Sino-amerikanische Beziehungen

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Sino-amerikanische Beziehungen
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Die sino-amerikanischen Beziehungen bezeichnen die politischen Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Diese Beziehungen bestehen auf einer Vielzahl von Ebenen, vorwiegend jedoch in einer politischen und einer wirtschaftlichen Dimension. Einen starken Einfluss auf die sino-amerikanischen Beziehungen ausübend ist der Status der USA als einzig verbleibende Supermacht der Welt nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion. Demgegenüber steht China als aufstrebende Großmacht, nachdem sich das vormals sozialistische Land seit den 1970er Jahren zunehmend dem Ausland geöffnet und weitreichenden wirtschaftlichen Reformen unterzogen hat. Auf diesem Kontrast aufbauend sind die Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten deutlich dualistisch geprägt: einerseits steht China im Wettbewerb mit den USA, andererseits braucht es die USA als Partner, wenn es auf internationaler Ebene an Status gewinnen will und den Zustand regionaler Stabilität, welcher eine Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas darstellt, nicht gefährden will.

Geschichtliche Grundlagen[Bearbeiten]

Anfänge bis zur Gründung der Republik China 1912[Bearbeiten]

Die Beziehung zwischen China und den USA ist im Vergleich zu Chinas Beziehungen mit ehemaligen europäischen Großmächten wie Frankreich, Großbritannien oder Russland sowie Japan weniger stark durch die Periode der 100 Jahre nationaler Demütigung geprägt, da die USA weniger stark zur Zeit von Chinas Schwäche im 19. Jahrhundert in China intervenierten und weniger Ungleiche Verträge erzwangen. Auch waren es die USA, welche maßgeblich zum Scheitern von Vorhaben der europäischen Mächte, China direkt unter sich aufzuteilen, mit ihrem Bestehen auf der Politik der offenen Tür (Open Door Policy) beitrugen. Ausgangspunkt für diese Politik der offenen Tür war der Wunsch der USA eines gleichberechtigten Zugangs zu China, seinen Märkten und seinen Ressourcen für alle Großmächte. Insbesondere John Hay, ein US-amerikanischer Staatssekretär, schickte im Jahr 1899 Briefe an alle Großmächte, in denen er sie darum bat, die territoriale und administrative Integrität Chinas anzuerkennen und eine unbeschränkte Verwendung für alle beteiligten Länder in den durch die Ungleichen Verträge bestimmten Häfen in den jeweiligen Einflusssphären der europäischen Kolonialmächte und Japans zu erlauben.

1920er Jahre bis 1949[Bearbeiten]

Chiang Kai-chek (links) zusammen mit Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill auf der Konferenz von Kairo 1943

Ab den 1920er Jahren entwickelten sich Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der 1912 ausgerufenen Republik China auf Basis der Gleichberechtigung. Ab den 1930er Jahren wurde die politische Situation in Ostasien zunehmend von der japanischen Expansion bestimmt, die vor allem auf Kosten Chinas ging. Nach dem von Japan inszenierten Mukden-Zwischenfall vom 18. September 1931 besetzten japanische Truppen ohne auf größeren Widerstand zu stoßen die zu China gehörende Mandschurei und etablierten dort den von Japan abhängigen Staat Mandschukuo. Nach weiteren, durch die aggressive Politik des japanischen Militärs provozierten Zwischenfällen kam es ab 1937 zum Japanisch-Chinesischen Krieg. Japan besetzte weite Teile Chinas, stieß jedoch auf unerwartet hartnäckigen Widerstand der nationalchinesischen Truppen unter der Kuomintang-Regierung von Chiang Kai-Chek. Die vollständige Unterwerfung Chinas gelang nicht. Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor 1941 traten die Vereinigten Staaten an der Seite Chinas in den Krieg ein, der 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Japans endete.

Nach dem Krieg gehörte China unter Chiang Kai-shek zu den Siegermächten und den Gründungsstaaten der Vereinten Nationen. Die Republik China erhielt einen der fünf ständigen Sitze im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (neben den USA, der Sowjetunion, dem Vereinigten Königreich und Frankreich). Im chinesischen Bürgerkrieg zwischen der Kuomintang-Regierung und den Milizen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), der nach dem Ende des Weltkrieges 1945 wieder aufflammte, waren überraschenderweise die Kommunisten siegreich und konnten das gesamte chinesische Festland erobern. 1949 wurde dort die Volksrepublik China mit dem Vorsitzenden der KPCh Mao Zedong als Staatsoberhaupt gegründet. Die nationalchinesische Kuomintang-Regierung konnte sich lediglich auf der Insel Taiwan behaupten und etablierte dort die Republik China auf Taiwan.

1949 bis 1972[Bearbeiten]

Die USA erkannten zunächst die Volksrepublik China nicht an und sahen weiterhin die jetzt auf Taiwan beschränkte Republik China als legitime Vertreterin ganz Chinas an. Nach dem endgültigen ideologischen Bruch zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China 1962 setzte ein allmähliches Umdenken in der amerikanischen Politik ein. Eine entscheidende Wende kam unter der Präsidentschaft Richard Nixons 1969–1974. 1972 besuchte Nixon als erster amerikanischer Präsident die Volksrepublik China im Rahmen der so genannten Ping-Pong-Diplomatie. Dem vorausgegangen war die im Jahr 1971 die Resolution 2758 der UN-Generalversammlung, in der die Volksrepublik China als alleinige legitime Vertreterin Chinas anerkannt wurde. Die Volksrepublik erhielt den bisherigen Sitz der Republik China auf Taiwan im Sicherheitsrat und letztere wurde aus den Vereinten Nationen ausgeschlossen. Die Resolution war gegen die Stimme der USA beschlossen worden.

Entwicklung seit 1972[Bearbeiten]

Ab 1978 begann unter Deng Xiaoping die Phase der Reform- und Öffnungspolitik in der Volksrepublik China, die de facto eine Abkehr vom bisherigen planwirtschaftlichen System hin zu kapitalistischen Wirtschaftsformen bedeutete. Damit intensivierten sich auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik. Eine politische Richtungsänderung in Richtung auf eine pluralistische Gesellschaftsform war damit nicht verbunden. Trotz einzelner Anzeichen der Liberalisierung in einigen Bereichen behielt die KPCH die politische Macht feste in ihrer Hand und verteidigte diese auch mit Waffengewalt gegen Demonstranten im eigenen Land wie sich Tian’anmen-Massaker am 3./4. Juni 1989 zeigte, das die US-amerikanisch-chinesischen Beziehungen vorübergehend erheblich belastete.

In der Republik China auf Taiwan ergab sich eine andere Entwicklung. Auch hier kam es ungefähr ab den 1970er Jahren zu einer starken wirtschaftlichen Entwicklung und das Land wurde zu den ostasiatischen sogenannten „Tigerstaaten“ gezählt. Parallel dazu kam es etwa ab den 1980er Jahren zu einer zunehmenden politischen Liberalisierung. Die Einparteienherrschaft der Kuomintang fand ein Ende und andere politische Parteien wurden zugelassen. Die autochthone Bevölkerung Taiwans bekam erstmals ein größeres politischen Mitspracherecht. Bei den Wahlen in Taiwan zeigte sich, dass nicht wenige Taiwaner ein geringes oder kein Interesse an einer Wiedervereinigung mit dem chinesischen Festland hatten. Dies provozierte die Volksrepublik China zu politischen und militärischen Drohgebärden gegenüber der Republik China auf Taiwan, was wiederum die Vereinigten Staaten auf Plan rief, die zwar seit 1979 keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu dieser unterhielten, aber die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft mit Sympathie beobachteten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Chenghong Li: Increasing Interdependence between China and the US and its Implications for Chinese Foreign Policy. In: New Dimensions of Chinese Foreign Policy, herausgegeben von Sujian Guo und Shiping Hua, Lexington Books, New York 2007, Seiten 203–232.
  • Liu Ji: Making the Right Choices in Twenty-first Century Sino-American Relations. In: Chinese Foreign Policy, Pragmatism and Strategic Behavior, herausgegeben von Suisheng Zhao, M. E. Sharpe, New York 2004, Seiten 243–255.
  • Evan S Medeiros: Strategic Hedging and the Future of Asia-Pacific Stability. In: China's International Relations in Asia, herausgegeben von Li Mingjiang, Routledge, London 2010, Band I, Seiten 62–81.
  • Ingar Solty: Die China-Politik der USA zwischen Einbindung und Eindämmung. In: Das Argument 296, 54. Jg., Nr. 1/2, Seiten 69–81.
  • Robert G. Sutter: Chinese Foreign Relations, Power and Policy since the Cold War. Rowman & Littlefield Publishers, Inc., New York 2008, Kapitel 6, Seiten 155–188.
  • Wang Jisi: China’s Search for Stability with America., In: Foreign Affairs, Vol. 84, Nr. 5, September/Oktober 2005, Seiten 39–48.