Sigrid Hunke

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Sigrid Hunke (* 26. April 1913 in Kiel; † 15. Juni 1999 in Hamburg) war eine deutsche Religionswissenschaftlerin, Germanistin und Vertreterin eines unitarischen Neopaganismus.[1] Hunke gilt als Kritikerin des Christentums bei gleichzeitiger Bewunderung für den Islam und das Arabertum sowie als Vordenkerin der Neuen Rechten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sigrid Hunke, Tochter von Heinrich Hunke (1879–1953), Inhaber des Walter G. Mühlau Verlages, studierte systematische und vergleichende Religionswissenschaften, Philosophie, Psychologie und Journalismus in Kiel, Freiburg und Berlin, unter anderem bei Martin Heidegger und Eduard Spranger.

Hunke war auf lokaler Ebene und ab 1938 bei der Berliner Gaustudentenführung führendes Mitglied des Nationalsozialistischen Studentenbundes (NSDStB) und ab 1. Mai 1937 Mitglied der NSDAP.

An der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin wurde sie bei dem einflussreichen Rassentheoretiker des Dritten Reichs Ludwig Ferdinand Clauß mit einer Dissertation über Herkunft und Wirkung fremder Vorbilder auf den deutschen Menschen 1941 promoviert. 1940 bis 1941 war sie zusammen mit ihrer Schwester Waltraud Hunke im „Germanischen Wissenschaftseinsatz“ der SS tätig; sie erhielt ein Stipendium des SS-Ahnenerbes und veröffentlichte in dessen Zeitschrift Germanien.

Das Christentum wurde von ihr als „artfremd“ und „orientalistisch“ bzw. „jüdisch“ abgelehnt; sie suchte nach eigenen europäischen Weltdeutungsmustern und germanischer Mystik. Nach der Eheschließung mit dem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS (SD) Peter H. Schulze lebte sie ab 1942 zwei Jahre in Tanger, damals Spanisch-Marokko, wohin Schulze abgeordnet worden war.[2] Dort wurde ihr Sohn Hagen Schulze geboren. Zuletzt lebte sie als freie Schriftstellerin in Bonn. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihr Werk Allahs Sonne über dem Abendland, das 1960 erschien und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Für dieses Buch ehrte sie der Oberste Rat für islamische Angelegenheiten in Kairo, dessen Mitglied sie wurde.

In den 1950er Jahren trat sie der Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft bei, deren Vizepräsidentin sie von 1971 bis 1983 war. Später wurde sie auch Ehrenvorsitzende der Deutschen Unitarier. Sie verließ diese dann jedoch wegen angeblicher „Linkstendenzen“ und trat dem Bund Deutscher Unitarier – Religionsgemeinschaft europäischen Geistes (BDU) bei, der sich 1989 von den Deutschen Unitariern abgespalten hat und die Zeitschrift Glauben und Wirken herausgibt.

Ab 1986 war Hunke ständige Mitarbeiterin im Thule-Seminar.[3] Laut Felix Wiedemann war sie auch Mitglied dieser rechtsextremen Vereinigung.[4] Sie publizierte auch in Elemente zur Metapolitik, der Zeitschrift des Thule-Seminars.

