Sigmarszell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Sigmarszell
Sigmarszell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sigmarszell hervorgehoben
Koordinaten: 47° 35′ N, 9° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Verwaltungs­gemeinschaft: Sigmarszell
Höhe: 482 m ü. NHN
Fläche: 16,01 km²
Einwohner: 2900 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 88138,
88175 (Westkinberg)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 08382, 08388 und 08389Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: LI
Gemeindeschlüssel: 09 7 76 126
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 28
88138 Sigmarszell
Webpräsenz: www.sigmarszell.de
Bürgermeister: Jörg Agthe [2] (CSU / Freie Bürgerschaft)
Lage der Gemeinde Sigmarszell im Landkreis Lindau (Bodensee)
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Sigmarszell ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee) und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Sigmarszell.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmarszell liegt in der Region Allgäu nahe dem Bodensee (ca. 7 km). Es existieren folgende Gemarkungen: Bösenreutin, Niederstaufen, Sigmarszell.

Die Leiblach trennt Sigmarszell von Vorarlberg, Österreich. Sie ist 14 km lang und wurde im Jahre 802 erstmals als „Luibilunache“ erdkundlich erwähnt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu der Gemeinde Sigmarszell gehören die drei Orte Niederstaufen, Bösenreutin und Schlachters.

Niederstaufen, Kirche
  • Der Ortsteil Niederstaufen ist ein kleines Dorf mit etwa 800 Einwohnern, zehn Kilometer vom Bodensee entfernt. Die katholische Dorfkirche ist den Heiligen Sankt Peter und Paul geweiht. Das gemeindliche Sportgelände nutzt der TSV Niederstaufen. Bis Ende des Schuljahres 2005/2006 konnten die Niederstaufener Kinder in ihren ersten beiden Jahrgängen in die Dorfschule gegenüber der Kirche gehen. Diese Außenstelle der Verbandschule Weißensberg wurde inzwischen aufgelöst. Mehrere Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe und elf landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe stellen die wirtschaftliche Basis von Niederstaufen dar. Sehenswürdigkeiten sind die neu restaurierte klassizistische Kirche und das Pfarrhaus. Von ursprünglich einmal sechs Gaststätten ist in Niederstaufen eine übrig geblieben.
  • Der Ortsteil Bösenreutin grenzt direkt an die Bodensee-Stadt Lindau an. Das Zentrum von Bösenreutin bildet der Dorfplatz auf dem jedes Jahr in der Nacht zum ersten Mai der Maibaum aufgestellt wird. An dem Maibaum sind Schilder mit Bildern verschiedener Handwerksberufe angebracht, außerdem sind das Wappen von Bösenreutin angebracht. Um den Dorfplatz herum gibt es eine Reihe wichtiger Gebäude: Die katholische Kirche mit Friedhof, die ehemalige Schule (heute ist dort die Musikschule und der Pfarrsaal untergebracht), ein Landgasthaus und das Feuerwehrhaus. Seit einigen Jahren besteht ein Spielplatz hinter der Kirche.
  • Schlachters ist der größte der drei Ortsteile. Die Gemeindeverwaltung der drei Ortsteile hat hier ihren Sitz. Eine Bankfiliale der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim und eine der Raiffeisen-BodenseeBank sind dort vertreten. Die ehemalige Obstbauschule Schlachters ist als Versuchsstation für Obstbau Schlachters eine Außenstelle der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.[3]
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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Umgangs und Waldburg (beide bei Niederstaufen) sowie Burgstall fanden sich Reste von römischen burgi, turmartigen Gebäuden, die zur Verstärkung der Grenzbefestigung zwischen den Kastellen im Abstand von etwa eineinhalb bis zwei Kilometern mit einer fast quadratischen Grundfläche von zehn bis zwölf Metern Seitenlänge errichtet wurden.[4]

Um 800 n. Chr. gründete das Kloster St. Gallen im Lindauer Raum drei Pfarreien, eine davon war Sigmarszell.

