Sigri

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Dieser Artikel behandelt den Ort. Zu der gleichnamigen Opernsängerin siehe Maria Sigri.
Ortsgemeinschaft Sigri
Τοπική Κοινότητα Σιγρίου (Σίγρι)
Sigri (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat Griechenland
Region Nördliche Ägäis
Regionalbezirk Lesvos
Gemeinde Lesvos
Gemeindebezirk Eresos-Andissa
Geographische Koordinaten 39° 13′ N, 25° 51′ OKoordinaten: 39° 13′ N, 25° 51′ O
Höhe ü. d. M. 20 m
Fläche 39,708 km²[1]
Einwohner 333 (2011[2])
LAU-1-Code-Nr. 53010506
Ortsgliederung 2
Postleitzahl 81112
Telefonvorwahl 22530

Sigri (griechisch Σίγρι (n. sg.), türkisch Sığrı) ist ein Hafenort an der Westküste der griechischen Insel Lesbos mit dem größten natürlichen Hafen der Insel. Das Dorf entstand nach dem Bau der Festung Sigri in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zusammen mit der vorgelagerten Insel Megalonisi bildet Sigri eine Ortsgemeinschaft (Τοπική Κοινότητα) im Gemeindebezirk Eresos-Andissa.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigri

Sigri liegt im Norden der Bucht von Sigri (Όρμος του Σιγρίου) auf einer kleinen Halbinsel im äußersten Westen von Lesbos. Die im Westen vorgelagerte unbewohnte Insel Megalonisi schützt die Bucht von Sigri vor den oft starken Winden. Westlich des Dorfes liegt die Festung Sigri (Φρούριο Σιγριού Frourio Sigriou), der Fährhafen grenzt direkt an. Der kleine Fischerhafen liegt an der Nordseite der Halbinsel. Die nächstgelegenen größeren Orte sind Andissa 11 km nordwestlich und Eresos 8,5 km südwestlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Systematische archäologische Ausgrabungen wurden bisher in Sigri nicht unternommen, wenige Oberflächenfunde belegen eine spätbronzezeitliche Siedlung.[3]

Wegen seiner geographischen Lage hatte sich Sigri während des 18. und 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Hafen für den Transithandel entwickelt. Hauptprodukt des westlichen Lesbos waren Eicheln für die Gerberei der Märkte von England und Italien. Um das Gebiet vor Pirateneinfällen zu schützen und einen reibungslosen Warenverkehr zu gewährleisten, ließ der osmanische Admiral Suleiman Pascha zum Ende der Herrschaft von Osman III. im Jahre 1757 in Sigri eine Festung errichten. In einer späteren Periode folgte der Bau von Moscheen, Schulen, Bädern eines Aquädukts und einiger Brunnen. Im Jahr 1789 verfügte die Festung über 100 Mann Besatzung sowie 200 Kanonen.

Ehemalige türkische Inhaftierte von Sigri waren die ersten Bewohner, die sich mit ihren Familien nahe der Festung ansiedelten. Repressionen gegenüber der einheimischen Bevölkerung verhinderten die Errichtung einer christlichen Gemeinde. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich um die Festung eine Siedlung, in der bis 1912 überwiegend Mitglieder der militärischen Einheiten lebten. Ab dem frühen 20. Jahrhundert siedelten sich die ersten Griechen in Sigri an. Nach der Übergabe der Festung am 17. Dezember 1912 infolge des Ersten Balkankrieges errichtete die Entente während des Ersten Weltkrieges im Sommer 1915 eine Versorgungsbasis. Durch den im Vertrag von Lausanne vereinbarten Bevölkerungsaustausch ließen sich Flüchtlinge von Tenedos und verschiedenen Orten Kleinasiens, besonders aus Tuzla nieder.

Das Bild der Siedlung hat sich heute deutlich durch den systematischen Abriss der traditionellen Häuser und durch Neubauten verändert. Die Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaute Moschee wird seit 1928 als Kirche genutzt. Das Bad ist in einem schlechten Erhaltungszustand. [4] Aufgrund von Baufälligkeit musste die Festung Sigri im April 2011 für Besucher gesperrt werden.

Einwohnerentwicklung von Sigri[5]
Jahr 1920 1928 1940 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011[2]
Sigri 636 735 662 698 566 359 399 368 402 333
Moni Ypsilou 25 17
Megalonisi 4 4 7 5 2 - 0 0
Gesamt 661 752 666 702 573 364 401 368 402 333

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festung Sigri [4]
  • Naturgeschichtliches Museum des Versteinerten Waldes Lesbos [6]
  • Geopark Versteinerter Wald [7]
  • Kloster Ypsilou [8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationaler Statistischer Dienst Griechenlands (ΕΣΥΕ) nach Volkszählung 2001, S. 115 (PDF, 793 kb)
  2. a b Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento vom 27. Juni 2015 im Internet Archive) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  3. Ourania Kouka: Siedlungsorganisation in der Nord- und Ostägäis während der Frühbronzezeit (3. Jahrtausend v. Chr.). In: Internationale Archäologie. Band 58. Marie Leidorf Verlag, Rahden 2002, ISBN 978-3-89646-330-2, S. 141 (Dissertation:Universität Heidelberg, 1996).
  4. a b Φρούριο Σιγριού, Griechisches Kultur- und Tourismusministerium (griechisch)
  5. Einwohnerzahlen von Sigri 1920–2001, Griechisches Statistisches Amt ELSTAT, Digitale Bibliothek (griechisch)
  6. Naturgeschichtliches Museum des Versteinerten Waldes auf Lesbos (englisch)
  7. The Petrified Forest Park (englisch)
  8. Monastery of Ypsilou, Griechisches Kultur- und Tourismusministerium (englisch)