Sihanoukville

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Sihanoukville
ក្រុងព្រះសីហន
Krong Preah Sihanouk
Krong Preah Sihanouk (Kambodscha)
Krong Preah Sihanouk
Krong Preah Sihanouk
Koordinaten 10° 38′ N, 103° 30′ OKoordinaten: 10° 38′ N, 103° 30′ O
Basisdaten
Staat Kambodscha

Provinz

Sihanoukville
Fläche 868 km²
Einwohner 91.284 (2008)
Dichte 105,2 Ew./km²
Politik
Bürgermeister Say Hak
Strand von Sihanoukville 2005 (Serendipity und Ochheuteal Beach)
Strand von Sihanoukville 2005 (Serendipity und Ochheuteal Beach)

Sihanoukville (Khmer: ក្រុងព្រះសីហន Krong Preah Sihanouk, „Stadt König Sihanouk“), zu Ehren Königs Norodom Sihanouk, ist eine Hafenstadt in Kambodscha am Golf von Siam und Hauptstadt der Provinz Sihanoukville (Khaet Preah Sihanouk). In der Stadt leben über 90.000 Einwohner (Stand 2008), die Stadt Sihanoukville ist die fünftgrößte des Landes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Name der Stadt lautet „Kompong Som“. Bereits zur Kolonialzeit Frankreichs war Kompong Som neben der kleinen Küstenstadt Kep, damals als die „Côte d’Azur“ Kambodschas bezeichnet, ein beliebtes Erholungsziel. Relikte französischer Kolonialvillen erinnern noch heute an diese Zeit.

Kurz nach der Machtübernahme der Roten Khmer kam es im Mai 1975 südlich von Sihanoukville bei der Insel Koh Tang zu einem militärischen Zwischenfall mit den USA: Die Roten Khmer hatten das US-Containerschiff Mayaguez aufgebracht und seine 39 Besatzungsmitglieder gefangen genommen. US-Präsident Gerald Ford und Außenminister Henry Kissinger befahlen daraufhin eine Befreiungsaktion, die jedoch nicht erfolgreich verlief. Hubschrauber von der US-Luftwaffenbasis Utapao (nahe Pattaya) landeten auf der Insel Koh Tang, um die US-Amerikaner zu befreien. Diese waren von den Roten Khmer jedoch bereits freigelassen worden. Bei Feuergefechten starben 15 US-Marineinfanteristen. Als Vergeltung für das missglückte Befreiungsmanöver der USA ließ Ford den Ölhafen von Sihanoukville und den Militärflugplatz Ream bombardieren.

1994 wurden in einem Eisenbahnzug auf der Strecke von Phnom Penh nach Sihanoukville nahe der Stadt Kampot drei westliche Rucksack-Touristen von Soldaten der Roten Khmer entführt. Als sich die kambodschanischen Behörden weigerten, das geforderte Lösegeld zu zahlen, wurden die Geiseln von den Entführern ermordet.

Einer der größten Giftmüll-Skandale in der Geschichte Kambodschas sorgte im Dezember 1998 für Schlagzeilen: Das taiwanische Unternehmen Formosa Plastics hatte 3000 Tonnen schwermetallbelasteten Müll zehn Kilometer außerhalb von Sihanoukville deponiert. Beim Entladen und Säubern des Schiffes waren fünf Arbeiter ums Leben gekommen. Als bekannt wurde, dass es sich bei der Schiffsladung um toxische Abfälle handelte, flohen mehrere Tausend Bewohner panikartig aus der Stadt. Vor dem Hintergrund des Widerstandes der Stadtbewohner musste das Unternehmen seinen giftigen Müll 1999 schließlich wieder re-exportieren. Der Giftmüll wurde nach Westmorland in Kalifornien (USA) verschifft.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist durch die von den USA finanzierte Nationalstraße NH4, die ein Teil des Asiatischen Fernstraßen-Projektes AH11 (und AH123) ist, und eine Eisenbahnlinie an die etwa 235 km entfernte Hauptstadt Phnom Penh angebunden. Die Straße NR48 führt via Sre Ambel nach Koh Kong an der Grenze zu Thailand. Es existierte eine unzuverlässige Schnellboot-Verbindung mit Koh Kong, die seit der Fertigstellung neuer Brücken entlang der NR48 eingestellt wurde. Zwischen Sihanoukville und Siem Reap bestand für kurze Zeit wieder eine Flugverbindung. Seit dem 17. Januar 2007 wurde die Stadt dreimal wöchentlich von der PMT Air bedient. Nach einem Flugzeugabsturz am 25. Juni 2007[1] wurde der Verkehr wieder eingestellt.

Seit Mai 2013 gibt es wieder Flugverbindungen vom Sihanouk International Airport nach Siem Reap und nach Phnom Penh mit der heimischen Cambodia Angkor Air.

Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partyboat

Kurz nach der politischen Unabhängigkeit Kambodschas wurde 1956 der Bau eines von Frankreich finanzierten Tiefsee-Hafens begonnen, um die Versorgung Kambodschas über Saigon (heute: Ho-Chi-Minh-Stadt) zu beenden und damit einen eigenen, von Vietnam unabhängigen Zugang zum Seehandel zu schaffen. Während des Zweiten Indochinakriegs wurde der militärische Nachschub für Kambodscha, aber auch für den in Südvietnam operierenden Vietcong, über den 1960 fertiggestellten Hafen Kompong Som abgewickelt.

Während der Khmer-Rouge-Herrschaft 1975–1979 war das Löschen der Schiffe mit erheblichen Problemen behaftet: Zeitzeugen berichteten über zum Teil wochenlange Wartezeiten. 1979 wurde der Hafen durch Techniker aus der Sowjetunion und der DDR instand gesetzt. Heute verfügt der Hafen über einen Container-Terminal, der derzeit mit japanischen Mitteln ausgebaut wird. Neben der Landverbindung Poipet - Aranyaprathet nach Thailand geht heute ein Großteil des kambodschanischen Im- und Exports über Sihanoukville.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hafen spielt als wirtschaftliches Standbein der Tourismus eine zunehmend bedeutende Rolle. Sihanoukville verfügt noch über saubere Strände sowohl auf dem Festland als auch auf den vorgelagerten Inseln. Allerdings kommt die Erschließung der Strände nicht immer der ansässigen Bevölkerung zugute. Über Nacht werden Strandabschnitte planiert und kleine Dörfer und Restaurants verschwinden plötzlich, um großen Investitionen Platz zu machen. Eine Brauerei, die unter anderem Angkor Beer, Bayon Beer und Pepsi-Cola abfüllt, und mehrere Casinos bescheren der Stadt weitere Steuereinnahmen.

Die Größenordnung des Schmuggels, der über den Hafen von Sihanoukville abgewickelt wird, ist schwer abschätzbar, dürfte jedoch nicht unerheblich sein.

Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufmerksamkeit verdient die besorgniserregende HIV/AIDS-Situation in Sihanoukville: Prostitution, auch aufgrund des Tourismus, und Drogenkonsum haben zu einem sprunghaften Anstieg von HIV-Infizierten geführt. Neben der Berufsgruppe der Prostituierten sind auch Fischer stark betroffen. Nach einer 2005 veröffentlichten Studie gelten 20 Prozent der Fischer von Sihanoukville als HIV-infiziert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Chinoy: A close look at the Mayaguez. In: Far Eastern Economic Review. 30. Mai 1975.
  • Roy Rowan: The four days of Mayaguez. New York 1975.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aviation Safety Network

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sihanoukville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien