Sitzendorf an der Schmida

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Sitzendorf an der Schmida
Wappen Österreichkarte
Wappen von Sitzendorf an der Schmida
Sitzendorf an der Schmida (Österreich)
Sitzendorf an der Schmida
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Hollabrunn
Kfz-Kennzeichen: HL
Fläche: 61,83 km²
Koordinaten: 48° 36′ N, 15° 56′ OKoordinaten: 48° 35′ 59″ N, 15° 56′ 24″ O
Höhe: 244 m ü. A.
Einwohner: 2.155 (1. Jän. 2017)
Postleitzahl: 3714
Vorwahl: 02959
Gemeindekennziffer: 3 10 43
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 20
3714 Sitzendorf an der Schmida
Website: www.sitzendorf.at
Politik
Bürgermeister: Martin Reiter (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(21 Mitglieder)
17
4
17 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida im Bezirk Hollabrunn
Alberndorf im Pulkautal Göllersdorf Grabern Guntersdorf Hadres Hardegg Haugsdorf Heldenberg Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg Hollabrunn Mailberg Maissau Nappersdorf-Kammersdorf Pernersdorf Pulkau Ravelsbach Retz Retzbach Schrattenthal Seefeld-Kadolz Sitzendorf an der Schmida Wullersdorf Zellerndorf Ziersdorf NiederösterreichLage der Gemeinde Sitzendorf an der Schmida im Bezirk Hollabrunn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Hauptplatz, Ansicht von Norden
Hauptplatz, Ansicht von Norden
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Sitzendorf an der Schmida ist eine Marktgemeinde mit 2155 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im westlichen Weinviertel in Niederösterreich.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzendorf liegt an der Schmida. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 61,83 Quadratkilometer, 6,6 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Katastralgemeinde Sitzendorf ist der Hauptort der gleichnamigen Großgemeinde und auch der größte Ort.

Die neun Ortschaften mit Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2015[1]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eggenburg Zellerndorf Guntersdorf
Maissau Nachbargemeinden Grabern
Ravelsbach Ziersdorf Hollabrunn

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan des Hauptplatzes von Sitzendorf

Über die Zeit bis zum Jahre 1794 gibt es in der Gemeinde selbst keine Dokumente, weil bei einem Großbrand am 20. März 1790 alle Unterlagen der Pfarre und der Gemeinde vernichtet wurden.[2] Die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt kann daher nur aus Unterlagen rekonstruiert werden, die außerhalb der Gemeinde aufbewahrt werden. Das älteste vorhandene Protokoll im Gemeindearchiv ist mit 11. November 1793 datiert. Seither existieren Protokolle und Dokumente lückenlos und wurden im Beitrag zur Ortsgeschichte von Leo Maria Trapp, in der Ortsgeschichte von Ferdinand Mayer und zuletzt im Heimatbuch von Peter Aichinger-Rosenberger aufgearbeitet.

In dem von den deutschen Herrschern gemeinsam mit den österreichischen Markgrafen im 11. Jahrhundert gegen die Mährer und Ungarn eroberten niederösterreichischen Landesviertel wurden Schenkungen an verschiedene Grafengeschlechter gemacht. Darunter waren auch die aus dem bayrischen Chiemgau stammenden Sieghardinger, die vor allem den Raum von Sitzendorf, Frauendorf und Pillichsdorf wirtschaftlich erschlossen.

Etwa um 1020 wurde von Graf Sieghard V. vom Chiemgau (auch Sicco oder Sizzo genannt) der Ort Sitzendorf als Angerdorf oder Kirchweiler gegründet. Von diesem Sicco oder Sizzo leitet sich auch der Name des Ortes, zuerst Sicindorf, dann Sizendorff und schließlich Sitzendorf ab. Von den weit gespannten Besitz- und Herrschaftsrechten der Sieghardinger zeugen auch Ortsnamen wie Siezenheim (bei Salzburg), Sitzenhart (Katastralgemeinde von Sitzendorf), Sitzenberg oder Sieghartskirchen.

