Singapore (Michigan)

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Michigan Historic Marker: Singapore, Michigan.
„Unter dem Sand in der Nähe der Mündung des Kalamazoo River liegt die Stätte von Singapore, einer der berühmtesten Geisterstädte Michigans. Gegründet in den 1830er-Jahren von New Yorker Grundstückspekulanten, die hofften, dass es mit Chicago oder Milwaukee als Seehafen konkurrieren würde, war Singapore in der Tat, bis in die 1870er-Jahre, eine geschäftige Holzverarbeitungs-Stadt. Mit drei Sägewerken, zwei Hotels, mehreren Fachgeschäften und einer renommierten Wild-Cat-Bank übertraf sie ihren Nachbarn im Süden, The Flats, wie Saugatuck damals genannt wurde. Als der Holzabbau erschöpft war, wurden die Sägewerke geschlossen, die einst belebte Uferpromenade wurde still. Die Leute sind gegangen, die meisten von ihnen siedelten sich hier in Saugatauk an. Allmählich begruben die Wanderdünen des Lake Michigan Singapore.“

Singapore ist eine Geisterstadt in Michigan. Ihre Ruinen liegen im Allegan County an der Mündung des Kalamazoo River bei Saugatuck und Douglas und wurden inzwischen unter den Wanderdünen des Michigansees begraben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Singapore während der Blütezeit

Singapore wurde 1836 durch den New Yorker Grundstückspekulanten Oshea Wilder gegründet, der hoffte, eine Hafenstadt zu bauen, die es mit Chicago und Milwaukee aufnehmen könne.[1] Zu ihrem Höhepunkt hatte die Stadt drei Sägewerke, zwei Hotels, mehrere Gemischtwarenläden, eine Bank und Michigans erstes Schulhaus. Insgesamt hatte die Stadt 23 Gebäude.[2]

Der große Bankskandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Singapore (Michigan) herausgegebene Dollar-Noten

Im Jahr 1838 gab es im Allegan County zwei Banken: die Bank of Allegan und die Bank of Singapore. Beide gehörten zu den sogenannten Wildcat-Banken (Banken unter Aufsicht des jeweiligen Bundesstaates, nicht der US-Bundesverwaltung).[3]

Bis 1838 waren über 50.000 US-Dollar in von der Bank of Singapore gedruckten Banknoten im Umlauf. Kurz nach dem Bürgerkrieg wurde die Bank of Singapore in einen Bankskandal verwickelt. Staatliche Banken waren verpflichtet, Bargeld im Wert von mindestens einem Drittel der im Umlauf befindlichen Banknoten bereitzuhalten. Weder die Bank of Singapore noch die Bank of Allegan waren hierzu in der Lage. Als ein Inspektor zu ihnen kam, taten sie sich zusammen und zeigten ihm nacheinander dasselbe Bargeld.

40-tägiger Schneesturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 40-tägige Schneesturm (40-Day Blizzard) von 1842 hätte wohl zu einer Hungersnot geführt, wenn das Schiff Milwaukie nicht gestrandet wäre, von dessen Ladung sich die Bewohner Singapores während des Schneesturms ernährten.[4]

Großbrand und Verwüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderdünen überdecken die Häuser

Singapore wurde am 8. Oktober 1871 Opfer eines Großbrandes. Da am selben Tag weitere Großbrände in Chicago, Peshtigo, Holland und Manistee mehrere Städte im nördlichen Mittleren Westen verwüsteten,[5] kamen Spekulationen auf, dass es dabei einen Zusammenhang geben könnte.[6] So wurde beispielsweise behauptet, die Brände seien von Einschlägen von Fragmenten des Kometen Biela entfacht worden[7].

Nach dem Brand wurden zahlreiche Bäume für den Wiederaufbau Singapores gefällt, was den Waldbestand der Gegend drastisch reduzierte. Ohne den vor Sandstürmen Schutz bietenden Wald wurden die Reste der Stadt schnell ruiniert und innerhalb von vier Jahren mit Sand bedeckt.[8] Im Jahr 1875 war die Siedlung geräumt.

Literatur und Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Singapore (Michigan) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. James Brennan: Singapore, Michigan. In: Michigan Historical Markers. 2009. Abgerufen am 25. März 2010.
  2. Singapore. Ghost Towns. Abgerufen am 25. März 2010.
  3. Pioneer Society of the State of Michigan (1881). Report of the Pioneer Society. Band III, S. 273. W. S. George & Co.
  4. Michigan Tours. Pure Michigan. Abgerufen am 25. März 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.michigan.org (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  5. The Great Fire of 1871. In: History of Manistee County, Michigan. H.R. Page & Co. 1882. Abgerufen am 25. März 2010.
  6. Donald Miller: City of the Century: The Epic of Chicago and the Making of America. Simon & Schuster, New York 1996, ISBN 0-684-83138-4, S. 144.
  7. Waskin, Mel: Mrs. O'Leary's Comet: Cosmic Causes of the Great Chicago Fire. Hrsg.: Academy Chicago Publishers. Chicago 1985, ISBN 978-0-89733-167-8.
  8. Julie Albrecht Royce: Traveling Michigan’s Sunset Coast. Dog Ear Publishing, 2007, S. 58–59.

Koordinaten: 42° 40′ 12″ N, 86° 12′ 36″ W