Das ehemalige Amt der Freien Reichsstadt Lindau wurde im Reichsdeputationshauptschluss 1803 den Fürsten von Bretzenheim als ein Teil des neugebildeten Fürstentums Lindau zugesprochen. Diese tauschten es 1804 mit Österreich. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zu Bayern.

Den Namen hat Sigmarszell von Sigmar, einem leibeigenen Bauern, der unbedingt Pfarrer werden wollte. Das konnte er als leibeigener Bauer aber nicht. Seine Herrin ließ ihn jedoch gehen, so konnte er seinen Wunsch erfüllen und Pfarrer werden. Er half St. Gallus bei der der Einführung des Christentums. Sigmar wohnte in einer Zelle, deswegen: Sigmars-zell. Heute steht in Sigmarszell eine Kirche zu Ehren von St. Gallus.

Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich in Biesings bei Schlachters das kleine KZ-Außenkommando Biesings des KZ Dachau.[5] Die Häftlinge wurden später ins KZ-Außenlager Lochau verlegt.

Am 1. Januar 1972 wurden die drei ehemaligen Gemeinden Bösenreutin, Sigmarszell und Niederstaufen zur neuen Gemeinde Schlachters zusammengeschlossen.[6] Am 8. Februar 1974 wurde die Gemeinde Schlachters amtlich in Sigmarszell umbenannt.[7][8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1966 zugeteilte Wappen der Gemeinde Sigmarszell ist geteilt von Gold und Silber. Es zeigt oben einen aus der Teilungslinie wachsenden, rot bewehrten schwarzen Bären mit schwarzem Baum auf der Schulter, unten ein grünes Lindenblatt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche St. Gallus: Der Chor und das Langhaus dieser Kirche sind von 1710, der Turmunterbau stammt aus dem Mittelalter [9].
  • Burgruine Grünschönstein: Von dieser mittelalterlichen Burganlage der Herren von Schönstein in Schlachters ist nur noch der Ringgraben erhalten. Die Burg zu Häbholz (heute Heimholz) wurde auch „Noble Burg“ genannt. Sie wurde 1378 von den Lindauern zerstört. Nach einer Sage soll unter dem Burgstall ein Schatz vergraben sein.

Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurde der Zellersteg wieder errichtet, der über die Leiblach (Landesgrenze) nach Hohenweiler (Österreich) führt. Die Brücke lockt viele Besucher zum Spazierengehen, Walken oder Radfahren.

Von Niederstaufen aus gibt es Wanderwege in alle Himmelsrichtungen, besonders schöne Strecken führen durch das Leiblachtal, der Fluss Leiblach trennt Niederstaufen von der Nachbargemeinde Hergensweiler und mündet in den Bodensee. Ein anderer Wanderweg führt durch den Wald nach Dornach.

Außerdem führt der Jakobsweg direkt durch Niederstaufen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Schlachters steht am 1853 eröffneten letzten Abschnitt der Bayerischen Allgäubahn. Er dient seit den 1980er Jahren nur noch als Betriebsbahnhof ohne Personenverkehr.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Jacques (1880–1954) war ein aus Luxemburg stammender Schriftsteller. Er lebte von 1920 bis zu seinem Tod 1954 auf Gut Adelinenhof in Thumen, einem Ortsteil der Gemeinde Schlachters. Von 1945 bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war er Bürgermeister dieser Gemeinde. Er ist dort begraben. Eine Gedenktafel an der Kirche St. Gallus erinnert an ihn und eine Straße ist nach ihm benannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sigmarszell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. neuer Bürgermeister
  3. Versuchsstation für Obstbau Schlachters abgerufen am 14. Oktober 2014
  4. Die Römer an Bodensee und Allgäu. S. 13–16, hier S. 14. In: Werner Dobras: Chronologie des Landkreises Lindau. Verlag W. Eppe, 1985. ISBN 3890890040
  5. Die Außenkommandos des KZ Dachau am Bodensee
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 513.
  7. Heimatgeschichtliches / Chronik
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 786.
  9. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  10. Die Strecke, kbs970.de, abgerufen 25. Dezember 2013