Silvia Federici

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Federici bei einem Interview in Barcelona (2012)

Silvia Federici (* 1942 in Parma, Italien) ist eine italienisch-amerikanische Wissenschaftlerin, Dozentin und marxistisch geprägte radikal-feministische Aktivistin. Sie ist emeritierte Professorin für politische Philosophie und Women Studies und lebt in New York City. Federici hat zahlreiche Bücher und Essays zu marxistischer und feministischer Theorie, Globalisierungskritik und zum Konzept der „Commons“ veröffentlicht.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Federici wuchs in Italien auf und kam 1967 in die Vereinigten Staaten, wo sie an der Universität von Buffalo in den USA in Philosophie promovierte. Später lehrte sie an der Universität Port Harcourt in Nigeria und wurde Professorin für Politische Philosophie und International Studies am New College der Hofstra Universität in New York.

Sie war 1972 Mit-Begründerin des International Feminist Collective, das die internationale „Lohn für Hausarbeit“-Kampagne startete. Damit sollte demonstriert werden, dass die meist von Frauen ausgeübten unbezahlten Tätigkeiten in Haushalt, Pflege und Familie (Care-Arbeit) konstitutiv für die kapitalistische Produktionsweise sind. 1990 gründeten Federici und andere das Committee for Academic Freedom in Africa und 1995 ein Projekt der Radical Philosophy Association (RPA) gegen die Todesstrafe.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Federicis bekanntestes Buch Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation (erschienen im Original 2004) behandelt die Enteignung und Ausbeutung weiblicher und kolonialisierter Körper im Lauf der Geschichte. Federicis Begriff von Reproduktionsarbeit umfasst nicht nur die klassische Hausarbeit, sondern auch landwirtschaftliche Subsistenzwirtschaft, Gesundheitsversorgung, Erziehung, aber auch Sexarbeit und andere Formen bezahlter Reproduktionsarbeit.[2]

Sie argumentiert gegen Marx’ These von der ursprünglichen Akkumulation als „natürliche“ Vorbedingung für die Entwicklung des Kapitalismus und stellt dem entgegen, die Aufteilung zwischen der Warenproduktion und der Arbeitskraft sei essenziell gewesen: „Nur die Produktion von Waren war als Arbeit anerkannt, während die Produktion von Arbeitskraft, insbesondere der Teil, der zu Hause stattfindet und normalerweise Hausarbeit genannt wird, als persönlicher Service definiert wurde, der keiner Bezahlung wert war. Diese Dichotomie ist eine immense Quelle für ökonomische Akkumulation. Sie hat die schweren Schultern der Arbeiterklasse erleichtert, zumeist auf Kosten der Frauen, die die Arbeitskraft reproduzierten.“ [3]

Federici bezieht sich auf Theorien des italienischen Operaismus der sechziger Jahre, antikoloniale Kämpfe und die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Sie sympathisiert mit der Occupy-Bewegung in den USA und tritt für Commons ein, also für kollektives Eigentum, das von einer Gemeinschaft organisiert wird, die gleichberechtigt entscheidet und profitiert. Für Federici wird beispielsweise mit Community-Gärten oder Gemeinschaftsküchen an die mittelalterliche Allmende-Tradition angeknüpft. Sie sieht in der in Commons geleisteten Reproduktionsarbeit eine Alternative zur Reproduktionsarbeit im Kapitalismus.[4]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Il Femminismo e il Movimento contro la guerra USA, in DeriveApprodi #24, 2004
  • Caliban and the Witch: Women, the Body and Primitive Accumulation. Brooklyn, NY: Autonomedia, 2004.
    • Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Aus dem Engl. v. Max Henninger. Mandelbaum Verlag, Wien 2012.
  • Revolution at Point Zero: Housework, Reproduction, and Feminist Struggle. Aufsätze von 1975 bis 2010. Brooklyn/Oakland: Common Notions/PM Press, 2012.
    • Aufstand aus der Küche – Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Aus dem Englischen von Max Henninger, Reihe: Kitchen Politics, Band 1, Edition Assambleage, Münster 2012, ISBN 978-3-942885-32-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzbiografie. perlentaucher.de, abgerufen am 14. August 2017.
  2. „Ihre Krise und unsere“, Jungle World-Artikel vom 28. Juni 2012, abgerufen am 8. März 2014
  3. „Die Hexenjagd ist zurückgekehrt“, taz-Interview vom 10. Oktober 2012, abgerufen am 8. März 2014
  4. Die Hausfrau in der Forschung, „Freitag“-Artikel vom 6. Februar 2013, abgerufen am 8. März 2014