Sieggraben

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Sieggraben
Wappen von Sieggraben
Sieggraben (Österreich)
Sieggraben
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Mattersburg
Kfz-Kennzeichen: MA
Fläche: 17,69 km²
Koordinaten: 47° 39′ N, 16° 23′ OKoordinaten: 47° 38′ 59″ N, 16° 22′ 50″ O
Höhe: 450 m ü. A.
Einwohner: 1.270 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 72 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7223
Gemeindekennziffer: 1 06 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeinde Sieggraben
7223 Sieggraben
Website: www.sieggraben.at
Politik
Bürgermeister: Vinzenz Jobst (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(19 Mitglieder)
12
7
12 
Von 19 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Sieggraben im Bezirk Mattersburg
Antau Bad Sauerbrunn Baumgarten Draßburg Forchtenstein Hirm Krensdorf Loipersbach Marz Mattersburg Neudörfl Pöttelsdorf Pöttsching Rohrbach bei Mattersburg Schattendorf Sieggraben Sigleß Wiesen Zemendorf-Stöttera BurgenlandLage der Gemeinde Sieggraben im Bezirk Mattersburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Das Gemeindeamt von Sieggraben
Das Gemeindeamt von Sieggraben
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Katholische Pfarrkirche
Innenansicht der katholischen Pfarrkirche
Volksschule Sieggraben
Dreifaltigkeitssäule

Sieggraben (ungarisch: Szikra, kroatisch: Sigrob) ist eine Gemeinde im Bezirk Mattersburg im Burgenland in Österreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortskern von Sieggraben liegt in einer talartigen Absenkung südlich des Sieggrabener Sattels, andere Ortsteile befinden sich größtenteils über hügeliges Gebiet verstreut. Die Sieggrabener Hügel sind Ausläufer der Buckligen Welt. Der Sieggrabener Sattel ist ein markanter geographischer Punkt und wird durch den Zusammenstoß vom Rosaliengebirge mit dem Ödenburger Gebirge gebildet. Der Ort liegt an der engsten, nur vier Kilometer breiten Stelle des Burgenlandes. Durch die Gemeinde fließt der Sieggrabenbach, der sich in Weppersdorf mit dem Schwarzenbach vereinigt und ab dort gewöhnlicherweise Stoober Bach genannt wird. Der Brenntenriegel ist mit 606 m ü. A. die höchste Erhebung des Ödenburger Gebirges. Eine markante, weithin sichtbare Erhebung ist der Sieggrabener Kogel.

Nachbargemeinden: Die Gemeinde grenzt an Mattersburg, Marz und Rohrbach bei Mattersburg im Norden, im Osten an einer schmalen Stelle an das ungarische Sopron sowie Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf. Im Süden liegen Weppersdorf und Kobersdorf, im Westen liegt der niederösterreichische Ort Schwarzenbach.

Die Gemeindegrenzen zu den Nachbarorten verlaufen über weite Strecken in bewaldetem Gebiet, sodass man von Sieggraben aus nur Marz über die B 50 sowie Mattersburg über die S 31 im Norden, den zu Weppersdorf gehörigen Ort Kalkgruben im Süden und die westlich gelegene Gemeinde Schwarzenbach auf direktem Weg erreichen kann. Von der Straße nach Schwarzenbach biegt auf Sieggrabener Gemeindegebiet ein Güterweg nach Oberpetersdorf ab, das zur Gemeinde Kobersdorf gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einer Besiedlung in der Bronzezeit zeugt ein Gräberfeld im Sieggrabener Bahnwald, welches 1893 erstmals von dem ungarischen Gymnasiallehrer und Heimatforscher Lajos Bella aus Sopron erwähnt und zuletzt im Sommer 1980 untersucht wurde.[1] In keltischer Zeit war das Gebiet Teil des Königreichs Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Im Römischen Reich war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia.

Der Ort wurde im Jahr 1302 erstmals urkundlich als „Sykrems“ erwähnt. Es wird angenommen, dass der Ort seinen Namen vom Bach, der das Dorf durchfließt, erhielt. In der Grenzbeschreibung von Weppersdorf wird dieser Bach als „Sykrin Potok“ (auch „Sikrynpotok“ und „Scikryn Potok“) erwähnt. Die frühesten urkundlichen Belege dieses Baches gehen auf das Jahr 1222 zurück.[2][3] In weiterer Folge finden sich für den Ortsnamen die Schreibweisen „Siggraben“ (1641), „Sigroben“ (1651), „Szigraben“ (1675), „Sigraben“ (1682) „Siegraben“ (1713) sowie „Siggraben“ (1713). Die spätere magyarische Namensform lautete bis 1921 Szikra.[3]

