Sint Eustatius

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Sint Eustatius

Besondere Gemeinde der NiederlandeNiederlande Niederlande

Flagge von St. Eustatius
Wappen von St. Eustatius
Flagge Wappen
Amtssprache Niederländisch, Englisch[1]
Hauptstadt Oranjestad
Staatsform Parlamentarische Monarchie
Regierungssystem Besondere Gemeinde der Niederlande
Staatsoberhaupt König Willem-Alexander
Regierungschef Regierung besteht aus:
Inselrat (5 Mitglieder)
Gouverneur, Gerald Berkel
Fläche 21 km²
Einwohnerzahl 4.020 (2013)[2]
Bevölkerungsdichte 190 Einwohner pro km²
Währung US-Dollar (USD)[3]
Gründung 10. Oktober 2010, Auflösung der Niederländischen Antillen
Zeitzone UTC-4, Atlantic Time Zone
Kfz-Kennzeichen NL; Regionalcode R
ISO 3166 BQ-SE, NL-BQ3
Internet-TLD .nl
Telefonvorwahl +599-3
Sint Eustatius in its region.svg
SSS Islands Map.png

Sint Eustatius (niederländisch, in deutsch veraltet St. Eustaz) ist eine der drei niederländischen BES-Inseln in der Karibik und hatte 2013 etwa 4.000 Einwohner. Die Insel bildet eine „Besondere Gemeinde“ der Niederlande.

Geographie[Bearbeiten]

Lagekarte von Sint Eustatius
Detailkarte von Sint Eustatius
Küstenlinie von Sint Eustatius


Im Südosten liegt die Insel St. Kitts, im Norden Saint-Barthélemy sowie Sint Maarten und im Nordwesten Saba.

Sint Eustatius gehört, wie auch Saba und Sint Maarten, zu den Inseln über dem Winde, genauer zu dem im Englischen Leeward Islands genannten Nordteil. Sie hat eine Landfläche von 21 km² und ist damit nach Saba die zweitkleinste der fünf bewohnten Inseln der ehemaligen Niederländischen Antillen. Die Hauptstadt von Sint Eustatius ist Oranjestad (nicht zu verwechseln mit Oranjestad auf Aruba).

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Geozone Fläche
km²
Bevölkerung
2001[4]
Koordinaten
Oranjestad ... 525 17° 29′ 0″ N, 62° 59′ 0″ W17.483333333333-62.983333333333
Golden Rock/Concordia ... 525 ...
Jeems ... 118 ...
Wilton Farm/Union ... 422 ...
Mansion ... 71 ...
Princess Garden ... 153 ...
Chapel Piece ... 56 ...
Cherry Tree ... 152 ...
Bay Brown ... 110 ...
Mountain ... 47 ...
nicht zugeordnet ... 113 ...
Sint Eustatius 21 2292 17° 29′ 7″ N, 62° 58′ 23″ W17.485277777778-62.973055555556

Auf Sint Eustatius selbst befindet sich im Südosten mit dem ca. 600 m hohen The Quill ein schlafender Schichtvulkan, dessen Krater eine touristische Attraktion ist. Im Nordwesten liegt eine weniger hohe Hügelgruppe um den Boven Mountain. Der Großteil der Bevölkerung der Insel lebt in dem Tal zwischen den beiden Erhebungen (siehe Karte bei „Weblinks“). Die südlich des Flughafens gelegene Hauptstadt Oranjestad zählte 2004 etwa 1.100 Einwohner. Die zweite Ortschaft der Insel, Concordia, liegt nördlich von Oranjestad beim Flughafen. Auf einer touristischen Karte sind noch weitere Orte verzeichnet: Fort de Windt an der Südspitze der Insel und Golden Rock zwischen Oranjestad und Concordia.[5]

Klima[Bearbeiten]

