Single UNIX Specification

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Die Single UNIX Specification (SUS, deutsch ‚alleinige UNIX-Spezifikation‘) bezeichnet eine Zusammenstellung von Standards für Betriebssysteme der Unix-Familie. Die SUS besteht im Wesentlichen aus den Base Specifications, besser bekannt als POSIX, und X/Open Curses.[1] Die SUS wird gegenwärtig von der Austin Group entwickelt und aktualisiert.

UNIX in Großbuchstaben oder Kapitälchen ist als eingetragene Wortmarke der The Open Group ein geschützter Begriff. Ausschließlich Systeme, die als SUS-konform zertifiziert wurden, dürfen diese Wortmarke verwenden. Historische Systeme, die zu früheren Zeiten veröffentlicht wurden, jetzt aber nicht neu auf den Markt kommen, sind davon unberührt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Standardisierung als UNIX ist an die Geschichte von Unix selbst gebunden. Das ursprüngliche UNIX-Betriebssystem, das 1969 an den Bell Labs entwickelt wurde, wurde mitsamt Quelltext veröffentlicht. Die ersten Weiterentwicklungen, anfänglich nur an den Universitäten, beruhten auf diesem Quelltext. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren entstanden jedoch eigenständige Systeme, die sich nur an dem Vorbild orientiert hatten (Übernahme von Konzepten etc.). Es kam zu einer Aufspaltung der Systeme mit inkompatiblen Änderungen oder Erweiterungen, so dass Applikationen nicht mehr auf allen unixähnlicher Betriebssysteme liefen bzw. kompilierfähig waren.

1985 bildete sich eine Arbeitsgruppe beim IEEE, um einen definierten Mindeststandard für UNIX-Systeme zu definieren. Der Wunsch nach Standardisierung entstand, weil computernutzende Unternehmen Programme entwickeln wollten, die auf den Computersystemen verschiedener Hersteller lauffähig waren bzw. weil deren Kunden Planungssicherheit durch Industriestandards erlangen wollten.

UNIX wurde u. a. weil es herstellerunabhängig war als die Basis für standardisierte Systemschnittstellen ausgesucht. Der 1988 veröffentlichte IEEE-Standard 1003 zum Portable Operating System Interface for UNIX wurde hernach mit der Abkürzung POSIX (retronym „POSIX.1“) bekannt. Dieser Name wurde von Richard Stallman geprägt, um eine Bezeichnung für die Standards zu schaffen, die man sich auch merken konnte.

POSIX bestand zunächst aus einem einzigen Dokument zur wesentlichen Programmierschnittstelle, wuchs dann aber nach und nach zu 19 Dokumenten heran (POSIX.1, POSIX.2 etc.). Die Standards zur Benutzer-Befehlszeile und zur Scripting-Schnittstelle basieren auf der Shell von UNIX System V.

Die X/Open-Gruppe, ein Konsortium von Herstellern unixähnlicher Betriebssysteme, hatte parallel eine Testspezifikation entwickelt, um die Kompatibilität für ihre Mitglieder sicherzustellen. 1984 gab sie den ersten X/Open Portability Guide (XPG) heraus. Die dritte Version, der XPG3, hatte 1988 dann das Ziel, eine Konvergenz mit den POSIX-Spezifikationen herbeizuführen. Das letzte Update ist 1992 die XPG4. 1993 erwarb diese X/Open-Gruppe die Rechte an der Wortmarke „UNIX“ in Großbuchstaben von Novell, sodass die Möglichkeit entstand, die Marke für diese Standards zu verwenden.

In den folgenden Jahren ging man daran, einen allgemeingültigen hersteller­übergreifenden UNIX-Standard zu entwickeln. Dies führte auch zum Zusammenschluss der X/Open-Gruppe mit der Open Software Foundation (OSF, ein weiterer Herstellerverband unixähnlicher Systeme) zur Open Group im Jahr 1996. Bis dato konkurrierten mehrere Standards, die "Single UNIX Specification" (‚alleinige UNIX-Spezifikation‘) sollte dem Abhilfe schaffen und der Titel verdeutlicht dies.

Die erste SUS-Fassung von 1995, auch als UNIX 95 bezeichnet, basiert dabei noch im Wesentlichen auf der XPG4-Spezifikation. Mit der zweiten Fassung, UNIX 98 von 1998, bei der die 64-Bit-Erweiterung heraussticht, wurde ohne XPG-Referenz herausgegeben.