Sieggraben gehörte den Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein, später zur Herrschaft Forchtenstein, zur Herrschaft Kobersdorf und fiel schließlich 1622 in den Besitz der Fürsten von Esterházy. In den grundherrschaftlichen Urbaren des 16. und 17. Jahrhunderts sind für Sieggraben größtenteils Kleinbauern verzeichnet. Im Urbar der Grafschaft Forchtenstein vom Jahr 1675 sind für Sieggraben eine Schule, ein Gemeindegasthaus und zwei Steinmühlen[4] ausgewiesen.[5] Noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Bevölkerung Sieggrabens konfessionell gemischt (katholisch und evangelisch) gewesen, im Jahr 1659 war sie mehrheitlich protestantisch[6], ehe sie um 1660 katholisch wurde.[7][8] Im Jahr 1736 wurde Sieggraben zur eigenständigen Pfarre erhoben.[9] Im Zuge der Neueinteilung der Grundherrschaften der Fürsten von Esterházy 1738 kam der Ort zur Herrschaft Kobersdorf. Bei einem Feuer im Jahr 1775 wurden 30 Häuser zerstört. 1848 erfolgte die Einteilung der ungarischen Komitate in Stuhlbezirke, wodurch der Ort Ödenburg zugeteilt wurde. Durch eine weitere Änderung der Bezirke 1870/71 entstand der Bezirk Mattersburg, dem Sieggraben seither angehört.

1921 kam der Ort – wie das gesamte heutige Burgenland – aufgrund der Verträge von St. Germain und Trianon aus dem Jahr 1919 zu Österreich.

Wegen der exponierten Lage des Ortes südlich vom Sieggrabener Sattel gab es im Jahr 1938 seitens der NS-Machthaber den Plan, Sieggraben verwaltungtechnisch dem politischen Kreis Oberpullendorf zuzuordnen. Nach Protesten der Ortsbewohner von Sieggraben, die geltend machten, dass die Gemeinde von alters her sinnvollerweise nach Mattersburg ausgerichtet war, dorthin auch bezüglich Früchte-Export und Arbeitskräftefluss tendiere und von dort aus zudem einen komfortablen Eisenbahn-Anschluss nach Wien verfügt, wurde der Plan fallen gelassen.[10] Auch dach dem Zweiten Weltkrieg blieb Sieggraben eine ausgesprochene Pendler-Gemeinde: Im Jahr 1951 pendelten von Sieggraben – bei einer Einwohnerzahl von 1276 Personen – jeden Montag rund 90 Wochenpendler nach Wien.[11]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Vinzenz Jobst von der ÖVP. Die Mandatsverteilung (19 Sitze) in der Gemeindevertretung ist ÖVP 12 und SPÖ 7 Mandate.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Im silbernen Schilde auf einem grünen, mit einem silbernen Schaufelrad belegten Dreiberg drei grüne Tannen wachsend, die mittleren mit fünf Asthöhen (vier Quirl und Wipfel), die beiden seitlichen (kleineren) mit vier Asthöhen (drei Quirl und Wipfel). Das Wappen wurde am 14. September 1983 verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Pfarrkirche: 1797 errichtet, spätbarocker-josephinischer Saalbau mit polygonalem Presbyterium und straßenseitiger Turmfassade. Innengestaltung: ein spätbarocker Saalraum mit Hängekuppel über quadratischem Grundriss. Erweiterungsbau 1979/80 errichtet mit abstrakter leuchtend farbiger Glasmalerei von Hannelore Knittler-Gsellmann.
  • Volksschule: Erbaut 1926 bis 1929 von den Architekten Franz Kaym und Alfons Hetmanek (beide waren Schüler von Otto Wagner). Die Sieggrabener Volksschule galt zur Zeit ihrer Errichtung als eines der schönsten Schulgebäude des Burgenlandes. Im Obergeschoß befinden sich noch originale Ausstattungs-Elemente aus der Bauzeit: Deckenmalerei (Sternenhimmel mit Sternbildern) sowie Flügeltür mit bemalten Holztafeln (vier Elemente mit vier Jahreszeiten) nach Entwurf der Freien Akademikerwerkstätte Wien.
  • Dreifaltigkeitssäule: Errichtet 1897 an der Gabelung Hauptstraße/Riegel.
  • Dorfbrunnen: 1998 errichteter, 2,40 Meter hoher, von Friedrich Rosner künstlerisch gestalteter Keramikbrunnen.
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sieggraben

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Naturräume in Sieggraben: Waldbedeckte Bergkuppen, Ödenburger Gebirge, Rosaliengebirge, artenreiche Flora und Fauna, viele Ausflugsziele, seit 1999 Naturwanderweg mit 10 Stationen
  • Naturpark Rosalia-Kogelberg: 7770 Hektar groß, im Jahr 2006 offiziell von der Landesregierung als Naturpark begründet, Sieggraben ist eine der 13 Naturparkgemeinden

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Gemeinde sind unter anderem:

