Siegfried Nagl

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Siegfried Nagl, 2014.

Siegfried Nagl (* 18. April 1963 in Graz) ist ein österreichischer Politiker (ÖVP) und seit 2003 Bürgermeister der steirischen Landeshauptstadt Graz.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegfried Nagl wurde als drittes von vier Kindern einer Grazer Familie geboren. Er besuchte bis 1982 die Bundeshandelsakademie Graz I, die heutige Handelsakademie. Während seines Studiums der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Grazer Karl-Franzens-Universität wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.H.V. Carolina Graz im ÖCV. 1988 schloss er das Studium mit einem Magistergrad ab. Nagl wurde geschäftsführender Gesellschafter des elterlichen Betriebes, der Firma Klammerth in der Grazer Herrengasse. 1996 wurde er Obmann der Grazer Innenstadt-Initiative, einer Interessensvertretung des Einzelhandels der Innenstadt.

Nagl ist verheiratet und hat vier Kinder.

Nagl sah 2015 am Beginn der Amokfahrt von Graz als Motorrollerfahrer in der Zweiglgasse im Rückspiegel das Kollidieren des Geländewagens mit einer Person am Gehsteig.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste politische Aktivitäten setzte Nagl 1996 als stellvertretender Obmann des Grazer Wirtschaftsbundes sowie 1997 als Landesobmann-Stellvertreter des Steirischen Wirtschaftsbundes.

In der Zeit von 1998 bis 2003 war er Stadtrat der Stadt Graz und zuständig für die Bereiche Finanzwesen, Liegenschaften, Kultur und Landwirtschaft. Seit Jänner 2000 ist er Stadtparteiobmann der ÖVP-Graz, seit 2002 Vorsitzender der kommunalpolitischen Vereinigung Österreichs und seit 2003 Bürgermeister der Stadt Graz. Im Jahr 2003 wurde Graz Kulturhauptstadt, im Rahmen dessen eröffneten auch die Murinsel, das Kunsthaus und die Helmut-List-Halle.

2003 gewann Nagl die Grazer Gemeinderatswahlen und wurde von einer Koalition aus ÖVP und SPÖ zum Bürgermeister gewählt.[1] Bei den Gemeinderatswahlen 2008 verbuchte die ÖVP unter Nagl leichte Zugewinne und trat in der Folge in Koalitionsgespräche mit SPÖ und Grünen ein. Am 3. März 2008 einigte sich seine Partei, erstmals in der Geschichte der Stadt, mit den Grünen über ein Arbeitsübereinkommen bis 2013.

Bei der Gemeinderatswahl am 25. November 2012 hielt die ÖVP mit Nagl als Spitzenkandidat mit 33,74 % der Stimmen den ersten Rang, verlor damit jedoch 4,63 % Stimmenanteil gegenüber 2008.[2] Nagl stellt den Anspruch auf das Bürgermeisteramt und wurde wieder Bürgermeister. Bei der vorgezogenen Gemeinderatswahl am 5. Februar 2017 konnte die ÖVP mit Spitzenkandidat Nagl mit 37,79 % ihren ersten Rang halten.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kritik geraten war Nagl nach Einführung der Eingetragenen Partnerschaft in Österreich im Jahr 2010, als er gleichgeschlechtlichen Paaren die Durchführung der Zeremonie im Trauungssaal des Rathauses verweigerte. Er begründete seine Entscheidung damit, dass eine eingetragene Partnerschaft keine Trauung sei und stellte homosexuellen Paaren stattdessen das Mediacenter im Rathaus zur Verfügung.[4] Erst im September 2013, nachdem der Verfassungsgerichtshof entschieden hatte, dass die „unterschiedliche Behandlung von Menschen, die sich verehelichen, und Menschen, die eine eingetragene Partnerschaft eingehen, nicht zulässig ist“, wurde der Trauungssaal des Grazer Rathauses für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet.[5] Bereits 2003 hatte Nagl gegenüber der Zeitung Die Presse erklärt, er weigere sich, „Homosexualität zur Normalität in unserer Gesellschaft zu erklären“ und die Hoffnung geäußert, dass „der Glaube vielleicht für diese Menschen dazu führen könnte, dass sie mit dieser Form des Zusammenlebens aufhören“.[6]

Im Jahr 2017 bekannte er sich öffentlich zum Bau des Grazer Murkraftwerks, was zu Demonstrationen von politischen Gegnerschaften führte.[7] Kritisiert wurden vor allem die hohen Kosten des Murkraftwerks, die Rodungen von rund 8.000 Bäumen entlang des Grazer Murufers sowie die fehlende Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit.[8]

Umstritten war auch die Bewerbung der Stadt Graz als Kandidatenstadt für die Olympischen Winterspiele 2026, die von Nagl initiiert und forciert wurde. Die politische Gegnerschaft warnte vor allem vor enorm hohen Ausgaben, glaubte nicht an eine IOC-Trendwende und forderte daher eine Volksbefragung, der Nagl aber mit ablehnender Haltung gegenüberstand.[9][10][11]

Nagl wurde auch für seine Beteiligung am Immobiliengeschäft kritisiert.[12] Nagls Ehefrau Andrea ist Gesellschafterin der SA Immobilien GmbH, die im Kauf, Verkauf und Verwalten von Immobilien tätig ist[13]. Die SA Immobilien GmbH gehört zu 100 % der Firma J.K. Klammerth Josef Hahn’s Erben KG[14], deren alleinvertretungsberechtigter Komplementär (Persönlich haftender Gesellschafter) Siegfried Nagl ist.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Siegfried Nagl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtportal der Landeshauptstadt Graz, Sonja Tautscher: Lebenslauf Bürgermeister Siegfried Nagl - Stadtportal der Landeshauptstadt Graz. In: www.graz.at. (graz.at [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  2. Stadtportal der Landeshauptstadt Graz, Admin (Graz Press Service): GR-Wahl 2012: Sitzverteilung - Stadtportal der Landeshauptstadt Graz. In: www.graz.at. (graz.at [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  3. Stadtportal der Landeshauptstadt Graz, Sonja Tautscher: Endergebnis der Gemeinderatswahl 2017 - Stadtportal der Landeshauptstadt Graz. In: www.graz.at. (graz.at [abgerufen am 17. Juli 2018]).
  4. Homo-Ehe: Keine Zeremonie im Grazer Trauungssaal. In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 18. Juli 2018]).
  5. Der Standard: VP-Nagl öffnet Trauungssaal für Lesben und Schwule, 19. August 2013
  6. Graz: Aufregung um Siegfried Nagl – derStandard.at. 22. Dezember 2003, abgerufen am 19. Juni 2019.
  7. Büro des Bürgermeisters Siegfried Nagl: Murkraftwerk Entscheidung | Büro des Bürgermeisters Siegfried Nagl. 22. November 2017, abgerufen am 19. Juli 2018.
  8. Murkraftwerk: "Auf brutale Weise Fakten schaffen". In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 13. September 2018]).
  9. Grünes Licht für Grazer Olympia-Bewerbung 2026 – derStandard.at. Abgerufen am 13. September 2018.
  10. elisabeth.holzer: Olympische Spiele 250 Kilometer rund um Graz. (kurier.at [abgerufen am 13. September 2018]).
  11. Olympia 2026: Wenig Neues bei Infoveranstaltung in Graz. In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 13. September 2018]).
  12. http://www.xn--wir-brger-u9a.at/murkraftwerk-ein-buergermeister-und-sein-immo-netzwerk/
  13. https://www.firmenabc.at/sa-immobilien-gmbh_NpnS
  14. https://www.firmenabc.at/sa-immobilien-gmbh_NpnS
  15. https://www.firmenabc.at/j-k-klammerth-josef-hahn-s-erben-kg_VJZ