Siegfried II. (Brandenburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Siegel des Brandenburger Bischofs Siegfried II. vom 28. Dezember 1216. Schriftzug: SIFRIDVS D(E)I GRA(CIA) BRANDEBVRG(E)NSIS EP(IS)C(OPVS). In Klammern sind die Auslassungen ergänzt.

Siegfried II. († 1220) war von 1216 bis 1220 Bischof von Brandenburg. Er war der zweite Brandenburger Bischof mit diesen Namen. Im Gegensatz zu Siegfried I. von Anhalt war er kein Askanier.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein erster Beleg seiner Person ist seine Wahl zum Dompropst von Brandenburg, welche zwischen 1211 und 1214 erfolgte. 1216 wurde er zum Nachfolger von Bischof Balduin gewählt. Die Konsekration erfolgte im Dezember 1216.

Historisches Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bistum Brandenburg wurde 948 vom deutschen König Otto I. gegründet und mit Reichsgut ausgestattet. Es hatte verfassungsrechtlich eine reichsunmittelbare Stellung. Diese konnten die Bischöfe aber gegenüber den mächtigeren Markgrafen nicht behaupten, was Folgen bei der Auswahl der Bischöfe und der Besteuerung durch die üblichen Abgaben hatte. Wie aus den Urkunden zum Brandenburger Zehntstreit hervorgeht, hatten sie bereits mehrfach die Markgrafen wegen Entziehung des Kirchenzehnten exkommuniziert. Gegenüber den Askaniern, deren Herrschaft 1320 zu Ende ging, konnten sie die Unabhängigkeit aber bewahren.

Mit dem Anstieg des Einflusses des Markgrafen schwand das ursprünglich enge Verhältnis zum Magdeburger Erzbischof, durch den nachweislich bis 1250 die Weihe der Brandenburger Bischöfe erfolgte. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gelang es schließlich den Markgrafen, Mitglieder der Familie auf die Cathedren von Magdeburg und Havelberg zu bringen; schon Albrecht der Bär hatte zwei Söhne auf dem Bischofsstuhl von Brandenburg (Siegfried I. von Anhalt) bzw. im Domkapitel Magdeburg untergebracht.

Durch die Gebietserweiterungen zugunsten der Askanier wuchs auch das Brandenburger Bistumssprengel. Erst ab Mitte des 13. Jahrhunderts festigten sich die Grenzen. Bis ungefähr 1350 haben die Brandenburger Bischöfe abwechselnd in Brandenburg, Pritzerbe oder Ziesar Hof gehalten. Dann wurde Ziesar zur festen Residenz.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz nach seiner Amtsübernahme bestätigte er in zwei erhalten gebliebenen Urkunden die Besitzungen des Brandenburger Domkapitels. Beide Fassungen sind auf den 28. Dezember 1216 datiert, die erste ist in Brandenburg, die zweite in Ziesar ausgestellt. In der zweiten, tatsächlich wohl später aufgesetzten Ausfertigung wurden die Archidiakonatsrechte des Dompropstes für die neuen östlichen Bistumsteile bestätigt. In beiden Fassungen erschien der Markgraf von Brandenburg, Albrecht II., als Zeuge, tatsächlich war er wohl nur bei der Ausstellung der ersten Fassung zugegen. Mit der zweiten sollten anscheinend dessen Pläne zur Gründung eines exemten Kollegiatstiftes abgewehrt werden. Zudem wurde das Recht der Bischofswahl allein dem Domkapitel zugesprochen. Die Wahlordnung von 1187 sah noch eine Beteiligung des Leitzkauer Stiftes, aus dem das Domkapitel hervorging, vor. Diese Regelung stieß auf Widerstand und verursachte nach Siegfrieds Tod noch weiteren Streit. In der ersten Fassung wurden erstmals Rhinow, Jessen, Saarmund, Luckenwalde und Glienecke (östlich von Ziesar), in der zweiten Rathenow, Friesack, Fehrbellin, Kremmen, Bötzow (seit 1652 Oranienburg) sowie Zehdenick schriftlich erwähnt.[1]

1220 bestätigte Siegfried in einer Urkunde eine Schenkung des Ritters und spätere Domherrn Daniel von Mukede. Dieser übertrug dem Hospital des Doms zu Brandenburg vier Hufen Land im Dorf Hohenferchesar. Mukede bestimmte, dass nach seinem Tod von der Schenkung jährlich zehn Schilling an das Domkapitel zur Feier seines Gedächtnisses gehen sollten. Er schrieb jedoch für sich und seine Frau lebenslangen Nießbrauch fest.[2]

Siegfried war auch Exekutor gegen das Kloster Ilsenstein, was allerdings nur im Einvernehmen mit dem Magdeburger Erzbischof Albrecht I. von Käfernburg, möglich war.

Ein Bruder war Domherr und Dompropst von Magdeburg sowie Zisterzienser im Kloster Lehnin.

Die Nachfolge Siegfrieds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Siegfrieds erfolgte eine Doppelwahl. Der Kandidat Ludolf von Schwanebeck und der vom Leitzkauer Kapitel aufgestellte Gegenkandidat Wichmann von Arnstein erhielten aber keine päpstliche Bestätigung, sodass 1222 Gernand von Brandenburg der eigentliche Nachfolger wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. Gatz: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, 1198 bis 1448. Duncker & Humblot, Berlin 2002 ISBN 3-428-10303-3
  • G. Abb und G. Wentz: Das Bistum Brandenburg. Reihe Germania Sacra, Walter De Gruyter & Co., Berlin 1929

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lutz Partenheimer: Bischof Siegfried II. von Brandenburg (Ende 1216-1220/21) bestätigt dem Brandenburger Domkapitel dessen Rechte und Besitzungen, 28. Dezember 1216. In: Mitteilungen des Uckermärkischen Geschichtsvereins zu Prenzlau 20/2013. S. 14–37.
  2. Adolf Friedrich Riedel (Hrsg.):Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Achter Band, F. H. Morin, Berlin 1847, S. 45, S.131 ff.
Vorgänger Amt Nachfolger
Balduin Bischof von Brandenburg
1216–1220
Gernand von Brandenburg