Sierra Entertainment

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Sierra Entertainment
Logo von Sierra Entertainment
Rechtsform Privat
Gründung 1979
Auflösung 2008
Sitz Los Angeles, Kalifornien, USA
Leitung Mark Tremblay, Präsident
Mitarbeiter 510
Produkte Computer- und VideospieleVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte

Sierra Entertainment (vor 1998 bekannt als Sierra On-Line) war ein Computerspiele-Entwicklungs- und Vertriebsunternehmen, das von 1979 bis 2008 aktiv war.

Geschichte[Bearbeiten]

Sierra wurde 1979 als On-Line Systems von Ken und Roberta Williams gegründet, die in ihrem eigenen Haus an der Entwicklung der Spiele arbeiteten. Ihr erstes Spiel war Mystery House, das weltweit erste grafische Adventure.

1982 wurde die Firma zu Sierra On-Line geändert, und das Unternehmen zog nach Oakhurst, Kalifornien.

1984 entwickelte Sierra King’s Quest, ursprünglich von IBM veröffentlicht, um die fortgeschrittene Technik des IBM PCjr zu demonstrieren. Der Erfolg dieses Spieles, das nach und nach auf andere Plattformen portiert wurde, war der Beginn einer der erfolgreichsten Sierra-Serien und war der Auslöser, dass Sierra etliche Computerspiele auf der Basis des Quest-Themas entwickelte. In den folgenden Jahren war Sierra stets wegweisend für das Computerspiele-Design und entwickelte einige große Kassenschlager, aber auch manche Misserfolge.

Mit dem Jahr 1990 begann Sierra, andere Unternehmen aufzukaufen, unter anderem Dynamix (1990), Bright Star Technologies (1992), Coktel Vision (1993) und Impressions Games (1995). Weiterhin kaufte Sierra auch Green Thumb Software (1995), Arion Software (1995), Papyrus Design Group (1995), Berkeley Systems (1997), Books That Work (1997), PyroTechnix (1997) und Headgate (1997). Auch erworben wurden 1995 die Rechte an Print Artist, einem Publishing-Programm, das es Anwendern erlaubt, Drucke von hochauflösenden Bildern herzustellen.

1991 startete Sierra einen Online-Dienst namens The Sierra Network. Noch vor dem WWW gestartet, war es vergleichbar mit Anbietern wie CompuServe oder Prodigy, nur dass seine Oberfläche komplett grafisch realisiert war. Thematisch handelte es sich dabei um eine Mischung aus Königreich und einem Vergnügungspark, in dem Anwender verschiedene „Landschaften“ besuchen konnten und dort auf Bulletin Boards posten, E-Mails verschicken oder Spiele spielen konnten. Es wurde in ImagiNation Network umbenannt und 1994 an AT&T verkauft, die es wiederum 1996 an AOL verkauften.

1994 wurde das Hauptquartier von Sierra nach Bellevue, Washington, verlegt, um mehr talentierte Mitarbeiter anzulocken.

Im Juli 1996 wurde Sierra an CUC International verkauft; Ken Williams verließ Sierra ein Jahr später. Im Dezember 1997 wurde CUC mit HFS Incorporated zu Cendant Software zusammengeschlossen. Nach dem Bekanntwerden von „Unregelmäßigkeiten“ in der Finanzführung von Cendant Software (in einem Umfang von mehr als 300 Millionen US-Dollar) im April 1998 wurde Sierra weiterverkauft an den französischen Publisher Havas und von dort aus an Vivendi.

