Simone Signoret

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Simone Signoret,
japanisches Filmplakat von Goldhelm, 1951

Simone Signoret, eigentlich Simone Henriette Charlotte Kaminker, (* 25. März 1921 in Wiesbaden; † 30. September 1985 in Auteuil-Authouillet) war eine französische Schauspielerin und Schriftstellerin. Signoret galt als eine der führenden Charakterdarstellerinnen ihrer Generation und trat international im Theater, Film und Fernsehen in Erscheinung. Für die weibliche Hauptrolle in dem britischen Spielfilm Der Weg nach oben (1958) wurde sie unter anderem mit einem Oscar ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simone Signoret war die Tochter des Übersetzers André Kaminker (1888–1961),[1] der später zum Chefdolmetscher bei den Vereinten Nationen aufsteigen sollte.[2] Als sie in Wiesbaden geboren wurde, war er dort als Offizier der französischen Besatzungstruppen nach dem Ersten Weltkrieg stationiert. Ihr Vater war polnisch-jüdischer Herkunft, ihre Mutter Georgette Signoret (1896–1984) war katholisch und stammte aus der Provence.[1] 1923 kehrte die Familie nach Paris zurück.[2] Simone Signoret hatte zwei jüngere Brüder, Alain und Jean-Pierre.[3] In ihrer Jugendzeit lebte sie in der Bretagne. Nach dem Baccalauréat wollte sie Jura studieren.

Ihr Vater floh 1940 vor den deutschen Truppen nach London und schloss sich dort den freifranzösischen Streitkräften an.[1] 1941 gab sie sich, da sie unter der deutschen Besatzung nach NS-Kriterien als „Halbjüdin“ gegolten hätte, den Geburtsnamen ihrer Mutter. Für die Zeitung Le Petit Parisien arbeitete sie als Sekretärin. Zuvor hatte sie an einer höheren Schule Latein und Englisch unterrichtet.[2]

Schauspielkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Signoret brachte mit Gelegenheitsarbeit und später als Komparsin beim Film[2] ihre Mutter und ihre zwei Brüder allein durch den Krieg. 1941 erhielt sie ihre erste Filmrolle. 1943 heiratete sie den Regisseur Yves Allégret,[3] der früher Sekretär des russischen Revolutionärs Leo Trotzki gewesen war. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam sie im Pariser Café de Flore mit so bekannten Künstlern wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Alberto Giacometti, Jacques Prévert, Boris Vian oder Alberto Giacometti in Kontakt.[2] Mit ihren ersten Ehemann hatte sie die gemeinsame Tochter Catherine Allégret, die 1946 geboren wurde. Im selben Jahr drehte sie mit Allegret das Kriegsdrama Les démons de l’aube, der zu ihrem ersten erfolgreichen Film avancierte.[2] 1950 ließ sie sich von ihm scheiden und heiratete 1951 den Chansonnier und Filmschauspieler Yves Montand.

Im Laufe ihrer Karriere übernahm Signoret Rollen in über 70 Film- und Fernsehproduktionen. International für Aufsehen sorgte sie erstmals als Dirne in Max Ophüls preisgekröntem Liebesfilm Der Reigen (1950). Ein Jahr später war sie als titelgebende Prostituierte in Jacques Beckers Goldhelm (1951) zu sehen, der ihr den ersten von später drei britischen Filmpreisen einbringen sollte. Ebenfalls honoriert wurden ihre Auftritte in Henri-Georges Clouzots Kriminalfilm Die Teuflischen (1955) und der Theateradaption Die Hexen von Salem (1957). Die Rollen der Elisabeth und John Proctor im letztgenannten Film hatten Signoret und Ehemann Montand bereits erfolgreich auf der Bühne gespielt.

Den Darstellerpreis auf den Filmfestspielen von Cannes 1959 und 1960 den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle brachten ihr Der Weg nach oben ein. In dem sozialkritischen Film von Jack Clayton übernahm sie den Part der unglücklich verheirateten Theaterschauspielerin Alice Aisgill, die sich in einen ehrgeizigen jungen Angestellten (dargestellt von Laurence Harvey) verliebt und tragisch endet. Eine weitere Oscar-Nominierung erhielt Signoret sechs Jahre später für ihre Darstellung als drogenabhängige spanische Aristokratin in Stanley Kramers Drama Das Narrenschiff (1965). Im selben Jahr gewann sie einen Primetime Emmy für den Fernsehfilm A Small Rebellion (1966) und trat neben Alec Guinness in einer Inszenierung von Macbeth am Londoner Royal Court Theatre auf. 1969 schlüpfte sie in Jean-Pierre Melvilles Kriegsfilm Armee im Schatten in die Rolle einer französischen Untergrundkämpferin, während sie sich in Pierre Granier-Deferres Ehedrama Die Katze (1971) mit Jean Gabin duellierte.

