Sinfonie in E-Dur (Schubert)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Sinfonie in E-Dur (D 729) aus dem Sommer 1821 ist eine von sechs unvollendeten Sinfonien von Franz Schubert. Außerhalb des deutschsprachigen Raums wird sie neuerdings vielfach als Schuberts 7. Sinfonie gezählt.[1]

Schubert hinterließ sieben vollständig komponierte Sinfonien. Schon die Existenz der sogenannten Unvollendeten in h-Moll und einer ganzen Reihe von Fragmenten aus seiner frühesten bis späten Schaffenszeit ließ zahlreiche Musikforscher nach weiteren Sinfonien Schuberts fahnden. Die Recherche nach der lange verschollen geglaubten „Gmunden-Gasteiner“ aus dem Jahr 1825 führte dazu, dass auch Fälschungsversuche unternommen wurden, etwa durch Gunter Elsholz (1936–2004), was Werner Maser dokumentierte.

Anders als seine sonstigen sinfonischen Fragmente liegt eine schubertsche Sinfonie in E-Dur aus dem Jahre 1821 in einem vom ersten bis letzten Takt in allen vier Sätzen vollständigen Entwurf vor. Die ersten 110 Takte orchestrierte Schubert in voller Partitur, wobei er für die Instrumentation eine größere Besetzung als in seinen anderen Sinfonien vorsah. Nur wenig hätte er in die vollständige Ausführung investieren müssen, alles war bereits fertig konzipiert. Das Fragment gliedert sich in folgende Sätze:

  • Adagio - Allegro
  • Andante
  • Scherzo und Trio
  • Allegro giusto

Schuberts Bruder Ferdinand sandte das Manuskript 1846 an Felix Mendelssohn Bartholdy, der schon 1839 Schuberts Große Sinfonie C-Dur D 944 zur Uraufführung gebracht hatte, deren Partitur Robert Schumann von Wien nach Leipzig transferiert hatte. Zu einer Realisierung durch Mendelssohn kam es jedoch genauso wenig wie durch Arthur Sullivan oder Johannes Brahms.

Erstmals stellte 1881 der englische Komponist John Francis Barnett eine aufführbare Version der Sinfonie her, die am 5. Mai 1883 im Kristallpalast in London uraufgeführt wurde und bei Breitkopf & Härtel als Klavierauszug zu vier Händen erschien. Die Partituren dieser Fassung wurden 1936 beim Brand des Kristallpalastes und 1943 bei der Zerstörung des Verlagshauses Breitkopf & Härtel in Leipzig vernichtet. Barnetts Fassung gilt als recht gelungen und ist – im Gegensatz zur Weingartner’schen Fassung – dem Idiom von Schubert weit näher. Wann und wie oft diese Fassung jedoch gespielt wurde, ist leider kaum mehr in Erfahrung zu bringen; zeitaufwendige Recherchen in Zeitungsarchiven könnten eventuell erfolgreich sein. Jedoch eine Aufführung in Cleveland/Ohio aus dem Schubert-Gedenkjahr 1928 ist dokumentiert. Die New York Times schrieb:

“In Cleveland, Nikolai Sokoloff and his Cleveland Orchestra gave the U. S. premiere of the E major Symphony. Schubert had left it in sketch form and after his death it went to Mendelssohn, presumably to orchestrate. But Mendelssohn, too, died young and it went to Sir George Grove who left it to the Royal College of Music in London. John Francis Barnett, a minor Britisher, made the only orchestration in the '80s, but it was never published. From manuscript, 107 years after Schubert wrote it, Conductor Sokoloff played it and thereby surpassed the rest of the celebrating world in enterprise. Monday, Dec. 03, 1928.”[2]

Was mit dem Orchestermaterial dieser Aufführung geschah – ob es sogar noch existiert – ist nicht bekannt.

1934 entstand eine Bearbeitung von Felix Weingartner.[3] 1971 führte Ernst Märzendorfer in Wien eine revidierte Fassung der Weingartner’schen Partitur auf.[4] Er beseitigte dessen harmonische Retouchen, die stilfremden Ergänzungen – besonders die vielen nachkomponierten Übergänge – und öffnetet die Striche – besonders im Finale. Der ORF übertrug dieses Konzert, die Aufnahme ist jedoch nicht mehr im Archiv des Senders vorhanden. Diese Revision ist jedoch kaum bekannt geworden. Für seine Arbeit verwendete Märzendorfer die Abschrift des Autografs, die Johannes Brahms hatte anfertigen lassen; und die im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde liegt. Auch Weingartner hatte diese Quelle verwendet.

In jüngerer Zeit wurde die Sinfonie in der ergänzten Fassung von Brian Newbould (1982) wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Diese gilt als die bislang werktreueste Fassung, da Newbould anders als Weingartner auf Eingriffe wie z.B. Kürzungen verzichtet.

Das Autograph befindet sich im Royal College of Music London, Signatur: MS. 586.

Aufnahmen bzw. Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassung Felix Weingartner:

  • Schubert: Symphony No. 7. Wiener Staatsopernorchester, Franz Litschauer (Aufnahme 1952) Naxos 9.80641
  • Franz Schubert: Sinfonie in E-Dur D 729 + Sinfonische Fragmente D. 615, 708a, 936a. Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Heinz Rögner (1977/1979). Berlin Classics 8530668
  • Felix Weingartner: Violinkonzert G-Dur op. 52; Schubert/Weingartner: Symphonie E-Dur D. 729. Laurent Albrecht Breuninger (Violine), SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern, Alun Francis (2007) CPO 6614805

Fassung Brian Newbould:

  • Schubert: The 10 Symphonies. Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner, 6 CD Set (1982–84), PHILIPS, 470 886-2.
  • Schubert: Sinfonie Nr . 7 E-Dur, D 729. Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Gabriel Chmura (1988) Koch-Schwann 311 012 H1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Kloiber: Handbuch der klassischen und romantischen Symphonie. 2. erweiterte Auflage. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1976, ISBN 3-7651-0017-X.
  • Mario Lohmann: Die Sinfoniefragmente D 615, D 708A und D 729. In: Schubert durch die Brille (IFSI) 30 (2003), S. 69-90.
  • Brian Newbould: Schubert and the Symphony. A New Perspective. Toccata Press, Surbiton 1992, ISBN 0-907689-27-2.
  • Wolfram Steinbeck: Sinfonie in E (D 729). In: Walther Dürr, Andreas Krause (Hrsg.): Schubert-Handbuch. Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01418-5, S. 624-632.
  • Michael Steinberg: The Symphony. A Listenercs Guide. Oxford University Press, New York 1995, ISBN 0-19-506177-2.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dies führt gelegentlich zu Verwechslungen, da im 19. Jahrhundert sowohl die sogenannte „Unvollendete“, als auch die „Große C-Dur-Sinfonie“ mit der Nr. 7 gekennzeichnet worden waren. Im Deutsch-Verzeichnis ist die Nummer 7 heute für die Sinfonie in h-Moll D 759 (die „Unvollendete“) vorgesehen.
  2. Music. Cleveland Orchestra's Concert. New York Times, 5. Dezember 1928
  3. Franz Schubert / Felix Weingartner - Symphonie E-Dur. Vorwort zur Partitur, Universal Edition AG, Wien, 2002
  4. Konzerteintrag vom 30. April 1971 im Veranstaltungsarchiv des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich, abgerufen am 10. Oktober 2015