  • Durchschnittliche Tageshöchsttemperatur: Januar 29 °C, Juli 32 °C
  • Durchschnittliche Tagestiefsttemperatur: Januar 22 °C, Juli 24 °C
  • Jahresniederschlag liegt bei etwa 500 mm
  • Die Insel liegt (laut CIA-World Factbook) im Hurricane-Gürtel. Hurricane-Zeit ist von Juli bis Oktober.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert, als die Insel ihren wirtschaftlichen Höhepunkt erreichte, lebten auf Sint Eustatius ungefähr 20.000 Einwohner. Bei einer im Jahr 2001 durchgeführten Volkszählung bewohnten 2.292 Personen Sint Eustatius, das entsprach einer Bevölkerungsdichte von 109 Einwohner/km². Ende 2007 zählte die Insel ungefähr 3.300 Einwohner, am Jahresende 2013 waren es mehr als 4.000.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Hafen von Sint Eustatius

Benannt wurde die Insel nach Eustachius, einem katholischen Heiligen. Vor allem von Einheimischen wird sie oft als „Statia“ bezeichnet.

Sint Eustatius wurde 1493 von Christoph Kolumbus entdeckt und innerhalb der nächsten 150 Jahre von verschiedenen Nationen in Anspruch genommen. 1638 kolonisierte die Abteilung der niederländischen Provinz Zeeland der Niederländischen Westindien-Kompanie die Insel. Von der inzwischen durch den Zuckeranbau profitierenden Kolonie wurden auch die angrenzenden Gebiete Saba und Sint Maarten verwaltet.

1739 wurde hier mit der Honin-Dalim-Synagoge eine der ersten jüdischen Gemeinden in Amerika begründet.

Im 18. Jahrhundert gelangte die Insel zu Reichtum, indem sie über Handelsembargos hinweg an jeden Staat, der bereit war dafür zu zahlen, vor allem Waffen und Munition lieferte. Nutzen daraus konnten vor allem auch die Dreizehn Kolonien ziehen, die auf diese Weise Waffen für ihre Rebellion gegen Großbritannien bekommen konnten.

Diese guten Beziehungen zu den nach Selbstständigkeit strebenden Kolonien führten zu einem historisch nicht unbedeutenden Ereignis: Am 16. November 1776 beantworteten – auf Befehl des Gouverneurs Johannes de Graeff – die Kanonen von Fort Orange den Salut der 'Andrew Doria', die unter der rot und weiß gestreiften Flagge des Amerikanischen Nationalkongresses segelte. Damit wurde die Souveränität der Vereinigten Staaten zum ersten Mal von einer fremden Macht anerkannt (nachzulesen bei Barbara Tuchman: „Der erste Salut“ – The First Salute).

Soviel diese Handelsbeziehung auch wirtschaftlichen Fortschritt brachte, sie war auch einer der Hauptgründe für den Vierten Englisch-Niederländischen Seekrieg, der von 1780 bis 1784 dauerte und eine Katastrophe für den niederländischen Handel war. Im Verlauf dieses Seekrieges übernahmen die Briten am 3. Februar 1781[6] Sint Eustatius vom niederländischen Kommandeur Johannes de Graeff, der sich angesichts der großen Übermacht britischer Truppen unter General John Vaughan und Admiral George Brydges Rodney kampflos ergab. Zehn Monate später eroberte Frankreich, Verbündeter der Niederlande, die Insel, die am Ende des Krieges (1784) wieder in niederländische Hand kam und seitdem in deren Besitz ist.

1954 wurde Sint Eustatius als eilandgebied („Inselgebiet“, eine Art Gemeinde) Teil des neu gegründeten autonomen Bundeslandes „Niederländische Antillen“.

Sint Eustatius hat sich in einem Referendum dafür entschieden, im Landesverband der Niederländischen Antillen zu bleiben, stand mit seiner Meinung jedoch alleine, da alle anderen Inseln sich für Auflösung aussprachen. Seitdem befürworteten die Politiker direkte Beziehungen mit den Niederlanden. Am 11. Oktober 2006 einigten sich Sint Eustatius, Saba und Bonaire mit der niederländischen Regierung auf die Eingliederung der Inseln in die Niederlande als bijzondere gemeenten („besondere Gemeinden“). Am 10. Oktober 2010 wurde der Landesverband Niederländische Antillen aufgelöst. Sint Eustatius gehört seit diesem Tag als besondere Gemeinde zu den Niederlanden.

