Sirhan Sirhan

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Sirhan Bishara Sirhan (arabisch سرحان بشارة سرحان, DMG Sirḥān Bišāra Sirḥān; * 19. März 1944 in Jerusalem) ist der verurteilte Mörder des US-Senators Robert F. Kennedy (Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy).

Sirhan, Sohn palästinensischer Eltern christlichen Glaubens, gehörte bereits als Jugendlicher den verschiedensten religiösen Glaubensrichtungen beziehungsweise -bekenntnissen an, unter anderem auch dem Baptismus. Auch sind seine weitere Vorgeschichte und sein Motiv zur Tat bis heute weitgehend unklar, was Verschwörungstheorien nährt.

Das Attentat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Wahlkampfveranstaltung im Ambassador Hotel in Los Angeles in der Nacht vom 4. Juni zum 5. Juni 1968, bei der Robert F. Kennedy einen Vorwahlsieg für die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei errang, verließ Kennedy nach einer Abschlussrede das Gebäude durch die Küchenräume des Hotels. Hier wartete nach der Darstellung des Gerichts Sirhan B. Sirhan mit einem .22-kalibrigen achtschüssigen Revolver. Aus etwa zwei Metern Abstand feuerte Sirhan auf Kennedy und dessen Begleiter. Drei Kugeln trafen Robert Kennedy und streckten ihn sofort zu Boden; ein weiteres Geschoss streifte ihn und verwundete den Wahlkampfhelfer Paul Schrade. Die restliche Munition feuerte Sirhan auf weitere Mitarbeiter Kennedys. Robert Kennedy erlag 26 Stunden nach dem Attentat im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Sirhans Darstellung der Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sirhan selbst leugnete, die Tat begangen zu haben, da er sich angeblich an nichts erinnern konnte. Er sagte vor Gericht aus, dass er erst wenige Minuten nach dem Attentat, bei seiner Festnahme, wieder zu Bewusstsein gekommen sei. In einer Begnadigungsanhörung 2011 legten seine Anwälte in seinem Namen die These vor, dass er unter Hypnose gestanden habe, so dass sein Verstand und die Hemmschwelle, einen Mordanschlag zu begehen sowie jegliches Erinnerungsvermögen komplett "gelöscht" worden seien. Sirhan gab dazu an, dass er unter dem Einfluss einer jungen Frau stand, die ihn in die Küche lockte. Sein Anwalt führte mit ihm Befragungen unter Hypnose durch und darin gab er an, dass eine geheimnisvolle Frau ihn berührt habe, bevor er schoss und dann glauben machte er sei auf einem Schießstand. Verschiedene Augenzeugen berichteten von einer jungen Frau, die unter Rufen „We shot Kennedy“ (dt. „Wir haben Kennedy erschossen“) aus dem Hotel gelaufen sei, doch ihre Beschreibung war widersprüchlich und sie konnte nie gefunden werden. Unter Hypnose gab Sirhan auch an, dass er gesehen habe, dass eine zweite Waffe abgefeuert wurde, eine Aussage, die er ohne Hypnose jedoch nicht bestätigen konnte, da er sich nicht erinnern könne, wie er sagte.[1][2]

Sirhan gab 2016 in seiner 15. Begnadigungsanhörung an, dass er sich an das ihm zur Last gelegte Verbrechen nicht erinnern könne. Er könne sich daran erinnern, dass er im Hotel gewesen sei und dass er zu seinem Wagen gegangen sei und dass er zurückkehrte als er feststellte, dass er zu viel Alkohol getrunken habe. Er gab weiter an, er könne sich erinnern, dass er mit einer Frau, die seine Aufmerksamkeit erregt hatte, Kaffee in einer Hotelküche getrunken habe. Seine Verurteilung führte er auf seinen schlechten Anwalt zurück, der ihn habe glauben lassen, dass er schuldig sei. Er sagte, dass er keine Reue an dem Verbrechen eingestehen könne, da er es nicht begangen habe.[3]

Indizien und Verschwörungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute kursieren mehrere Verschwörungstheorien um das Attentat an Robert Kennedy in den Medien. Sie betreffen sowohl die Motive der Tat als auch die unmittelbaren Tatumstände. Letztere werden vor allem durch die vom damals untersuchenden amtlichen Leichenbeschauer im LA County, Dr. Thomas Noguchi, bestätigte Tatsache genährt, dass Kennedy nur Schusswunden auf der Rückseite seines Körpers aufwies.[4] Sirhan wurde jedoch nach Aussage aller Zeugen direkt vor Kennedy schießend gesehen. Dies ließ schon von Anfang an Vermutungen über einen zweiten, von hinten feuernden Schützen entstehen. Der kurzfristig zum Schutz Kennedys angeheuerte Wachmann Thane Eugene Cesar, ein Gegner der Kennedys, dessen Waffe nach dem Attentat nicht sichergestellt und untersucht wurde, wird dabei als möglicher Täter verdächtigt, weil er hinter Kennedy stand, als Sirhan – vielleicht ohne zu treffen – schoss.[5]

In Sirhans Hotelzimmer wurde ein Tagebuch gefunden, in dem der Satz „RFK must die“ in ungewöhnlich repetitiver Weise wieder und wieder notiert war – womöglich im Zusammenhang damit, dass Kennedy sich wenige Tage zuvor außenpolitisch auf die Seite Israels gestellt hatte. Sirhan wurde in seinem Prozess zunächst als „geistesgestörter, religiöser Fanatiker“ skizziert. Andere Spekulationen besagen, Sirhan sei von der Mafia als Auftragskiller engagiert worden, da Robert Kennedy als Justizminister unbequem für die Unterwelt geworden war.

