Simpel (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Simpel
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2017
Länge 113 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
Stab
Regie Markus Goller
Drehbuch Dirk Ahner
Produktion Michael Lehmann
Musik Andrej Melita
Kamera Ueli Steiger
Schnitt Tina Freitag
Besetzung

Simpel ist eine Tragikomödie von Markus Goller. Der Film basiert auf dem Roman Simpel von Marie-Aude Murail und feierte am 19. Juni 2017 im Wettbewerb des Shanghai International Film Festivals seine Weltpremiere. Am 9. November 2017 kam der Film in die deutschen Kinos.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Ostfriesland lebenden Ben und Barnabas sind Brüder und seit sie denken können ein Herz und eine Seele. Der 22-jährige Barnabas, von allen nur Simpel genannt, ist geistig auf dem Stand eines Dreijährigen, da er bei seiner Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen hatte. Sein bester Freund ist, neben Ben, sein Hasen-Kuscheltier Monsieur Hasehase, das er überall mit hin nimmt. Zwar kann Simpel manchmal eine fürchterliche Nervensäge sein, aber ein Leben ohne ihn ist für Ben absolut unvorstellbar. Als Julia, die Mutter der beiden, unerwartet stirbt, will man Simpel ins Heim stecken, doch sowohl Ben als auch Barnabas haben etwas dagegen und ergreifen die Flucht. Sie stehlen den Polizeitransporter des Dorfpolizisten Gruber und verbringen eine Nacht im Freien.

Sie begeben sich auf eine abenteuerliche Reise nach Hamburg, um dort Seemänner zu werden. Außerdem müssen sie ihren Vater David finden, den sie seit 15 Jahren nicht mehr gesehen haben. Der lebt allerdings mittlerweile mit seiner neuen Frau Clara zusammen und will eigentlich vom behinderten Sohn nichts wissen. Der Roadtrip von Ben und Barnabas eskaliert nach einem schlimmen Streit mit dem Vater auf einem Hamburger Bahnsteig, und Ben verliert zum ersten Mal gegenüber seinem Bruder die Fassung, der wiederum davonläuft und in die nächste Bahn steigt.

Ben macht sich zusammen mit Aria und Enzo, die er mit Simpel auf dem Weg nach Hamburg kennengelernt hatte, auf die Suche. Am Ende wird Simpel in einem Möbelhaus entdeckt, wo er es sich in einem Bett gemütlich gemacht hatte. Die alarmierte Polizei verfolgt den flüchtenden Simpel auf das Dach des Möbelhauses. In seiner Panik lässt Simpel bei einer ungeschickten Bewegung Monsieur Hasehase vom Dach fallen. Völlig geschockt droht Simpel hinterherzuspringen, um im Tod wieder mit seinem Freund und seiner Mutter vereint zu sein. Der rechtzeitig auf dem Dach eintreffende Ben kann Simpel jedoch davon abbringen. In der Schlusssequenz operieren Aria und Enzo den verletzten Monsieur Hasehase in der Behinderteneinrichtung Haus Sonnengarten, wo Simpel nun wohnen wird. Anschließend verabschiedet sich Ben von Simpel und fährt mit der Polizei davon.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde von Michael Lehmann von der Letterbox Filmproduktion GmbH in Koproduktion mit der C-Films Deutschland GmbH, der Amalia Film GmbH und dem ZDF produziert und mit Mitteln der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein[2], von nordmedia, dem FFF Bayern, der FFA und dem DFFF gefördert.[3] Regie führte Markus Goller. Dirk Ahner adaptierte Murails Roman für den Film. Als Simpel bezeichnet man einen einfältigen, beschränkten Menschen.

Die Rollen des Brüderpaares Ben und Barnabas wurden mit Frederick Lau und David Kross besetzt. Devid Striesow spielt ihren Vater David, Anneke Kim Sarnau ihre Mutter Julia. In weiteren Rollen sind Emilia Schüle, Annette Frier, Tim Wilde, Ludger Pistor und Oscar Ortega Sánchez zu sehen. Kross meinte, eine solch extreme Rolle habe er noch nie gespielt. Zur Vorbereitung verbrachte Kross Zeit in einem Behindertenheim, wo er die Menschen beobachtete und einstudierte, wie sich Simpel bewegen soll.[4]

Die Dreharbeiten wurden im März 2016 begonnen[3] und fanden in Hamburg und Umgebung statt,[5] unter anderem an der Fruchtallee in Eimsbüttel[6], in der Schanze und an der Hochbahn in Hamburg. Weitere Aufnahmen entstanden an der Nordseeküste und im niedersächsischen Jever.[7][8]

Der Film feierte am 19. Juni 2017 im Rahmen des Shanghai International Film Festivals in Anwesenheit von Regisseur Markus Goller, Hauptdarsteller Frederick Lau und den Produzenten Michael Lehmann und Günther Russ seine Premiere, wo er sich im Wettbewerb um den Golden Goblet Award befindet.[9][10][11] Anfang Oktober 2017 wurde der Film im Rahmen des Zurich Film Festivals[12] und beim Filmfest Hamburg gezeigt[13], wo er für den Art Cinema Award nominiert war.[14] Am 9. November 2017 kam der Film in die deutschen Kinos.[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britta Schmeis von epd Film sagt, Markus Goller habe den gleichnamigen Jugendroman von Marie-Aude Murail als bewegende Tragikomödie inszeniert, die alle Fragen von Verantwortung, Pflichtgefühl, Familie und Freundschaft aufgreife. Schmeis erklärt, Simpels liebenswerte Kindlichkeit entwaffne und führe zu urkomischen und rührenden Situationen, etwa wenn er, stets mit seinem Stofftier ­Hasehase im Schlepptau, auf einem Spielplatz ein behindertes Mädchen trifft und sich mit ihm anfreundet. Aber auch das liebevolle, fast allzu aufopfernde Kümmern Bens zerreiße einem so manches Mal das Herz, so Schmeis, und es handele sich um einen Film, der viele menschliche Gefühle anspreche und daher berühre.[16]

Matthias Halbig spricht in der Hannoverschen Allgemeinen von großem, echtem Gefühlskino: „'Simpel' ist witzig, traurig, zart und randvoll mit Abenteuern – ein Lehrgang zum Herzen, den Regisseur Markus Goller dem Zuschauer nie mit Kitsch zustellt. Kross ist großartig als enthusiastischer, unschuldiger Kindmann, Lau nicht minder anrührend als bester Freund, den ein Bruder haben kann. Zwei Typen, die das Kino mit ihrer Geschichte der Inklusion durch Liebe bereichern, wie es damals Arnie (Leonardo DiCaprio) und Gilbert Grape (Johnny Depp) taten, irgendwo in Iowa.“[17]

In einer Kritik zum Film bei Focus Online ist der Film als warmherziges und amüsantes Roadmovie mit großartigen Schauspielern beschrieben: „Mit zwei sehr unterschiedlichen Menschen in den Hauptrollen, deren Stärke es ist, immer füreinander da zu sein. Genau von dieser Beziehung zwischen Ben und Simpel lebt der Film. Frederick Lau und David Kross haben keinerlei Berührungsängste, sodass man ihnen ohne jeden Zweifel abnimmt, dass sie Brüder sind. Die Rollen scheinen perfekt auf die beiden Schauspieler zugeschnitten worden zu sein.“[18]

Über Kross sagt Peter Zander von der Berliner Morgenpost, es sei bewegend, wie er bei Eiseskälte in Unterhosen und Moonboots im Watt tanzt und mit seiner naiven Gutmütigkeit selbst die Herzen wildfremder Menschen öffnet. Aber auch Lau berühre als Ben, der alles für seinen Bruder tut, auch wenn er dadurch nie Zeit für ein eigenes Leben hat und letztlich mit der Situation heillos überfordert ist.[19]

Hingegen befindet Martin Schwickert in der Sächsischen Zeitung, der Film kranke „erheblich an der Glaubwürdigkeit seiner eindimensionalen Charaktere“ und behandele die Probleme im Zusammenleben mit behinderten Menschen „vollkommen oberflächlich [...], um den flauschigen Wohlfühlcharakter des Unterhaltungsproduktes nicht zu gefährden“. Die „deutlich komplexer ausgearbeitete“ Vorlage werde „ins deutsche Mainstreamformat hineinbanalisiert“.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmfest Hamburg 2017

  • Nominierung für den Art Cinema Award

Shanghai International Film Festival 2017

  • Nominierung für den Golden Goblet Award

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Simpel. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 165390/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. http://www.ffhsh.de/de/news/2016/20160304_Simpel_Drehstart.php
  3. a b http://www.presseportal.de/pm/7840/3268650
  4. http://www.tvmovie.de/news/david-kross-ganz-simpel-im-neuen-film-88532
  5. https://www.sat1regional.de/videos/article/simpel-david-kross-und-frederick-lau-fuer-roadmovie-in-hamburg-vor-der-kamera-201339.html
  6. http://www.bild.de/regional/hamburg/annette-frier/friert-an-der-fruchtallee-44919206.bild.html
  7. http://www.klatsch-tratsch.de/2016/03/04/david-kross-und-frederick-lau-drehstart-fuer-roadmovie-simpel/269272
  8. http://www.emotion.de/schoenes-neues/kultur/kino-dreharbeiten-simpel
  9. 20th Golden Goblet Awards Competition Films In: siff.com.
  10. Jochen Kürten: Deutsches Kino in China: Shanghai Filmfestival zeigt 49 deutsche Filme In: Deutsche Welle Online, 18. Juni 2017.
  11. http://www.studio-hamburg-produktion.de/de/aktuelle-mitteilungen/2017/06/01/583-simpel-im-wettbewerb-beim-shanghai-international-film-festival/
  12. Programme 2017 In: zff.com. Abgerufen am 14. September 2017.
  13. Filme von A-Z In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 29. September 2017.
  14. Simpel In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 5. Oktober 2017.
  15. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 11. August 2017.
  16. Britta Schmeis: Kritik zu 'Simpel' In: epd Film.
  17. Matthias Halbig: 'Simpel' – Irgendwo im Norden In: Hannoversche Allgemeine, 8. November 2017.
  18. 'Simpel': Die traurig-schöne Geschichte eines ungleichen Brüderpaars In: Focus Online, 8. November 2017.
  19. Peter Zander: 'Simpel' – Ein Roadmovie mitten ins Herz In: Berliner Morgenpost, 9. November 2017.
  20. Martin Schwickert: Ein Hoch auf die Einfalt. In: Sächsische Zeitung. 8. November 2017, S. 8.