Silbersee (Roxheim)

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Silbersee
Silbersee (hinten) mit Insel Scharrau (Halbinsel); vorne der Vordere Roxheimer Altrhein (links) und der (kleinere) Hintere Roxheimer Altrhein (rechts)
Silbersee (hinten) mit Insel Scharrau (Halbinsel); vorne der Vordere Roxheimer Altrhein (links) und der (kleinere) Hintere Roxheimer Altrhein (rechts)
Geographische Lage Bobenheim-Roxheim, Rhein-Pfalz-Kreis, Rheinland-Pfalz (Deutschland)
Größere Städte in der Nähe Worms, Frankenthal, Ludwigshafen
Daten
Koordinaten 49° 34′ 45″ N, 8° 23′ 5″ O49.5791927777788.38467186.8Koordinaten: 49° 34′ 45″ N, 8° 23′ 5″ O
Silbersee (Rheinland-Pfalz)
Silbersee
Höhe über Meeresspiegel 86,8 m ü. NHN
Fläche 1,2 km²f5
Länge 2,5 kmf6
Breite 800 mf7
Umfang 8 kmf9
Maximale Tiefe 10 m[1] oder 13,5 m[2]f10

Besonderheiten

zweitgrößter See in Rheinland-Pfalz

Der Silbersee im Gebiet der der pfälzischen Ortsgemeinde Bobenheim-Roxheim im rheinland-pfälzischen Rhein-Pfalz-Kreis ist ein Baggersee, der durch Abbau von Kies und Sand im inneren, früher rechts des Rheins gelegenen Gelände des Roxheimer Altrheins entstanden ist und weiterhin entsteht. Im Silbersee liegt die Insel Scharrau, die trotz ihres Namens nur eine Halbinsel ist. Seine Seenlandschaft befindet sich mit dem Altrhein in mehreren Schutzgebieten.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Silbersee liegt in der Oberrheinischen Tiefebene im äußersten Nordosten der Pfalz bzw. in jenem der Vorderpfalz. Er breitet sich etwa 3 km westlich des Rheins im Gemeindegebiet von Bobenheim-Roxheim aus – östlich des Ortsteils Roxheim und südöstlich des Ortsteils Bobenheim.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Der Seenlandschaft von Silbersee und Roxheimer Altrhein gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Nördliches Oberrheintiefland (Nr. 22) und in der Haupteinheit Nördliche Oberrheinniederung (222) zur Untereinheit Mannheim-Oppenheimer Rheinniederung (222.1). Direkt westlich grenzt in der Haupteinheit Vorderpfälzer Tiefland (221) der Naturraum Frankenthaler Terrasse (221.80) an, der zu keiner Untereinheit zählt.

Seenlandschaft[Bearbeiten]

Der junge Baggersee und ein Teil der ehemaligen Flussschlinge des Rheins, dem heutigen Roxheimer Altrhein, bilden mittlerweile eine räumliche Einheit – eine mehrteilige Seenlandschaft. Dazu gehören der breite Altrhein mit dem größeren Vorderen Roxheimer Altrhein und dem kleineren Hinteren Roxheimer Altrhein (beide im Südwesten), die große Wasserfläche des Silbersees (in der Mitte) und die zweiteilige Große Ochsenlache (im Nordosten). Die zwei jeweils seeartigen Altrheinteile sind durch das ehemalige Flussschlingen-Ostufer, das als Damm fungiert, vom Silbersee getrennt und zudem durch einen weiteren Damm voneinander. Die einstige Flussschlinge besitzt schon lange keine Verbindung mehr zum im Mittel etwa 3 km östlich der Seenlandschaft vorbeifließenden Rhein. Innerhalb der beiden Dämme verläuft von Süden aus dem Frankenthaler Stadtteil Mörsch kommend, das dort auch Mörschbach genannte Flüsschen Isenach, das mit den umgebenden Wasserflächen physisch nicht verbunden ist.[3] Die Namen der alten Flussschlinge weisen auf ihre Entstehung aus einem Altrheinarm hin, der Name Hintere Roxheimer Altrhein steht für die größere Entfernung vom Ortsteil Roxheim. Etwas nördlich dieser Seenlandschaft liegen weitere kleine Seen.

Kenndaten[Bearbeiten]

Die Gesamtfläche des Silbersees, der beiden Altrheinteile und weiterer kleinerer Baggerseen, die unmittelbar angrenzen, beträgt mehr als 3 km², wovon die Fläche des Silbersees – je nach Wasserstand – allein 1,1 bis 1,3 km² ausmacht.[1] Damit ist er nach dem Laacher See der zweitgrößte See in Rheinland-Pfalz. Die maximale Tiefe liegt je nach Datenquelle bei 10 m[1] oder 13,5 m;[2] die unterschiedlichen Angaben könnten auf den jahreszeitlich wechselnden Wasserstand zurückgehen.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Im Bereich der Seenlandschaft von Silbersee und Roxheimer Altrhein, die Teil des rheinland-pfälzischen Projekts Natura 2000[4] ist, liegen drei Naturschutzgebiete: Hinterer Roxheimer Altrhein (CDDA-Nr. 81883; NSG-Nr. 7338-101; 1966 ausgewiesen; 42,26 ha groß) mit angrenzender Ochsenlache (CDDA-Nr. 82274; NSG-Nr. 7338-025; 1979; 10,63 ha) und Vorderer Roxheimer Altrhein-Krumbeeräcker (CDDA-Nr. 166100; NSG-Nr. 7338-012; 1988; 24,88 ha). Die Seenlandschaft befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Pfälzische Rheinauen (CDDA-Nr. 323853; 1961; 208,3263 km²) und im Vogelschutzgebiet Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee (VSG-Nr. 6416-401; 4,04 km²). Ausschließlich die beiden Altrheinteile liegen Teile des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Rheinniederung Ludwigshafen-Worms (FFH-Nr. 6416-301; 3,79 km²).[5]

