Siegfried Zoglmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Siegfried Zoglmann (* 17. August 1913 in Neumark/Kreis Taus; † 20. Oktober 2007 in Bonn-Bad Godesberg) war ein Sudetendeutscher und deutscher Politiker. Er war HJ-Führer und seit 1934 auch NSDAP-Mitglied. Nach 1945 stieg er in der nordrhein-westfälischen FDP FDP auf. Zu Beginn der sozialliberalen Bundesregierung (SPD-FDP) in Bonn gehörte er zu den rechten FDP-Mitgliedern, die ihre Partei verließen. Nach Gründung einer nationalliberalen Partei, die erfolglos blieb, schloss er sich später der CSU an.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zoglmann, Sohn eines Landwirts, war seit 1928 führend in der sudetendeutschen Jugendbewegung tätig. In Mährisch-Ostrau wurde er 1933 für ein Jahr in Haft genommen. Nach der Haftentlassung war er als Journalist ab 1934 in Köln und ab 1935 in Berlin tätig. In Berlin leitete er die Auslandspressestelle der Reichsjugendführung. In den Monaten nach dem Münchner Abkommen vom 30. September 1938 gehörte er als jüngstes Mitglied der internationalen Kommission an, die den endgültigen Verlauf der deutsch-tschechoslowakischen Grenze festzulegen hatte. Nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ wurde er 1939 Abteilungsleiter beim Reichsprotektor in Böhmen und Mähren. Während des Zweiten Weltkrieges war er ab 1940 bei einer Kriegsberichterstatterkompanie eingesetzt. 1942 meldete er sich freiwillig zum Einsatz bei der Waffen-SS, wo er zuletzt Kompanieführer im Range eines SS-Obersturmführers war.

Nach Kriegsende kam Zoglmann 1945 als Heimatvertriebener nach Nordrhein-Westfalen. Er arbeitete als Chefredakteur der dem rechten FDP-Flügel nahestehenden Zeitungen Der Fortschritt, Die Deutsche Zukunft und Deutsche Allgemeine Zeitung. 1951 wurde er Geschäftsführer des Nordwestdeutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlages. 1961 gründete er die Agentur „interwerbung“. Außerdem hat er sich als Unternehmer im Lebensmitteleinzelhandel versucht.[1]

Siegfried Zoglmann wurde auf dem Burgfriedhof in Bad Godesberg beigesetzt.

Parteimitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zoglmann war Mitglied der DNSAP und ab 1934 der NSDAP. Er war Gebietsführer Böhmen und Mähren der Hitlerjugend.

Zoglmann wurde 1950 Mitglied der FDP in Nordrhein-Westfalen. Er wurde 1950 zum Landespressereferenten bestellt, 1951 in den Landesvorstand gewählt und schließlich stellvertretender Landesvorsitzender. Neben Ernst Achenbach war er der Verbindungsmann von Friedrich Middelhauve zum Naumann-Kreis.

Zoglmann gehörte innerhalb der FDP zu den strikten Gegnern der sozialliberalen Koalition und vor allem auch der Neuen Ostpolitik. Am 17. Juni 1970 gründete er mit Dietrich Bahner und anderen Mitgliedern des Hohensyburger Kreises innerhalb der FDP die Nationalliberale Aktion (NLA), um den innerparteilichen Einfluss des rechten Parteiflügels zu stärken. Nachdem der Bundesparteitag der FDP vom 22. bis 24. Juni 1970 in Bonn jedoch die reformorientierte, sozialliberale Linie Walter Scheels bestätigt hatte (siehe Freiburger Thesen), konstituierte sich die NLA bundesweit. Zoglmann wurde ihr Vorsitzender und trat am 9. Oktober 1970 aus der FDP aus. Nach Überführung der NLA in die Deutsche Union 1971 war Zoglmann bis 1974 deren Vorsitzender. Als das Scheitern der DU als eigenständige Partei absehbar wurde, wechselte er im November 1974 zur CSU.

Vertriebenenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zoglmann war Mitbegründer der Sudetendeutschen Landsmannschaft, für die er von 1976 bis 1988 Landesobmann in Bayern war. Außerdem gehörte Zoglmann dem Sudetendeutschen Rat an. Er begründete den national-konservativen Witikobund mit.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1954 bis 1958 war Zoglmann Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen.

Dem Deutschen Bundestag gehörte Zoglmann von 1957 bis 1976 an. Von 1961 bis 1963 war er parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, anschließend bis 1968 stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Mit seinem Parteiaustritt verließ Zoglmann am 9. Oktober 1970 auch die FDP-Fraktion und wurde Gast der CSU-Landesgruppe. Wiewohl weiterhin in Nordrhein-Westfalen wohnend, wurde Zoglmann, der zu diesem Zeitpunkt parteilos war, 1972 auf der CSU-Landesliste erneut in den Bundestag gewählt.

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bannführer S. Z. zus. mit Gauleiter Hans Krebs: Sudetendeutschland marschiert. Verlag für soziale Ethik und Kunstpflege Dr. Friedrich Osmer, Berlin 1938 (Referat)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 991.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2., aktualisierte Auflage Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Zoglmann, Siegfried. In: Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.B. – Die Volksvertretung 1946–1972. – [Xylander bis Zywietz] (= KGParl Online-Publikationen). Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e. V., Berlin 2006, ISBN 978-3-00-020703-7, S. 1421, urn:nbn:de:101:1-2014070812574 (kgparl.de [PDF; 111 kB; abgerufen am 19. Juni 2017]).
  • Susanna Schrafstetter: Siegfried Zoglmann, His Circle of Writers, and the Naumann Affair: A Nazi Propaganda Operation in Postwar Germany. In: David A. Messenger, Katrin Paehler (Hrsg.): A Nazi past. recasting German identity in postwar Europe. Univ. Press of Kentucky, Lexington 2015, S. 113–138.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HANDEL: Rabiate Macht. In: Der Spiegel. Nr. 21, 1975 (online).