Sitzenkirch

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Sitzenkirch
Stadt Kandern
Wappen von Sitzenkirch
Koordinaten: 47° 44′ 5″ N, 7° 40′ 20″ O
Höhe: 415 m
Fläche: 3,84 km²
Einwohner: 259 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 79400
Vorwahl: 07626

Sitzenkirch ist ein Stadtteil der Stadt Kandern im südlichen Schwarzwald in Baden-Württemberg. Gelegen an den südlichen Ausläufern des Blauen (auch Hochblauen), bietet der Ort viele Möglichkeiten für Wanderungen. Er hat einen dörflichen Charakter und ist umgeben von Wiesen und Wäldern.

Geographie und Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzenkirch gesehen von der Ruine Sausenburg

Sitzenkirch besitzt drei Zufahrtsstraßen, welche in südliche, östliche und nördliche Richtung führen. Die Hauptachse führt in Nord-Süd-Richtung über die Landesstraße 132 (Breitestraße) von Kandern nach Badenweiler über Sehringen.

Von Kandern steigt die 3,7 Kilometer lange Straße über 123 Höhenmeter an und führt auf den 474 m[1] hohen Pass St.-Johannis-Breite, was einer durchschnittlichen Gradiente von 3,3 % entspricht. Der kleine Pass verbindet das Eggenertal mit dem Lippisbachtal. Auf der Passhöhe befinden sich der Breitenhof, westlich davon ist ein Wanderparkplatz. Am Pass verläuft ebenfalls die Grenze zwischen Kandern und der Verwaltungsgemeinschaft Schliengen. Die Nordwestrampe zweigt einen knappen Kilometer nördlich der Passhöhe von der L 132 nach Westen in Richtung Obereggenen ab. Die insgesamt 2,7 Kilometer lange Strecke überbrücke 128 Höhenmeter und entspricht einer durchschnittlichen Gradiente von 4,7 %.

In der Ortsmitte Sitzenkirchs zweigt von der L 132 eine weitere Passstraße (K 6313) nordöstlich in Richtung Käsacker ab und führt weiter nach Vogelbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung als „Sitzenkirken“[2] erfolgt 1120 in Zusammenhang mit der Gründung eines benediktinischen Frauenklosters, das auf dem Boden einer Schenkung an das Kloster St. Blasien entstand. Die geistliche Betreuung erfolgte durch den Propst von Bürgeln.

Kloster Sitzenkirch und Dorf Sitzenkirch wurden 1272 Opfer einer Fehde zwischen Rudolf I. von Habsburg und dem Bischof von Basel, Heinrich III. von Neuenburg-Erguel. Ein Brand zerstörte das Kloster bis auf die Grundmauern, auch Teile des Ortes waren betroffen. Die jetzige Kirche im romanischen Stil entstand 1290 und wurde dem Heiligen Hilarius geweiht.

Die Markgrafen Hachberg-Sausenberg, Rudolf III. und Otto, stifteten der Kirche 1366 den Altar zum Heiligen Kreuz.[3] Markgraf Otto wurde 1384 in der Kirche zu Sitzenkirch beigesetzt. An ihn und seine ebenfalls in der Kirche beigesetzten Verwandten, Markgraf Heinrich († 1318) und Markgraf Hugo († 1448) erinnern mit Wappen geschmückte Grabplatten.

Das Kloster wurde 1492 wurde als selbstständige Propstei in das Kloster St. Blasien eingegliedert. Im Bauernkrieg wurde am 3. Mai 1525[4] das ganze Dorf und das Kloster verwüstet, nur die Kirche blieb verschont. Die Nonnen flüchteten nach Basel und kehrten nicht mehr zurück.

Im Jahr 1597 findet sich die erste urkundliche Erwähnung der Mühle. Die Mühle ging 1611 in den Besitz der Familie Kammüller über. Der Bau der Mühle, wie sie heute noch erhalten ist und besichtigt werden kann, fand 1755 statt.

In der Schlacht bei Schliengen am 24. Oktober 1796 fanden in und um Sitzenkirch heftige Kämpfe zwischen den österreichischen Truppen unter General Nauendorf und den französischen Verbänden unter General Ferino statt, wobei die Österreicher letztlich den Ort einnahmen.