1978 erhielt Signoret den César für die Titelrolle in Moshé Mizrahis Spielfilm Madame Rosa. Sie verkörperte hier eine ehemalige Prostituierte, die in einem Mietshaus einen Kindergarten für die Kinder von verlassenen Prostituierten unterhält. Der Film gewann 1978 für Frankreich den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Ein weiteres Mal mit Mizrahi arbeitete sie an dem Drama Chère inconnue (1980) zusammen. Eine weitere César-Nominierung erhielt Signoret für ihren vorletzten Kinofilm Stern des Nordens (1982).

Politisches Engagement und Arbeit als Autorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinschaftsgrab von Simone Signoret und Yves Montand auf dem Père Lachaise

Bekannt wurde sie auch durch ihr unerschrockenes politisches Engagement. Bereits 1950 unterschrieb sie zusammen mit Montand den Stockholmer Appell zum Verbot aller Kernwaffen und erhielt daraufhin Einreiseverbot für die USA. Sie protestierte öffentlich gegen die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands durch die Sowjetunion, Frankreichs Algerienkrieg sowie das spanische Franco-Regime und engagierte sich bei Arbeiterstreiks. 1980 spielte sie in München Theater für die Polit-Aktion Charta 77.

Parallel zu ihrer Schauspielkarriere trat Signoret auch erfolgreich als Autorin in Erscheinung. 1976 veröffentlichte sie unter dem Titel La nostalgie n'est plus ce qu'elle était (dt. Ungeteilte Erinnerungen, 1977) ihre Autobiografie. Das Werk avancierte mit einer Auflage von einer Million Exemplaren zum Bestseller und wurde in 16 Sprachen übersetzt. 1979 folgte das autobiografische Buch Le lendemain elle était souriante, das Auskunft darüber gibt, wie ihre Memoiren entstanden. Ein Jahr vor ihrem Tod erschien ihr vielbeachteter Roman Adieu Wolodja. Es hat das Schicksal in Paris lebender jüdischer Emigranten zum Thema.[2]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simone Signoret starb 1985 im Alter von 64 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens. Sie wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung[2] auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beigesetzt. Neben Signoret fand 1991 auch ihr zweiter Ehemann Yves Montand seine letzte Ruhestätte.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simone Signoret: La nostalgie n'est plus ce qu'elle était. 1976; deutsch: Ungeteilte Erinnerungen. Aus dem Französischen von Gerlinde Quenzer und Günter Seib, Kiepenheuer und Witsch, Köln 1997, ISBN 3-462-02593-7.
  • Simone Signoret: Adieu Volodia. 1984; deutsch: Adieu Wolodja. Aus dem Französischen von Elisabeth Lutz. Lübbe, Bergisch Gladbach, 1987, ISBN 3-404-10940-6.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen an Simone (OT: Mémoires pour Simone), Dokumentarfilm, Frankreich, 1986, restaurierte Fassung 2013, 62 Min., Buch und Regie: Chris Marker, Produktion: Festival de Cannes, Inhaltsangabe von ARD.
  • Filmstar mit Charakter – Simone Signoret (OT: Simone Signoret, figure libre), Dokumentarfilm, Frankreich, 2019, 53 Min., Regie: Michèle Dominici, Produktion: Arte France Ina Quark Productions, Inhaltsangabe von ARD.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patricia A. DeMaio: Garden of dreams. The life of Simone Signoret. University Press of Mississippi, Jackson 2014, ISBN 978-1-60473-569-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Simone Signoret – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Simone Kaminker, dite Simone Signoret. In: Éditions Larousse. Aufgerufen am 21. April 2015 (französisch).
  2. a b c d e f g h Simone Signoret. In: Internationales Biographisches Archiv 50/1985 vom 2. Dezember 1985 (abgerufen via Munzinger Online).
  3. a b Simone Signoret. In: France Inter. Aufgerufen am 21. April 2015 (französisch).