Die erste urkundliche Nennung Sitzendorfs als Ort und auch als Pfarre stammt aus dem Jahre 1141, als am 24. September Bischof Reginbert von Passau die Pfarrkirche Groß in der heutigen Stadtgemeinde Hollabrunn weihte und ihr den Zehent zu Großnondorf der Gemeinde Guntersdorf verlieh, das zur Pfarre von Sitzendorf gehörte.

1241 gelangte das Patronat und die Vogtei der Kirche von Sitzendorf durch Pfalzgraf Rapoto III. von Bayern, aus dem Hause der Grafen von Ortenberg, an das bayerische Kloster Baumburg und war seither Zentrum der klösterlichen Besitzungen in der Gegend.[3][4] Die Tatsache, dass in Sitzendorf – etwa im Wappen der Gemeinde – immer wieder der „Passauer Wolf“ zu finden ist, hat hier wohl ihren Ursprung.

Nun begann eine sehr bewegte Geschichte, und viele bekannte Geschlechter wechselten als Besitzer der grundherrschaftlichen Rechte.

Schon früh traten als Lehnsherren die im benachbarten Waldviertel ansässigen, ursprünglich hochfreien Kuenringer auf. In die Zeit ihrer Herrschaft fällt der Bau einer Wasserburg sowie die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte Anlage des rechteckigen Hauptplatzes von Sitzendorf.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 2.208 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 2.170 Einwohner, 1981 2.380 und im Jahr 1971 2.738 Einwohner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 69, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 233. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 935. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 44 Prozent.

Die Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida ist Mitglied des Landschaftsparks Schmidatal.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabplatte des Hanns von Wulfestorff in der Pfarrkirche von Sitzendorf
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sitzendorf an der Schmida
  • Die im Kern spätgotische Pfarrkirche hl. Martin mit weitem dreischiffigem dreichorigem Kirchenbau hat bemerkenswerte Netzrippengewölbe. In der Pfarrkirche befindet sich die Grabplatte des Hanns von Wulfestorff aus dem Jahre 1504.
  • Historischer Hauptplatz und drei unter Denkmalschutz stehende Gebäude:
    • Hauptplatz 13: ehemaliges Kranken- und Waisenhaus aus 1520 mit mächtigem gotischen Erker
    • Hauptplatz 10: Jugendstil-Villa mit Eckturm aus 1912 mit Dekor in Formen der Wiener Werkstätte
    • Am Patergraben 2: ehemaliger protestantischer Pfarrhof, 16. Jhdt.
  • Keltenausstellung: im Gemeindeamt von Sitzendorf befindet sich ein Schauraum zu den Ausgrabungen der Keltensiedlung am Sandberg (Dauerausstellung). Besichtigung vormittags während der Öffnungszeiten des Gemeindeamtes
  • Archäologische Ausgrabungen auf dem Sandberg nordöstlich von Roseldorf (größte bekannte Keltensiedlung)
  • Kreisgrabenanlagen in Pranhartsberg
  • Biotop in Pranhartsberg mit Lehrpfad „Orchideen
  • Kellergassen in allen Katastralgemeinden
  • Naturschutzgebiet Mühlberg nördlich von Goggendorf, u. a. Vorkommen von Boden-Tragant, Adria-Riemenzunge und Ruthenischer Kugeldistel.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Beziehung zur Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ritter Hanns von Wulfestorff (* 1504 in Sitzendorf), war um 1500 Lehnsherr in Sitzendorf, Feldhauptmann unter Kaiser Friedrich III.
  • Pater Arnold Janssen (1837–1909), deutscher Missionar, Gründer der Steyler Missionare, wurde 2003 heiliggesprochen, erhielt Ende des 19. Jhdts. von der Gemeinde das Heimatrecht
  • Martin Wölfl, später Rektor der Wiener Universität, war von 1482 bis 1492 Pfarrer in Sitzendorf
  • Hiltigund Schreiber (* 1939), Kunsthistorikerin
  • Gerhard Schreiber (1939–2010), Hofrat, Forscher und Sammler von Volkskunst, insbesondere für Krippen und Krippendarstellungen
  • Artur Rosenauer (* 1940 in Sitzendorf), österreichischer Kunsthistoriker
  • Milan Ráček (* 1943 in Zlín), Schriftsteller
  • Irena Ráček (* 1948 in Stupné), Malerin

