Sint Eustatius

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Sint Eustatius

Besondere Gemeinde der NiederlandeNiederlande Niederlande

Flagge von St. Eustatius
Wappen von St. Eustatius
Flagge Wappen
Amtssprache Niederländisch, Englisch, (Papiamentu)[1]
Hauptstadt Oranjestad
Staatsform Parlamentarische Monarchie
Regierungssystem Besondere Gemeinde der Niederlande
Staatsoberhaupt König Willem-Alexander
Regierungschef Gezaghebber Julian Woodley
Fläche 21 km²
Einwohnerzahl 3193 (Dezember 2015)[2]
Bevölkerungsdichte 152 Einwohner pro km²
Währung US-Dollar (USD)[3]
Gründung 10. Oktober 2010, durch Auflösung der Niederländischen Antillen
Zeitzone UTC−4
Kfz-Kennzeichen NL; Regionalcode E
ISO 3166 BQ-SE, NL-BQ3
Internet-TLD .an (bis 31. Juli 2015)[4], .bq (z.Zt. nicht genutzt)[5], .nl
Telefonvorwahl +599-3
Sint Eustatius in its region.svg
SSS Islands Map.png

Sint Eustatius (niederländisch, in deutsch veraltet St. Eustaz) ist eine der drei niederländischen BES-Inseln in der Karibik und hatte 2016 etwa 3200 Einwohner. Die Insel ist eine Besondere Gemeinde der Niederlande.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detailkarte von Sint Eustatius

Karte von 1915
Küstenlinie von Sint Eustatius

Im Südosten liegt die Insel St. Kitts, im Norden Saint-Barthélemy sowie St. Martin und im Nordwesten Saba.

Sint Eustatius gehört, wie auch Saba und St. Martin, zu den Inseln über dem Winde, genauer zu deren im Englischen Leeward Islands genannten Nordteil. Sie ist eine der sogenannten SSS-Inseln, hat eine Landfläche von 21 km² und ist damit nach Saba die zweitkleinste der fünf bewohnten Inseln der ehemaligen Niederländischen Antillen. Die Hauptstadt von Sint Eustatius ist Oranjestad (nicht zu verwechseln mit Oranjestad auf Aruba). f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google

Geozone Fläche
km²
Bevölkerung
2001[6]
Koordinaten
Oranjestad 513 17° 29′ 0″ N, 62° 59′ 0″ W
Golden Rock/Concordia 525
Jeems 118
Wilton Farm/Union 422
Mansion 071
Princess Garden 153
Chapel Piece 056
Cherry Tree 152
Bay Brown 110
Mountain 065
nicht zugeordnet 107
Sint Eustatius 21 2292 17° 29′ 7″ N, 62° 58′ 23″ W

Auf Sint Eustatius selbst befindet sich im Südosten mit dem etwa 600 m hohen The Quill ein schlafender Schichtvulkan, dessen Krater eine touristische Attraktion ist. Im Nordwesten liegt eine weniger hohe Hügelgruppe um den Boven Mountain. Der Großteil der Bevölkerung der Insel lebt in dem Tal zwischen den beiden Erhebungen.[7] Die südlich des Flughafens gelegene Hauptstadt Oranjestad zählte 2004 etwa 1100 Einwohner. Die zweite Ortschaft der Insel, Concordia, liegt nördlich von Oranjestad beim Flughafen. Auf einer touristischen Karte sind noch weitere Orte verzeichnet: Fort de Windt an der Südspitze der Insel und Golden Rock zwischen Oranjestad und Concordia.[8]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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  • Durchschnittliche Tageshöchsttemperatur: Januar 29 °C, Juli 32 °C
  • Durchschnittliche Tagestiefsttemperatur: Januar 22 °C, Juli 24 °C
  • Jahresniederschlag liegt bei etwa 500 mm
  • Die Insel liegt (laut CIA-World Factbook) im Hurricane-Gürtel. Hurricane-Zeit ist von Juli bis Oktober.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert, als die Insel ihren wirtschaftlichen Höhepunkt erreichte, lebten auf Sint Eustatius mehr als 8000 regelmäßig dort ansässige Einwohner;[9] zusammen mit den vorübergehend anwesenden Händlern und Schiffsbesatzungen dürften zeitweise bis zu 20.000 Menschen die Insel bevölkert haben.[10] Bei der im Jahr 2001 durchgeführten Volkszählung bewohnten 2292 Personen Sint Eustatius, das entsprach einer Bevölkerungsdichte von 109 Einwohnern/km². Ende 2007 zählte die Insel ungefähr 3300 Einwohner, am Jahresende 2013 waren es mehr als 4000, zwei Jahre später jedoch nur noch knapp 3200 Einwohner.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen von Sint Eustatius

Benannt wurde die Insel nach Eustachius, einem christlichen Heiligen. Vor allem von Einheimischen wird sie oft als „Statia“ bezeichnet.

Sint Eustatius wurde 1493 von Christoph Kolumbus entdeckt. 1636 kolonisierten zeeländische Kaufleute mit Genehmigung der Kammer der Provinz Zeeland der Niederländischen Westindien-Kompanie die Insel.[11] In der Folgezeit wechselte der Besitz der Insel 22 Mal zwischen den Niederlanden, Frankreich und England bzw. Großbritannien,[12] bevor die Niederlande 1816 endgültig die Hoheit über Sint Eustatius erlangten.[9]

Ab 1682 wurden von der inzwischen vom Handel sowie vom Zucker-, Tabak- und Baumwollanbau profitierenden Kolonie aus auch die angrenzenden Gebiete Saba und (ab 1703) Sint Maarten verwaltet.[9]

1739 wurde hier mit der Honin-Dalim-Synagoge eine der ersten jüdischen Gemeinden in Amerika begründet.[10]

Im 18. Jahrhundert gelangte die Insel zu Reichtum, indem sie über Handelsembargos hinweg an jeden Staat, der bereit war, dafür zu zahlen, unter anderem Waffen und Munition lieferte. Nutzen daraus konnten vor allem auch die Dreizehn Kolonien ziehen, die auf diese Weise Waffen für ihre Rebellion gegen Großbritannien bekommen konnten.

Diese guten Beziehungen zu den nach Selbstständigkeit strebenden Kolonien führten zu einem historisch nicht unbedeutenden Ereignis: Am 16. November 1776 beantworteten – auf Befehl des Gouverneurs Johannes de Graaff – die Kanonen von Fort Orange den Salut der Andrew Doria, die unter der rot und weiß gestreiften Flagge des Zweiten Kontinentalkongresses segelte. Damit wurde die Souveränität der Vereinigten Staaten zum ersten Mal von einer fremden Macht anerkannt (nachzulesen bei Barbara Tuchman: „Der erste Salut“ – The First Salute).[13]

Soviel diese Handelsbeziehung auch wirtschaftlichen Fortschritt brachte, sie war auch einer der Hauptgründe für den Vierten Englisch-Niederländischen Seekrieg, der von 1780 bis 1784 dauerte und eine Katastrophe für den niederländischen Handel war. Im Verlauf dieses Seekrieges übernahmen die Briten am 3. Februar 1781[14] Sint Eustatius vom niederländischen Kommandeur Johannes de Graaff, der sich angesichts der großen Übermacht britischer Truppen unter General John Vaughan und Admiral George Brydges Rodney kampflos ergab. Zehn Monate später eroberte Frankreich, Verbündeter der Niederlande, die Insel, die am Ende des Krieges (1784) wieder in niederländische Hand kam. Nach weiteren Besetzungen durch Frankreich und Großbritannien wurde Sint Eustatius 1816 endgültig niederländische Kolonie.

1954 wurde Sint Eustatius als eilandgebied („Inselgebiet“, eine Art Gemeinde) Teil des neu gegründeten autonomen Bundeslandes Niederländische Antillen.

Sint Eustatius hat sich in einem Referendum dafür entschieden, im Landesverband der Niederländischen Antillen zu bleiben, stand mit seinem Votum jedoch alleine, da alle anderen Inseln sich für Auflösung aussprachen. Seitdem befürworteten die Politiker direkte Beziehungen mit den Niederlanden. Am 11. Oktober 2006 einigten sich Sint Eustatius, Saba und Bonaire mit der niederländischen Regierung auf die Eingliederung der Inseln in die Niederlande als bijzondere gemeenten („Besondere Gemeinden“). Am 10. Oktober 2010 wurde der Landesverband Niederländische Antillen aufgelöst. Sint Eustatius gehört seit diesem Tag als Besondere Gemeinde zu den Niederlanden.

Währung ist seit 2011 der US-Dollar, welcher den Antillen-Gulden als gesetzliches Zahlungsmittel auf der Insel ablöste. Die alte Währung wurde in den drei Besonderen Gemeinden innerhalb eines Monats ungültig.[3]

Mit der Auflösung der Niederländischen Antillen wurde auch deren Polizeibehörde, das Korps Politie Nederlandse Antillen (KPNA) aufgelöst. Für die BES-Inseln trat an seine Stelle das Korps Politie Caribisch Nederland.

Nationalparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Sint Eustatius gibt es zwei Nationalparks.

Hauptartikel: Quill/Boven National Park

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruinen ehemaliger Speicher

Im 18. Jahrhundert war die Insel das wohl bedeutendste Handelszentrum der Niederlande in der Karibik. Zu dieser Zeit wurde sie aufgrund des immensen Wohlstandes auch als Golden Rock (goldener Felsen) bezeichnet. Die Straßen waren von zahlreichen Lagerhäusern gesäumt, die mittlerweile größtenteils verfallen sind.

Die Verlagerung des transatlantischen Handels nach Norden zu den unabhängig gewordenen Vereinigten Staaten, der Niedergang des Sklavenhandels und die französische Besetzung der Insel im Jahr 1795 beendeten die wirtschaftliche Blüte von Sint Eustatius.[10]

Nach Regierungsangaben steht die Wirtschaft der Insel gut da und hat für die nahe Zukunft ein starkes Wachstumspotenzial.[15]

Die Regierung ist der Hauptarbeitgeber in Sint Eustatius.[16] Sie richtet ihre Wachstumsstrategie auf den Tourismus, speziell Ökotourismus aus. Der wichtigste private Akteur der Wirtschaft ist die Firma „NuStar“, die auf der Insel ein großes Tanklager für den internationalen Ölhandel betreibt.[17]

Transport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen befindet sich am Fuß des Vulkans

Flugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: F.D. Roosevelt Airport

Seeverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen wurde 1993 eröffnet und besteht aus einem 80 Meter langen Wellenbrecher und einem 60 Meter langen Pier mit einer Verlademöglichkeit für Fähren. Er ist für Schiffe mit bis zu 600 Bruttoregistertonnen ausgelegt. Zurzeit ankern alle Kreuzfahrtschiffe vor der Küste und bringen ihre Passagiere mit Tenderbooten an Land. Für die Schiffe besteht die Möglichkeit, am örtlichen Ölterminal Treibstoff nachzutanken. Statia Terminals NV ist ein eigenständiger Ölhafen, der sich im Nordwesten der Insel befindet.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. John Roobol, Alan L. Smith: Volcanology of Saba and St. Eustatius, Northern Lesser Antilles. Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen, Amsterdam 2004, ISBN 90-6984-384-6 (englisch, online verfügbar auf www.spaw-palisting.org [PDF; 7,3 MB]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sint Eustatius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Sint Eustatius – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Invoeringswet openbare lichamen Bonaire, Sint Eustatius en Saba (Gesetz über die öffentliche Verwaltung Bonaire, Saint Eustatius und Saba). Hoofdstuk 2b. De taal in het bestuurlijk verkeer (Kapitel 2b. Die Sprache im administrativen Verkehr). In: Overheid.nl. Nederlandse Ministerie van Binnenlandse Zaken en Koninkrijksrelaties, abgerufen am 5. November 2017 (niederländisch).
  2. a b Caribisch Nederland; bevolkingsontwikkeling, geboorte, sterfte, migratie. In: CBS StatLine. Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS), 29. November 2016, abgerufen am 5. November 2017 (niederländisch).
  3. a b How does the conversion to the US dollar work? In: Frequently asked questions. De Nederlandsche Bank – Bonaire, Sint Eustatius, Saba, archiviert vom Original am 20. Juli 2011, abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  4. Internetextensie .AN per 31 juli definitief uit de lucht. In: Versgeperst.com. 7. Juli 2015, archiviert vom Original am 8. September 2015, abgerufen am 9. November 2017 (niederländisch).
  5. Country code top-level domain. Current ccTLDs. In: ICANNWiki. Abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  6. Francis Vierbergen (Hrsg.): Geo data 2001 Saba & Sint Eustatius – Socio-economic aspects placed in a spatial context. Central Bureau of Statistics, Willemstad Mai 2007, S. 34, Table 17: Population by sex and sex ratio, Sint Eustatius (englisch, online [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 5. November 2017]).
  7. Map View. Karte von Sint Eustatius. In: Sint Eustatius travel. Lonely Planet, abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  8. St. Eustatius – Statia Map. Touristische Karte von St. Eustatius. In: statiatourism.com. St. Eustatius Tourism Development Foundation, archiviert vom Original am 10. August 2014, abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  9. a b c Statia’s history. In: Mazinga on the Bay. Tony and Leontine Durby, abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  10. a b c The Golden Age – Historic period (AD 1492–20th century). In: History of St. Eustatius. St. Eustatius Center for Archaeological Research (SECAR), abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  11. Han Jordaan, Victor Wilson: The Eighteenth-Century Danish, Dutch, and Swedish Free Ports in the Northeastern Caribbean – Continuity and Change. In: Gert Oostindie, Jessica V. Roitman (Hrsg.): Dutch Atlantic Connections, 1680–1800: Linking Empires, Bridging Borders. Brill, Leiden / Boston 2014, ISBN 978-90-04-27132-6, S. 276, The Historical Background of St. Eustatius, St. Thomas and St. Barthélemy, doi:10.1163/9789004271319_013 (englisch).
  12. History of Sint Eustatius. In: Lonely Planet Travel Information. Abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  13. Barbara Tuchman: Der erste Salut. S. Fischer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-10-080006-0 (amerikanisches Englisch: The First Salute – A View of the American Revolution. New York 1988. Übersetzt von Malte Friedrich).
  14. Carl Renatus Hausen: Historisches Portefeuille. Zur Kenntnis der gegenwärtigen und vergangenen Zeit. Erster Jahrgang, neuntes Stück; Monat September 1782. Wien / Breslau / Leipzig / Berlin / Hamburg 1782, V. Admiral Rodneys große Dienste während des jetzigen Krieges, S. 1112 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  15. a b St. Eustatius Government – Economy. St. Eustatius Government, archiviert vom Original am 17. November 2015, abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  16. St. Eustatius. Economy. Rijksdienst Caribisch Nederland (RCN), abgerufen am 5. November 2017 (englisch).
  17. St. Eustatius. Specifications. NuStar Energy, L.P., abgerufen am 5. November 2017 (englisch).

Koordinaten: 17° 29′ 7″ N, 62° 58′ 23″ W