SinnerSchrader

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SinnerSchrader Aktiengesellschaft

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1996
Sitz Hamburg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Matthias Schrader,
(Vorstandsvorsitzender)
Frank Riemensperger,
(Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl 543 (2017/2018)[1]
Umsatz 64 Mio. Euro (2017/2018)[1]
Branche Internet und E-Commerce
Website sinnerschrader.ag
Stand: 30. Juni 2018

SinnerSchrader ist eine Digitalagentur mit Hauptsitz in Hamburg.[2][3] Sie zählt zu den führenden Unternehmen der Branche.[4] SinnerSchrader wurde 1996 gegründet, ist seit 1999 börsennotiert und hat Büros in Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, München sowie in Prag.[5][6] Seit April 2017 ist die Agentur Teil von Accenture Interactive.[7]

Der Fokus von SinnerSchrader liegt auf der Strategie, Kreation und Entwicklung von digitalen Produkten und Services.[6] Zu den Kunden der Agentur zählen beispielsweise Allianz, Audi, Comdirect, Tui, Unitymedia und Volkswagen.[8] Seit 2006 richtet SinnerSchrader mit der „NEXT Conference“ eines der wichtigsten Branchentreffen der Digitalwirtschaft aus.[9][10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 gründeten Oliver Sinner und Matthias Schrader das Unternehmen als Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Etwa ein Jahr später wurde es in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt und 1999 schließlich in eine Aktiengesellschaft, um die Beteiligung externer Investoren zu erleichtern.[11] Der Hauptsitz wurde in der ehemaligen Gerbereimaschinenfabrik Johannes Krause in Hamburg-Ottensen errichtet.[12] Einen Schwerpunkt des Geschäfts von SinnerSchrader bildete der elektronische Handel.[13]

Um das weitere Wachstum zu finanzieren, ging SinnerSchrader im November 1999 an die Börse Frankfurt.[5] Dadurch nahm das Unternehmen rund 28 Millionen Euro ein, die nach dem Platzen der Dotcom-Blase teilweise wieder an die Aktionäre ausgeschüttet wurden.[14] SinnerSchrader bekam den Zusammenbruch des Neuen Markts massiv zu spüren: Die Umsätze brachen ein, wenngleich aufgrund ausreichender Liquidität der Fortbestand des Unternehmens niemals gefährdet war.[15] SinnerSchrader reagierte unter anderem mit einem Stellenabbau und Kurzarbeit auf die Branchenkrise.[16] 2002 verließ Oliver Sinner das Unternehmen.[17]

Das Sparprogramm zeigte Wirkung,[18] im Geschäftsjahr 2004/2005 schrieb SinnerSchrader erstmals wieder schwarze Zahlen.[19] Das Überleben des Unternehmens nach der Dotcom-Blase gilt daher als beispielhaft für die ehemalige New Economy.[20] Ungeachtet dessen wurde SinnerSchrader von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in das Ranking der größten Kapitalvernichter 2005 aufgenommen, das SinnerSchrader jedoch aufgrund seiner unsauberen Methodik anzweifelte.[21]

In den folgenden Jahren blieb der E-Commerce ein wichtiges Geschäftsfeld von SinnerSchrader.[22][23] Das Unternehmen nutzte die globale Finanzkrise ab 2007, um auch durch Zukäufe zu wachsen.[24] Des Weiteren wurde 2010 eine Werbeagentur gegründet, die sich auf die Markenkommunikation im digitalen Raum spezialisierte.[25] Sie erhielt 2012 den Red Dot Design Award in der Kategorie Kommunikation für ihren Markenauftritt.[26] In den 2010er Jahren dehnte SinnerSchrader sein Leistungsspektrum auf weitere Bereiche wie beispielsweise Business Intelligence und Data Management aus.[27] Das Unternehmen rückte im Ranking des Bundesverbands Digitale Wirtschaft zur führenden Agentur im Segment „Business Transformation“ auf.[28] 2017 wurde das Angebot in den Bereichen Data Analytics und Data Science ergänzt und der Bereich Advisory etabliert.[29][30]

2017 gab die internationale Management- und Technologie-Beratung Accenture bekannt, die Mehrheit der Aktien von SinnerSchrader zu übernehmen.[31][32] In den Medien wurde der Schritt positiv kommentiert, da Accenture so seine digitale Kompetenz ausbaut und SinnerSchrader weiteres Wachstum ermöglicht wird.[33][34][35] Das Unternehmen erhält die Möglichkeit, seine internationale Präsenz zu stärken und weltweit wahrgenommen zu werden.[36] Accenture Digital Holdings sicherte sich in einem ersten Schritt rund 62 % des Grundkapitals und der Stimmrechte von SinnerSchrader und stockte seine Beteiligung anschließend weiter auf.[37] Die neuen Eigentümer streben einen Squeeze-out der Minderheitsaktionäre an. Die Geschäfte von Accenture Interactive und SinnerSchrader werden für eine Übergangszeit separat weitergeführt.[38]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standort von SinnerSchrader in Hamburg-Ottensen (2013)

