Sigmund Theodor Stein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Sigmund Theodor Stein (* 2. April 1840 in Burgkunstadt; † 27. September 1891 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Naturwissenschaftler und Mediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigmund Theodor Stein wurde als ältester Sohn des Rabbiners und Schriftstellers Leopold Stein geboren. In Frankfurt am Main seit seinem zweiten Lebenslauf aufgewachsen studierte er Chemie und Physik in Heidelberg und München sowie Medizin in Erlangen, Würzburg, Prag und Berlin. In München wurde er 1861 Mitglied des Corps Bavaria.[1] Nach seiner Promotion zum Dr. phil. im Jahre 1862 und zum Dr. med. im Jahre 1864 ließ er sich 1864 als praktischer Arzt in Frankfurt am Main nieder. Am Deutschen Krieg nahm er als königlicher württembergischer Feldspitaloberarzt und am Deutsch-Französischen Krieg als königlicher württembergischer Regimentsoberarzt teil. Als erster Jude wurde er 1867 wie auch sein Vater in die Freimaurerloge "zur Einigkeit" des eklektischen Bundes aufgenommen.

1880 gab er seine Tätigkeit als praktischer Arzt auf, um ausschließlich wissenschaftlich und in neurologischer und elektrotherapeutischer Konsultativpraxis zu arbeiten. 1881 gründete er die Elektrotechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main. Er war Herausgeber der Elektrotechnischen Rundschau.

Stein gilt als einer der Pioniere der Anwendung der Fotografie in der Wissenschaft. Er entwickelte einen automatischen Apparat zur Darstellung von Fotografien ohne Dunkelkammer, den Heliopiktor, einen Vorläufer der Polaroidkamera, den er 1873 als Delegierter Deutschlands auf der Weltausstellung 1873 in Wien präsentierte. Seine technischen Entwicklungen umfassten Apparate zur Fotografie des Pulses und von Tönen sowie Fotoendoskope zur Betrachtung von Auge, Ohr, Kehlkopf und Harnröhre. 1878 stellte er ein Sphygmophon, einen Vorläufer des EKG vor. Die auf sein Betreiben in Frankfurt veranstaltete Internationale Elektrotechnische Ausstellung 1891 erlebte er nicht mehr.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1867, Württembergische Kriegsdenkmünze
  • 1877, Ritterkreuz I. Klasse des Württembergischen Friedrichs-Ordens
  • 1877, Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft des Herzogtums Sachsen–Coburg und Gotha
  • 1877, Ritterkreuz des belgischen Leopoldsordens
  • 1878, Ernennung zum Hofrat anlässlich der 400-Jahr-Feier der Universität Tübingen
  • 1878, Kommandeurkreuz des Orden de Isabel la Católica
  • 1885, Wahl zum Mitglied der Leopoldina[2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Harn- und Blutwege der Säugethierniere, 1865
  • Die Trichinenkrankheit, 1873
  • Die Photographie des Blutes im Dienste der Criminaljustiz, 1877
  • Die Lichtbildkunst im Dienste der Naturwissenschaften, 1877
  • Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung, Handbuch der Anwendung des Lichtes und der Photographie in der Natur- und Heilkunde, 1877
  • Die parasitären Krankheiten des Menschen. 1. Band Entwicklungsgeschichte und Parasitismus der menschlichen Cestoden, 1882
  • Sonnenlicht und kunstliche Lichtquellen für wissenschaftliche Untersuchungen zum Zwecke photographischer Darstellung, 1884
  • Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung, Handbuch der Anwendung des Lichtes, der Photographie und der optischen Projektionskunst in der Natur- und Heilkunde, 1884
  • Das Mikroskop und die mikrographisches Technik zum Zwecke photographischer Darstellung, 2. Auflage 1884
  • Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung 2. Auflage, 2 Bände, 1884 und 1886
  • Das Licht und Lichtbildkunst in ihrer Anwendung auf anatomische, physiologische, anthropologische und ärztliche Untersuchungen, Band 1 1885
  • Lehrbuch der allgemeinen Elektrisation des menschlichen Körpers, 3. Auflage 1886
  • Die Photographie im Dienste der Astronomie, Meteorologie und Physik, 1886
  • Die optische Projectionskunst als Stütze naturwissenschaftlichen Unterrichts, 1887
  • Die Photogrammetrie, Militärphotographie und optische Projektionskunst, 1887
  • Die photographische Technik für wissenschaftliche Zwecke, 2. Auflage 1888

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 1642–1643. (Permalink)
  • Nekrolog. In: Photographische Rundschau, 5. Jg., Heft 11, Knapp, Halle/S., 1891, S. 381ff., (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Sigmund Theodor Stein – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1960, 104, 782
  2. Mitgliederverzeichnis Leopoldina, Sigmund Theodor Stein