Einige Fakten lassen auch den Verdacht auf Vertuschungsversuche seitens der Polizeibehörde von Los Angeles zu. Verschwörungstheoretiker betrachten Sirhan als Bauernopfer, da in einer Untersuchungskommission Mitte der 1970er Jahre anhand ballistischer Untersuchungen unterschiedliche Projektile auftauchten und so auf eine zweite Schusswaffe – also einen zweiten Täter und damit eine Verschwörung – schließen lassen.

Basierend auf dem Verdacht, dass Sirhan unter dem Einfluss von Hypnose gestanden habe, stellte Derren Brown die Möglichkeit, einen Menschen mittels Hypnose zu einem Attentat zu bringen, in einer Fernsehsendung auf Channel 4 nach.[6]

Urteil und Revisionsbemühungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sirhan B. Sirhan wurde am 23. April 1969 zum Tod in der Gaskammer verurteilt. Eine Änderung der Gesetzgebung bewog das oberste Gericht Kaliforniens jedoch zu einer Umwandlung des Urteils in eine lebenslange Freiheitsstrafe. Sirhan ist, nach Jahrzehnten im Hochsicherheitstrakt der Strafvollzugsanstalt Corcoran, seit November 2009 im Pleasant Valley State Prison in Coalinga (Kalifornien) inhaftiert.[7] Er versucht seit vielen Jahren, unterstützt unter anderem durch den bei dem Attentat selbst verletzten Wahlhelfer Kennedys, Paul Schrade, einen neuen Prozess zu erwirken, der seine Unschuld feststellen soll.[8]

Im Februar 2016 wurde Sirhans 15. Begnadigungsgesuch abgelehnt. Nach weiteren fünf Jahren kann er erneut einen Entlassungsantrag stellen.[3]

Ende April 2012 meldete sich die Kanadierin Nina Rhodes-Hughes (geb. Roman), eine ehemalige TV-Schauspielerin und zeitweilige Aktivistin im Kennedy-Wahlkampfteam von 1968, in einem CNN-Interview[9] zu Wort und gab an, neben einem zweiten Schützen hinter Kennedy am Tatort in der Kaltküche des Ambassador-Hotels gestanden und damals dem FBI sogleich Aussagen darüber gemacht zu haben. Sie habe deutlich mehr Schüsse wahrgenommen als jene acht, für die Sirhans Waffe technisch ausgelegt war.[10] Ihre Aussagen seien aber in den offiziellen FBI-Berichten verfälscht worden.

Mittlerweile ist ebenfalls ein am Tatort von dem früheren polnischen Journalisten Stanislaw Pruszynski aufgenommenes Tondokument gefunden[11] und u.a. durch CNN veröffentlicht worden, das nach sorgfältiger technischer Analyse der These der Sirhan-Anwälte von mehr als acht Schüssen und damit einem zweiten Schützen Nahrung gibt.[12]

Weitere Informationen siehe auch unter Robert F. Kennedy.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Klaber, Philip H. Melanson: Shadow Play: The Murder of Robert F. Kennedy, the Trial of Sirhan Sirhan, and the Failure of American Justice, St. Martin's, New York NY 1997, ISBN 0-312-15398-8, (englisch).
  • Shane O'Sullivan: Who killed Bobby? The unsolved Murder of Robert F. Kennedy, Union Square Press, New York NY 2008, ISBN 978-1-4027-5444-9, (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Under hypnosis, RFK assassin says girl manipulated him​. In: New Haven Register, 29. April 2011 (englisch).
  2. Michael Martinez: Convicted RFK assassin Sirhan Sirhan seeks prison release. CNN International, 27. November 2011, abgerufen am 28. Januar 2012 (englisch).
  3. a b Robert F Kennedy's killer loses 15th parole bid as witness says: 'It's my fault' in: The Guardian, 11. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016
  4. Vgl. Shane O'Sullivan: Who Killed Bobby?, Union Square Press 2008, S. 57 u. S. 68 (Abb.)
  5. Die debattierte mögliche Täterschaft Cesars wird neuerdings (2012) von Sirhans Anwalt William Francis Pepper ausgeschlossen, vgl. „Sirhan's lawyers rule out Robert F. Kennedy's guard“ In: United Press International, 5. März 2012 (englisch).
  6. Derren Brown: The Experiments. In: Channel 4. Abgerufen am 28. Januar 2012 (englisch).
  7. Michael Rothfeld: Sirhan Sirhan moved to Coalinga prison. In: Los Angeles Times, 2. November 2009 (englisch).
  8. Michael Martinez, Brad Johnson: Attorneys for RFK convicted killer Sirhan push 'second gunman' argument. In: CNN International, 13. März 2012 (englisch).
  9. Michael Martinez, Brad Johnson: RFK assassination witness tells CNN: There was a second shooter. In: CNN International, 30. April 2012 (englisch).
  10. Vancouver woman who witnessed Robert Kennedy's assassination cites second gunman, complete FBI coverup. In: The Province, 30. April 2012 (englisch).
  11. Robert Kennedy: 40 Years Later. In: canada.com, 4. Juni 2008 (englisch).
  12. Michael Martinez, Brad Johnson: RFK assassination witness tells CNN: There was a second shooter. CNN International, 30. April 2012 (eingebundener Film 2009: New evidence: Pruszynski recording, englisch).