategie: Infolge der Knappheit an Bauland werden Neubauten in Zürich heute beinahe ausschliesslich auf Grundstücken realisiert, die schon Bestandesgebäude aufweisen.[8] Die Ersatzneubau-Planung für die Siedlung Wydäckerring ist somit beispielhaft für Zürich's Entwicklung seit der Jahrtausendwende, und ist Bestandteil einer fortlaufenden Diskussionen in der Zürcher Politik über die Erneuerungsstrategien in der Stadtplanung.[9]

Im Januar 2021 wurde mit dem Abbruch der Siedlung begonnen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brunhild Hammer: Illustrierte Chronik 1966–1982 des Bauamtes II der Stadt Zürich. Orell-Füssli, Zürich 1982.
  2. https://data.geo.admin.ch/ch.bak.bundesinventar-schuetzenswerte-ortsbilder/PDF/ISOS_5800_Albisrieden.pdf
  3. Ruedi Hungerbühler, Fritz Kurt: Konstruktion im Hochbau 2: Rohbauelemente – Montagebau – Ausbau, hep Verlag, 1983, S. 361, ISBN 978-3-85565-203-7.
  4. "Quartierspiegel Albisrieden"
  5. Benedikt Huber: Die Stadtvision der ZAS und ihre Bedeutung für Zürich. In: Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau 1959–89: eine Dokumentation. 2000.
  6. Arealüberbauung Wydäcker Griesmeier Baumanagement AG, 2020
  7. Entwicklungsprojekt Wydäckerring Duplex Architekten, 2019
  8. Lebenshorizont erreicht. In: Hochparterre.ch. 26. Juni 2020, abgerufen am 15. November 2020.
  9. Interpellation der Fraktion AL, Stadt Zürich, Gemeinderat, Dokument GR Nr. 2020/416 vom 23. September 2020. ("Interpellation")