1822 kaufte Karl Köllner auf dem ehemaligen Klosterareal ein Haus und eine Landwirtschaft, nachdem sich der ursprünglich beabsichtigte Kauf von Schloss Bürgeln zu lange hinzog. Köllner gehörte zur evangelischen Missionsbewegung und begründete in Sitzenkirch ein Heim für verarmte Judenkinder. Nachdem Rabbiner sich gegen die Abwerbung jüdischer Kinder wehrten, stellte Köllner sein Konzept um und führte nun ein Heim für schwer erziehbare, verwahrloste Christenkinder, wie gleichzeitig eines auf Schloss Beuggen durch Christian Friedrich Spittler betrieben wurde.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sitzenkirch 1949 ein selbständiges Dorf im damaligen Landkreis Müllheim. Durch eine Gemeindereform wurde Sitzenkirch am 1. März 1974 ein Teilort der Stadt Kandern im Landkreis Lörrach.[6]

1972 mietete das Janz Team in Sitzenkirch ein Gebäude, in dem Klassen der 1973 in „Black Forest Academy“ umgetauften Schule für Missionarskinder unterrichtet wurden. Bis 1997 wurden die meisten Klassen nach Kandern verlegt. 2009 begründete die Black Forest Academy zusammen mit der Freien Evangelischen Schule in Sitzenkirch eine bilinguale Grundschule (deutsch/englisch).

Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sitzenkirch wird Hochalemannisch gesprochen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Sehenswürdigkeiten bietet Sitzenkirch die Klosterkirche mit Grabplatten im Chor und ein oberschlächtiges altes Mühlrad.

Vereine und Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es die Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Sitzenkirch. Die Freiwillige Feuerwehr in Kandern wurde am 1. März 1862 gegründet[7].

Der Gesangverein Sitzenkirch 1864 e. V. wurde 1864 gegründet und nach über 100 Jahren im Jahr 2007 geschlossen.[8]

Seit 2016 gibt es den Kinderchor "Dorfhoppsa", der auch für kleinere Kinder eine musikalische Aktivität bietet.

Seit 2018 gibt es den Motorsportclub MSC Sitzenkirch, welcher unter anderem regelmäßig gut besuchte Oldtimertreffen für Motorräder, Autos und Traktoren veranstaltet.

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sitzenkirch gibt es Wanderwege, zum Beispiel zum Schloss Bürgeln, zur Sausenburg oder auch zum Hochblauen.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1843/44 wurden unter- und oberhalb des Rebhäuschens zwei Hektar Reben angepflanzt. Zu dieser Zeit hatten alle Familien im Dorf noch eigene Reben. Bedingt durch vielfältige Beeinträchtigungen wie Frost, Schädlinge und schwache Erträge wurde der Rebanbau am Anfang der 1950er Jahre nach und nach verkleinert. Heute wird nur noch eine Parzelle mit der Sorte Spätburgunder von einer Familie bewirtschaftet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Trenkle: Heimatgeschichte der Gemeinden Obereggenen und Sitzenkirch sowie der Probstei Bürgeln, Nachdruck der Ausgabe von 1930, Obereggenen 2006
  • Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Tübingen und Leipzig, 1901, Fünfter Band – Kreis Lörrach; S. 144–147 online
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach. Band II: Kandern bis Zell im Wiesental. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 61–66
  • Wally Greiner, Fred Wehrle: Leben und Wirken des Pietisten Karl Köllner in Sitzenkirch, in: Das Markgräflerland, Band 2/2005, S. 121–130 Digitalisat der UB Freiburg
  • Gerd Schaupp: Ortsfamilienbücher Obereggenen - Schallsingen - Sitzenkirch, Niedereggenen, Feuerbach. Arbeitsgruppe Chronik Eggenertal 2013 (= Badische Ortssippenbücher 157)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sitzenkirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. quaeldich.de: St. Johannis-Breite (474 m), aufgerufen am 26. November 2019
  2. später auch Sizinkilchen und villa Sicinchilchen; s. Kraus S. 144
  3. Fritz Schülin: Röttel-Haagen – Beiträge zur Orts- und Siedlungsgeschichte, Haagen 1965, S. 69.
  4. s. Karl Seith: Das Markgräflerland und die Markgräfler im Bauernkrieg des Jahres 1525. Karlsruhe 1926, S. 52
  5. Rolf Scheffbuch, Nicht aus eigener Kraft. Aus den Anfängen Korntals, Band 2, Korntal 2003, S. 73–89.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 521.
  7. Pressebericht: Die Wehr wird 150 Jahre alt. (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.feuerwehr-kandern.de (PDF; 123 kB), abgerufen am 26. März 2011
  8. Schweigen der Chöre@1@2Vorlage:Toter Link/scherer.homelinux.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , abgerufen am 26. März 2011