Personen mit Beziehung zur Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die ersten nachweisbaren Vorfahren von Ignaz Semmelweis, und zwar Jörg Semmelweis und seine Ehefrau Kunigunde, lebten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Sieggraben.[12][13]
  • Dem österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil, dem die Gemeinde in besonderer Weise verbunden war, wurde in Sieggraben am 6. September 2009 am Dr. Thomas Klestil-Platz mit einer Bronzebüste ein Denkmal gesetzt.[14] Bereits zu dessen Lebzeiten hatte ihm die Gemeinde nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderates aufgrund seiner Verdienste um das Land und den Ort Sieggraben den Dr. Thomas Klestil-Platz gewidmet. Dieser war am 17. Mai 2002 im Zuge der Feierlichkeiten zur ersten urkundlichen Erwähnung von Sieggraben eröffnet worden. Bundespräsident Thomas Klestil hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau Margot Klestil-Löffler an den Feierlichkeiten und der Platzeröffnung teilgenommen.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Probst: Österreich in der Mittelbronzezeit, Grin Verlag, München 2011, ISBN 978-3-656-00127-0, S. 66.
  2. Sieggraben 1302–2002, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde Sieggraben, hrsg. von der Gemeinde Sieggraben, Strichpunkt Verlag, Hornstein 2002, S. 23.
  3. a b Erhard Kranzmayer und Karl Bürger: Burgenländisches Siedlungsnamenbuch (= Burgenländische Forschungen, hrsg. vom Landesarchiv und Landesmuseum, Heft 36), Eisenstadt 1957, S. 143f.
  4. Bis heute befindet sich im Gemeindewappen von Sieggraben ein Mühlrad.
  5. Vgl. Josef Köller: Die Grafschaft Forchtenstein unter besonderer Berücksichtigung der Urbare. Diss. phil., Wien 1960, S. 132f. und S. 153ff.
  6. 200 Jahre Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung in Sieggraben 1797–1997, hrsg. von der Pfarre Sieggraben, Siegrraben 1997, S. 12.
  7. Hans Krawarik: Exul Austriacus. Konfessionelle Migration aus Österreich in der frühen Neuzeit, Lit Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-643-50210-0, S. 97.
  8. Sieggraben 1302–2002, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde Sieggraben, hrsg. von der Gemeinde Sieggraben, Strichpunkt Verlag, Hornstein 2002, S. 174.
  9. 200 Jahre Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung in Sieggraben 1797–1997, hrsg. von der Pfarre Sieggraben, Siegrraben 1997, S. 13.
  10. Andrew Frank Burghardt: The Political Geography of Burgenland, Washington, D. C. 1958 (= National Academy of Sciences-National Research Council, Publication 587), S. 211f.
  11. Andrew Frank Burghardt: The Political Geography of Burgenland, Washington, D. C. 1958 (= National Academy of Sciences-National Research Council, Publication 587), S. 212, Anm. 66.
  12. „Am 16. September 1692 ist der Erbare Jenggesöll Jörg Semmelweis mit der Tugendsamen Jungfrau Kunygundt Copuliert (= verehelicht) worden“, wie im Pfarrbuch vermerkt ist. Vgl. Thomas Dormandy: Moments of Truth. Four Creators of Modern Medicine Verlag: Wiley, Chichester 2003, ISBN 0470863218, S. 137f.
  13. Károly Kapronczay: Die Familie Semmelweis. Kulturtransfer, Mehrsprachigkeit und bürgerliche Entwicklung. In: András F. Balogh (Hrsg.): Mehrsprachigkeit in Zentraleuropa. Zur Geschichte einer literarischen und kulturellen Chance, Praesens Verlag, Wien 2012, S. 117.
  14. Enthüllung der Dr. Thomas Klestil-Büste in Sieggraben. In: Artikel auf sieggraben.at. Abgerufen am 4. März 2012.
  15. 700 Jahre Sieggraben – Festakt am 17.05.2002. In: Gemeindeportrait auf sieggraben.at. Abgerufen am 4. Oktober 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sieggraben 1302–2002, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde Sieggraben, hrsg. von der Gemeinde Sieggraben, Strichpunkt Verlag, Hornstein und Ebreichsdorf 2002.
  • Margarete Kaus: Die mittelbronzezeitlichen Hügelgräber von Sieggraben-Bahnwald. In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland; 69.1984, Eisenstadt 1984, S. 43–54.
  • Josef Köller: Die Grafschaft Forchtenstein unter besonderer Berücksichtigung der Urbare. Diss. phil., Wien 1960.
  • Andrew Frank Burghardt: The Political Geography of Burgenland, Washington, D. C. 1958 (= National Academy of Sciences-National Research Council, Publication 587), S. 211f.
  • 200 Jahre Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung in Sieggraben 1797–1997, hrsg. von der Pfarre Sieggraben, Sieggraben 1997.
  • Johannes Heinzle: Untersuchungen zur Korrelation von Mineralgehalt und Scherparametern am Beispiel des Phyllits vom Sieggrabener Sattel, Dipl.-Arb., Universität für Bodenkultur, Wien 2003.
  • Gernot Enzinger: Dokumentation und rechnerische Analyse des Hochwasserereignisses vom 26. bis 27. Juni 2008 am Schwarzen-, Sieggraben- und Stooberbach im Mittleren Burgenland, Dipl.-Arb., Universität für Bodenkultur, Wien 2009.
  • Natalie Stanke: Kommunale Biomasse Fernwärmeversorgung. Ein Leitfaden für die Abwicklung am Beispiel Sieggraben; Chronologie eines innovativen Gemeindeprojektes, Dipl. Arb., FH-Stg. Gebäudetechnik, Pinkafeld 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sieggraben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]