Siegfried Mauser

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Siegfried Mauser (2014)

Siegfried Mauser (* 3. November 1954 in Straubing) ist ein deutscher Pianist und Musikwissenschaftler. Er tritt u. a. als Interpret von Klavierwerken des 20. Jahrhunderts, insbesondere von Paul Hindemith, Wilhelm Killmayer und Wolfgang Rihm, auf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mauser studierte Schulmusik und Klavier an der Hochschule für Musik und Theater München bei Rosl Schmid und Alfons Kontarsky, außerdem Philosophie und Kunstgeschichte an den Universitäten München und Salzburg. 1981 wurde er an der Universität Salzburg im Fach Musikwissenschaft promoviert.

Von 1983 bis 1987 lehrte Mauser als Professor für Klavier und Kammermusik an der Hochschule für Musik Würzburg. Danach wechselte er als Professor für Musikwissenschaft ans Mozarteum Salzburg; dort gründete er 1989 ein Forschungsinstitut für musikalische Hermeneutik.[1] 2002 wurde er als Professor für Musikwissenschaft an die Hochschule für Musik und Theater München berufen, der er von 2003 bis 2014 als Rektor vorstand (ab 1. Oktober 2007 Amtsbezeichnung Präsident). Daneben leitete er dort eine Klasse für Liedgestaltung und betreute das Institut für Musikwissenschaft.

Von Oktober 2014 bis Juni 2016 war Mauser als Nachfolger von Reinhart von Gutzeit Rektor der Universität Mozarteum Salzburg.[2][3][4] Von 2002 bis 2016 war Mauser Direktor der Abteilung Musik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.[5]

Die Liste seiner CD-Einspielungen umfasst u. a. sämtliche Klavierwerke von Paul Hindemith, Alexander Zemlinsky und Karl Amadeus Hartmann, sämtliche Klaviersonaten W. A Mozarts, Klaviermusik von Claude Debussy, Wolfgang Rihm, Wilhelm Killmayer und Kammermusik von Günter Bialas und Paul Hindemith, darüber hinaus Lieder, z. B. von Gustav Mahler (mit Siegfried Jerusalem).

Siegfried Mauser ist in zweiter Ehe mit der Sopranistin und Schauspielerin Amélie Sandmann verheiratet, das Paar lebt in München.

Am 13. Mai 2016 wurde Mauser vom Amtsgericht München wegen sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt.[6] Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig. Mauser legte gegen das Urteil Berufung zum Landgericht München I ein;[7] die Verhandlung begann am 15. März 2017.[8]

Öffentliche Diskussion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bislang nicht rechtskräftige Urteil erster Instanz gegen Mauser löste eine Kontroverse in der deutschen Öffentlichkeit aus. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ortete in der Strafanzeige gegen Mauser einen Akt der Vergeltung dafür, dass der ehemalige Rektor der Münchner Musikhochschule bestimmte Mitarbeiterinnen nicht in ihrer Karriere gefördert habe: „Damen, deren Avancen zurückgewiesen werden, gleichen tückischen Tellerminen. Ihre Rachsucht sollte man nie unterschätzen.“[9] Demgegenüber argumentierte Patrick Bahners, das Gericht hätte die Aussagen von 16 Zeugen gehört; bloße persönliche Bekanntschaft, so Bahners, verschaffe Enzensberger und anderen Freunden Mausers wohl kaum eine solidere Grundlage, die Geschehnisse an der Hochschule zu beurteilen.[10] In einem Redebeitrag zum Philosophiefestival Phil.Cologne[11] am 21. Mai 2016 beschrieb Peter Sloterdijk Mausers Verurteilung als alarmierendes Signal eines immer hysterischer werdenden „neopuritanischen“ Zeitgeistes, der die Errungenschaften der sexuellen Befreiung seit den 1960er und 1970er Jahre zu untergraben drohe.[12] In Anspielung darauf verlieh Mauser in der Berufungsverhandlung der Hoffnung Ausdruck, dass er "kein Zeitgeist-Opfer" werde.[13] Die Hochschule für Musik und Theater München reagierte auf den Fall Mauser mit schärferen Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung.[14]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Gratzer, 'Nachgedanken zum Salzburger Institut für musikalische Hermeneutik' (2008), in: Beiträge zur Interpretationsästhetik und zur Hermeneutik-Diskussion, hg. v. Claus Bockmaier (Schriften zur musikalischen Hermeneutik 10) (Laaber: Laaber, 2009), S. 17-20
  2. derStandard.at Siegfried Mauser zum neuen Rektor der Universität Mozarteum gewählt. (APA) In: Der Standard, 21. Februar 2014, abgerufen am 22. Februar 2014.
  3. Prof. Dr. phil. Siegfried Mauser. Universität Mozarteum Salzburg, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  4. Rektor Siegfried Mauser verlässt die Universität Mozarteum. In: Salzburger Nachrichten, 9. Juni 2016.
  5. Bayerische Akademie der schönen Künste, Direktorium auf bask.de, abgerufen am 16. Juli 2015.
  6. Mit Verlaub, Sie sind ein Grapscher. Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 14. Mai 2016.
  7. http://www.nmz.de/artikel/belastende-situation-fuer-die-muenchner-musikhochschule
  8. https://www.tz.de/muenchen/stadt/professor-kaempft-um-seinen-guten-ruf-7769512.html
  9. Hans Magnus Enzensberger, 'Tückische Tellerminen', in: Münchens Kulturwelt ist entsetzt, Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2016
  10. Patrick Bahners: 'Tückische Tellerminen', Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Mai 2016. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Christine Lemke-Matwey: 'Spezl unter Spezln. Warum Bayerns Intellektuelle der Justiz an den Karren fahren', Die Zeit Nr. 24, 2. Juni 2016
  11. http://www.philcologne.de/startseite/
  12. Susanne Kübler, die Kulturredakteurin des Tagesanzeiger (Zürich, Schweiz), diagnostizierte hingegen an Mausers Unterstützern ein Frauenbild aus der Zeit vor der Emanzipation der 1960er und 1970er Jahre: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Damen--gleichen-tueckischen-Tellerminen/story/22809338
  13. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/prozess-ex-musikhochschulrektor-bestreitet-sexuelle-noetigung-1.3421642
  14. Musikhochschulen in Deutschland: Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe. Bayerischer Rundfunk. Abgerufen am 23. Juni 2016.
  15. Mitglieder der Bayerischen Akademie der Schönen Künste – Abteilung Musik. Mitglieder der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, abgerufen am 8. Dezember 2012.
  16. Pressemitteilung der bayerischen Staatsregierung über die Verleihung, abgerufen 8. Dezember 2012