Die Arbeitsgruppen der Hersteller und die Arbeitsgruppen beim IEEE, die sich schon vorher personell überschnitten, wurden 1998 organisatorisch zusammengelegt. Die SUS hatte sich in der Zwischenzeit als wesentliche Standardreferenz und ein Industriestandard entwickelt, auch weil diese Spezifikation frei erhältlich war, im Gegensatz zu den Dokumenten des IEEE. Die Austin Group[2] entwickelt seitdem sowohl die SUS als auch POSIX weiter, was 2003 zu UNIX 03 alias SUS Version 3 führt. Die POSIX 2004 edition berücksichtigt die zwei Korrektursätze Technical Corrigendum 1 und Technical Corrigendum 2 für die Erarbeitung der SUS Version 4.

Die Weiterentwicklung in der Austin Group führt zu den Open Group Base Specifications, Issue 7, aus denen die (identische) Single UNIX Specification, Version 4 und POSIX.1 2008 edition entstehen. Mit dem Technical Corrigendum 1 werden diese fortgeschrieben, veröffentlicht als POSIX.1 2013 edition. Der zugehörige IEEE Std 1003.1 wird auch international als ISO/IEC 9945:2009 und darauffolgend ISO/IEC 9945:2009/Cor 1:2013(E) anerkannt. Für die Single UNIX Specification, Version 4, 2012 Edition wurde neues Markenzeichen UNIX V7 herausgegeben[3], das nicht mit dem älteren Unix Version7 verwechselt werden sollte (siehe auch Abschnitt Linux und die SUS). Herausragendes Merkmal der Ausgabe 2012 sind Updates für ein Internationalisierung.

Im September 2016 wurde das Technical Corrigendum 2 veröffentlicht, das in die IEEE Std 1003.1, 2016 Edition eingeflossen ist. Entsprechend gibt es auch eine Single UNIX Specification, Version 4, 2016 Edition. Auch diese zweite Korrektur zählte dabei als POSIX.1 2008. Im Januar 2018 wurde die 2018 Edition herausgegeben, kurz T101. Diese enthält keine technischen Neuerungen zum Stand von 2016, reflektiert jedoch administrative Anpassungen zur Herausgabe der SUSv4 als POSIX.1 2017, alias IEEE Std 1003.1-2017 und ISO/IEC 9945:2009/Cor 2:2017(E).[4]

Die SUS Version 4 beeinflusst die Weiterentwicklung unixartiger Betriebssystem auch weiterhin stark, da sie auf unix.org frei einsehbar ist. Als andere Quelle zur Einhaltung von Kompatibilität hat sich die Linux Standard Base entwickelt.

Kennzeichen für konforme Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt drei offizielle Kennzeichen für SUS-konforme Systeme:

  • UNIX 98 – Kennzeichen für Systeme, die die Version 2 der SUS erfüllen (partielle Kompatibilität)
  • UNIX 03 – Kennzeichen für Systeme, die die Version 3 der SUS erfüllen (vollständige Kompatibilität)
  • UNIX V7 – Kennzeichen für Systeme, die die Version 4 der SUS erfüllen (einschließlich Corrigenda)[5]

Ältere UNIX-Standards (abgelaufen):

  • UNIX 93 (vollständig abgelaufen)
  • UNIX 95 (Kompatibilität noch akzeptabel für einfachere Software-Subsysteme)

Liste konformer Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebssysteme, deren Konformität zur Spezifikation zertifiziert wurde und daher als UNIX bezeichnet werden dürfen:

UNIX 93[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UNIX 95[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UNIX 98[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UNIX 03[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

a IBM kündigte am 28. September 2007 an, dass z/OS 1.9 die UNIX 03-Spezifikation „besser erfüllen“ werde. Welcher Grad der Kompatibilität damit gemeint war, ist unklar.[11]

Linux und die SUS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Erscheinen der SUSv3 im Dezember 2001 wurden von Linux-Distributoren häufig die hohen Kosten als Grund für eine fehlende Zertifizierung angeführt. Daher wurde von der Open Group eine Zertifizierung zu einem symbolischen Preis zugesichert. Das Zertifizierungsverfahren, bei dem OpenGroup-Mitglieder aktiv mithalfen, machte zu Beginn gute Fortschritte, wurde jedoch 2005 wegen unüberbrückbarer Differenzen zwischen der Linux Standard Base und der Open Group abgebrochen. Linux ist deshalb bis auf weiteres nicht vollständig SUSv3-konform.[12]

Versionierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon das erste Unix wurde in der Programmiersprache C entwickelt. Alle unixartigen Betriebssysteme zeigen ihre Kompatibilität mit den Unix-Standards durch #define Konstanten, und soweit andere Betriebssysteme eine Zusatzbibliothek anbieten, finden sich diese Konstanten auch dort.

Im Rahmen der POSIX-Spezifikation richten sich die Versionen nach dem Datum der Revision. Das Betriebssystem meldet seine Kompatibilität durch _POSIX_VERSION, während ein Programm die erwartete API durch Definition von _POSIX_C_SOURCE[note 1] meldet.

  • _POSIX_VERSION 198808L für POSIX.1-1988
  • _POSIX_VERSION 199009L für POSIX.1-1990
  • _POSIX_VERSION 199506L für POSIX.1-1996
  • _POSIX_VERSION 200112L für POSIX.1-2001
  • _POSIX_VERSION 200809L für POSIX.1-2008 und POSIX.1-2017[13]

Anstatt der POSIX-Macros können auch die XPG/XOPEN-Macros verwendet werden, deren Wert die Basis-Generation angibt. Die Generationen XPG3 und früher sind in Programmquellen ungebräuchlich. Das Betriebssystem meldet seine Kompatibilität durch _XOPEN_VERSION, während ein Programm die erwartete API durch Definition von _XOPEN_SOURCE[note 2] meldet.

  • _XOPEN_VERSION 400 - X/Open Portability Guide release 4 (XPG4)
  • _XOPEN_VERSION 420 - X/Open Portability Guide for UNIX95
  • _XOPEN_VERSION 500 - X/Open 5, äquivalent POSIX 1995
  • _XOPEN_VERSION 520 - X/Open Portability Guide for UNIX98
  • _XOPEN_VERSION 600 - X/Open 6, äquivalent POSIX 2004
  • _XOPEN_VERSION 700 - X/Open 7, äquivalent POSIX 2008 / 2017

Für die SUS-Version selbst gibt es keine eigenständigen Macros, sondern die Single Unix Specification verzeichnet die dargestellten Werte.[14] Da traditionell (vor der Austin Group) die POSIX-Spezifikation weniger umfangreich war als die XSI-Spezifikation (X/Open System Interface), ignorieren einige Unix-Systeme den POSIX_SOURCE-Wert, wenn ein XOPEN_SOURCE-Wert angegeben ist.[15] In POSIX.1-2017 wurde dieses Verhalten als Standard festgelegt.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://publications.opengroup.org/standards/unix/t101
  2. http://www.unix.org/unix/version3/overview.html
  3. https://www2.opengroup.org/ogsys/catalog/x1201
  4. SINGLE UNIX® SPECIFICATION, VERSION 4, 2018 EDITION, REFERENCE: T101. The Open Group. 31. Januar 2018.
  5. http://www.unix.org/unixv7.html
  6. Solaris 2.5.1
  7. Mac OS X Leopard - Technology - UNIX. In: Leopard Technology Overview. Apple Inc.. Abgerufen am 11. Juni 2007: „Leopard is now an Open Brand UNIX 03 Registered Product, conforming to the SUSv3 and POSIX 1003.1 specifications for the C API, Shell Utilities, and Threads.“
  8. The Open Group: Mac OS X Version 10.5 Leopard on Intel-based Macintosh computers certification. Abgerufen am 12. Juni 2007.
  9. The Open Group: Mac OS X Version 10.13 High Sierra on Intel-based Macintosh computers certification. Abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  10. http://www.opengroup.org/openbrand/register/apple.htm
  11. Preview: IBM z/OS V1.9 advanced infrastructure solutions for your business needs (PDF; 112 kB) IBM. S. pp. 4, 15. 6. Februar 2007. Abgerufen am 11. Juni 2007.
  12. Letzter Bericht über notwendige Änderungen an Linux zur SUSv3 Kompatibilität durch Andrew Josey
  13. a b Open Group Base Specifications Issue 7, 2018 edition. The Open Group. The _POSIX_C_SOURCE Feature Test Macro. 31. Januar 2018.: „Note that the definition of _XOPEN_SOURCE with the value 700 makes the definition of _POSIX_C_SOURCE redundant and it can safely be omitted.“
  14. unistd - standardisierte Konstanten und Typen für Unix (SUSv4). The Open Group. Version Test Macros. Abgerufen am 16. Januar 2016.
  15. http://www.gnu.org/software/libc/manual/html_node/Feature-Test-Macros.html

Hinweise:

  1. es geht auch _POSIX_SOURCE, jedoch wird das ignoriert, wenn _POSIX_C_SOURCE verwendet wird
  2. unterhalb 500 verwendete man auch _XOPEN_SOURCE_EXTENDED um alle optionalen Komponenten zu aktivieren

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]