Währung ist seit dem 1. Januar 2011 der US-Dollar, welcher den Niederländische-Antillen-Gulden als gesetzliches Zahlungsmittel auf der Insel ablöste. Die alte Währung wurde in den drei Besonderen Gemeinden innerhalb eines Monats ungültig.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ruinen ehemaliger Speicher

Im 18. Jahrhundert war die Insel das wohl bedeutendste Handelszentrum der Niederlande in der Karibik. Zu dieser Zeit wurde sie aufgrund des immensen Wohlstandes auch als Golden Rock (goldener Felsen) bezeichnet. Es befanden sich zahlreiche Lagerhäuser an den Straßen, die mittlerweile größtenteils verfallen sind.

Eine französische Besetzung der Insel 1795 war das Ende der Blütezeit von Sint Eustatius als wirtschaftliches Zentrum.

Nach Angaben der Regierung steht die Wirtschaft der Insel gut da und hat in naher Zukunft ein starkes Wachstumspotenzial.[7] Die Regierung ist der Hauptarbeitgeber in Sint Eustatius. Sie richtet ihre Wachstumsstrategie auf den Tourismus, speziell Ökotourismus aus. Der wichtigste private Akteur der Wirtschaft ist die Firma „NuStar“, die auf der Insel ein großes Tanklager für den internationalen Ölhandel betreibt.[8][9]

Transport[Bearbeiten]

Der Flughafen befindet sich am Fuß des Vulkans

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der Franklin Delano Roosevelt Airport ist der nationale Flughafen der Insel. Er verfügt über eine Startbahn von 1.300 Metern Länge. Er kann von kleinen Passagierflugzeugen der Typen Fokker 50, ATR 42, Dash 8 und Frachtflugzeugen der Typen Lockheed C-130, Boeing 727 und DC 3 angeflogen werden. Seit 1996 verfügt der Flughafen über solarbetriebene Landelichter.[7]

Seeverkehr[Bearbeiten]

Der Hafen wurde 1993 eröffnet und besteht aus einem 80 Meter langen Wellenbrecher und einem 60 Meter langen Pier mit einer Verlademöglichkeit für Fähren. Er ist für Schiffe mit bis zu 600 Bruttoregistertonnen ausgelegt. Zurzeit ankern alle Kreuzfahrtschiffe vor der Küste und bringen ihre Passagiere mit Tenderbooten an Land. Für Schiffe besteht jedoch die Möglichkeit, im Hafen Öl nachzutanken. Statia Terminals NV ist ein eigenständiger Ölhafen, der sich im Nordwesten der Insel befindet.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Englisch kann mit der Regierung genutzt werden, abgerufen März 2015
  2. a b Statistisches Amt der Niederlande, abgerufen am 25. April 2015
  3. a b Auskünfte zur Währungsumstellung, De Nederlandsche Bank (englisch), abgerufen am 8. Juni 2015
  4. Central Bureau of Statistics Curaçao: Population and Housing Census 2001, Population by island and sex (abgerufen am 13. März 2015 10:35)
  5. Touristische Karte von St. Eustatius
  6. Carl Renatus Hausen: Historisches Portefeuille, Wien 1782, S. 1112, abgefragt am 2. Februar 2012
  7. a b c Wirtschaft und Infrastruktur auf Sint Eustatius, Regierungsinformation (englisch), abgerufen am 8. Juni 2015
  8. Kurzinformation zu Land und Wirtschaft (englisch), abgerufen am 8. Juni 2015
  9. NuStar: Description of Largest Terminal Facilities, wikinvest.com (englisch), abgerufen am 25. März 2015

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sint Eustatius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Sint Eustatius – Reiseführer

17.485277777778-62.973055555556Koordinaten: 17° 29′ 7″ N, 62° 58′ 23″ W