Eine reiche Vogelfauna zeigt teilweise ganzjährig Standorttreue. Zudem sind die auch in der kalten Jahreszeit meist eisfreien Wasserflächen für Zugvögel als Rastplätze oder Winterquartier attraktiv.

Nutzung[Bearbeiten]

Silbersee bei Nebel
Silbersee im Sommer

Bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden im Bereich der Altrheinschleife Kies und Sand abgebaut; nach dem Bergrecht, das der Gewinnung von Bodenschätzen Vorrang einräumt, waren Versuche, den Abbau mit Rücksicht auf die vor Ort liegenden Schutzgebiete spürbar einzuschränken oder gar gänzlich zu stoppen, stets zum Scheitern verurteilt.

Innerhalb der Seenlandschaft verlaufen mehrere Fußwege. In einer Freizeitanlage im südlichen Bereich sind 37.000 m² Strand angelegt, die durch den Verein Erholungsgebiet in den Rheinauen e. V. gepflegt und bewirtschaftet werden. Außer Schwimmen ist dort auch Segeln und Surfen möglich. Die beiden aus Bobenheim-Roxheim stammenden ehemaligen Weltklasse-Windsurferinnen Anja Müller (* 1967) und ihre noch erfolgreichere Schwester Jutta (* 1968) haben zu ihrer aktiven Zeit auf dem Silbersee trainiert.

Innerhalb der Gemeinde Bobenheim-Roxheim wird die Nutzung des Silbersees und seiner Umgebung kontrovers diskutiert. Insbesondere besteht Uneinigkeit, ob zusätzlich zu einem kleinen Landhotel, das seit 1989 im Ortsteil Roxheim am Westrand der Altrheinschlinge betrieben wird, ein Großhotel im Silbersee, auf der Insel Scharrau, errichtet werden soll. Für Unbehagen sorgt, dass dieses neue Hotel von demjenigen Unternehmen geplant ist, das für den bisherigen intensiven Kies- und Sandabbau verantwortlich zeichnet. Umweltschützer befürchten, dass die Schaffung der für das Hotelprojekt nötigen Infrastruktur, vor allem der Straßenbau, zu Lasten der Natur ginge. Eine Bürgerbefragung durch die Gemeindeverwaltung, unverbindlich zwar, aber nach den Regeln eines Bürgerentscheids organisiert, ergab im Februar 2007 eine Mehrheit für den Hotelneubau; das Votum wurde im gleichen Jahr in einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss umgesetzt[6] und damit eine gegenteilige Entscheidung von 2006 revidiert.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Verkehrsmäßig angebunden ist der Silbersee über die am Westrand von Roxheim von der Landesstraße 523 (FrankenthalWorms) nach Osten abzweigende Berliner Straße, die in die Industriestraße übergeht. Letztere geht in die Kreisstraße 1 über, die südlich an der Seenlandschaft vorbei und dann weiter zum am Rhein liegenden Hofgut Petersau führt; dazwischen zweigt von der K1 eine Zufahrt ab, die nach Norden entlang der Isenach zum Parkplatz am Silbersee verläuft. Weil die K1 im Osten an der Ausfahrt Bobenheim-Roxheim/Petersau die Bundesstraße 9 (Ludwigshafen–Worms) überquert, ist der Silbersee auch von diesen beiden Städten aus erreichbar. Zudem bildet 2 km südlich des Sees die B 9 mit der Bundesautobahn 6 (KaiserslauternMannheim) an der Anschlussstelle Ludwigshafen-Nord/Worms ein Verkehrskreuz.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Der Silbersee. Wassersportverein Roxheim, abgerufen am 30. September 2011 (Menüpunkt Unser Hausrevier).
  2. a b Silbersee, Bobenheim-Roxheim, mit Angaben zum Badegewässerprofil, beim MULEWF, auf badeseen.rlp.de
  3. LANIS: Geobasisinformationen. 2009, abgerufen am 27. März 2014.
  4. …Landschaftsinformationssystem Rheinland-Pfalz. Naturschutz Rheinland-Pfalz, abgerufen am 30. September 2011. LANIS-RLP, auf naturschutz.rlp.de
  5. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  6. Bürger-Initiative SilberSee – BISS: Aktuell! 29. Oktober 2007, abgerufen am 30. September 2011.