Siedlung am Perlacher Forst

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Siedlung am Perlacher Forst im Jahr 2012

Die Siedlung am Perlacher Forst, im Volksmund auch „Ami-Siedlung“ genannt, ist eine Siedlung in München-Obergiesing. Die typisch amerikanische Siedlung entstand ab 1953 auf einer eigens dafür abgeholzten Waldfläche des Perlacher Forstes, um den Wohnraumbedarf der amerikanischen Besatzungssoldaten zu decken. Die Bauplanung erfolgte im Auftrag des Amtes für Verteidigungslasten durch das Staatliche Bauamt. Das Staatliche Bauamt München selbst beschreibt die Siedlung aufgrund der parkähnlichen Gestaltung und der Integration von Wohn- und Nutzbauten mit dem ursprünglichen Baumbestand des Forstes als „außergewöhnliches städtebauliches Bild“. Nach dem Abzug der Amerikaner 1991 hat zunächst die Bundesvermögensverwaltung, danach dann aufgrund der Umstrukturierungen durch die Rot-Grüne Bundesregierung 2005[1] gegründete Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), das gesamte Areal übernommen und teilweise an private Eigentümer verkauft. So sind inzwischen 13 Wohngebäude über die Patrizia AG privatisiert und dann als Eigentumswohnungen verkauft worden. Der Verkauf der Einzel- und Doppelhäuser, insbesondere an Familien, wird stetig weiter verfolgt.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung am Perlacher Forst liegt im Münchner Stadtteil Fasangarten im Süden des Stadtbezirks 17 Obergiesing-Fasangarten am südlichen Stadtrand von München und wird von der Fasangartenstraße, der Lincolnstraße, der Bahnstrecke München Ost–Deisenhofen und der Bundesautobahn 995 begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Kirche der US-Army ist seit 1994 eine russisch-orthodoxe Kathedralkirche der Heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands.

Bereits im 18. und 19. Jahrhundert erstreckte sich südlich von München der Perlacher Forst mit zahlreichen Ausflugszielen, wie das Schloss Harlaching, Gutshof Menterschwaige und das Forsthaus Fasangarten. Dieses verdankte seinen Namen der angrenzenden Fasanenzucht und war später namensgebend für das nahe Umfeld (Fasangarten).[3]

1953 ließ die Bundesrepublik Deutschland rund einen Quadratkilometer Wald abholzen, um für die in der McGraw-Kaserne stationierten Mitglieder der United States Army und deren Familien ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig wurden die bis dahin besetzten und mit Stacheldraht umzäunten Häuser in Harlaching geräumt.

Es entstand eine typische amerikanische Siedlung mit breiten Straßen und Bebauung, wie sie in der gesamten Bundesrepublik an nahezu allen Standorten der US-Army errichtet wurde, wie auch zum Beispiel in Stuttgart oder Garmisch-Partenkirchen. Im Norden von München gibt es in der Mortonstraße ebenfalls baugleiche Häuser, aber in einer viel kleineren Dimension. Die Häuser und Officers Homes wurden aufgrund der Lage zum Hauptquartier der Amerikanischen Streitkräfte in Bayern in der nahen McGraw-Kaserne (frühere Reichszeugmeisterei) größer geplant. Im Zuge der Übernahme der Straßen erarbeitete die Landeshauptstadt München ein Konzept, das durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben umgesetzt wurde. Im Jahr 2007 und 2008 wurden die ursprünglich U.S. Standard entsprechenden Straßen, die der Siedlung den amerikanischen Charakter verliehen, verschmälert und durch das Staatliche Bauamt München 2 dem Münchner Standard für Erschließungsstraßen angepasst.

Besondere Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staatliche Bauamt München 1 beschreibt den Charakter der Siedlung wie folgt: „Locker und in Zeilenbauweise sind Wohngebäude in parkartige Grünflächen und Restbestände des Perlacher Forstes eingefügt. Die weitläufigen offenen Freiflächen sollen ein gesundes Wohnen im Grünen, hohe Erholung und Aufenthaltsqualität für alle Altersstufen gewähren.“ Dieses Bild wird insbesondere durch den großen Abstand von hohen Gebäuden zur Straße verstärkt, während niedrigere Gebäude näher am Straßenrand stehen. Eine direkte Bebauung des Straßenrandes ist in der gesamten Siedlung nirgends gegeben, was für München einen weiteren Alleinstellungs-Charakter darstellt. [4] In vielen öffentlichen Veranstaltungen wurde der besondere Wert der Siedlung für München und insbesondere der einmalige parkähnliche Charakter hervorgehoben. Dem gegenüber steht das Interesse der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Restflächen möglichst gewinnbringend zu verwerten. Vor allem Pläne über die Nachverdichtung der Siedlung und Erweiterung des Gewerbeanteils stoßen immer wieder auf heftige Proteste der Bürger.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Filmtheater Cincinnati wurde im Stil eines US-Kinos gebaut.

Insbesondere das große Schulzentrum mit Grund-, Haupt- und Berufsschule in der Cincinnatistraße kann als profilbildend für die heutige Siedlung bezeichnet werden. Das ehemalige Krankenhaus beherbergt inzwischen das Bundespatentgericht und eine Außenstelle des Deutschen Patent- und Markenamtes. Der ehemalige PX (Einzelhandelszentrum) sowie das Heizkraftwerk wurden abgerissen und wichen dem durch den Bundestag beschlossenen Neubau der Europäischen Schule München und einem wohl ab Herbst 2017 in Betrieb gehenden Nahversorger mit Hotel.

Die Siedlung am Perlacher Forst ist durch die nahen Bundesautobahnen A 995 und A 8 sowie den nahen Mittleren Ring/McGraw-Graben erschlossen. Inzwischen ist sie nicht mehr so wie ursprünglich 1953 geplant nur für Anlieger als eigenständiger Bereich, der autark bleiben kann, angebunden, sondern leidet – wie überall – unter stetiger Verkehrszunahme. Die S-Bahn-Station „Fasangarten“ und öffentliche Buslinien decken den Bedarf an öffentlichem Nahverkehr für die Erschließung der inzwischen stetig nachverdichteten Wohnanlage einigermaßen ab.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das große Schulzentrum dienen verschiedene Straßen Kindern ab dem Grundschulalter als Schulweg. Zum Schutz der Amerikaner vor Anschlägen (u.a. der RAF) in den 1980er Jahren wurde die Marklandstraße zunächst gesperrt und dann im Zuge der Übernahme der Straßen durch die LH München wieder geöffnet. Aufgrund der Regelungen der Stadt wurden die Straßen als Tempo-30-Zone ausgelegt. In Betrieb seit 1957 ist diese auch Münchens älteste Tempo-30-Zone. Aufgrund dieser Besonderheit wurden auch keine Radwege angelegt. Ein Versuch, die Marklandstraße wieder zu sperren, ist 2011 gescheitert.

Insgesamt ist die Verkehrsbelastung in den letzten Jahren durch die Ausweitung der Nachnutzung von ehemaligen US-Anlagen und weiterer neuer Infrastrukturbauten[5] gestiegen.

Die Amerikaner nutzten nach Schließung der Marklandstraße nur noch die Cincinnati- und die Minnewittstraße zur Erschließung des gesamten Areals. Alle anderen Straßen wurden nur für die Versorgung der angrenzenden Wohnhäuser verwendet, da so die Sicherheit der Wohnanlage durch die in der Anlage patrouillierende Military Police der US Army besser gewährleistet werden konnte. Die Stadt München hat dieses Verkehrskonzept nicht mehr übernommen, auch wenn die gesamte Bebauung der Wohnanlage ursprünglich dahingehend ausgelegt war.[6][7]

Geplante städtebauliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schulzentrum in der Siedlung am Perlacher Forst soll erweitert werden. Die Europäische Schule München plant einen Erweiterungsbau. In diesem Zusammenhang sollen zunächst 1.600 Schüler und weitere Kinder in einer neuen Kindertagesstätte untergebracht werden.[8] Die Zahl der neuen Schüler soll im Zuge weiterer Ausbaumaßnahmen auf insgesamt 1.800 ansteigen. Um den Charakter der Siedlung zu erhalten, wurde ein Wettbewerb für Architekturbüros ausgeschrieben, bei dem auch der Neubau des Nahversorgers und der Neubau weiterer Wohneinheiten konzipiert werden sollte. Der Wettbewerb ist abgeschlossen, die Baumaßnahmen sollen bis 2018 bzw. 2019[9] abgeschlossen sein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. T-Systems Enterprise Services GmbH – Industry Line Public – www.t-systems.com: RIS München - Bereich Stadtrat - Vorlagen und Beschlüsse – Details. In: www.ris-muenchen.de. 4. Mai 2007, abgerufen am 29. Dezember 2016 (deutsch).
  2. Kein weiterer Verkauf bundeseigener Wohnungen in München: Gemeinsamer Appell mit Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer. In: Dr. Wolfgang Stefinger. (wolfgang-stefinger.de [abgerufen am 29. Dezember 2016]).
  3. Infos Fasangarten
  4. Staatliches Bauamt München 1 - "Bundeswohnsiedlung am Perlacher Forst"
  5. Fasangarten · »Nur das Beste für die Baustelle, keine Unfälle, und möge es gelingen!« - Grundsteinlegung AWO – Föhrenpark. In: www.wochenanzeiger.de. Abgerufen am 29. Dezember 2016.
  6. T-Systems Enterprise Services GmbH - Industry Line Public - www.t-systems.com: RIS München - Bereich Stadtrat - Vorlagen und Beschlüsse - Dokumente. In: www.ris-muenchen.de. 4. Mai 2007, abgerufen am 29. Dezember 2016 (deutsch).
  7. T-Systems Enterprise Services GmbH - Industry Line Public - www.t-systems.com: RIS München - Bereich Stadtrat - Vorlagen und Beschlüsse - Dokumente. In: www.ris-muenchen.de. 4. Mai 2007, abgerufen am 29. Dezember 2016 (deutsch).
  8. T-Systems Enterprise Services GmbH - Industry Line Public - www.t-systems.com: RIS München - Bereich Stadtrat - Vorlagen und Beschlüsse - Dokumente. In: www.ris-muenchen.de. 4. Mai 2007, abgerufen am 29. Dezember 2016 (deutsch).
  9. Giesing/Fasangarten · Der Durchstich von Norden kommt - Europäische Schule. In: www.wochenanzeiger.de. Abgerufen am 29. Dezember 2016.

Koordinaten: 48° 5′ 30″ N, 11° 35′ 56″ O