Sizilianischer Zwergelefant

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Sizilianischer Zwergelefant
Skelette von Sizilianischen Zwergelefanten im Museo Civico di Storia Naturale di Milano in Mailand, Italien

Skelette von Sizilianischen Zwergelefanten im Museo Civico di Storia Naturale di Milano in Mailand, Italien

Zeitliches Auftreten
Mittelpleistozän
zirka 800.000 bis 100.000 Jahre
Fundorte
Systematik
Elephantimorpha
Elephantida
Elefanten (Elephantidae)
Elephantinae
Palaeoloxodon
Sizilianischer Zwergelefant
Wissenschaftlicher Name
Palaeoloxodon falconeri
(Busk, 1867)

Der Sizilianische Zwergelefant (Palaeoloxodon falconeri nach dem Paläontologen Hugh Falconer, Syn.: Elephas falconeri) ist eine ausgestorbene Elefantenart, die zur Gattung Palaeoloxodon gehört. Die Art stellt mit einer Schulterhöhe von nur etwa 90 cm eine verzwergte Form dar, welche sich höchstwahrscheinlich vom Europäischen Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) ableitet. Palaeoloxodon falconeri ist nicht zu verwechseln mit einer zweiten auf Sizilien belegten verzwergten Art: Palaeoloxodon mnaidriensis.

Lebendrekonstruktion

Während der letzten Vereisung gelangten Elefanten von Afrika bzw. Europa aus über eine Landverbindung, die durch geologische Veränderungen bzw. den abgesunkenen Meeresspiegel entstanden war, auf das Gebiet verschiedener späterer Mittelmeerinseln. So fand man die Überreste von Zwergformen des Elefanten bzw. des Mammuts auf Kreta, Malta, Sardinien, Sizilien, Tilos und Zypern. Nach dem Wiederanstieg des Meeresspiegels waren die Tiere von ihrem Ursprungsort abgeschnitten und entwickelten sich als eigenständige Gruppe anders als ihre Artgenossen auf dem Festland. Wegen schlechter Nahrungsbedingungen und fehlender Raubtiere am neuen Ort kam es zur allmählichen Abnahme der Körpergröße (Phänomen der Inselverzwergung), so dass Palaeoloxodon falconeri schließlich nur noch eine Schulterhöhe von weniger als einem Meter erreichte. Die Verzwergungsrate lag zwischen 0,79 und 18,45 kg Körpergewicht und zwischen 0,15 und 3,41 mm Schulterhöhe je Generation bezogen auf eine Trennung von der Festlandspopulation vor 520.000 beziehungsweise 70.000 Jahren.[1] DNA-Analysen aus dem Jahr 2017 kamen zu dem Ergebnis, dass der in Zentral- und Westafrika heimische Waldelefant (Loxodonta cyclotis) der nächste heute lebende Verwandte der Gattung Palaeoloxodon – und somit auch des Sizilianischen Zwergelefanten – ist.[2][3]

Skelette sizilianischer Zwergelefanten sind im Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi in Syrakus und im Museo Geologico Gemmellaro in Palermo ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. R. Palombo: Endemic elephants of the Mediterranean Islands: knowledge, problems and perspectives. In: G. Cavarretta (Hrsg.): La terra degli elefanti. = The world of elephants. Atti del 1. congresso internazionale, Roma, 16 – 20 ottobre 2001. Consiglio nazionale delle ricerche, Rom 2001, ISBN 88-8080-025-6, S. 486–491, online (PDF; 45 kB).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sina Baleka, Victoria L. Herridge, Giulio Catalano, Adrian M. Lister, Marc R. Dickinson, Carolina Di Patti, Axel Barlow, Kirsty E.H. Penkman, Michael Hofreiter und Johanna L. A. Paijmans: Defining the island dwarfing rate of an extinct Sicilian elephant using ancient DNA. Current Biology, 2020, doi:10.2139/ssrn.35268913
  2. Matthias Meyer, Eleftheria Palkopoulou, Sina Baleka, Mathias Stiller, Kirsty E. H. Penkman, Kurt W. Alt, Yasuko Ishida, Dietrich Mania, Swapan Mallick, Tom Meijer, Harald Meller, Sarah Nagel, Birgit Nickel, Sven Ostritz, Nadin Rohland, Karol Schauer, Tim Schüler, Alfred L Roca, David Reich, Beth Shapiro und Michael Hofreiter: Palaeogenomes of Eurasian straight-tusked elephants challenge the current view of elephant evolution. eLife 6, 2017, S. e25413, doi:10.7554/eLife.25413
  3. Eleftheria Palkopoulou, Mark Lipson, Swapan Mallick, Svend Nielsen, Nadin Rohland, Sina Baleka, Emil Karpinski, Atma M. Ivancevic, Thu-Hien To, R. Daniel Kortschak, Joy M. Raison, Zhipeng Qu, Tat-Jun Chin, Kurt W. Alt, Stefan Claesson, Love Dalén, Ross D. E. MacPhee, Harald Meller, Alfred L. Roca, Oliver A. Ryder, David Heiman, Sarah Young, Matthew Breen, Christina Williams, Bronwen L. Aken, Magali Ruffier, Elinor Karlsson, Jeremy Johnson, Federica Di Palma, Jessica Alfoldi, David L. Adelson, Thomas Mailund, Kasper Munch, Kerstin Lindblad-Toh, Michael Hofreiter, Hendrik Poinar und David Reich: A comprehensive genomic history of extinct and living elephants. PNAS 115 (11), 2018, S. E2566–E2574, doi:10.1073/pnas.1720554115