1998 wurde Sierra in fünf abgetrennte Abteilungen zerlegt:

  1. Sierra Attractions: Diese Abteilung entwickelte Spiele wie Hoyle, You Don’t Know Jack und andere
  2. Sierra Home: Zuständig für anwenderfreundliche Programme wie Print Artist, Hallmark Card Studios, MasterCook-Serie, Mein Stammbaum und andere
  3. Sierra Sports: Veröffentlichte Sport-Spiele, die von Papyrus Design Group und anderen Studios entwickelt wurden
  4. Sierra Studios: Diese Abteilung entwickelte die „großen“ Spiele wie King's Quest und veröffentlichte die Spiele von Sierra. Das Hauptquartier dieser Abteilung war in Bellevue, mit Entwickler-Gruppen bei Impressions Software und PyroTechnix. Von dieser Abteilung wurden auch Spiele unabhängiger Entwickler veröffentlicht.
  5. Dynamix: Das gleiche Unternehmen, das 1990 gekauft wurde. Spezialisierte sich auf die Entwicklung von 3D-Kampf-Simulationen wie Red Baron, Starsiege und Pro Pilot sowie Flugsimulatoren

Sierras Büros in Oakhurst wurden 1998 in Yosemite Entertainment umbenannt.

Am 22. Februar 1999 führte eine interne Entscheidung von Sierra dazu, dass viele Entwicklungsstudios geschlossen wurden, wobei die am meisten überraschende Schließung die von Yosemite Entertainment war. Dieser Tag, an dem Sierra eine umfassende Neuorganisierung des Unternehmens ankündigte, wird von Sierra-Fans als „Schwarzer Montag“ bezeichnet. Weitere Studios, die geschlossen wurden, waren PyroTechnix, Books That Work und Synergistic; insgesamt verloren 135 Mitarbeiter durch die Schließungen ihren Arbeitsplatz.

Ein weiteres Mal wurde das Unternehmen 1999 neu organisiert, dieses Mal in eine Abteilung für die Entwicklung der „Hauptspiele“ (Sierra Studios), eine Abteilung für Sport-Spiele (Sierra Attractions) und Unterhaltungssoftware (Sierra Home). 105 weitere Angestellte verloren ihren Arbeitsplatz im Zuge dieser Neuorganisation. Zu dieser Zeit änderte das Unternehmen auch ihre Prioritäten von der Computerspiele-Entwicklung auf die Veröffentlichung von Spielen unabhängiger Entwickler.

2002 wurde der Name der Firma in Sierra Entertainment geändert.

Im Juni 2004 reorganisierte Vivendi die Vivendi Spiele-Gruppe, verteilte die noch vorhandenen Projekte von Sierra an andere Abteilungen und schloss im August desselben Jahres die Büros von Sierra in Bellevue. Sierra war ab diesem Zeitpunkt ein Tochterunternehmen der Vivendi.

Am 1. November 2008 wurden viele der Webseiten zu den jeweiligen Spielen abgeschaltet oder zur Startseite von Activision umgeleitet. Activision Blizzard ist heute der Besitzer der Marke Sierra. Alle Projekte unter dieser Marke wurden 2008 eingestellt und die Marke zum Verkauf angeboten, wobei sich allerdings bisher kein Käufer gefunden hat.

Eine unabhängige Entwickler-Gruppe namens AGD Interactive hat inzwischen einige der klassischen Sierra-Adventures der 1980er und 1990er Jahre neu aufgelegt.

Unternehmen in der Sierra-Gruppe[Bearbeiten]

Aufgekaufte Unternehmen[Bearbeiten]

Unternehmen, die für Sierra Spiele veröffentlichten[Bearbeiten]

Spiele[Bearbeiten]

Adventures[Bearbeiten]

