Siegfried Landshut

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Max Horkheimer (vorne links), Theodor Adorno (vorne rechts) und Jürgen Habermas (im Hintergrund rechts), Siegfried Landshut (im Hintergrund links) im Jahr 1964 in Heidelberg

Siegfried Landshut (* 7. August 1897 in Straßburg, Elsass; † 8. Dezember 1968 in Hamburg) war ein deutscher Politologe und Soziologe.[1] Über die Politikwissenschaft hinaus wurde Landshut als Entdecker und Herausgeber der Frühschriften von Karl Marx bekannt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegfried Landshut war der Sohn des Architekten Samuel Landshut und seiner Frau Suzette, geb. Cohn. Im Ersten Weltkrieg leistete er Militärdienst. Er studierte Nationalökonomie und wurde bei Robert Liefmann in Freiburg promoviert. Er studierte danach noch Soziologie und Philosophie bei Edmund Husserl, Max Scheler und Martin Heidegger. Von September 1925 bis zum Sommer 1927 war er Assistent am Institut für Auswärtige Politik in Hamburg, danach Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter (Assistent) von Eduard Heimann am Sozialökonomischen Seminar an der Universität Hamburg.

Vertrieben von der Universität infolge des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, ging er 1933 nach Ägypten und verblieb dort bis 1936. In diesem Jahr ging er nach Palästina an die Hebräische Universität Jerusalem. Nach neun Jahren verließ er Palästina und hielt sich von 1945 bis 1948 wiederum in Ägypten auf. Zurückgekehrt nach Hamburg wurde er 1951 Professor für Politische Soziologie, danach für Politische Wissenschaft an der Universität Hamburg.

Landshut heiratete 1921 Edith Hess, sie hatten drei Kinder.

Ab dem Jahr 2018 vergibt das Hamburger Institut für Sozialforschung jährlich den Siegfried-Landshut-Preis.[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kritik der Soziologie. Freiheit und Gleichheit als Ursprungsproblem der Soziologie, Duncker & Humblot, München 1929, erste (wegen drohender Ablehnung zurückgezogene) Habilitationsschrift, da noch unter dem Titel: Untersuchungen über die ursprüngliche Fragestellung zur sozialen und politischen Problematik.[3]
  • Mit J. P. Mayer Herausgeber; Karl Marx: Der historische Materialismus; Die Frühschriften. Kröner, Stuttgart, 1932. 2 Bände. Neuausgabe, Karl Marx: Die Frühschriften. Kröner, Stuttgart, 1953.
  • Karl Marx. Colemanns kleine Biographien, Lübeck, 1932. 40 Seiten.
  • Die Gemeinschafts-Siedlung in Palästina, 1944. Auf Hebräisch.
  • Jewish Communities in the Muslim Countries of the Middle East; A Survey. London, o. J. [1950].
  • Als Herausgeber: Alexis de Tocqueville: Das Zeitalter der Gleichheit; Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk. Kröner, Stuttgart, 1954.
  • Kritik der Soziologie und andere Schriften zur Politik. Neuwied am Rhein, Berlin, 1969.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landshut wird in vielen Kurzbeschreibungen als Soziologe bezeichnet, sein Biograph hält diese Bezeichnung jedoch für „ganz irreführend“, weil Landshut sich stets als Politikwissenschaftler verstanden habe. Vgl. Rainer Nicolaysen: Siegfried Landshut. Die Wiederentdeckung der Politik. Frankfurt am Main 1997, S. 19.
  2. Hamburger Institut für Sozialforschung: Siegfried Landshut Lectures. (Memento vom 3. Oktober 2018 im Internet Archive) Abgerufen am 3. Oktober 2018. Vgl. dazu ohne Verfasser: Institut für Sozialforschung etabliert Preis. Fragen größter Dringlichkeit. Das Hamburger Institut für Sozialforschung hat seinen neuen Preis für soziologische Arbeit nach dem zu wenig bekannten Wissenschaftler Siegfried Landshut benannt. In: Die Tageszeitung, 3. Oktober 2018.
  3. Vgl. Rainer Nicolaysen: Siegfried Landshut. Die Wiederentdeckung der Politik. Frankfurt am Main, S. 94 und S. 103.