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Autherieth, † Geistlicher Rat
  • Josef Blöch, † Bürgermeister
  • Emmerich Czermak (1885–1965), Minister
  • Bonaventura Diem, † Altbürgermeister
  • Dolezalek Josef, † Dechant
  • Engelbert Dollfuß (1892–1934), Bundeskanzler
  • Walter Edhofer, † Hofrat
  • Johann Eichinger, † Präs. Bundeswirtschaftsrat
  • Ferdinand Fiala, † Pfarrer und Dechant
  • Anton Fiedler, † Vizebürgermeister
  • Alois Fischer, † Landtagspräsident
  • Freiherr Pachner von Eggentorf, † k.k. Bezirkshauptmann
  • Freiherr von Hohenbruck, † k.k. Bezirkshauptmann
  • Jakob Fried, † Spiritualprovisor
  • Eduard Hartmann (1904–1966), Landeshauptmann
  • Richard Held, † k.k. Statthaltereirat
  • Leopold Hummer, Bürgermeister (1995–2014)
  • Johann Kähsmayer, † Oberschulrat
  • Josef Kühschelm (1855–1908), Landtagsabgeordneter, Dechant
  • Leopold Kurz, † OSR, VS Dir.
  • Johann Laba, † Herrschaftl. Verwalter
  • Gottfried Marschall (1840–1911), Weihbischof
  • Andreas Maurer (1919–2010), Landeshauptmann
  • Ferdinand Mayer, † Bürgermeister
  • Josef Mum, † Bürgermeister
  • Philipp Perko, † Gemeindearzt
  • Erwin Plevan (1925–2005), Architekt
  • Walter Rathpoller, Pfarrer
  • Josef Reither (1880–1950), Landeshauptmann
  • Johann Rieder, † Pfarrer (40 J. Priester)
  • Josef Schöffl, † NÖ Landesausschuss
  • Erwin Schönborn-Buchheim, †
  • Anton Schöpfleuthner, † Kanonikus
  • Carl Semsch, † Landesregierungsrat
  • Johann Waltner (1900–1987), Landesrat
  • Michael Wittmann, † Dechant
  • Johann Wöber, † Gemeinderat
  • Werner Withalm, Bürgermeister (1980–1995)
  • Eduard Zankl, † Oberlehrer[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Bearbeitet von Evelyn Benesch, Bernd Euler-Rolle u. a. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1093ff.
  • Markt Sitzendorf - Ein Beitrag zur Ortsgeschichte von Leo Maria Trapp, Kooperator. Mit kirchl. Druckgenehmigung Eggenburger Buchdruckerei, 1919
  • Handschriftliche Ortschronik von Ferdinand Mayer (Bürgermeister) im Archiv des Gemeindeamtes.
    • Band 1 aus dem Jahre 1964: Rückblick bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
    • Band 2 aus dem Jahre 1964: 1923 bis 1963
    • Band 3 aus dem Jahre 1980: 1964 bis 1980
  • Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida „Daheim in Sitzendorf“, ISBN 3-200-00577-7 herausgegeben von Mag. Peter Aichinger-Rosenberger 2006 im Auftrag der Marktgemeinde.
  • Baumburg an der Alz herausgegeben von Walter Brugger, Anton Landersdorfer und Christian Soika im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7954-1710-9

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  2. Mayer Ortsgeschichte Band 1
  3. Baumburg an der Alz, S. 28f
  4. Heimatbuch „Daheim in Sitzendorf“, S. 32
  5. Heimatbuch „Daheim in Sitzendorf“.
  6. Sitzendorf an der Schmida: Ehrenbürger und Ehrenringträger. Abgerufen am 9. April 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sitzendorf an der Schmida – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien