Single Bells

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Filmdaten
Originaltitel Single Bells
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1998
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Xaver Schwarzenberger
Drehbuch Ulrike Schwarzenberger
Produktion Christian Wolf
Musik Anna Lauvergnac
Kamera Xaver Schwarzenberger
Schnitt Michou Hutter
Besetzung

Single Bells ist eine Fernsehfilm-Komödie des Regisseurs Xaver Schwarzenberger aus dem Jahr 1997. Erstmals ausgestrahlt wurde der Film am 22. Dezember 1998 auf ARD.[1] Im Jahr 2000 erschien mit dem Film O Palmenbaum eine Fortsetzung.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 35-jährige, beruflich erfolgreiche Katarina „Kati“ Treichl wird in ihrer Wiener Werbeagentur von einer ehemaligen Mitarbeiterin mit ihrem Sohn im Säuglingsalter besucht. Nach dieser Zusammenkunft will auch Kati unbedingt ein Kind und mit ihrem Freund, dem Kinderarzt Jonas Meixner endlich eine Familie gründen und heiraten. Jonas reicht der berufliche Kontakt zu Kindern aber völlig und er weigert sich, Kati einen Heiratsantrag zu machen. Am Vorabend des Heiligen Abends eskaliert die Diskussion und Jonas verlässt wütend die gemeinsame Wohnung. Als er zurückkehrt findet er einen Brief vor, in dem sich Kati von ihm trennt. Der geplante Urlaub auf Mauritius, der, um Weihnachten zu entgehen, an Heiligabend beginnen sollte, scheint auszufallen.

Kati ist am Boden zerstört und telefoniert mit ihrer Schwester Luise, welche sie spontan zu Weihnachten zu sich einlädt. Kati fährt daraufhin aufs Land zur Familie ihrer Schwester, um dort mit der ganzen Familie ein idyllisches Weihnachtsfest zu feiern. Die Idylle existiert aber nur scheinbar. Schon beim gemeinsamen Abendessen am 23. Dezember gibt es Spannungen zwischen Luise und ihrer Schwiegermutter. Als noch Lilibet, die Mutter von Kati und Luise, unangemeldet erscheint und sich selbst zu den Feiertagen einlädt, gerät alles aus den Fugen.

Am Morgen des Heiligen Abend nimmt die Katastrophe bei „Palatschinken mit Spinat“ endgültig ihren Lauf. Die Situation eskaliert weiter, nachdem Luise feststellen musste, dass Omama die Weihnachtsvorbereitungen an sich zieht. Das von Lilibet mitgebrachte Weihnachtsgeschenk für Sissi, eine Ratte, wird vermeintlich vom Kater gefressen, worauf Lilibet und Sissi das Haus verlassen und in die Konditorei gehen. Omama und Luise arrangieren sich nach Vermittlung von Jo. Dennoch kommt es zu weiteren Problemen, da der Vegetarier Gregor nicht die Karpfen kauft, die als Ersatz für Omamas Gans dienen sollen. Schließlich kommen Lilibet und Sissi mit der wiedergefundenen Ratte nach Hause. Sissi ist jedoch vom Eierlikör schlecht, den sie in der Konditorei getrunken hat, und sie beachtet den von Omama geschmückten Baum nicht. Als Omama die von Luise in die Krippe gesetzte Ratte vertreiben will, fängt der Baum Feuer. Kati flüchtet auf den Flughafen und will die Reise nach Mauritius antreten, verpasst jedoch das Flugzeug. Auf dem Flughafen trifft sie auf Jonas, der zu ihrem Schrecken ankündigt, jetzt mit ihr seine Eltern zur Weihnachtsfeier besuchen zu wollen.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luise als Hausfrau und Mutter mit Leib und Seele möchte für die ganze Familie ein für sie typisches Weihnachtsfest feiern; mit Tannenbaum, Karpfen und der ländlichen, kuscheligen Harmonie.

Kati als erfolgreiche, dynamische Geschäftsfrau kann mit dem Weihnachtszauber nichts anfangen und möchte deshalb mit Jonas den winterlichen Feiertagen entfliehen. Bei ihrer Schwester Luise angekommen, versucht sie schließlich - erfolglos - zwischen den sich aufbauenden Fronten zu vermitteln.

Johannes "Jo" als träger Ehemann von Luise steht unter dem Pantoffel seiner Mutter, der Omama, und ist somit seiner Frau Luise keine große Hilfe für die Weihnachtsvorbereitungen.

Omama als typisch wienerische Großmutter redet nur von der ärmlichen Vergangenheit, wie wenig Geld sie hat, wie gut es den anderen geht und merkt gar nicht, dass sie damit allen die Stimmung verdirbt. Schließlich reißt sie am Heilig Abend Morgen das Regiment im Hause an sich und möchte „ihr“ Weihnachten veranstalten. Sie verkörpert die bodenständige einfache Großmutter aus dem Volk.

Lilibet als gebildete, weit gereiste, kultivierte, ältere Dame ist das glatte Gegenteil von der Omama und drängt sich jedem und allem auf. Zudem weiß sie alles besser und kümmert sich in ihrem grenzenlosen Egoismus überhaupt nicht um andere und deren Bedürfnisse.

Gregor als pubertierender Sohn ist Vegetarier und hat außer Fernsehen und seiner weltverbessernden Antistimmung nichts im Sinn.

Sissi als kleine Tochter ist vorlaut, frech und schlägt sich gekonnt auf jeweils die Seite, die ihr am besten tut.

Jonas als angesehener Kinderarzt mit eigener Praxis hat mit Ende 30 außer seiner ärztlichen Karriere und dem gemeinsamen Jetsetleben mit der erfolgreichen Kati wenig Lust auf Veränderungen. Er spielt im Film nur eine kleine Rolle, taucht nur am Anfang und Schluss kurz auf.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kultverdächtig wie Dinner for One und wunderbar böse! Dieser Film sollte alle Jahre wieder auf den Gabentisch kommen,“ befand Der Spiegel in seiner Rezension aus dem Jahr 1998.[2] Die TAZ bezeichnete den Film als über „Jahre hinweg einzig wirklich gute deutsche Weihnachtskomödie“.[3] Ähnliche deklarierte auch Rainer Tittelbach von Tittelbach.tv Single Bells als „TV-Klassiker zur Weihnachtszeit“. Autorin Ulli Schwarzenberger habe „ebenso liebe- wie lustvoll reingepiekst in das Geschwülst der falschen Sentimentalität, ohne dabei ihre Figuren dem Gespött auszuliefern [...] Der Alltag bestimmt die Dramaturgie und die Schauspieler werden zum Herzstück von Single Bells.“[4] TV Spielfilm bewertete die Komödie ebenfalls positiv und urteilte: „Xaver Schwarzenberger und Gattin Ulli bestücken ihre Satire mit unvergesslichen Figuren.“[5]

Sei seiner Erstausstrahlung im Dezember 1998 gehört der Film zu einer Reihe deutschsprachiger Weihnachtsfilme, die senderübergreifend mehrfach in der Weihnachtszeit im Fernsehen ausgestrahlt werden.[3] Dabei hat Single Bells inzwischen Kultstatus erreichen können, wie die Österreich 2008 titulierte: „Wer diese beiden Satiren noch nie gesehen hat, ist selbst schuld, denn kein österreichischer Weihnachtsfilm wird jemals in Punkto Humor und Witz an Single Bells und auch dessen würdige Fortsetzung O Palmenbaum herankommen. Richtig kultverdächtig und wunderbar böse sind die Schwarzenberger-Komödien“.[6] Focus.de nahm Single Bells im Jahr 2015 in seine Ranglisten der schönsten neuzeitlichen Weihnachtsfilme auf und urteile: Single Bells spielt im malerisch verschneiten Österreich. Das ist aber auch schon alles an Idylle. Denn diese bitterböse Komödie ist einer der unterhaltsamsten Anti-Weihnachtsfilme aller Zeiten."[7] Im selben Jahr platzierte auch die Heute den Film gemeinsam mit seinem Sequel O Palmenbaum in ihrer Liste der Top-Weihnachtsfilme und befand, dass beide Spielfilme „für Freunde heimischer Produktionen an den Weihnachtsfeiertagen nicht fehlen“ dürften: „Die Weihnachtskomödie aus dem Jahr 1998 versammelt nicht nur hochkarätige österreichische Schauspieler, sondern vor allem lustige Geschichten aus dem stressigen Alltag vor dem großen Familienfest.“[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Single Bells. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  2. "Single Bells" läuten wieder im ORF: Dakapo für Schwarzenberger-Kultsatire am 22. Dezember. In: Der Spiegel. ots. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  3. a b Komödie über Heiligabend – Ein kleines Kind der Liebe. Die Tageszeitung. 15. Dezember 2009. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  4. Rainer Tittelbach: TV-Satire: Martina Gedeck, Erwin Steinhauer & der ganz normale Festtagswahnsinn. Tittelbach.tv. 28. Dezember 1998. Abgerufen am 22. Dezember 2015.
  5. Single Bells, Komödie, A/D 1997, (90 Min.). TV Spielfilm. Abgerufen am 22. Dezember 2015.
  6. Ultra-Spaß: "Single Bells" und "O Palmenbaum" sind TV-Kult. Österreich. 11. Dezember 2008. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  7. Die schönsten Weihnachtsfilme: Schnee, Glitzer - und ein bisschen Blut. Focus.de. 17. Dezember 2015. Abgerufen am 21. Dezember 2015.
  8. Das sind die schönsten Weihnachtsfilme. Heute. 5. Dezember 2015. Abgerufen am 21. Dezember 2015.