Screenshot von Mystery House dem ersten grafischen Adventure
  • Space-Quest-Serie
    1. Space Quest I: The Sarien Encounter (1986, verbesserte Version 1990)
    2. Space Quest II: Vohaul's Revenge (1987)
    3. Space Quest III: The Pirates of Pestulon (dt. Titel: Die Piraten von Pestulon) (1989)
    4. Space Quest IV: Roger Wilco and the Time Rippers (1991)
    5. Space Quest V: Roger Wilco in the Next Mutation (1993)
    6. Space Quest VI: The Spinal Frontier (1995)
  • Leisure-Suit-Larry-Serie („bürgerlicher“ Name: Larry Laffer)
    1. Softporn Adventure (1981, Vorgänger von Leisure Suit Larry)
    2. Leisure Suit Larry In the Land of the Lounge Lizards (1987, verbesserte Version 1991)
    3. Leisure Suit Larry Goes Looking for Love (In Several Wrong Places) (1988)
    4. Leisure Suit Larry 3: Passionate Patti in Pursuit of the Pulsating Pectorals (1989)
    5. Leisure Suit Larry 5: Passionate Patti Does a Little Undercover Work (1991)
    6. Laffer Utilities (1992)
    7. Leisure Suit Larry 6: Shape Up or Slip Out! (1993)
    8. Leisure Suit Larry 7: Love for Sail (1995)
    9. Leisure Suit Larry's Casino (1998)
    10. Leisure Suit Larry 8: Lust in Space (nicht veröffentlicht)
    11. Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude (2004, nicht vom ursprünglichen Designer Al Lowe)
  • Police-Quest-Serie
    1. Police Quest: In Pursuit of the Death Angel (1987, VGA-Remake 1992)
    2. Police Quest II: The Vengeance (1988)
    3. Police Quest III: The Kindred (1991)
    4. Police Quest IV: Open Season (1993)
  • Manhunter-Serie
    1. Manhunter: New York (1988)
    2. Manhunter 2: San Francisco (1989)
  • Quest-for-Glory-Serie (zuvor: Hero's Quest)
    1. Quest for Glory I (alias Hero's Quest I): So You Want to be a Hero (1989, verbesserte Version 1991)
    2. Quest for Glory II (alias Hero's Quest II): Trial by Fire (1990)
    3. Quest for Glory III: Wages of War (dt.: Der Lohn des Krieges) (1992)
    4. Quest for Glory IV: Shadows of Darkness (dt.: Schatten der Dunkelheit) (1994)
    5. Quest for Glory V: Dragon Fire (dt.: Drachenfeuer) (1998)
  • EcoQuest-Serie
    1. EcoQuest: The Search for Cetus (1991)
    2. EcoQuest 2: Lost Secret of the Rainforest (1993)
  • Gabriel-Knight-Serie
    1. Gabriel Knight: Sins of the Fathers (dt.: Die Sünden der Väter) (1993)
    2. Gabriel Knight: The Beast Within (1995)
    3. Gabriel Knight: Blood of the Sacred, Blood of the Damned (dt.: Blut der Heiligen, Blut der Verdammten) (1999)
  • Phantasmagoria-Serie
    1. Phantasmagoria (1995)
    2. Phantasmagoria II: A Puzzle of Flesh (1996)

Andere erwähnenswerte Spiele[Bearbeiten]

  • The Incredible Machine-Serie
    1. The Incredible Machine (1992)
    2. The Incredible Machine 2 (1994)
    3. The Incredible Toon Machine (1994)
    4. The Incredible Machine 3.0 (1995)
    5. The Even More Incredible Machine (1996)
    6. Return of the Incredible Machine: Contraptions (2000)
    7. The Incredible Machine: Even More Contraptions (2001)
  • Outpost-Serie
    1. Outpost (1994)
    2. Outpost 2: Divided Destiny (1997)
  • Hoyle’s-Serie
    1. Hoyle’s Official Book of Games: Volume 1 (1989)
    2. Hoyle’s Official Book of Games: Volume 2 (1990)
    3. Hoyle’s Official Book of Games: Volume 3 (1991)
    4. Hoyle Casino
    5. Hoyle Board Games
    6. Hoyle Card Games
    7. Hoyle Kids Games
    8. Hoyle Puzzle Games
    9. Hoyle Table Games
    10. Hoyle Solitaire (1996)
    11. Hoyle Backgammon and Cribbage (1999)
    12. Hoyle Casino Empire (2002)
    13. Hoyle Majestic Chess (2003)

Weblinks[Bearbeiten]