Sigismund von Neukomm

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Sigismund Ritter von Neukomm

Sigismund Ritter von Neukomm (* 10. Juli 1778 in Salzburg, Fürsterzbistum Salzburg; † 3. April 1858 in Paris) war Komponist, Pianist, Diplomat, Freimaurer und möglicherweise auch Spion.

Leben[Bearbeiten]

Neukomm war das älteste Kind des Schullehrers David Neukomm und seiner Gattin Kordula, geb. Rieder. Der junge Neukomm konnte schon im Alter von vier Jahren fließend lesen und im Alter von fünf schreiben, der Vater sorgte für diese frühkindliche Ausbildung. Kurze Zeit später erhielt er Musikunterricht beim Salzburger Domorganisten Franz Xaver Weissager. Mit sechs Jahren soll er bereits Orgel gespielt haben, wobei Weissauer das Pedal bediente. Er übte sich aber auch auf Streich- und Blasinstrumenten. Unterricht in Harmonielehre erhielt Neukomm bei Michael Haydn, dessen Gattin Maria Magdalena mit Neukomms Mutter verwandt war. Mit 16 Jahren ernannte man ihn zum Titularorganisten an der Salzburger Universitätskirche und er verdiente sein eigenes Geld. Kurze Zeit danach arbeitete er als Korrepetitor am Theater. Im Alter von 19 Jahren, im März 1797 ging Neukomm nach Wien.

Auf Empfehlung Michael Haydns wurde Neukomm erst Schüler und dann enger Mitarbeiter Joseph Haydns. Haydn schätzte offenbar die musikalischen Fähigkeiten seines Schülers. Er vertraute Neukomm die Erstellung von Klavierauszügen seiner beiden Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ an und Neukomm arbeitete auf Wunsch Haydns das Oratorium „Il Ritorno di Tobia“ um und verfasste Arrangements von Schottischen Liedern für ihn. In den sieben Jahren in Wien, von 1797 bis 1804, erteilte Neukomm Klavier– und Gesangsunterricht. Seine bekanntesten Schüler waren Anna Milder-Hauptmann und Franz Xaver Wolfgang Mozart, genannt Wolfgang Amadeus, der Jüngere.

Neukomm war ein großer Verehrer Mozarts. Quasi als Zugabe zu Mozarts Requiem vertonte er das Responsorium Libera me, das während der ggf. anschließenden Absolution gesungen wird und das in der üblicherweise gespielten Version von Mozart-Süßmayr natürlich fehlt, da es nicht zu den liturgischen Texten der Missa pro defunctis gehören muß. Neukomm stiftete Joseph Haydns Grabstein und versah diesen mit einem fünfstimmigen Rätselkanon auf Horazens zweideutige Worte non omnis moriar.[1]

Neukomm war in vielen Ländern der Welt tätig. So war er zum Beispiel von 1804 bis 1808 Kapellmeister in Sankt Petersburg und von 1816 bis 1821 am Kaiserhof von Johann VI. (Portugal) in Rio de Janeiro, Brasilien. In Erinnerung daran wurde er 1945 Namenspatron des Stuhles Nr. 6 der Academia Brasileira de Música in Rio.[2] Die meiste Zeit lebte er jedoch in Paris. In den 1820er Jahren bereiste er (außer Frankreich) Italien, die Schweiz, die Niederlande und Großbritannien.

Seine Werke erklangen zum feierlichen Einzug König Ludwig XVIII. in Paris nach dem Sieg über Napoléon, wie auch zur Gedächtnisfeier für den 1793 auf dem Schafott hingerichteten Ludwig XVI. während des Wiener Kongresses im Januar 1815. Zum Dank ernannte ihn der König von Frankreich zum Ritter der Ehrenlegion, ein Titel, auf den Neukomm stolz war und den er fortan auf die Titelblätter seiner Kompositionen drucken ließ.

Sein musikalisches Œuvre umfasst über 1300 Werke, darunter zehn Opern, drei Oratorien, geistliche Musik und Lieder in verschiedenen Sprachen. Sein großes Vorbild Mozart lernte er nie kennen, er war aber Cembalolehrer von dessen Sohn Carl Thomas Mozart. Neukomm orientierte sich in seiner Musik an der seiner Vorbilder, schaffte es aber trotzdem, innovativ zu sein.

Neukomm ist heute wenig bekannt, doch steigt das Interesse an dem vielseitigen Künstler in den letzten Jahren.

1930 wurde der Neukommweg in Wien-Hietzing nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Grand Septuor de Beethoven. Arrangée pour Piano et Orgue expressif Par le Chevalier Sigismond Neukomm Op. 38. Prix: 12. Paris, chez M.me Ve Cavaux, Editeur de Musique Religieuse, Rue Ste Appoline, 15. Verlags-Nr. 1087 C. C. (1844).
  • Duo Concertante pour Orgue Expressif et Piano. Par (Sigismond) Neukomm. (Paris, wohl wie oben: Cavaux o. J.), Verlags-Nr. C. C. 628.
  • Christi Grablegung, Oratorium - Handschrift in der Bibliothek Cantu, www.cantu-bib.de

Diskografie (Auszug)[Bearbeiten]