SinnerSchrader ist eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht. Gegenstand des Unternehmens ist im Wesentlichen die „Entwicklung und Umsetzung von Konzepten (einschließlich Software) zum Vertrieb von Gütern oder Leistungen über das Internet oder andere neue Medien“ und alle damit zusammenhängenden Aktivitäten sowie Beteiligungen.[39] Die Aktie von SinnerSchrader wird seit 2003 im Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt.[40] Das Unternehmen hat den Wechsel in den General Standard beantragt.[41] Im November 2017 befanden sich 65,9 % der Anteile im Besitz von Accenture. 5,2 % entfielen auf die Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest, 2,2 % auf die Beteiligungsgesellschaft Sparta. Die restlichen Anteile (26,7 %) waren Streubesitz.[42]

Der Vorstand von SinnerSchrader besteht laut Satzung aus mindestens zwei Personen. Derzeit gehören Unternehmensgründer Matthias Schrader (Vorsitzender) und Thomas Dyckhoff als Finanzvorstand dem Gremium an. Der Aufsichtsrat setzt sich aus drei Personen zusammen: Frank Riemensperger hat den Vorsitz inne, Philip W. Seitz und Daniel Schwartmann sind einfache Mitglieder.[42]

Der Konsolidierungskreis von SinnerSchrader umfasste im Geschäftsjahr 2016/2017 sieben Gesellschaften. Als wichtigste Geschäftseinheit ist SinnerSchrader Deutschland für das Geschäft im Heimatmarkt zuständig. Es gibt eine weitere regionale Niederlassung in Tschechien. Die Tochtergesellschaften in Großbritannien und den Niederlanden besitzen keinen operativen Geschäftsbetrieb.[42]

SinnerSchrader Commerce ist spezialisiert auf den elektronischen Handel, SinnerSchrader Content auf inhaltsgetriebe Kommunikation und SinnerSchrader Swipe auf mobile Angebote wie Apps.[42] SinnerSchrader bildet mit seinen Tochtergesellschaften und Beteiligungen die sogenannte SinnerSchrader Group, die ihrerseits wiederum Teil von Accenture Interactive ist. Die Aktien des Unternehmens werden von Accenture Digital Holdings gehalten. Es besteht ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag.[43]

Konferenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Next Conference 2017 im Schmidts Tivoli

2006 rief SinnerSchrader anlässlich eines Firmenjubiläums die Next Conference ins Leben.[44] Die Veranstaltung beschäftigt sich mit den Auswirkungen von technologischen Neuerungen auf menschliches Verhalten und den daraus resultierenden Folgen für Unternehmen und Gesellschaft. Die Next Conference entwickelte sich zu einem wichtigen Branchentreffen der Internet-Industrie. Schwerpunkte liegen vor allem in den Bereichen künstliche Intelligenz, Produktdesign und Konsumentenverhalten.[9][10]

Ab dem Jahr 2010 fand die Next Conference in Berlin statt. 2015 kehrte sie nach Hamburg zurück.[45][46] SinnerSchrader richtet die Veranstaltung seither zusammen mit der Kommunikationsagentur Faktor 3 im Rahmen des Reeperbahn Festivals aus. Bekannte Referenten der vergangenen Jahre sind unter anderem Tim Ferriss,[47] Bruce Sterling,[48] David Weinberger und Stephen Wolfram.[49]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: SinnerSchrader – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschäftsbericht 2017/2018. (pdf) In: sinnerschrader.ag. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  2. Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 1. April 2018.
  3. Heiner Schmidt: Was die Kreativen in Hamburg leisten. In: Hamburger Abendblatt. 22. Dezember 2016, S. 6.
  4. Internetagentur-Ranking 2018. Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), abgerufen am 7. Mai 2018.
  5. a b Manfred Engeser: Ohne Socken an die Börse. In: Hamburger Abendblatt. 30. Dezember 1999, S. 20.
  6. a b What we do. Abgerufen am 22. April 2018 (englisch).
  7. Accenture kauft Internetfirma SinnerSchrader. In: Spiegel Online. 20. Februar 2017, abgerufen am 1. April 2018.
  8. Matthias Schrader. In: Hamburger Abendblatt. 22. März 2018, abgerufen am 22. April 2018.
  9. a b Holger Schellkopf: Das Werk des Transformators. In: Werben & Verkaufen. 4. September 2017, abgerufen am 7. Mai 2018.
  10. a b Ania Kozlowska: Destination Check: Next Conference 2017. In: Netzpiloten Magazin. 26. September 2017, abgerufen am 7. Mai 2018.
  11. Verkaufsprospekt. (PDF) SinnerSchrader, 29. Oktober 1999, abgerufen am 1. April 2018.
  12. Gisela Schütte: Hamburgs historische Fabrikhallen erleben eine Renaissance. In: Die Welt. 3. Dezember 1999, abgerufen am 1. April 2018.
  13. SinnerSchrader hilft beim Verkauf im Internet. In: Welt am Sonntag. 26. September 1999, S. 79.
  14. Melanie Wassink: Geldregen bei SinnerSchrader. In: Hamburger Abendblatt. 8. November 2004, abgerufen am 1. April 2018.
  15. Oliver Sinner steigt aus. In: Handelsblatt. 18. Juli 2002, abgerufen am 1. April 2018.
  16. SinnerSchrader muss Kurzarbeit anmelden. In: Financial Times Deutschland. 2. Juli 2002, S. 4.
  17. Christian Rickens: Abgang eines Gründers. In: Manager Magazin. 18. Juli 2002, abgerufen am 1. April 2018.
  18. Aktie von SinnerSchrader braucht mehr für ein Comeback. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Juli 2005, abgerufen am 1. April 2018.
  19. SinnerSchrader lugt über die Null-Linie. In: Börsen-Zeitung. 14. Juli 2005, S. 13.
  20. Hasnain Kazim: Als die große Blase platzte. In: Spiegel Online. 25. Oktober 2007, abgerufen am 1. April 2018.
  21. Thorsten Kramer: SinnerSchrader zweifelt DSW-Liste an. Kritik an Rangordnung der größten Wertvernichter. In: Financial Times Deutschland. 22. Februar 2005, S. 19.
  22. Die nächste Welle im E-Commerce. In: Börsen-Zeitung. 29. November 2006, S. 12.
  23. SinnerSchrader wächst dank guter Geschäfte im Onlinehandel. In: Hamburger Abendblatt. 10. November 2010, S. 26.
  24. Kathrin Fichtel: SinnerSchrader wächst durch Zukäufe. In: Hamburger Abendblatt. 6. November 2009, S. 28.
  25. Kathrin Fichtel: SinnerSchrader gründet Werbeagentur. In: Hamburger Abendblatt. 10. Februar 2011, S. 26.
  26. Red Dot Design Award für Haasenstein. SinnerSchrader, 29. Juni 2012, abgerufen am 7. Mai 2018.
  27. Virtueller Strippenzieher. In: Börse Online. 10. April 2014, S. 25.
  28. Internetagentur-Ranking 2016. Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), 2016, abgerufen am 7. Mai 2018.
  29. Marc Bartl: Martin Holtschneider ist Head of Analytics and Data Science bei der Digitalagentur SinnerSchrader. In: Kress. 27. Januar 2017, abgerufen am 22. April 2018.
  30. Anja Janotta: So arbeitet es sich bei … SinnerSchrader. In: Werben & Verkaufen. 27. März 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  31. SinnerSchrader: Accenture schnappt sich deutsche Digitalagentur. In: Handelsblatt. 20. Februar 2017, abgerufen am 1. April 2018.
  32. Marco Saal: Digitalagenturen: Accenture schluckt Sinner Schrader. In: Horizont. 20. Februar 2017, abgerufen am 1. April 2018.
  33. Volker Schütz: Ein nachvollziehbarer Schritt. In: Horizont. 20. Februar 2018, abgerufen am 1. April 2018.
  34. Accenture baut Internetagenturgeschäft aus. In: Börsen-Zeitung. 21. Februar 2017, S. 7.
  35. Catrin Bialek: Kultur der Internetgiganten. In: Handelsblatt 10. 10. April 2017.
  36. Harald Willenbrock: Der lange Abschied. In: Brand Eins. Nr. 10, 2017, S. 120–129.
  37. Accenture kauft Internetfirma SinnerSchrader. In: Spiegel Online. 20. Februar 2017, abgerufen am 22. April 2018.
  38. „Der Name Sinner-Schrader wird verschwinden“. In: Hamburger Abendblatt. 4. Mai 2017, S. 7.
  39. Satzung. (PDF) SinnerSchrader, 2. Februar 2017, abgerufen am 1. April 2018.
  40. Börse Frankfurt. Abgerufen am 1. April 2018.
  41. SinnerSchrader beschließt Antrag auf Wechsel vom Prime Standard in den General Standard. SinnerSchrader, 10. April 2018, abgerufen am 7. Mai 2018.
  42. a b c d Geschäftsbericht 2016/2017. (PDF) SinnerSchrader, S. 26, abgerufen am 1. April 2018.
  43. Company Acquisition Document Library. Accenture, abgerufen am 1. April 2018.
  44. Herbert Braun: Ich-Netze: Die deutsche Web-2.0-Szene debattiert über die Online-Zukunft. In: c’t Magazin. 29. Mai 2006, abgerufen am 1. April 2018.
  45. Jessica Becker: Next: Digitalkonferenz kehrt nach Hamburg zurück. In: Horizont. 4. Februar 2015, abgerufen am 1. April 2018.
  46. Frank Kemper: Next Conference zieht zurück nach Hamburg. In: Internet World Business. 4. Februar 2015, abgerufen am 1. April 2018.
  47. Tim Ferriss. In: Next Conference. Abgerufen am 7. Mai 2018 (englisch).
  48. Markus Böhm: Drei Tipps, um die Zukunft vorherzusagen. In: Spiegel Online. 11. November 2017, abgerufen am 7. Mai 2018.
  49. David Weinberger. In: Next Conference. Abgerufen am 7. Mai 2018 (englisch).

Koordinaten: 53° 33′ 25,6″ N, 9° 55′ 34,4″ O