Bis zu ihrem Tod war sie zudem Kuratoriumsvorsitzende der Sigrid-Hunke-Gesellschaft e.V.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihren Büchern entwickelte sie u. a. auch eine Kritik des westlichen Liberalismus, die auch die Neue Rechte in Europa prägte. Diese Kritik hat ihr einige Zustimmung auf der politischen Rechten eingebracht, soweit diese nicht christlich geprägt ist. So hatte sie großen Einfluss auf den Vordenker der gegen den „jüdisch-christlichen Dualismus“ orientierten französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist. Pierre Krebs, ein Vordenker der Neuen Rechten in Deutschland und Gründer des Thule-Seminars, hob die identitätspolitischen Arbeiten Hunkes hervor und nannte sie eine „Zauberin des Lebens, als heilige Bewahrerin der Identität, der Herkunft und des Erbes“.[5]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schulungsbrief „Rassenseelenkunde“, 1935
  • Herkunft und Wirkung fremder Vorbilder auf den deutschen Menschen, Dissertation Berlin 1941
  • Am Anfang waren Mann und Frau. Vorbilder und Wandlungen der Geschlechterbeziehungen, Hamm 1955
  • Allahs Sonne über dem Abendland – Unser arabisches Erbe, Stuttgart 1960 (Taschenbuchausgabe: Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-596-15088-4)
  • Das Reich ist tot – es lebe Europa. Eine europäische Ethik, Hannover 1965
  • Europas andere Religion. Die Überwindung der religiösen Krise, Düsseldorf 1969
  • Das Ende des Zwiespalts. Diagnose und Therapie einer kranken Gesellschaft, Bergisch Gladbach 1971
  • Das nach-kommunistische Manifest. Der dialektische Unitarismus als Alternative, Stuttgart 1974
  • Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Großen, Stuttgart 1976
  • Glauben und Wissen. Die Einheit europäischer Religion und Naturwissenschaft, Düsseldorf 1979
  • Europas eigene Religion. Der Glaube der Ketzer, Bergisch Gladbach 1983
  • Tod – was ist dein Sinn?, Pfullingen 1986
  • Vom Untergang des Abendlandes zum Aufgang Europas. Bewußtseinswandel und Zukunftsperspektiven, Rosenheim 1989
  • Allah ist ganz anders. Enthüllung von 1001 Vorurteilen über die Araber, Bad König 1990 (siehe auch: Saladin)

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verstehen, in: Rasse. Monatsschrift der Nordischen Bewegung, 1936, S. 86–91.
  • Das dualistische Vorbild Europas, in Philosophisches Wörterbuch, hrsg. v. G. Schischkoff, Stuttgart 1965.
  • Die Zukunft unseres unvergänglichen Erbes in Mann und Frau, in: Elemente zur Metapolitik, 2. Ausgabe (Juni/Sept.), 1987, S. 27–34.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Bitzan: Rechter Geist aus Frauenfedern. Beiträge von Frauen in rechtsextremen Zeitschriften 1985–93. 1994.
  • Horst Junginger: Sigrid Hunke. Europe's New Religion and its Old Stereotypes. In: Hubert Cancik, Uwe Puschner (Hrsg.): Antisemitismus, Paganismus, Völkische Religion. Anti-semitism, paganism, voelkish religion. Saur, München 2004, S. 151–163. ISBN 3-598-11458-3.
  • Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Elefanten Press, Berlin 1996. ISBN 3-88520-585-8.
  • Stefanie von Schnurbein: Weiblichkeitskonzeptionen im neugermanischen Heidentum und in der feministischen Spiritualität, in: Fanitfa Marburg (Hrsg.), Kameradinnen. Frauen stricken am braunen Netz, Unrast, Münster 1995, S. 113–136. ISBN 3-928300-25-3.
  • Miro Jennerjahn: Neue Rechte und Heidentum. Zur Funktionalität eines ideologischen Konstrukts. Europäische Hochschulschriften, Reihe XXXI Politikwissenschaft, Band 525; Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54826-5 (zugl. Diplomarbeit, Freie Universität Berlin 2005).
  • Felix Wiedemann: Rassenmutter und Rebellin. Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Neuheidentum und Feminismus. Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 3-8260-3679-4, S. 188ff (zugl. Dissertation, Freie Universität Berlin 2006).
  • Stephanie Dewor: Selbstbild rechter Frauen. Pia Sophie Rogge-Börner & Dr. Sigrid Hunke – Rechte Ideologinnen und Frauenrechtlerinnen des 20. Jahrhunderts , Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8300-6363-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Horst Junginger: Sigrid Hunke: Europe's New Religion and its Old Stereotypes
  2. Sigrid Hunke im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Kerstin Hammann: Frauen im rechtsextremen Spektrum: Analysen und Prävention, VAS, 2002, S. 52.
  4. Felix Wiedemann: Rassenmutter und Rebellin: Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Neuheidentum und Feminismus, Königshausen & Neumann, 2007, S. 189.
  5. elemente, Juni/Sept. 1987, Nr. 3, S. 2.