  • Grande Sinfonie héroique op.19 + Fantasien für großes Orchester op. 9 & NV 41; Dramatische Fantasie über Passagen aus John Miltons "Paradise Lost": cpo Nr. 4096743, 2010. Kölner Akademie
  • Klavierkonzert C-Dur op.12 + Fantasie c-moll op. 11 für großes Orchester; Scena composta per la Signora Hunnius; Kantate "Arianna a Naxos". Kölner Akademie, Label "Ars".[3]
  • Messe de Requiem, suivie d'un marche funèbre. Cantareunion Vocal Ensemble, La Grande Écurie et la Chambre du Roy, Jean-Claude Malgoire, 2008. Label K617.[4]
  • Missa Solemnis pro Die Acclamationis Johannis VI. op. 150. La Grande Écurie et la Chambre du Roy, Jean-Claude Malgoire, 2009. Label K617.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert EitnerNeukomm, Sigismund. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 513–516.
  • Ernst HintermaierNeukomm, Sigismund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 131 (Digitalisat).
  • Rudolph Angermüller: Sigismund Neukomm. Werkverzeichnis, Autobiographie, Beziehung zu seinen Zeitgenossen. Musikwissenschaftliche Schriften, Band 4. Katzbichler, München/Salzburg 1977, ISBN 3-87397-103-8.
  • Luciane Beduschi: Survivance du canon énigmatique au début du XIXe siècle. Le cas de Sigismund Neukomm. In: Katelijne Schiltz (Hrsg.), Bonnie J. Blackburn (Hrsg.): Canons and canonic techniques, 14th–16th centuries. Theory, practice, and reception history. Proceedings of the International Conference, Leuven, 4–6 October 2005. Analysis in context, Band 1. Peeters, Leuven 2007, ISBN 978-90-429-1681-4.
  • Luciane Beduschi: Sigismund Neukomm (1778–1858). Sa vie, son œuvre, ses canons énigmatiques. Dissertation. Université Paris-Sorbonne, Paris 2008. [6]
  • Otto Biba: Sigismund Neukomm. Ein österreichischer Komponist am brasilianischen Hof in Rio de Janeiro. In: Musikblätter der Wiener Philharmoniker. Band 56.2002, Folge 9. S. 321-330. [7]
  • Antonio Alexandre Bispo: Die Missa Solemnis sub titulo Sancti Francisci von Sigismund Ritter von Neukomm (1820). In: Leichlinger Musikforum. Band 3.1984, S.21–78.
  • Antonio Alexandre Bispo: Um marco nas relações musicais entre a Áustria e o Brasil. (1984). In: —, Harald Hülskath (Hrsg.): Brasil/Europa & musicologia. Aulas, conferências e discursos (…). Anais de ciência musical. (Text teilweise portugiesisch, teilweise deutsch). A.B.E. – Akademie Brasil-Europa, Köln 1999, ISBN 3-934520-00-6, S. 394–396.
  • Antonio Alexandre Bispo: O ‚Espírito de Mozart’ e o Brasil. (1991). In: —, Harald Hülskath (Hrsg.): Brasil/Europa & musicologia. Aulas, conferências e discursos (…). Anais de ciência musical. (Text teilweise portugiesisch, teilweise deutsch). A.B.E. – Akademie Brasil-Europa, Köln 1999, ISBN 3-934520-00-6, S. 413–423.
  • Vincenzo Cernicchiaro: Storia della musica nel Brasile dai tempi coloniali sino ai nostri giorni (1549–1925). Fratelli Riccioni, Milano 1926. [8]
  • Gisela Pellegrini-Brandacher: Ritter Sigismund von Neukomm und seine Oratorien. Ein Beitrag zur salzburgischen Musikgeschichte. Dissertation. Universität München, München 1936. [9]
  • Gisela Pellegrini: Sigismund Ritter von Neukomm. Ein vergessener Salzburger Musiker. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Jahrgang 1936, (Band LXXVI), S. 1-67. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/slk
  • Till Gerrit Waidelich: … ganz genau gemessenes, aufs sparsamste begleitetes Recitativ, ohne Bestimmung der Töne. Sigismund Neukomms ‚musikalisch rhythmische‘ Notierung der Chorszenen zu Schillers Braut von Messina (1805). In: Carl Maria von Weber und die Schauspielmusik seiner Zeit. Weber-Studien, Band 7. Schott, Mainz 2003, ISBN 3-7957-0383-2, S. 131–155.

Notenausgaben[Bearbeiten]

  • Sigismund von Neukomm: Die Braut von Messina (Messinskaja nevesta, ili Vraždujuščie bratʹja: melodrama (k tragedii F. Šillera) = Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder: Melodram / Sigizmund Ritter fon Nejkom. Vosstanovlenie po rukopisi i tekstologičeskaja redakcija Denisa Germanoviča Lomteva), (Hrsg. Denis G. Lomtev), (Partitur) Moskva 2004 (nach dem Original aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar Petersburg, 1805, das 2004 verbrannt ist.)
  • Orchesterfantasien, Konzert für Piano-Forte, Arien, Grand sinfonie heroique: Notenausgaben herausgegeben von Bert Hagels bei Ries und Erler, sowie weitere Werke bei castejon-music-editions.com

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sigismund von Neukomm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. C.3.30.6 ‘möge ich nicht ganz sterben’ / ‘ich werde nicht ganz sterben’.
  2. Sigismund Neukomm auf der Website der Academia Brasileira de Música, abgerufen am 20. November 2014.
  3. CD-Produktinfo Klavierkonzert C-Dur op.12 auf jpc.de, abgerufen am 9. März 2014.
  4. CD-Produktinfo Messe de Requiem auf jpc.de, abgerufen am 9. März 2014.
  5. CD-Produktinfo Missa Solemnis auf jpc.de, abgerufen am 9. März 2014.
  6. Position de thèse. (französisch). pdf online, abgerufen am 13. Dezember 2010. Position de thèse (7 Seiten) (PDF; 183 kB)
  7. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  8. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek.
  9. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.